Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Die Sprache des Vierten Reichs

Ein paar Beobachtungen, die den Wahnsinn des Sprachgebrauchs im grünenden Vierten Reich verdeutlichen sollen.

 

„Die Menschen“

Die Besucher der Internationalen Automobilausstellung staunten nicht schlecht, als die Pforten der Messehallen geöffnet wurden. Zahlreiche Automobilhersteller aus aller Herren Länder präsentierten ihre aktuellen Modelle. Doch was war das? An jedem Messestand gab es nur noch Tafeln mit der Aufschrift „Die Autos“. Alles, was früher noch Toyota, Mercedes, VW, Opel, Kia und Hyundai gewesen war, wurde auf der IAA mit „die Autos“ bezeichnet. „Die Menschen“ – Briten, Franzosen, Deutsche, Hanseaten, Unterfranken und Oberbayern – zogen daraufhin empört ab und beschlossen, statt der IAA den Zoo zu besuchen. Doch auch da: Ob Giraffen, Eisbären, Tiger oder Enten – ganz egal – an jedem Gehege stand ein Schild mit der Aufschrift „Die Tiere“.

„Die Geschlechtervielfalt“

Als erklärender Zusatztext unter den Schildern mit der Aufschrift „Die Tiere“ war zu lesen, daß sich die Tiere eine Vielzahl von Geschlechtern selbst konstruieren. Besonders stolz sei der/die oder das  Zoodirektierende auf die Transtiere. Ergänzend wurden „die Menschen“ darüber aufgeklärt, daß es verabscheuungswürdiger „Speziesismus“ sei, wenn die zoobesuchenden „die Menschen“ die Tiere nach Flug-, Land- und Schwimmtieren unterschieden. Als einer der Zoobesuchenden beim Anblick eines Tierpflegenden begeistert ausrief, das sei ein Prachtexemplar von Affe, wurde er von uniformierten Handschellenklickenden abgeführt und den Tieren mit den Mähnen und den Reißendzähnen als zu Fressender vorgeworfen.

„Wir“

Als einige der zoobesuchenden „die Menschen“ entsetzt auf die Verhaftungsszene reagierten, erklärten die Handschellenklickenden, daß keiner der „die Menschen“ blöde aus der Wäsche zu schauen bräuchte, denn es sei ja wohl klar, daß „wir“ Speziesisten und andere -Isten „nicht“ als zu Duldende akzeptieren „müssen“. Sie bekräftigten das noch einmal verdeutlichend mit einem „Wir. Müssen. Nicht.“ Als einige der „die Menschen“ nachfragten, wer dieser ominöse „Wir“ sei, kam nur die pampige Antwort: „Wir gemeinsam“.

„Menschliche Gesellschaft“

Erstaunt sind „die Menschen“, daß einerseits ihre „Gesellschaft“ immer menschlicher wird, daß sich die menschlichen „die Menschen“ andererseits aber immer häufiger gegenseitig verklagen. Google etwa weist zahlreiche Medienmeldungen aus, die sich mit dem Phänomen beschäftigten. So heißt es beispielsweise, Massenklagen würden zum Problem, die Sozialgerichte beklagten eine Zunahme von Klagen um das Doppelte, Nachbarschaftsklagen nähmen zu, Umweltklagen gebe es und Klimaklagen. Ein „Experte“ konnte jedoch beruhigen: Das Glück der „die Menschen in Deutschland“ liege eben in der Klage. Schließlich sei es den „die Menschen in Deutschland“ vorbehalten, auf die Frage, wie es ihnen gehe, zu antworten: „Ich kann nicht klagen“, was wohl soviel bedeute wie: Mir geht es gar nicht gut, weil ich nicht klagen kann. Das Wort „Kindergarten“ stamme übrigens ebenfalls aus dem Land der „die Menschen in Deutschland“.

„Experte“

Damit die „die Menschen in Deutschland“ nicht auf die aufrührerische Idee kommen, sie könnten über einen gesunden „die Menschen“-Verstand verfügen, wurde im grünenden Vierten Reich „der Experte“ populär. Experten schießen im Land der „Die Menschen in Deutschland“ wie Pilzende aus dem Bodenden. Das Wort „Experte“ enthalte sehr komprimiert eine komplexeren Sachverhalt, so ein „Experte“ für sich komplex verhaltende Sachen. Das Wort „Experte“, so der „Experte für komplexe Sachverhalte“ heiße in der ausführlichen Übersetzung: Du bist ein Idiot, der weder seiner eigenen Wahrnehmung noch seinem eigenen Wissen vertrauen darf, weswegen „wir“ dir einen „Experten“ – ob erfunden oder nicht – vor die Nase setzen, der absolut alles besser weiß als du selbst – und zwar in jedem nur denkbaren Zusammenhang. „Wir alle gemeinsam“ hätten das gefälligst superknorke zu finden. So gebe es inzwischen Expertenratschläge für den Umgang mit dem Gefühl der anstehenden Notdurftsverrichtung: „Der Experte rät: Gehen Sie scheißen.“

„Illegaler Krieg“

In der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“, so ein „Experte für zu Differenzierendes“ im grünenden Vierten Reich gelte es, zwischen dem „legalen Krieg“ und dem „illegalen Krieg“ zu unterscheiden, auch wenn es für die zu Erschießenden und Bombardierenden keinen Unterschied macht, ob sie legal oder illegal tot sein werden. Der Sinn des zu Unterscheidenden zwischen dem „illegalen“ und dem „legalen“ Krieg liege darin, Schuldhabende an einem Krieg zu benennen. So seien US-amerikanische Kriege automatisch immer „legale Kriege“ – und russische genauso automatisch immer „illegale Kriege“. „Illegale Kriege“ könne man auch als „Angriffskriege“ bezeichnen, so der „Experte für zu Differenzierendes“, auch wenn noch jeder Krieg mit einem Angriff angefangen habe. Ob ein „Angriffskrieg“ vorliege, entscheide sich entlang der Frage nach dem Angreifenden. Es gebe gute Angreifende und schlechte Angreifende. Wenn jemand zum Beispiel zu einem Angreifenden auf Polen wird, dann ist er ein guter Angreifender, wenn er Ukrainer ist. Wäre er hingegen Russe, dann wäre die Kacke am dampfendsten,  weil das der denkbar schlechteste Angreifende auf Polen wäre. Jedenfalls sei das zur Zeit so. Früher habe es schon einmal einen noch viel schlechteren Angreifenden auf Polen gegeben. Wer das nicht wahrhaben wolle, sei ein „Gleiwitzleugnender“.

„Leugner“

Von der sprachlichen Verlaufsform verschont geblieben ist bislang der Leugner. Der Leugner ist trotzdem ein ganz schlimm Fingernder. Er hat nämlich den Skeptiker verdrängt. Verdrängung ist gar nicht schön in der „menschlichen Gesellschaft“ der total gleichberechtigten  „die Menschen“. Außer natürlich, es würde dort ihre Kultur verdrängt. Solches gilt in der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“ als „bereichernd“. Wer einer solchen Bereicherung ein skeptisch Gegenüberstehender ist, der oder die – seltener „das“ – ist ein „Bereicherungsleugner“ resp. eine „Bereicherungsleugner:in“ oder ein „BereicherungsleugnX“. „LeugnX“ ist eines der schönsten Wörter im grünenden Vierten Reich überhaupt, so der „Experte für X-beliebiges“. „Der Leugner“ ist eigentlich schon out. Extrem In hingegen ist „Ens LeugnX“. Dennoch sei beim früheren Standesamt, dem heutigen Stehendenamt, der Vorname „Wrschtlpfrmpft“ für ein geschlechtlich noch unidentifizertes Neugeborenes mit dem Nachnamen Kiesbauer abgelehnt worden., obwohl „Wrschtlpfrmpft Kiesbauer“ ein schöner Name für einen der „die Menschen“ in jener „menschlichen Gesellschaft“ sei, in welcher die Neugeborenen noch kein Geschlecht haben, weil sie sich noch keines selber konstruieren konnten.

„Meinung“

Die „Meinung“ in der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“ ist erst dann richtig wertvoll, wenn sie „gleichberechtigt“ ist. Die „gleichberechtigte Meinung“ ist insofern ein gewaltiger Fortschritt, als daß mit ihr die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge weggefallen ist.  Diese Unterscheidung ist sehr hinderlich gewesen bei der Etablierung jener „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“, die das überkommene „Volk“ ersetzt hat. Daß es den Volkswagenkonzern und das Volksfest immer noch gibt, ist eigentlich ein Skandal. Der Inhaber einer „gleichberechtigten Meinung“ in der „menschlichen Gesellschaft“ wird gern auch als „Andersdenkender“ bezeichnet. Ein Experte für Leugnung & Skepsis wurde jüngst jedoch zu einem „umstrittenen Expertisenäußernden“ abgestempelt, als er behauptet hatte, das „-denkender“ in „Andersdenkender“ könnte eventuell einem unangebrachten Optimismus geschuldet sein, der wiederum deshalb fröhliche Urständ gefeiert habe, weil die „gleichberechtigte Meinung“ als mordsdemokratisierend gelte. In der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“ im grünenden Vierten Reich sei die Medien- & Massendemokratie leider die einzige Erscheinungsform von Demokratie, die mit dem Begriff „Demokratie“ in eins gesetzt werde. Dabei gebe es historisch betrachtet auch andere Erscheinungsformen der Demokratie als nur die Medien- & Massendemokratie.

„Qualitätsmedien“

In der Medien- und Massendemokratie gibt es selbsternannte Qualitätsmedien, die für die Bildung der gleichberechtigten Meinung zuständig sind. Gut gearbeitet haben die selbsternannten Qualitätsmedien in der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“ immer dann, wenn die „gleichberechtigten Meinungen“ nicht allzu weit voneinander abweichen. Die meinungstechnische Gleichrichtung im grünen Vierten Reich darf man allerdings nicht gleichsetzen mit der meinungstechnischen Gleichrichtung im braunenden Dritten Reich. Vielmehr muß in der „menschlichen Gesellschaft“ der „die Menschen“ vom „demokratischen Konsens“ gesprochen werden. Ein solcher wäre in der Diktatur völlig unmöglich. Das ist auf jeden Fall zu Unterscheidendes.

Dieser Artikel ließe sich noch stundenlang weiterführen, jedoch denke ich, daß klar geworden sein dürfte, in welchen Zeiten „wir“ wieder einmal leben. Werden Sie bitte zu Aufwachenden und in der Folge dann zu Widerstehenden!

 

 

 

 

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