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Wie Deutschland leise schwindet

Kürzlich habe ich im Kreis von Freunden, allesamt Senioren, darüber geplaudert, ob unsere Vornamen bald völlig verschwunden sein werden: Werner, Karl-Heinz, Wolfgang, Manfred, Walter – wer nennt heute und künftig Söhne noch so?
Von Wolfgang Hübner
Natürlich sind solche Gedanken nur der Sentimentalität der Altgewordenen geschuldet, die Zeit schreitet voran und ändert auch die Auswahl von Vornamen – kein vorrangiges Problem im Deutschland des Jahres 2022. Da ist die schlechteste und schädlichste Regierung unseres Staates mit einem extrem vergesslichen Kanzlerdarsteller schon ein ganz anderes Kaliber. Doch Regierungen können, in Deutschland zumindest theoretisch, gewechselt werden.
Was nicht wie Vornamen oder Politiker gewechselt werden kann, ist die Substanz eines Landes und Volkes. Diese Substanz unseres Landes und Volkes schwindet jedoch täglich mehr. Was macht diese Substanz aus? Es sind der Geist, die Bildung, die Sittlichkeit, die Fähigkeiten, der Fleiß, die nationale und regionale Identität, die diese Substanz ergeben. Wenn der Glauben an Gott nicht genannt wird, dann liegt das nicht zuletzt daran, wie sehr die christlichen Amtskirchen diese Gläubigkeit ruiniert haben. Schauen wir uns also an, wie es um die oben aufgeführten Bestandteile der deutschen Substanz real bestellt ist.
Das geistige Leben in Deutschland hat die Nazi-Zeit mit schweren Schäden überstanden, doch war der weltweit bewunderte deutsche Reichtum an Denkern Literaten, Musikern, Künstlern groß genug, um noch Jahrzehnte von diesem Reichtum zu zehren. Das gegenwärtige Kultur- und Kunstleben, politisch nicht zufällig repräsentiert von einer Claudia Roth, ist ebenso hochsubventioniert wie kläglich und aufdringlich schrill. „Der deutsche Genius“, über den der Engländer Peter Watson ein wunderbares Buch geschrieben hat, ist politisch korrekt erloschen.
Wie es um den Geist der Bildung im Land bestellt ist, zeigt exemplarisch die Entscheidung des bayerischen Kultusministeriums, Goethes „Faust“ als Pflichtlektüre aus den Lehrplänen zu streichen. Um Rekordzahlen von Abiturienten zu produzieren, die schon von ein paar Seiten klassischer Lektüre überbelastet sind, wird nichts an Opfern gescheut. In den Universitäten landen dann viel zu viele junge Menschen, die nicht studierfähig sind, aber oft trotzdem Abschlüsse dort erlangen. Sittlichkeit wird längst als verdächtige Vokabel rechtsgerichteter Kreise angesehen, die einfach nicht die Existenz von unendlich vielen Geschlechtern und freier Geschlechtswahl begreifen wolle.
Berufliche Fähigkeiten, Solidität und Fleiß stehen in der dauererregten Spektakelgesellschaft nicht hoch im Kurs. Doch jeder Schrei nach fehlenden Fachkräften in den Bereichen der grundlegenden menschlichen und ökonomischen Infrastruktur beweist, wie sehr die unverzichtbare Substanz unseres Volkes schwindet und verschwindet. Handwerksbetrieben und mittelständischen Unternehmen fehlt nicht nur geeignetes Personal, immer mehr bleiben auch ohne Nachfolger. Und was nutzen große Klimawendepläne, wenn es an Technikern fehlt, die das auch realisieren können?
Die einstmals so zuverlässige und pünktliche Bahn verbrennt Milliarden, aber stellt Verspätungsrekorde auf. Firmen, die verzweifelt Fachpersonal suchen, haben ein neues Problem: Denn es gibt auch nur noch unzureichend geeignete Kräfte für ihre Personalabteilungen. Von den bekannten Zuständen im Pflegebereich, im überalterten Deutschland eine „Zukunftsindustrie“, soll hier besser geschwiegen werden.
Obwohl Deutschland mehr Bevölkerung zählt als jemals in seiner Geschichte, geht schon in vielen Bereichen nicht mehr viel und geht in manchen bald gar nichts mehr. Handwerklich arbeitende Bäckereien oder Metzgereien sterben leise weg, Restaurants und Gaststätten mit guter Hausmannskost werden rar.
Das mag alles düster klingen. Aber wer die Lokalpresse, die Wirtschaftsteile der Zeitungen täglich aufmerksam liest, die Augen aufmacht und nicht von politischem Beruhigungsgeschnatter narkotisieren lässt, kann sich der Kenntnis der Realitäten, die ja tagtäglich erfahrbar sind, nur wider besseres Wissen verschließen.
Wenn das Deutschland, das wir kannten und schätzten, so schwindet wie traditionelle männliche Vornamen, dann wird es selbstverständlich ein anderes Deutschland, vielleicht demnächst Buntland geheißen, geben. Es geht halt immer weiter, die Zeit bleibt nicht stehen. Doch spricht wenig dafür, dass es besser weitergehen wird. Denn die Substanz, die schwindet, wird schließlich so verschwinden wie auch wir verschwinden werden.

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