Winfried Kretschmann, der Waschlappenprediger Foto: Imago

Waschlappen empfehlen den Gebrauch von ihresgleichen

Ein Kommentar von Daniel Matissek

Und schon werden im Bullshit-Bingo der neuen Verknappungs- und Verzichtsmanie unter Devise „Wie machen wir aus Deutschland ein zweites Venezuela?“ die nächsten Vorschläge aus der Trommel gezogen: Um (Warm-)Wasser und Gas zu sparen, empfiehlt Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried „Mao“ Kretschmann jetzt den Gebrauch von Waschlappen. Da reiner Idealismus, Ukraine-Unterstützungs- bzw. Putin-Vernichtungswille und Einsicht in die neuerdings propagiere Notwendigkeit der wohlstandsverachtenden Selbstkasteiung noch immer zu wenig Deutsche freiwillige kalt duschen lassen, will ihnen Kretschmann jetzt die „Katzenwäsche“ von Hand schmackhaft machen.

Auf verlogenes Virtue-Signalling und übergriffige Verhaltensvorgaben versteht sich der Stuttgarter Landesvater bestens. Er beginnt mit subtiler Selbstkritik (in China hieß das von knapp 60 Jahren „Tadel“ oder „Selbstbesagung“: „Bei der Reduzierung des Fleischkonsums habe ich noch Luft nach oben”, so Kretschmann. Ansonsten outet er sich aber als Systemling ersten Ranges. „Ich habe ein Elektroauto, ich habe eine riesige Photovoltaikanlage auf dem Dach“, belobigte sich der grüne Tatterich heute. In der „Südwest-Presse“ brüstete er sich, „seit 25 Jahren” sein Wasser zu 70 Prozent solar zu heizen, außerdem habe er eine Pelletheizung bestellt. Und: „Wir heizen in der Regel nur ein Zimmer… es ist auch gesünder, wenn man im Haus nicht überall die gleiche Temperatur hat.“

Und dann kommt Kretschmann aufs Duschen zu sprechen. Wie schon Habeck & Co. predigt auch er wieder mal, man müsse „nicht dauernd duschen”. In diesem Kontext erfolgte sein Praxistip, zum Waschlappen zu greifen: Dieser sei „eine brauchbare Erfindung“. Was er damit sagen will: Duschen ist out, stattdessen morgens kurz am Waschbecken ein paar Tropfen des kostbaren Nass eiskalt aufs Frottee geträufelt und damit eine Alibi-Körperwäsche durchgeführt, am besten bei Kerzenschein – und schon rückt Putin um ein paar Quäntchen der Kapitulation und Staatspleite näher! Esgibtnixgutesaußermantutes. Haltung zeigen kann so simpel sein. Endsieg, Baby! Kretschmann ist die Fortsetzung von Gauck mit anderen Mitteln.

Kretschmann als Fortsetzung von Gauck mit anderen Mitteln

Das wirklich Verrückte sind gar nicht solche Vorschläge. Das Verrückte ist, dass wir von Sektenfanatikern regiert werden, die solche Vorschläge ungestraft machen können und dabei weder Palastrevolutionen noch Umfrageverluste fürchten müssen – in einer ehedem freiheitlichen, aus eigener Leistung nach Zeiten beispiellosen moralischen und materiellen Elends zu Wohlstand und Stabilität gelangten Bundesrepublik. Bei uns sind endlich die am Ruder, die seit jeher mit diesem Wohlstand, mit der bürgerlichen Normalität auf Kriegsfuß standen, welche sie dem Volk – unter mannigfaltigen Vorwänden –  schon immer leidig machen wollten. Sie haben seit vierzig Jahren pausenlos neue Sachzwänge (er)fanden, um uns mit Scham und Schuld zuzuscheißen, uns die Verderbtheit eines relativen Reichtums unter die Nase zu reiben und uns die in der Nachkriegszeit selbsterarbeitete Unbeschwertheit wieder zu nehmen, kaum dass wir sie errungen haben. Vom letzten Hungerwinter zum Veganismus, von der ersten satten Schlachtplatte des Wirtschaftswunders bis zu Quinoa-Pops zum ökologischen nachhaltigen Moccachino brauchte es ein halbes Jahrhundert.

Die Einimpfung eines schlechten Dauergewissen dafür, einfach nur unbekümmert und ohne das Siegel der Achtlosigkeit angepappt zu bekommen leben zu wollen, erfolgte zuerst im Zeichen der Überwindung sozialer Ungleichheit, dann eingedenk der Zustände in der Dritten Welt (Sahel und Biafra) – bis dann die Klima-Kiste als geradezu geniale Masche hinzukam, um das von Anfang an Beabsichtigte – die Abwrackung des verhassten, weil überpriviegierten westlichen Lebensstils vom Eigenheim bis zum Auto, von Flugreisen bis zum Fleischessen – immer wieder aufs Neue begründen zu können. Der Kasteiungs-Hype erhielt einen Dämpfer, als die Menschen nach zwei Jahren Corona-Darbnis von alledem nichts mehr wissen wollten – denn kaum ließen sich der CO2-Ausstoß und „Konsumismus“ nicht länger segensreich durch die lange als „Entschleunigung“ gepriesenen Lockdowns künstlich niederhalten, waren die Malle-Urlaubsflieger plötzlich wieder ebenso voll waren wie die Restaurants und Auftragsbücher der Verbrennerautohäuser. Da kam zum Glück der Ukraine-Krieg mit seinen Sanktionen um die Ecke. Seither laufen die Verzichtsappelle unter dem Label „Solidarität” – mit einem der korruptesten Länder Eurasiens.

Überflüssig zu erwähnen, dass die, die all dies propagieren, selbst im verschwenderischsten Luxus leben – auf Kosten derer, versteht sich, deren Gürtel sie sie stetig enger schnallen wollen. Das haben Sozialisten aller Zeiten von Castro bis Chavez, von Ceausescu bis Kim Il Sung gemeinsam. In Deutschland sprechen wir vom Wandlitz-Syndrom; es betrifft die heute politischen Urheber und ihre Medienherolde gleichermaßen.  Winfried Kretschmann war übrigens derjenige, der vor ein paar Jahren zum Wandern im Naturschutzgebiet eigens mit einem Helikopter einfliegen ließ. Ähnlichkeiten zur RBB-Ex-Intendantin Schlesinger, deren ARD-Redakteure und Kommentatoren in der ARD ständig einer „Einschränkung unseres Wohlstands“,  einer „reduzierten Mobilität“ und der „Hinterfragung unserer Lebensgewohnheiten” das Wort redeten, während sie selbst für ihre Oberklassedienstwagen zwei Chauffeure beschäftigte, wären rein zufällig. Nicht irritieren lassen! Weiter grün wählen, weiter Gebühren zahlen ist die Devise! Lasst euch ruhig weiter verarschen und Euch die Freiheit rauben.

Themen

Karl Lauterbach (Bild: shutterstock.com/Juergen Nowak)
AfD
Brisant
Corona
Aktuelles
Gender
Aktuelles
Islam
Brisant
Grüner Raser; Bild: Shutterstock
Deutschland
Linke Nummern
Erdingers Absacker; Bild: Collage
Gespräch
Sea-Watch 4 (hier noch als Poseidon) (Bild: Goetz Ruhland (gruhland@gruhland.de); siehe Link; CC BY-SA 3.0)
Migration
Satire
Ukraine
Wahlkampf
Erdingers Absacker; Bild: Collage
Gespräch