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Russland bietet Gaslieferung an: Nord Stream 2 weiter einsatzbereit, aber es interessiert keinen

Entgegen aller Behauptungen soll die Pipeline Nordstream 2 voll funktionsfähig sein. Sie sei in „technisch geeigneten Zustand“, behauptete Russlands Energieminister Alexander Nowak am Mittwoch im Staatsfernsehen und bietet Europa – und somit Deutschland – erneut Gaslieferungen an. Offensichtlich in den deutschen Medien zur eine Randnotiz wert. Die zweite „Bomben-Nachricht“: Der US-Star-Ökonom Jeffrey Sachs vermutet die USA hinter den Pipeline-Terroranschlägen.

Gaslieferungen seien möglich, wenn erforderlich, erklärte der russische Energieminister. Nach Angaben Moskaus wurde Nordstream 2 nicht von dem Sabotageakt betroffen.  Nowak fordert auch eine Beteiligung Russlands an den Ermittlungen zu dem mutmaßlich stattlich verübten Anschlag. Ende September kam es zu Explosionen unter Wasser an der Ostseepipeline. Dabei sollen nach bisherigen westlichen Angaben beide Stränge der Pipeline Nord Stream 1 und ein Strang von Nord Stream 2 schwer und nicht mehr reparabel beschädigt worden sein. Seither beschuldigen sich Amerika und Russland gegenseitig. Für den russischen Präsidenten Putin ist klar, die USA ist der große Profiteur des Sabotage-Anschlags.

Rückendeckung bekommt Putin jetzt vom US-Starökonom Jeffrey Sachs. Der stellte den in einem Bloomberg-Interview den Verdacht in den Raum: Die USA könnten für die Lecks verantwortlich sein – und „vielleicht auch Polen“. Sachs, Direktor des Earth Institute an der Columbia University und renommierter Buchautor, begründet seinen Verdacht mit Radar-Überwachungen, die Helikopter des US-Militärs zeigen, die über den Nord-Stream-Pipelines kreisen würden. Auch die vorangegangenen vielen politischen Drohungen seitens der USA, die Pipeline-Verbindungen zu unterbrechen, sieht der Ökonom als Indizien für eine mögliche Verwicklung der USA in den Sabotageakt, der vor allem für Deutschland existenzbedrohende Ausmaße annimmt. Auch der Ukraine könnte daran gelegen sein, daß kein günstiges russisches Gas mehr fließt, meint Sachs: „Die Ukraine könnte zwar auch ein Interesse daran haben, die Pipeline zu zerstören, aber ihr fehlen die Fähigkeiten und der militärische Zugang zur Nordsee“, argumentiert der 68-Jährige auf Anfrage der Berliner Zeitung am Mittwochmittag. Russland habe dagegen aus seiner Sicht keinerlei Interesse daran, die Pipelines zu zerstören. „Das widerspricht den Interessen Russlands. Russland verliert Einkommen, finanzielles Vermögen und Verhandlungsmacht“, ist Sachs überzeugt. Das Russland seine eigenen Pipelines gesprengt haben soll, ist auch aus wirtschaftlicher Perspektive völlig unwahrscheinlich. Nach Angaben von Gazprom waren vier Stränge der beiden Nord-Stream-Leitungen vor den Lecks mit 800 Millionen Kubikmeter Gas gefüllt. Bei den aktuellen Gaspreisen an der Börse sind dem russischen Staatskonzern somit durch die Lecks rund 1,6 Milliarden Euro verloren gegangen.

Mit seiner Mutmaßung spricht Sachs vielen US-Kritikern aus der Seele, seit Jahren den politischen Druck der USA auf die Gas-Pipelines kritisieren und dahinter rein wirtschaftliche Interessen vermuten. Durch den Abbruch der russischen Gaslieferungen ist Amerika zum größten Flüssiggas-Exporteur geworden und Deutschland in eine neue und teurere Abhängigkeit – diesmal zu den USA – geraten. Schon jammert der völlig überforderte grüne Bundeswirtschaftsminister Habeck über die „Mondpreise“, die „befreundete Staaten“ nun verlangen würden.

Die USA hatte sich laut Sachs von Anfang an gegen die Pipelines positioniert, so Sachs gegenüber der Berliner Zeitung. „Sie warnten im Voraus vor der Zerstörung der Pipelines. Sie verfügen auch über die technischen Mittel für solch eine Aktion. Wahrscheinlich war es eine Boeing P-8 Poseidon, die auch von Überwachungsmonitoren gesehen wurde“, glaubt er. Auch strategisch und finanziell würden die USA profitieren. Und tatsächlich nannte der US-Außenminister Antony Blinken die Zerstörung der Pipelines eine „enorme Chance“, die Abhängigkeit Europas von russischer Energie zu beenden. Für den US-Ökonomen ist damit klar: „Der mit Abstand wahrscheinlichste Täter hinter der Aktion sind also die USA“.

Für die deutsche Wirtschaft sieht Jeffrey Sachs schwarz. Die Maßnahmen der Bundesregierung würden zwar Unternehmen und privaten Haushalten beim Preismanagement helfen, „aber die europäische Wirtschaft, einschließlich der deutschen Wirtschaft, wird aufgrund der physischen Begrenzung der Energieversorgung schrumpfen“, urteilt Sachs.

In der -angeblich vollständigen – Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines sieht der US-Ökonom einen schweren Schlag für Deutschland, da sie eine schnelle Rückkehr zu günstigem russischen Gas schwierig mache. „Die Pipelines wurden wohl auch deswegen zerstört“, vermutet Jeffrey Sachs. Für ihn ist ein Verhandlungsfrieden zur Beendigung des Ukraine-Krieges der wichtigste Weg zu einer wirtschaftlichen Erholung Europas. „Solange der Krieg andauert, wird die Wirtschaftskrise in Europa andauern.“

Die Bedingungen für einen Verhandlungsfrieden seien bereits im März zwischen Russland und der Ukraine vereinbart worden, weiß der Ökonom.

Doch offenbar waren die  USA und das Vereinigte Königreich gegen die vereinbarten Bedingungen,  insbesondere gegen die Neutralität der Ukraine, bemängelt Sachs. Europa sollte beide Kriegsparteien drängen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, die USA und Großbritannien dazu auffordern, einen Kompromiss statt eines fortgesetzten Krieges zu unterstützen, fordert Sachs. Durch eine europäische Vereinbarung, nicht durch die Erweiterung der Nato um die Ukraine, solle die Sicherheit der Ukraine garantiert werden, so sein Vorschlag. In den vergangenen Tagen sei eine möglichen Eskalation des Krieges zu einem nuklearen Konflikt wahrscheinlicher geworden. Zuvor hatte auch der Unternehmer und Hightech-Milliardär Elon Musk einen ähnlichen Vorschlag für die Ukraine präsentiert, der aber einhellig und lautstark seitens der Ukraine und der westlichen Beteiligten abgelehnt wurde. (MS)

 

 

 

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