Wunsch (Bild: shutterstock.com/Subbotina Anna)

100 Prozent erneuerbare Energie – Wunschdenken und Wirklichkeit

Das Ziel der europäischen Politik ist es, Strom so schnell wie möglich zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Die Befürworter verweisen stets darauf, dass wir heute an guten Tagen bereits einen Großteil unseres Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen decken. Ein weiteres Argument ist, dass wir über das Jahr gesehen sogar einen Exportüberschuss an Strom haben, den wir in Ausland exportieren. Das suggeriert, dass die Energiewende mit 100 Prozent erneuerbarer Energie funktioniert. So gut die Argumente klingen, ist dies aber nur die halbe Wahrheit. Die Energiewende beruht weitgehend auf Wunschdenken (derpragmaticus: 16.11.22).

Ein Beitrag von Blackout News

Befürworter argumentieren gerne mit kumulierten Werten

Die Argumente der Befürworter beruhen meist auf kumulierten Werten und betrachten Zeiträume von einem Jahr, einem Monat oder einem gesamten Tag. In einer modernen Industrienation muss aber zu jedem Zeitpunkt ausreichend viel Strom vorhanden sein. Dies trifft auch auf Bruchteile von Sekunden zu, denn das Netz kollabiert bereits bei einer Frequenzabweichung von 0,2 Hz. Um größere Stromausfälle zu vermeiden, muss deshalb rund um die Uhr, an allen Tagen im Jahr mindestens genau so viel Strom produziert werden, wie gerade verbraucht wird. Wenn also regenerative Energien an nur einem einzigen Tag im Jahr nicht genug Strom liefern können, nützt es auch nichts, wenn an den anderen 364 Tagen zu viel Strom produziert wird.

Ohne grundlastfähige Backup-Kraftwerke geht es nicht

Völlig unabhängig vom Wetter, der Jahres- oder Tageszeit, können allerdings nur grundlastfähige Kern-, Kohle- und Gaskraftwerke, sowie die Laufwasserkraftwerke Strom produzieren. Die erneuerbaren Energien aus Wind- und Sonnenenergie sind dagegen nicht grundlastfähig. Lediglich die Biogaskraftwerke können da einen kleinen Beitrag leisten, der allerdings viel zu gering ist.

Wir können noch so viele Solar- und Windanlagen bauen: Ohne Backup-Kraftwerke, die einspringen müssen, wenn die erneuerbaren Energien wetter- oder tageszeitabhängig nicht liefern, ist eine rund um die Uhr gesicherte Stromversorgung nicht möglich. Deutschland hat deshalb verstärkt auf den Einsatz von Gaskraftwerken gesetzt. Doch spätestens mit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist dieser Plan gescheitert, denn es steht zum einen nicht mehr genug Gas zur Verfügung und zum anderen ist der Strom aus Gaskraftwerken aufgrund des stark gestiegenen Gaspreises extrem teuer. Dazu kommt auch noch, dass es in Deutschland gar nicht genug Gaskraftwerke gibt, um die abgeschalteten Kern- und Kohlekraftwerke zu ersetzen.

Die Alternative wären gigantische Speicher

Die einzige Möglichkeit, die Stromversorgung durch 100 Prozent erneuerbare Energien zu sichern, wären gigantische Speicher, die zu Zeiten der Überproduktion gefüllt werden und die bei Unterversorgung den Strom wieder an das Netz abgeben. Das funktioniert theoretisch, doch Speicher in der erforderlichen Dimension gibt es schlicht nicht. Strom kann man heutzutage in halbwegs großen Mengen nur in Pumpspeicherkraftwerken speichern. Dazu braucht man aber die erforderliche Topographie und entsprechend große Speicherbecken, in die man das Wasser pumpen kann. Die dafür in Deutschland geeigneten Regionen sind diesbezüglich aber weitgehend ausgeschöpft.

Deutschland verfügt über insgesamt 36 Pumpspeicherkraftwerke, die zusammen 0,04 Terawattstunden speichern können. Der gesamte Jahresstromverbrauch lag im Jahr 2020 bei 540 Terawattstunden. Damit könnten alle Speicher zusammen bei einer Dunkelflaute die Stromversorgung ungefähr vierzig Minuten sichern, dann wären alle Pumpspeicherkraftwerke leergelaufen.

Batteriespeicher in der erforderlichen Dimension weder verfügbar noch bezahlbar

Zwar versucht man mittlerweile auch große Batteriespeicher zu nutzen, doch deren Kapazitäten sind noch viel geringer und sie sind vor allem nicht bezahlbar. Dazu haben diese Speicher auch noch eine relativ geringe Lebensdauer und müssten deshalb immer wieder in einem Zeitraum zwischen 10 und 20 Jahren erneuert werden. Dafür gibt es noch nicht einmal genügend Rohstoffe. Auch die Hoffnung auf große Batteriespeicher beruht weitgehend auf Wunschdenken.

Wunschdenken – Mit der Physik kann man nicht verhandeln

Die Energiewende hin zu 100 Prozent erneuerbarer Energie steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Energiespeichern. Solange es diese nicht gibt und die Regierung am Atomausstieg festhält, muss man im Gegenzug an dunklen, windarmen Tagen Kohlekraftwerke weiterlaufen lassen. Die Alternative wäre, weitere Gaskraftwerke zu bauen. Aktuell versuchen aber unsere Politiker fundamentale ökonomische und physikalische Grundprinzipien durch Wunschdenken zu ersetzen. Dabei halten sie weiterhin an der Vorstellung von kostenloser, grüner und unendlich vorhandener Energie fest. Doch die Gesetze der Physik gelten auch für diejenigen, die sie ignorieren.

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