"Jemanden vom hohen Roß stoßen" - Foto: Imago

Mainstream & Alternative Milieus: Die arroganten Inquisitoren vom hohen Roß stoßen!

Der SWR „informiert“ wieder einmal mit einer Doku. Aus Versehen dokumentiert die Autorin damit zugleich, wofür sie sich selbst hält. In your face, Lady.

von Max Erdinger

Eine Doku bei „SWR2“ von Duska Roth als „Radio-Feature„. Titel: „Alle unter einem Aluhut? – Doku über alternative Milieus und rechte Ränder„.

Erklärende Wort des „SWR“ dazu: „Die selbsternannten „Querdenker“ werden mit vielen Begriffen belegt: Schwurbler, Rechte, Covidioten. Ein genauerer Blick zeigt: Diese Gruppe ist divers, vereint durch einen gemeinsamen Feind: den Staat. Dass Homöopathen, Anthroposophen und Esoteriker neben Rechten marschierten, hat manche überrascht. Beobachter der rechten Szene jedoch nicht. Macht eine alternative Lebenseinstellung anfällig für rechtes Gedankengut? Oder ist das doch eine Erfindung der „Mainstream-Medien“? Und wie geht das alternative Milieu mit dem Vorwurf um, am rechten Rand zu stehen?

Dann einmal aufgepasst, SWR, die Öhrchen gespitzt und die Äuglein fein herausgedreht: Zunächst einmal befassen wir uns kurz mit den Insinuationen, die dieser kurze Text transportiert, bezogen auf den Text selbst. Als nächstes befassen wir uns dann mit den Gewißheiten, denen die Verfasserin angehangen haben muß, um einen solchen Text zum Besten zu geben. Weil „wir“ ein schönes Wort ist, gelle? Schließlich wollen „wir“ ja immer miteinander reden – und nie übereinander, stimmt’s? Weil das sonst kein löblicher „gesellschaftlicher Diskurs“ wäre. Der „gesellschaftliche Diskurs“ ist aber inzwischen nichts anderes mehr, als ein bauernschlauer Euphemismus für den notorischen Monolog, den die Meinungsinhaber bei den Öffentlich-Rechtlichen gern führen. Die eigentliche Doku lassen „wir“ einmal links liegen. Auf geht’s.

Selbsternennung und Eigenbezeichnung

Die selbsternannten Querdenker“ waren eben so frei, sich selbst eine Bezeichnung zu geben. Das Querdenken war ja auch durchaus positiv konnotiert zu dem Zeitpunkt, als die Leute sich selbst zu solchen „ernannten“. Tatsächlich haben sie sich natürlich nicht „ernannt“, sondern sie haben sich so bezeichnet. Zwischen der Ernennung und der Bezeichnung gibt es einen gewichtigen Unterschied. Daß es sich bei den „Querdenkern“ um „selbsternannte Querdenker“ handele, ist eine Behauptung, die verrät, wofür sich der „selbsternannte Erleuchtete“ hält, der glaubt, mit „selbsternannt“ hantieren zu dürfen, weil niemand so schlau ist wie er selbst und deshalb auch nicht dahinterkommt, was er mit seinem „selbsternannt“ suggerieren will. Ich erkläre kurz, was das bedeutet, wenn einer, der sich selbst irgendwie bezeichnet, von einem Anderen insinuierend vorgeworfen bekommt, er habe sich mit einer „Selbsternennung“, die in Wahrheit eine Selbstbenennung ist, etwas angemaßt, das ihm keinesfalls zusteht. In diesem Fall: Die Querdenker dürften durchaus als solche bezeichnet werden, wenn ich sie dazu ernannt hätte. Denn in mir wohnt die Macht zur Ernennung, nicht in den „Selbsternannten“.

Frau Duska Roth, es ist wohl so: „Die selbsternannten Querdenker“ ist eine absichtsvoll gewählte Phrase gleich zu Beginn Ihres kurzen Textes. Daß der überhaupt nicht gut ist, können Sie daran erkennen, daß der Scharfsichtige bereits die ersten drei Worte dieses Textes kommentiert wie folgt: „Die selbsternannten Querdenker“? – Schon nach den ersten drei Ihrer Worte „scheißt Ihnen der selbsternannte Hund“ was. Und sein Herrchen fragt: Wer hätte sie denn zu Querdenkern „ernennen“ sollen, diese Querdenker? Sie vielleicht? – Wie das denn?

Weiter geht’s mit Ihrer nächsten Insinuation. Weil nun die Eigenbezeichnung der Querdenker wegen „Selbsternennung“ nichts taugt, kann man sie auch nicht übernehmen, sondern muß sich selbst Begriffe ausdenken, mit denen man diese unbotmäßigten Selbsternenner „belegt“ – und daran sind diejenigen schuld, die sich impertinenterweise und sachwidrig „selbst ernannt“ haben: „Schwurbler, Rechte, Covidioten„. Das sind drei schöne Wörter. Inzwischen ist die Faktenlage aber eindeutig. Demzufolge wären heute Lauterbach, Merkel, Montgomery, Scholz, Drosten, Wieler, von Hirschhausen et al die „Schwurbler“ – und alle diejenigen, die auf ihr Geschwurbel hereingefallen sind, die „Covidioten„. Unterstellt, daß Sie mit „Rechte“ den zum „Allgemeinwissen“ gewordenen, dennoch ahistorischen Unsinn perpetuieren wollten, daß es sich bei Rechten um „methodische (Braun)linke“ handele, dokumentieren ausgerechnet Sie selbst, wer hier mit seinen Euphemismen und Insinuationen die Nazimethoden adaptiert hat: Niemand anderer als Sie selbst. Die Querdenker sind die letzten, die sich ausgerechnet von Ihnen attestieren zu lassen hätten, daß sie sich in gedanklicher Nähe zu jenen fälschlicherweise als „Rechte“ bezeichneten Braunlinken befänden, denen Sie methodisch sehr viel näher stehen als die „selbsternannten Querdenker“.

Und jetzt das: Ausgerechnet Sie wollen dem Leser glauben machen, Sie besäßen die Fähigkeit zu einem „genaueren Blick“? – Da bekommt ja sogar der Hustinettenbär einen Hustenanfall. Sie schrieben: „Diese Gruppe ist divers, vereint durch einen gemeinsamen Feind: den Staat.“ – Erstens: Der Begriff „Gruppe“ insinuiert normalerweise eine Ansammlung von Gleichen oder Ähnlichen. „Diversität“ wiederum wäre das Gegenteil von Gleichrichtung. Eine Analogie zu „diverse Gruppe“ wäre beispielsweise „fliegendes U-Boot“. Kurz: Es gibt keine „diverse Gruppe“. Zweitens: Mit dem Folgenden haben Sie den Pfad jener hinterfotzigen Raffinesse eindeutig verlassen, auf welchem sie Ihre Lügen bis hierhin recht geschickt an den Mann zu bringen verstanden haben: „… vereint durch einen gemeinsamen Feind: den Staat„. Jetzt aber mal ganz ernsthaft gefragt, gute Frau: Sollen Sie „den Staat“ einfach gleichsetzen mit „diesen Staat“? Sollen Sie das, hä? –  Nein, sollen Sie nicht. Weil „den Staat“ nämlich gelogen ist. Den „Selbsternannten“ geht es nicht „vereint“ um „den Staat“, sondern allenfalls um diesen. Daß Hardcore-Libertäre durchaus „den Staat“ als ihren Feind identifizieren, heißt nicht, daß sie in dieser Frage mit allen anderen „vereint“ wären.

Nein, diese Diversen, die sich von Ihnen hier zur denkunmöglichen „Gruppe“ zusammenfassen lassen sollen, sind zum weitaus größeren Teil nicht gegen „den Staat“, sondern gegen „diesen Staat“.  Aber recht bauernschlau gewählt war „den Staat“ natürlich, um von vornherein jede Diskussion darüber abzuwürgen, aus welchen guten Gründen jemand gegen diesen Staat sein könnte. Merken Sie sich, Frau Roth: Dieser konkrete Staat ist nicht gleichzusetzen mit der Idee von „der Staat“. „Der Staat“: einen solchen gab es bei den Nazis auch. Und was für einen. Würden Sie im Fall der Widerständler gegen den staatlichen Naziterror ebenfalls schreiben, eine „diverse Gruppe“ von „Selbsternannten“ sei vereint gewesen in ihrer Feindschaft gegenüber „dem Staat“? – Nein, würden Sie nicht. Was lernen Sie also: Sie haben mit Ihrem kurzen Einführungstext zum „Radio-Feature“ versucht, die Leser zu verarschen. Und warum? Weil Sie sich für besonders clever halten. Glauben Sie mir: Ich bin wesentlich cleverer als Sie. Weil das so ist, dürfen Sie mir auch das Folgende glauben: Wer sich zu lange an der Volksverarschung versucht, wird es eines Tages bitterlich bereuen.

Manche sind überrascht

„Dass Homöopathen, Anthroposophen und Esoteriker neben Rechten marschierten, hat manche überrascht“? – Na sowas. Diese „Manchen“ aber auch. Immer sind diese „Manchen“ leicht zu überraschen. Manche sind eben ganz schön naiv. Wegen der Irrelevanz Ihres „Verständnisses“ von rechts und links, Frau Roth, welches „rechts“ für braunlinks verwendet, damit es als maximale Distanz zu rotlinks rezipiert werden soll von den „Manchen“: Würden Sie sich wohler fühlen, wenn die Homöpathen, Anthroposophen und Esoteriker bei den „Maoisten“ … äh … „marschieren“ würden anstatt neben den „Bismarckisten“ („Bismarck“ als ein willkürlich gewähltes Synonym für einen tatsächlichen „Rechten“)?  Wenn ja, warum dann? Und warum marschieren die „selbsternannten Querdenker“ in ihrer unaushaltbaren Impertinenz, wenn sie doch auch ganz normal demonstrieren könnten? Ist der „Marsch“ – durch die Institutionen z.B. – nicht eigentlich eine ultra-rotlinke Angelegenheit? So, wie der „Kampf“ der ultra-rotlinken „Kämpfer“ für alles Mögliche? „Kampf“ gegen das Schaschlik, „Kampf“ für den Radweg zum Beispiel. Guter Marschkampf, schlechter Marschkampf? Was soll der Arschkrampf? Am besten lassen Sie sich mal von einem „Experten“ auf das Vorhandensein von Luzidität und Stringenz untersuchen, nicht daß Sie an einem Mangel laborieren, der eventuell so gesundheitsschädlich sein könnte, daß noch nicht einmal mehr eine FFP2-Maske vor der Ansteckung mit Schwachsinn schützt. Womöglich sind Sie bereits infiziert.

Die Unüberraschten

Wenn auch „Manche“ überrascht gewesen sind wegen der Anthroposophen und der Homöopathen: Ein paar ganz Abgebrühte waren es nicht. Wer sind diese Abgebrühten mit den Nerven aus Stahl? – Es sind die „Beobachter der rechten Szene„. Was für Beobachter? Ultra-rotlinke Beobachtungsdeppen, die nicht einmal merken, wenn sie aus Versehen Braunlinke beobachten statt Rechte? Die sind das, glaube ich. Wahre Beobachtungs-„Experten“. Mit dem wild wuchernden Expertentum in „diesem (!) Staat“ ist es auch bei den „Beobachtern“ und den „Manchen“ inzwischen so schlimm wie mit Pest & Cholera im Mittelalter. Neulich gelesen: „Experten“ raten Pilzsuchern im Wald, sich zu merken, wo sie das Auto geparkt haben, damit sie es wiederfinden. Das ist das Land, in dem auch „Dokus“ zu „selbsternannten Querdenker“ und „diversen Gruppen“ angefertigt werden. Wie sagt da selbst die Ariel-Klementine – der Herr habe sie und die Werbung selig? – „Meine Fresse!“. Und das HB-Männchen geht gar nicht mehr in die Luft, sondern nimmt sich gleich einen Strick. Ein Land, in dem eine Frau Duska Roth Programmhinweise auf „Radio-Fietschers“ beim „SWR“ verfasst, ist einfach „tu matsch“.

Die Erfindungen des selbsternannten Medien-Mainstreams

„Macht eine alternative Lebenseinstellung anfällig für rechtes Gedankengut? Oder ist das doch eine Erfindung der „Mainstream-Medien“? – Das ist ein schönes Beispiel für zwei rhetorische Fragen kurz nacheinander. Hier soll anscheinend Ergebnisoffenheit simuliert werden, obwohl es so gut wie keinen Anlaß gibt, an eine zu glauben. Erstens: Es gibt keine „Mainstream-Medien“. Das sind „selbsternannte Mainstream-Medien“. Zweitens: Die Frage nach der Erfindung ist falsch gestellt.  Richtig gefragt: Was wäre eigentlich keine Erfindung in den selbsternannten Mainstream-Medien? Von der Menschengemachtheit des Klimawandels über den Segensreichtum der DNA-Kaperung durch mRNA-Impfstoffe und die Vielzahl der eigenkonstruierten Geschlechter: Was in aller Welt wäre keine Erfindung der Mainstream-Medien? Genauer: Welchen erfundenen Schwachsinn würden die selbsternannten Mainstream-Medien eigentlich nicht als der Weisheit letzten Schluß bei jenem Publikum an den Mann zu bringen versuchen, eben weil es sein Publikum für eine völlig verblödete Schafsherde hält – und die „Medienschaffenden“ sich selbst für Erleuchtete, die tatsächlich nichts anderes wären als „selbsternannte Erleuchtete“? Es gibt Tagesschau-Kommentatoren, die von Glück reden können, daß sie beim Kommentieren ihren Kopf stillhalten müssen, weil der Zuschauer sonst als Begleitgeräusch zum Text einen ausgetrockneten Pfirsichkern in einer Chromarganschüssel herumkullern hören könnte. Anderen wiederum braucht man nur in die Pupillen zu schauen, um zu erkennen, daß ihre ganze Erleuchtung einer trüben Talgfunzel im Schädel geschuldet ist, die unstet vor sich hinflackert. Ich möchte nicht wissen, welches Bild Sie bei der Abfassung Ihres Programmhinweises zum „Radio-Fietscher“ beim „SWR“ abgegeben haben, Frau Roth. Aber ganz ehrlich und unverblümt. Ehrliche Unverblümtheit, Frau Roth, ist die unerläßliche Voraussetzung für den Segensreichtum des ach-so-löblichen „gesellschaftlichen Diskurses“. Ob Ihnen das gefällt oder nicht. Natürlich führen sie lieber einen Monolog. Wenn es wenigstens ein von Aufrichtigkeit getragener, kluger Monolog wäre. Aber – wie Dudenhöfer sagen würde: „In die Kapp geschiss!“

Und jetzt das noch: „Und wie geht das alternative Milieu mit dem Vorwurf um, am rechten Rand zu stehen?“ – Alles easy. Das „alternative Milieu“ schaut sich um und stellt fest, daß es der ultra-rotlinksgrüne Rand ist, der das wissen will. Dann sagt sich das „alternative Milieu“, daß schon die Frage nach Pesthauch des Ungeistes stinkt, hält sich die Nase zu und merkt an, daß zu vernachlässigen ist, was der ultra-linksgrüne Rand wissen zu wollen behauptet. Ich drehe den Spieß einfach um, Frau Roth, und fordere Sie auf, sich mitsamt Ihrer eigenen „diversen Gruppe“ vor mir zu rechtfertigen, anstatt in größtmöglicher Impertinenz von mir zu erwarten, daß ich als Tatsache zu schlucken hätte, mich vor Ihnen rechtfertigen zu müssen. Schluß damit. Nix gibt’s. Sie stehen in Zukunft mir Rede und Antwort, nicht länger mehr umgekehrt. Meinereiner hat die Schnauze gestrichen voll von den „selbsternannten Besserwissern“ Ihrer Couleur. Sie haben nämlich nichts auf der Pfanne.  Null. Nada. Niente. Schminken Sie sich Ihre selbstgerechte Inquisitoren-Attitüde einfach ab, Frau Roth.

 

 

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