Briefmarke Deutsche Post: Rattenfänger von Hameln - Foto: Imago

Deutsches Demokratisches Märchenbuch: Meinerlein & Finderlein

Es war einmal ein allerliebstes Geschwisterpärchen, das sich inniglich ins Herz geschlossen hatte. Der tapfere Bub hieß Meinerlein und sein tugendhaftes Schwesterchen hörte auf den schönen Namen Finderlein. Gemeinsam verbrachten Meinerlein & Finderlein ihre Tage im Lande des demokratischen Königs Fesbuck, der ein arger Unhold gewesen ist. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Kein Märchen.

von Max Erdinger

Im Reich des demokratischen Königs Fesbuck hatte ein kluger Mann einen Link aus dem Reich des demokratischen Königs Jutub gepostet. Wenn man diesen Link anklickte, gelangte man zu einer sehr langen und sehr sehenswerten Doku zum gar fürchterlichen Gemetzel im Reich des mordsdemokratischen Königs Wolodymyr. Die Doku war schon zwei Monate alt, hatte aber nichts von ihrer Brisanz und ihrer Aktualität verloren. Über 17.000 mal war sie mit einem gereckten Daumen gelobt wurden und die Kommentatoren im Reich des Königs Jutub überschlugen sich schier vor Lob.

So war in den Kommentaren unter der Doku zu lesen: „Dieses Video ist eine der besten journalistischen Leistungen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Die grundlegenden Dinge sind jedem wachen Verstand in diesem Land schon längst klar – aber Sie bringen alle Details ausschließlich durch 1:1 Nachweise ans Licht. Meine Hochachtung dafür – Gott segne Sie !!!“ Auch das hier war zu finden: „Vielen Dank für Ihre äußerst wertvolle journalistische Arbeit. Alles, was vom Russischen ins Deutsche übersetzt wurde, stimmt auch. Denn ich bin der Sprache mächtig und habe den Vorteil, eine andere Seite der Medaille zu betrachten. Diese Ihre Arbeit muss unbedingt weiter verteilt werden, damit diese Info möglichst viele in Deutschland erreicht. Somit wäre es noch möglich unser geliebtes Land vor der Zwangszerstörung durch die USA mithilfe der Ampel-Regierung, allen voraus der Grünen, zu retten.“ Kürzer war dieser Kommentar: „Das Beste was ich an journalistischer Berichterstattung über die Ukraine bisher gesehen habe. Bin schwer beeindruckt. Mein Respekt!

Und das hier ist die Doku, um die geht. Sie stammt von den „Grenzgänger Studios“.

Klitschko Selenskyj Doku Chaudry
Doku von Rahir Chaudhry – Screenshot YouTube

 

Der Moderator und Rechercheur heißt Tahir Chaudhry. So stellt er sich den Besuchern seiner Webseite vor:

Ich bin Tahir Chaudhry, Journalist & YouTuber.

  • Studium der Philosophie und Orientalistik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (2010)
  • Gründung des Online-Magazins DAS MILIEU (2013)
  • Hospitanzen bei ZEIT Online, FAZ.net und dem Focus-Magazin (2015)
  • Volontariat (Print & Online) bei der Süddeutschen Zeitung in München (2016)
  • Tätigkeit als Interviewer bei Andy Warhols Interview Magazine (2018) und GALORE Interviews (2019)
  • Auszeichnung mit dem Integrationspreis des Landes S-H (2011), dem i,Slam Kunstpreis (2016) und dem Medienpreis Bildungsjournalismus der Deutsche Telekom Stiftung (2019)
  • Gründung der YouTube-Talkshow GRENZGÄNGER

 

Kein Zweifel: Seine Doku über die Ukraine, den Krieg, die verschiedenen Interessenlagen, die Verknüpfungen von handelnden Personen und Tatabläufen mitsamt den HIntergrundinformatioen ist superb. Tahir Chaudhry ist auch völlig zu Recht ziemlich stolz auf seine journalistische Leistung. Am Ende seines Videos bittet er um Spenden und merkt an, daß er und sein Team über zwei Monate lang Tag & Nacht an dieser Doku gearbeitet haben, um sie nicht nur hieb- & stichfest zu machen, sondern auch, um dem Zuschauer allerbeste Qualität zu bieten. Das ist ihnen gelungen. Bravo! Bravo! Bravissimo!

Im Kern – und in ziemlich vielen Details – war mir die „Geschichte“ bekannt. Aber was Chaudhry an zusätzlichen Informationen abliefert, ist einfach sensationell. So saß ich also gestern geschlagene zweieinhalb Stunden wie gebannt am Bildschirm und habe mir diese Doku ohne Unterbrechung angesehen. Hinterher postete ich den Link zu Chaudhrys sensationellem Werk auf meiner eigenen Facebook-Seite und gab die Empfehlung, sich dieses Meisterwerk am heutigen Sonntag unbedingt anzusehen. Von einer Facebook-Freundin wurde mein Beitrag auch geteilt – und dort, auf ihrer Seite, tauchten dann plötzlich Meinerlein & Finderlein aus dem Deutschen Demokratischen Märchenland auf, um einen Meinungs- und Findehaufen in die Kommentarspalte zu setzen.

Meinerlein & Finderlein kommentierten:

Es ist unser Krieg, ob wir wollen oder nicht, weil er in Europa stattfindet, weil hunderttausende ukrainischer Flüchtlinge bereits zu uns gekommen sind und nach einem eventuellen russischen Sieg noch kommen werden, weil man einem imperialistischen Russland, das seine Aktivitäten u.a. in Osteuropa austobt, Paroli bieten muss, weil die Vorstellung, dass Russland nach einem Sieg über die Ukraine in Transnistrien, Moldawien, dem Baltikum und Polen weitermachen könnte, sehr beunruhigend ist, weil man sich als demokratisches freiheitliches Land nicht mit brutaler Gewalt und Gewaltandrohung abfinden kann und soll, denn das Faustrecht ist kein Recht.“ – was für ein pseudomoralistischer Scheißhaufen. Gewaltig.
Da hatte sich Tahir Chaudhry also zwei Monate lang Mühe gegeben, diese absolut fundierte Doku herzustellen, ausführlich mit Quellen zu belegen, meinereiner hatte sie sich zweieinhalb Stunden lang gebannt angesehen, dringend empfohlen – und dann kamen Meinerlein & Finderlein daher, lasen kurz die Schlagzeile „Das ist nicht unser Krieg“ – und das reichte ihnen bereits. Sofort wurden sie vom Gefühl der dringenden demokratischen Meinungsnotdurfts-Verrichtung geplagt. Hemmungslos setzten sie ihren Haufen in die Kommentarspalte – und zwar in der illusionsgeladenen Gewißheit, ein jeder habe zu respektieren, was Meinerlein & Finderlein nach der Lektüre einer Schlagzeile zu meinen & zu finden haben, weil sie schließlich als „gleichberechtigt“ anzusehen seien. Da platzte meinemeinen die Hutschnur und er setzte einen Kommentar darunter.
Der las sich so: „Ihr sollt die Doku anschauen, anstatt dummes Zeug zu labern. Meldet euch hinterher nochmal. Nicht vorher! Was glaubt ihr eigentlich, wozu ich den Link gepostet habe? Um mir euer unsubstantiiertes Gemeine & Gefinde in die Kommentarspalten schmieren zu lasen? Weil ich davon ausgegangen bin, daß Meinerlein & Finderlein ankommen werden, die es besser wissen? Meine Fresse: „weil man sich als demokratisches freiheitliches Land nicht mit brutaler Gewalt und Gewaltandrohung abfinden kann und soll“ – was soll das sein? Transrealistisch? Transzerebral? Vollillusionär? Absolut verpeilt oder was?“ Meinerlein & Finderlein sind in diesem Märchen aus der Deutschen Demokratischen Meinungs- & Finderepublik natürlich Ersatznamen für jemanden. Wie der Meinungsdefäkant wirklich heißt, spielt weiter keine Rolle, weil es ihn samt seiner „gleichberechtigten Meinung“ im Deutschen Demokratischen Meinungs- & Findeland ohnehin als hunderttausendfachen Klon gibt. Die Ermahnung folgte dennoch auf dem Fuße.
Meinerlein & Finderlein: „Mäßigen Sie sich. Dann können wir vielleicht normal reden. Denn als Musiker wissen wir: Der Ton macht die Musik. Wer so herumprollt wie Sie, leistet seiner Sache einen schlechten Dienst„. – Wahnsinn, oder? Die Flöten Meinerlein & Finderlein vertraten also auch noch die Ansicht, daß ich „normal“ mit ihnen reden könne, obwohl schon der erste ihrer Kommentarshaufen erkennen ließ, daß da Hopfen & Malz absolut verloren sind. Oder daß ich „normal“ mit ihnen reden wollen könnte. Was für eine Hybris! Nein! Ich will nicht mehr „normal“ mit den hunderttausendfachen Meinerleins & Finderleins in der Deutschen Demokratischen Meinungs- & Finderepublik reden. Ich bin es leid. Ich hätte ihnen ohnehin nichts zu erzählen, was sie nicht längst schon selbst wissen könnten, wenn sie sich jemals dafür interessiert hätten.
Aber es ist offensichtlich, daß sie nur ein einziges Interesse dauernd plagt: Ihr Meinungsrevier zu markieren, indem sie ihre gleichberechtigten Meinungshaufen überall hinsetzen. Die leben tatsächlich in dem Wahn, sie müssten sich gar keine Meinung mehr bilden, weil es ausreiche, irgendeine zu haben. Wenn es geht, eine massenkompatible, wahrscheinlich. Vielleicht wollen sie auch geknutscht werden dafür, daß sie einem mitgeteilt haben, was sie alles zu meinen & zu finden haben. Ehrlich gesagt: Verprügeln würde ich sie am liebsten. Als Strafe für ihren jahrelangen Konsum von selbsternannten Qualitätsmedien, diesem Urgrund für die deutsch-demokratische Meinungs-Diarrhoe. Ich glaube sogar, daß es mir gefallen würde, bestimmte „Medienschaffende“ bei den selbsternannten Qualitätsmedien ein bißchen mit glühenden Zangen zu foltern. Da will ich aus meinem Herzen gar keine Mördergrube mehr machen, sondern freimütig bekennen, was diese Desinformations-Verbrecher mit einem friedliebenden Gemüt wie dem meinigen angestellt haben. Ich mag den Hass nicht, den ich auf diese Bande habe. Davon geht er aber nicht weg. Das sind nämlich die Produzenten solcher Meinerleins & Finderleins, wie denen hier. Übrigens: Wenn Meinerlein & Finderlein wissen, daß der Ton die Musik macht, weil sie Musiker sind, dann will ich die nicht spielen hören. Musiker bin ich nämlich selber. Von wegen „als Musiker wissen wir“ …
Das deutsche Problem sind nicht so sehr politische Parteien, die sich zur „Neuen Deutschen Einheitspartei“ (NED) unter Ausschluß der AfD zusammengeschlossen haben. Die sind zwar ein Problem, aber ein viel größeres Problem sind die mit Ideologen verseuchten, selbsternannten Qualitätsmedien. Eine Illusion gibt es, die man als allererste zu beerdigen hätte. Das ist die Vorstellung, daß die selbsternannten Qualitätsmedien diensteifrige Begleiter des Demokraten durch die politische Zeit wären, um ihn mit Informationen zu versorgen, die er braucht, um als Demokrat zu funktionieren. Vielmehr ist es so, daß die Medien die eigentlichen (Unter)-Machthaber im Lande sind, dadurch, daß sie das sogenannte „Meinungsklima“ schaffen, dem dann die politische Klasse zu folgen hat, wenn sie gewählt werden will. Es wäre fast wichtiger, Intendanten und Chefredakteure zu wählen als die Politiker. Diejenigen, die den deutschen Demokraten in ein armseliges Meinerlein & Finderlein verwandeln, das völlig „outspaced“ im Weltall seiner Illusionen unterwegs ist, sind die wirklich Gefährlichen. Das ist heute nicht anders als schon immer.  Es gab den „Stürmer“, den „Völkischen Beobachter“, das „Neue Deutschland“ und die „Prawda“.
Es sind die Medien, die das Meinerlein & Finderlein seiner jeweiligen Zeit produzieren. Es sind die Politiker, die berücksichtigen müssen, welche Zerebralfürze dem jeweiligen Gegenwarts-Meinerlein & Finderlein den Schädel blähen. In Regierungsämter kommt hierzulande niemand mehr, der einfach sagt, was er selber denkt. Nicht das Volk ist noch der Souverän, sondern Intendanten, Chefredakteure, Verleger und Verlage sind das inzwischen. Was die wiederum zu meinen & zu finden haben, hängt schwer davon ab, wie sie ans Geld kommen. Sich eine „eigene Meinung bilden“ – zu lassen! – von Blättern wie der „BILD“ oder dem „Spiegel“, der insgesamt über 5 Mio. Dollar vom Impfstoff- und Pharma-Billy Gates kassiert hat, um sich seine „journalistische Unabhängigkeit“ zu bewahren, ist nachgerade fahrlässig. Doch auch der „Spiegel“-Leser meint und findet gern etwas den lieben langen Tag. Er ganz besonders. Bei der „Zeit“ ist es nicht viel anders. Und wer noch immer in die Glotze schaut, um sich von ARD & ZDF im regierungsamtlichen Auftrag die Hirnwindungen verstopfen zu lassen – der hat auch eine „gleichberechtigte Meinung“.
Das sind alles diese Deutschen Demokratischen Meinerleins & Finderleins, die dann im Vollbesitz ihrer wahnhaften „Informiertheit“einen derartigen Schwachsinn absondern wie den hier: „Es ist unser Krieg, ob wir wollen oder nicht, weil er in Europa stattfindet, weil hunderttausende ukrainischer Flüchtlinge bereits zu uns gekommen sind und nach einem eventuellen russischen Sieg noch kommen werden, weil man einem imperialistischen Russland, das seine Aktivitäten u.a. in Osteuropa austobt, Paroli bieten muss, weil die Vorstellung, dass Russland nach einem Sieg über die Ukraine in Transnistrien, Moldawien, dem Baltikum und Polen weitermachen könnte, sehr beunruhigend ist, weil man sich als demokratisches freiheitliches Land nicht mit brutaler Gewalt und Gewaltandrohung abfinden kann und soll, denn das Faustrecht ist kein Recht.“ – Das ist einfach nicht mehr diskutabel. Es geht nicht. Das ist Ausweis völliger Schwachsinnigkeit, Ausweis dessen, daß es kein realistisches Bild mehr von sich selbst und der Situation gibt, in welcher man sich befindet.
Und über diese abschließende Feststellung gibt es ebenfalls nichts mehr zu meinen & zu finden. Das ist so. Deutschland ist an dem Punkt angelangt, an dem sich die vormalige Bundesrepublik mit ihrem demokratischen Eigenverständnis selbst ad absurdum geführt hat. Das ist kein Land, in dem das Volk der Souverän ist. Das ist das Land, wo der Souverän in der Masse ein Depp ist. Das Deutsche Demokratische Märchenland eben, wo sich Meinerlein & Finderlein recht inniglich ins Herz geschlossen haben. „Gemeinsam“ natürlich.

Themen

Nicole Höchst MdB; Bild: Nicole Höchst
Brisant
Brisant
Karl Lauterbach (Bild: shutterstock.com/Juergen Nowak)
Corona
Deutschland
Gender
Anthony Fauci (Bild: IMAGO / ZUMA Wire)
International
Islam
Deutschland
Brisant
Linke Nummern
Medienkritik
Migration
Satire
Ukraine
Politik
Wirtschaft