Verfolgen Medwedew und Putin gerade eine todernste Ansprache von Frau Baerbock? - Foto: Imago

Verrat & Ukraine: Zieht euch warm an, Eurokraten!

Pepe Escobar hat einen sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel „All The Way To Odessa“ veröffentlicht, in dem er den weiteren Fortgang des Ukrainekrieges mit seinen Folgen u.a. für Europa prognostiziert. Escobar (68) ist ein brasilianischer Journalist, wird auf der ganzen Welt gelesen – und zwar ungeachtet des jeweiligen kulturellen Hintergrundes seiner Leser. Seine Artikel erschienen bei Russia Today, CBS News, The Real News, Sputnik, TomDispatch, Mother Jones, The Nation, dem staatlichen iranischen Press TV, The Cradle, den Asia Times und dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera aus Katar. Escobar ist Kosmopolit und lebte in London, Paris, Mailand, Los Angeles, Washington D.C., Bangkok und Hongkong.

von Max Erdinger

In Escobars „All The Way To Odessa“ bekommt der westliche Leser eine Sichtweise präsentiert, die er im weitgehend gleichgeschalteten westlichen Medien-Mainstream nicht findet. Allein deswegen schon ist Escobar interessant. Zwar ist immer von „russischer Propaganda“ und „russischer Desinformation“ die Rede, allerdings ist es auch so, daß es sich bei den „Informationen“ derjenigen, die mit diesen Begriffen hantieren, spiegelbildlich um nichts anderes handelt. Wenn man sich schon nicht sicher sein kann, was keine Propaganda ist, dann ist es notwendig, die Propaganda aller Seiten einander gegenüberzustellen. Und genau auf diesem Feld macht Pepe Escobar gewaltig Punkte.

Dmitry Medvedev, Chef des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, erklärte erneut voller Selbstbewußtsein die innere Gesetzmäßigkeit der von Russland so bezeichneten „Speziellen Militärischen Operation“ (SMO). Unumwunden bestätigte er, daß es sich um ein „Anderthalb-Szenario“ handelt: Entweder militärische Auseinandersetzung bis zum bitteren Ende (Möglichkeit eins) oder ein Militärputsch in der Ukraine, in dessen Folge das Unausweichliche – sprich: die Niederlage – eingestanden wird (Möglichkeit 1/2). Etwas anderes komme nicht in Frage, so Medvedev laut Pepe Escobar.

Deutlicher wird es nicht mehr: Die Führung in Moskau machte sowohl dem heimischen als auch dem internationalen Publikum unmißverständlich klar, wie der „Deal“ aktuell aussieht: Der Schläger in Kiew wird in einem riesigen Kessel extra langsam weichgekocht, während er weiter seinen Status als schwarzes Loch für die Finanzen des kollektiven Westens poliert – und zwar so lange, bis der Siedepunkt erreicht ist. Erreicht ist er mit einer Revolution oder einem Putsch.

Parallel dazu würden die Herren des (Proxy)-Krieges mit ihrer eigenen Strategie fortfahren, die darin besteht, ein geschwächtes und ängstliches Europa zu plündern, um es dann in eine parfümierte Kolonie zu verwandeln, die von der imperialen Oligarchie endgültig gar ausgeweidet wird. Europa sei ein außer Kontrolle geratener Schnellzug. Vorausgesetzt, daß er nicht entgleist – was eine gewagte Annahme sei – wird er vieleicht an einem Bahnhof mit dem Namen „Agena 2030“ ankommen oder an einem anderen mit der jeweils aktuellen Bezeichnung durch NATO respektive die „Davos-People“ (Clayton Morris). Bemerkenswert sei, daß es die „marginale“ russische Wirtschaft kaum einen Tropfen Schweiß gekostet habe, des Reichtums großer Fülle in einer der wohlhabendsten Gegenden auf dem Planeten ein Ende zu setzen.

Moskau denke nicht einmal daran, mit Brüssel zu verhandeln, weil es keinen Anlaß für Verhandlungen gibt. Die kümmerlichen Eurokraten, so das Kalkül in Moskau, würden einfach gestürzt werden und aus ihrem ausgeplünderten EU-Staat vertrieben werden, wenn die fatalen Konsequenzen aus dem Ende des Wohlstands in einen „Bauernaufstand“ münden, bei dem mit Mistgabeln Bewaffnete durchs Land ziehen. Zwar mag es noch „Äonen“ dauern, so Escobar, aber unausweichlich werde eines Tages der durchschnittliche Italiener, Deutsche oder Franzose die Punkte miteinander verbinden und feststellen, daß es seine eigenen „Führer“ gewesen sind – nationale Nullitäten und zumeist ungewählte Eurokraten – die seinen Weg in die Armut pflasterten. „Du wirst nichts besitzen und es wird dir gefallen“ – weil wir alle – wichtig: „gemeinsam“ – die Freiheit von ukrainischen Neonazis unterstützen. Escobar: Das hebt das Konzept eines „multikulturellen Europas“ gleich auf ein ganz neues Niveau.

Natürlich könne der außer Kontrolle geratene Schnellzug auch entgleisen und in eine Alpenschlucht hinunterstürzen. In diesem Fall könnten einzelne Bestandteile des Wracks noch zu Rekonstruktionszwecken wiederverwendet werden, aber: Was genau sollte da rekonstruiert werden? Europa könnte immer wieder ein „neues Reich“ rekonstruieren – oder aber mit den Fehlern seiner Vergangenheit brechen, einen Freiheitsgesang anstimmen und sich mit Eurasien verbinden. Darauf, daß das passiert, so Escobar, solle man aber nicht wetten.

Holt euch das Land der Taurer

Es könnte auch sein, daß sich die „Spezielle Militärische Operation“ in allernächster Zeit ganz neue Ziele setzt – und zwar solche, welche die ahnungslosen Bewohner von „US-Thinktank-Land“ und ihre Euro-Vasallen noch deutlicher in die Raserei treiben. Präsident Putin und Verteidigungsminister Shoigu hätten ernstzunehmende Hinweise darauf gegeben, daß sich die westliche Schmerzgrenze weiter nach oben verschieben müssen wird in Anbetracht der sich häufenden Beweise für Terrorismus auf russischem Staatsgebiet, des gemeinen Attentats auf Darja Dugina, des pausenlosen Beschußes von Zivilisten in den grenznahen Gebieten Russlands, der Attacken auf die Krim, des Einsatzes chemischer Waffen und des andauernden Beschußes von Saporischje mit seinem Kernkraftwerk, durch den eine nukleare Katastrophe riskiert wird. Vergangenen Dienstag, einen Tag bevor die „Spezielle Militärische Operation“ in der Ukraine ein halbes Jahr alt wurde, habe es der ständige Vertreter der Krim, Georgy Muradov, deutlich ausformuliert. Er bekräftigte die Notwendigkeit, das „Land der Taurer“ – die Krim also, das nördliche Schwarze Meer und das Asowsche Meer – in eine einheitliche „Entität“ zu überführen, und zwar binnen der nächsten Monate. Begründet hat Muradov das mit der objektiv vorliegenden Forderung der dortigen Bevölkerung nach einem solchen Zusammenschluß.

Einschub – „Land der Taurer“ ist, wenn ich das hier anmerken darf, gerade wegen der zum Kotzen bigotten, hypermoralistischen und grundverlogenen Gesinnungsterroristen deutscher Provenienz eine nicht besser zu wählende Bezeichnung für die Krim und die Schwarzmeer-Ukraine gewesen – und zwar wegen Goethes „Iphigenie von Tauris“. – Har-har-har!  – Goethes „Iphigenie auf Tauris“ spiegelt ein deutsches Menschenideal. Iphigenie gilt als die schöne Seele des Humanismus. „Land der Taurer“ – es ist zum Kringeln. – Einschub Ende.

Jedenfalls fügte Muradov an, daß es nicht nur wegen der andauernden Luftschläge gegen das „Land der schönen Seele des Humanismus“, sondern auch wegen des fortgesetzten Beschußes auf das Kernkraftwerk Saporischje, den Damm des Kakhovka-Stausees und zivile Einrichtungen auf russischem Territorium mehr als berechtigt sei, die Unternehmungen des „Banderisten-Regimes“ als terroristisch zu bezeichnen. Das, so Escobar, mache einen bestimmten Rückschluß unausweichlich. Die politische Notwendigkeit, das Format „Spezielle Militärische Operation“ zu ändern, steht inzwischen auf der Agenda. Mit anderen Worten: Russland wird sich selbst eingestehen, daß es sich nunmehr im Kriegszustand befindet. Schließlich hätten Washington und Brüssel neue, gegen die Krim gerichtete Provokationen der „NATO-Bandera-Allianz“ bereits vorbereitet.

Wenn man also untersuche, so Escobar, was die Forderung nach einer „Wiederherstellung des Landes der Taurer“ impliziert, könne man nicht nur bereits die Konturen von Novorossiya („Neurussland“) erkennen, was wiederum bedeute, daß dieses Gebiet Odessa umfassen muß, da es anders keine Sicherheit für die Krim, jenes „Land der schönen Seele des Humanismus“ geben könne. Nebenher sei durch die Einnahme Odessas auch das Dilemma mit Transnistrien zu lösen. Dazu müssten kommen Charkow als das industrielle Zentrum des Donbass – und natürlich auch Dnipropetrovsk. Das alles gehöre zu den militärischen Zielen der „Speziellen Militärischen Operation“. Später dann würden die heutigen Oblaste Chernihiv und Sumy als Pufferzonen fungieren. Verteidigungsminister Shoigus Worten zufolge seien die „Aufgaben“ der „SMO“ erst dann wirklich erledigt. Der dafür vorgesehene Zeitrahmen liege bei acht bis zehn Monaten, die Aktionen würden allerdings durch den kommenden „General Winter“ ein wenig einschlafen.

Während also eine verschärfte „Spezielle Militärische Operation“ anrollt, sei es für das „Imperium von Chaos, Lügen und Plünderung“ unausweichlich, den Kiewer Schläger aufzumunitionieren bis Oberkante Unterlippe – und das wird innerhalb des Imperiums als umso dringlicher begriffen werden, wenn erst einmal Odessa eingenommen worden sei. Unklar sei derzeit nur, wer mit welcher „Gang“ in Kiew die Rolle der regierenden Partei übernehmen wird, um Specials für die „Vogue“ zu produzieren, während er pflichtschuldigst den Berg von imperialen Diktaten abarbeitet. Fest stehe zudem, daß die „CIA/MI6-Combo“ an vielen Fronten die Konturen eines massiven Guerillakrieges gegen Russland zurechtfeile – gespickt mit Terror-Attacken und jeder nur denkbaren Provokation.

Im großen Zusammenhang betrachtet jedoch sei der russische Sieg im „Land der schönen Seele des Humanismus“, dem „Land der Taurer“ also, unausweichlich – und das wird den kollektiven Westen treffen wie ein tödlicher Asteroid. Die geopolitische Erniedrigung des Westens würde unerträglich ausfallen, von der geo-ökonomischen Erniedrigung des europäischen Vasallen ganz zu schweigen.

Währenddessen wird die eurasische Integration an Fahrt aufnehmen, und die russische Diplomatie wird eine solche Konsolidierung festigen. Man solle nie übersehen, so Pepe Escobar, daß Moskau noch nie Probleme dabei hatte, einst angespannte Beziehungen zu normalisieren. Beispiele gebe es genug. China, Iran, Katar, Saudi Arabien, Pakistan und Israel seien gute Beispiele. Alle diese Akteure hätten auf verschiedene Weise zum Zerfall der Sowjetunion beigetragen. Heute jedoch konzentrierten sie sich – mit einer Ausnahme – alle zusammen auf das Heraufziehen des eurasischen Jahrhunderts.

Und meinereiner fragt sich, wie`s wohl kommt, daß der Westmensch nicht erkennt, mit welchen inkompetenten und käuflichen Witzfiguren er es in Gestalt seines politischen Führungspersonals zu tun hat, obwohl es ihm die Russen doch so deutlich zeigen. Nochmal: Moskau hat noch nicht einmal mehr ein Interesse daran, was der Brüsseler Dilettantenstadel den lieben langen Tag zu meinen und zu finden hat.

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