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Die Beeinflussung der Zeit

Das Diktat der Uhr ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Industrialisierung. Inzwischen sind „Uhren moderne Diktatoren“. Sie alle kennen folgende Situation: Man verabredet sich zu einer bestimmten Uhrzeit und entschuldigt sich, wenn man sich verspätet. Das nennt man Normalität. In Wahrheit ist so ziemlich alles an dieser Normalität ein erlerntes Konstrukt. Und dazu gehört vor allem die Pünktlichkeit. „Der Mensch wird nicht pünktlich geboren, stirbt nicht pünktlich, sondern er muss pünktlich gemacht werden“ so Karlheinz Geißler, emeritierter Professor für Wirtschaftspädagogik und einer der am meisten zitierten deutschen Experten für die Kulturgeschichte der Zeitwahrnehmung.

Denn Zeit ist Geld und Zeit dient der Macht. Deshalb gelten auch unausgesprochene Regeln: Diejenigen, die außerhalb dieser vorgegebenen Zeitnormen leben können, haben in der Regel alle Zeit und das Geld ihre Zeit einzuteilen. Meistens sind es auch die Menschen, auf die man gerne wartet. Während die anderen, die ihre Zeit nicht einteilen können, warten müssen.

Zeit ist Geld

In London fordern die Geschäftsleute in der City von ihrer Stadtverwaltung, zu langsame Passanten mit Bußgeldern zu bestrafen und separate Fußwege für Eilige anzulegen. Im Jahr 2008 meldete die Schweizer Börse 3.000 Finanztransaktionen pro Sekunde – 1996 waren es erst 45 pro Sekunde. Die Ökonomie verrechnet Zeit in Geld. Der Zeit diese Qualität von Geld zu geben, ist erst möglich, seit es mechanische Uhren gibt. Die Erfindung der Uhr ist damit die Voraussetzung und Geburtsstunde des Kapitalismus. Mit den Gewerkschaften und Kirchen führte man neue Arbeitszeitmodelle zusammen. Selbst Familienpolitik, so hatte es die damalige Ministerin von der Leyen explizit geäußert, ist ebenfalls Zeitpolitik.

Vor der Erfindung der Uhr war es nahezu unmöglich, die Aktivitäten der Menschen zeitlich genau zu koordinieren und sie zu kontrollieren. Mit der Einführung der Stechuhr war es ein Kinderspiel. Im Dienste der Genauigkeit erfand man sogar eine Sekunde, die in der Natur nicht vorhanden ist, genauso wenig wie die Stunde. Da seit Ende der 50er Jahre Atomuhren bei der Zeitmessung den Takt angeben, mussten sich Wissenschaftler auf eine neue Vorgabe der Definition Sekunde festlegen. Seit 1967 entspricht eine Sekunde der Dauer von 9.192.631.770 elektromagnetischen Schwingungen in der Elektronenhülle des Cäsium-Atoms.

Das Kontrollinstrument

Allerdings ist die Zeit nicht erst seit dem 17. Jahrhundert ein Macht- und Kontrollinstrument. Aber erst im Zeitalter der Industrialisierung wurde es wegen der Massenproduktion mechanischer Uhren möglich, bestimmte Zeitpunkte gültig festzulegen. So erhielt die Uhrzeit immer mehr gesellschaftliche Relevanz und wurde zum Mittelpunkt einer sich formierenden Industriegesellschaft.

„Das Leben und seine Zeit sollte mit der Uhr gleichgeschaltet werden, mit den Erfordernissen des Zeitplans und der Effizienz“, schreibt der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkin in seinem Klassiker „Uhrwerk Universum“. Zeit allerdings, wurde schon im römischen Reich als Instrument benutzt. Selbst der Kalender wurde mehrfach geändert. Alle Völker des Altertums lebten nach dem Mondkalender, ob Kelten, Inka, Ägypter oder Lakota. Selbst die Mayas, die aber über weitere Kalender verfügten. Sie alle verwendeten den Mondkalender mit 13 Monaten zu je 28 Tagen, so wie auch der weibliche Zyklus angelegt ist. Hinzu kam ein Tag, den man „außerhalb der Zeit“ nannte und der wurde am 25. Juni gefeiert (der Tag an dem der Stern Sirius am höchsten steht) oder in anderen Kulturen als Tag der Ahnen am 31. Dezember. Die Uhrzeit wurde an den Gezeiten und der Sonne gemessen.

Genauso, wie der Mond die Gezeiten beeinflusst, so hat er auch seine Wirkung auf den Menschen. Der keltisch-schamanische Jahreskalender, um nur eine Kultur näher zu nennen – ist eine sehr alte Naturreligion, die aus der Beobachtung der Natur entstanden ist. Es war die Basis der europäischen Religionen, bevor sie christianisiert wurde. Aus diesen mit der Natur vereinten Kalender ergeben sich auch die Feiertage. Was auch immer Gründe für seine Abschaffung waren, ob die ideologische Grundlage, welche in den Monatsnamen zum Ausdruck kam oder die Unteilbarkeit der Monatsanzahl 13 – ist eher unklar.

Die Glücksritter unserer Zeit

Der Julianische Kalender wurde von Julius Caesar 45 v. Chr. im Römischen Reich eingeführt und wird heute in der Wissenschaft rückwirkend auch noch für die Jahre vor Wirken Julius Cäsars verwendet – daher auch der Name „julianischer“ Kalender. Er wurde im 16. Jahrhundert durch den Gregorianischen Kalender abgelöst und ist – zumindest der Namensgebung entsprechend, nicht weniger ideologisch. Quīntīlis, (Quīnctilis), der einst fünfte Monat, wurde später dem C. Julius Cäsar zu Ehren Iulius genannt, der Juli und weil der Monat 31. Tage hatte, bestand Augustus Cäsar (August) dass „sein namentlicher“ Monat auch 31 Tage haben musste. Im Prinzip wurde die Zeit in jeder Epoche nach Gutsherrenart oder dem Glücksspielprinzip verändert. Beim realen Glücksspiel geht es tatsächlich etwas zeitloser zu (https://neuecasinos24.com/online-casinos-ohne-limit) und jeder kann dort nach Belieben Seine Zeit verdaddeln.

Mal abgesehen von Macht, Kontrolle und Geld, böte der Mondkalender zumindest gesundheitliche Vorteile, denn er ist wie auf unsere Körper zugeschnitten. Tatsächlich sind es nämlich Rhythmen, die alle Lebewesen zeitlich strukturieren. Biologen haben herausgefunden, dass in jeder Zelle eine Uhr tickt: die Körperzeit des sogenannten circadianen Rhythmus bestimmt: Körpertemperatur, Hormonspiegel, sogar Atmung und Kreislauf. Das reicht letztlich bis in die Stoffwechselvorgänge jeder einzelnen Körperzelle. Die Abstimmung dieser Rhythmen mit dem natürlichen Verlauf von Tag und Nacht ist wesentlich für die Gesundheit des Menschen – und Licht ist über seine nicht-visuelle, biologische Wirkung der wesentliche Einflussfaktor. Diese Erkenntnisse sind längst da.

Aber –  Zeit ist Geld, so sagt man. Auf jeden Fall scheint sie äußerst knapp in unserer heutigen Gesellschaft. „Die Zeit“, so Karlheinz Geißler, „sei schon lange zu einem Herrschaftsinstrument der Mächtigen geworden. Im 19. Jahrhundert stellte jeder Landesfürst seine Uhren anders. Er war Herr über Raum und Zeit. Und das sei heute noch so. Von den europäischen Regierungen wurde die Sommerzeit eingeführt und Wladimir Putin hat die Uhr um zwei Stunden verstellt, einfach weil man es eben kann.“

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