Müssen sich in Kürze auch Faschingsprinzen vorm Staatsschutz als Umstürzler in Acht nehmen? (Symbolbild:Imago)

Aus Impfkritikern werden „Putschisten”: Faesers Operetten-Staatsstreich

Zu den angeblich brandgefährlichen Akteuren des gerontischen Operettenputsches, die letzte Woche angeblich nur unter Aufbietung quasi der gesamten Staatsmacht gerade noch rechtzeitig vom Umsturz der bundesrepublikanischen Ordnung abgehalten werden konnten, gehört auch der frühere Bundeswehr-Stabsfeldwebel Andreas Meyer. Mit seinen 58 Jahren dürfte er zwar noch zu den Jungspunden unter den vermeintlichen Revolutionären gehören, seine Vita ist aber immerhin bewegt genug, dass sie in den faeserparanoiden Schaltzentralen des Linksstaats als Bedrohung angesehen wird.

So war Meyer – heutzutage alleine schon sehr suspekt! – beim Eliteverband Kommando Spezialkräfte (KSK) tätig, wo er im im Versorgungsbereich beschäftigt war. Zuvor absolvierte er laut „Bild“ eine Ausbildung zum Koch, diente auch in der Bundeswehr als solcher, danach wurde er zum Reservisten, arbeitete in einer Logistikfirma und als Hundeführer bei der Feuerwehr. Ab 2002 meldete er sich dann dreimal zum Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, weil er glaubte, dort „endlich wieder etwas Nützliches und Sinnvolles“ leisten zu können. Diese Entscheidung sollte er jedoch später bereuen. Über seine Zeit am Hindukusch schrieb er ein Buch unter dem Titel: „Sterben kann man jeden Tag“, das er seinem Sohn widmete, der als kleiner Junge habe „auf viel Liebe und Zuneigung verzichten müssen“, so Meyer. Fraglos alles „hochverdächtige” biographische Details, zumindest aus Sicht eines durchgeknallten Staatsschutzes.

„Hochverdächtige“ Details

Vielleicht, weil er keine andere Perspektive sah, kehrte Meyer dann 2017, mit 53 Jahren, als Zeitsoldat zur Bundeswehr zurück. 2021 erkrankte er an Prostatakrebs, eine Erfahrung, die er ebenfalls in einem Buch („Gedankeninferno – Ist Man(n) ohne Prostata noch ein Mann?“) verarbeitete. Nach dieser extremen gesundheitlichen Prüfung stand er dem Corona-Regime der Bundesregierung offenbar zutiefst ablehnend gegenüber – womit er dann wohl endgültig auf den Radar der „Demokratieverteidiger“ geriet – oder, wie „Bild” spekuliert: „Spätestens in dieser Zeit rutschte Meyer in das Lager der Corona-Leugner ab“. Dass Meyer dann auch noch die Zwangsimpfung für Soldaten ablehnte und es wagte, seinen Standpunkt an seinen Kommandeur in einem kritischen Brief zu begründen, machte ihn dann vollends zum mutmaßlichen Staatsfeind.

Prompt schaltete das KSK den Militärischen Abschirmdienst (MAD) ein, der Ermittlungen gegen Meyer begann. Dieser beantragte im April diesen Jahres selbst seine Entlassung, weil er sich einer Hexenjagd und Mobbing durch die interne Verfolgung ausgesetzt sah und der Dienstverbleib daher eine besondere Härte für ihn bedeuten würde. Während das KSK und der Truppenarzt die Entlassung befürworteten, lehnte ihn das Personalamt der Bundeswehr jedoch ab. Als „eine irre Entscheidung, nur wegen des Personalmangels“, kommentierte ein Offizier gegenüber „Bild”.

Krude und wirr

Ab hier wird es krude und wirr. Ob und wie sich Meyer tatsächlich „radikalisiert“ haben soll, wie behauptet wird, oder ob es sich nur um kolportierte „Scheißhausparolen“ jener handelte, die inzwischen in jedem Impfgegner und Corona-Maßnahmenkritiker einen Querdenker und damit Delegitimierer des Staates und damit Staatsfeind erkennen wollten, ist unklar. Jedenfalls will der „Spiegel” wissen, dass Meyer im Oktober „Mitverschwörer” in Kasernen geschleust haben soll, wo sie „ausspionieren” sollten, ob dort „eigene Truppen nach dem Umsturz” untergebracht werden könnten.

Wenn dies zutreffen sollte, dann zeigt Meyers Geschichte, soweit sie bekannt ist, schlimmstenfalls einen Mann, der durch persönliche bittere Erfahrungen und erlittenes Unrecht als Impfgegner auf einen radikalen Weg geraten ist. Ob es sich wirklich um konkrete Umsturzplanungen und eine auch nur im entferntesten reale Gefahrenlage für den Staat handelte, an denen Meyer mitgewirkt haben soll, wird man wohl nie erfahren – denn der Apparat der politisch missbrauchten und zum Unterdrückungswerkzeug gegen jede Opposition gemachten Sicherheitsbehörden wird – erst recht unter einer linksradikalen Innenministerin und Antifa-Sympathisantin – garantiert nicht mehr vom  Narrativ des gefährlichen Staatsstreiches abgehen; schon um den gigantischen Aufwand bei der PR-Großrazzia letzte Woche nicht als groben Missbrauch von staatlichen und polizeilichen Ressourcen verteidigen zu müssen, macht man es absehbar nicht mehr darunter.

„Corona-Leugner” und die „Putschabwehr“

Dabei steht außer Frage: Jemanden, der die Corona-Impfung ablehnt, als „Corona-Leugner“ zu bezeichnen, ist damals wie heute an Lächerlichkeit und Niedertracht nicht zu überbieten. Die typisch deutsche Engführung zwischen Impfgegnerschaft und Herausforderung der öffentlich-rechtlichen Ordnung, die einen beträchtlichen Teil der Deutschen kriminalisiert und stigmatisiert hat, setzt sich jetzt, in der krampfhaften Begründung einer angeblichen „Putschabwehr“, ruchlos fort.

Was wirklich von dem ganzen Staatsstreich-Gerede zu halten ist, offenbarte dessen vermeintliche Aufklärerin Nancy Faeser am Sonntagabend bei „Anne Will”, wo sich die übliche Gästetruppe eines „inzestuösen Medienbetriebs” (B. Reitschuster) – darunter aus unerfindlichen Gründen auch Janine Wissler von der in die völlige politische Bedeutungslosigkeit abgesunkenen Linkspartei, natürlich unisono einig war, dass die Bundesrepublik wahrlich am Abgrund stand und erst im letzten Moment durch die Razzia gegen die Reichsbürger gerettet wurde, deren angebliche Gefährlichkeit in den schwärzesten Farben gezeichnet wurde. Faeser entlarvte sich dabei selbst, als sie allen Ernstes erklärte, die „Vorbereitungen auf mögliche Umsturzphantasien“ (!) seien „sehr konkret“ gewesen. Mit diesem Freudschen Versprecher bekannte sie wohl die eigentliche die Wahrheit: Nicht oder konkrete Vorbereitungen, sondern Phantasien waren es, die hier inkriminiert und zum Brigantentum aufgeblasen werden. Besser kann man die komplette Farce dieses taktischen Ablenkungsmanövers kaum auf den Punkt bringen. (DM)

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