Der Herr Inspektor - Foto: Imago

Da staunt der Russe: US-Militär in der Ukraine besteht aus Inspektoren

Die Geschichte der Militärhierarchie muß neu geschrieben werden. Vergessen Sie alles, was Sie jemals vom Ungefreiten über den Fälltwebel bis zum Generaloberstabsfeldmarschall über die militärische Hierarchie wussten. Seit neuestem gibt es den militärischen Inspektor. In der Ukraine kann man ihn besichtigen.

von Max Erdinger

Wie die „americanmilitarynews“ melden, befindet sich amerikanisches Militär nun auch offiziell auf ukrainischem Boden. Damit das nicht mißverstanden wird: Die Soldaten dort sind Inspektoren und voll mit friedlichen Absichten bis Oberkante Unterlippe. Wie ein Offizieller aus dem US-Verteidigungsministerium (Kriegsministerium) bei einem Briefing im Pentagon am Montag mitteilte, besteht die Aufgabe der militärischen US- Inspektoren in der Ukraine darin, aufzupassen, was dort mit den von den USA gelieferten Waffen passiert, also, ob die Ukrainer auch schön kämpfen damit oder ob sie die einfach schnöde auf dem internationalen Waffenschwarzmarkt verhökern, wie es zuletzt immer öfter geheißen hatte. Auch sollen die Inspektoren die angelieferten Waffen inspizieren, damit keiner sagen kann, der Inspektor täte nicht das, wofür er Inspektor heißt. Ein Fehlerchen am Zünderchen hier vielleicht? Ein wertminderndes Lackabplatzerchen am Raketchen dort womöglich? – Alles ganz, ganz friedlich. Auf gar keinen Fall soll der notorisch argewöhnische Russe den Eindruck bekommen, er hätte es mit amerikanischem Militär zu tun, das womöglich auch noch feindseligen Absichten folgt. Das wäre nämlich viel zu gefährlich. Da ist es schon besser, wenn alle Welt weiß, daß es sich um Inspektoren handelt, die nur gekommen sind, um mal ein bißchen nach dem Rechten zu sehen.

Dieses US-Personal – die friedfertigen Inspektoren also – sind einige der Ersten, die ukrainischen Boden betreten haben, seit Russland seine „großangelegte Invasion des Landes“ im Februar gestartet hatte, hieß es im Pentagon. Einige der Ersten. Soso. Im Pentagon scheint man ziemlich viele „Erste“ zu kennen. Und so eine Durchnummerierung hätte ja gar keinen Sinn, wenn man nicht die Zweiten schon im Hinterkopf hätte, gell? Mein lieber Scholli: Kann das sein, daß die im Pentagon so absolut keine Ahnung davon haben, wie sie sich eine „großangelegte russische Invasion“ vorzustellen hätten – und daß das, was bisher zu sehen gewesen ist, mit einer solchen nicht viel zu tun hatte? Ich füge hier mal ein Foto von einer großangelegten „Luftinspektion“ an. Innereuropäische NATO-Flugbewegungen zwischen dem 1.10. und dem 1.11.22 von und nach Rzeszow/Polen. Ganz besonders die Briten im Süden der Insel jedweder Verkommenheit scheinen von einer wahren Rzeszow-Sehnsucht befallen zu sein. Das arme Weltklima. Daß die Klimaluft aber auch derart gründlich inspiziert werden muß!?

NATO Flugbewegungen
Beliebtes Inspektorenziel: Rszeszow – Screenshot Facebook

Der amerikanische Offizialverteidiger im Kriegs-Pentagon erklärte in einem „inoffiziellen Hintergrundgespräch“, was die „americanmilitarynews“ offiziell ausplaudern: US-Personal habe kürzlich Vor-Ort-Inspektionen fortgesetzt, um das Waffenarsenal im Land zu bewerten, wann und wo immer auch es die Sicherheitslage zuläßt. Die Rückkehr des Verteidigungs-Abgesandten („defense-attaché“) und des Personals vom Büro für Verteidigungs-Kooperation ins Land habe es gestattet, diese „kritische Aufgabe“ fortzusetzen.

Man muß sich nicht wundern. Die Amis haben eine lange Tradition darin, eindeutige Sachverhalte so zu formulieren, daß sie möglichst nach etwas anderem ausschauen. Zum Kacken sucht der wohlerzogene Ami nicht etwa das Klo auf, sondern den „restroom“, den Ruheraum also. Er greift auch nie an im Krieg. Er verteidigt immer nur. Der Angriffskrieg ist absolut etwas, das immer vom Feind kommt, gegen den sich der Ami verteidigen muß. Oft muß er auch gar nicht sich selbst, sondern Andere verteidigen. Ob die das überhaupt wollen oder nicht, spielt nicht die geringste Rolle. Aktuell verteidigen die Amis das syrische Öl. Wie machen sie das? Sie schaffen es außer Landes in Sicherheit. Was wäre die Welt für ein schrecklicher Ort ohne die Amis und ihre lauteren Absichten, allesamt vom Edelmut getragen? – Na eben. Da muß man schon ab und zu mal  ein bißchen „inspizieren“, damit nichts aus dem Gleis läuft. Trost aus Amerika: „Hallo Ukrainer! Wir verteidigen euch bis ihr im Strahl kotzt! Sagt schön danke!“ – „Sänkju, Anklsäm!“

Wie sieht jetzt so ein friedliebender Inspektor aus Amerika aus, als Chef derer, die nach dem Rechten sehen? Es handelt sich auf jeden Fall um den „Brigadier General“ Garrick M. Harmon. Der wiederum war schon von Oktober 2018 bis August 2020 Verteidigungs-Abgesandter. Und zwar für Russland. Na sowas.

Brigadegeneral
„Brigadier General“ Garrick M. Harmon – Screenshot „americanmilitarynews“

Selbstverständlich darf man davon ausgehen, daß der „Brigadier General“ als Inspektor in einer Inspektorenkluft durch die Ukraine reisen wird, damit sich die Russen nicht unnötig erschrecken. Sneakers, Jeans und Sweatshirt vielleicht? Irgendeine passende Inspektorenkluft wird sich schon finden. H&M macht’s möglich.

Themen

Nicole Höchst MdB; Bild: Nicole Höchst
Brisant
Brisant
Karl Lauterbach (Bild: shutterstock.com/Juergen Nowak)
Corona
Deutschland
Gender
Anthony Fauci (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)
International
Islam
Deutschland
Brisant
Linke Nummern
Medienkritik
Migration
Satire
Ukraine
Politik
Wirtschaft