Auf dem Weg zur Arbeit (Symbolbild:Imago/Stengel)

Deutschland will Arbeitskräfte, keine Menschen

Der Corona-Mittäter Jens Spahn hat jüngst bedauert, dass die Koalition aus CDU/CSU und SPD, der er selbst als Minister angehört hat, Menschen den vorgezogenen Rentenbeginn ab 63 Jahren mit entsprechenden Abschlägen ermöglicht habe.
Von Wolfgang Hübner
Davon würde zu viele Arbeitnehmer Gebrauch machen, was dem Mangel an qualifizierten Fachkräften verschärfe. Der millionenschwere politische Profiteur Spahn will oder kann sich nicht vorstellen, dass unzählige brave Landleute nach einem langen Berufsleben mit erheblicher Steuer- und Abgabenlast ihren letzten Lebensabschnitt, der statistisch wenig mehr als 15 Jahre zählt, noch etwas freier gestalten wollen.
Für Leute wie Spahn, und davon gibt es mehr als genug in der sogenannten politischen und wirtschaftlichen Machtelite, zählt nicht das Menschsein, sondern nur die Funktion von Menschen als möglichst hochproduktives Rädchen in der ökonomischen Kapitalverwertung.
Und dieses Rädchen muss nicht zuletzt deshalb möglichst lange und willig funktionieren, damit diese „Elite“ sich maximal bereichern und absichern kann. Dazu bedarf es allerdings des ständigen Nachwuchses in Gestalt von Kindern oder Menschenimporten. In beiden Fällen haben die herrschenden Kreise in Deutschland völlig versagt. Denn Kinderarmut und Kinderlosigkeit wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch eine verfehlte Familienpolitik nicht nur gefördert, sondern mit volksfeindlicher Ideologie auch provoziert.
Wer eine aktive Bevölkerungspolitik unter „Nazi“-Verdacht stellt, braucht sich über unzureichende Geburtenraten nicht wundern. Das fiel so lange nicht besonders auf, so lange die siegreiche alte Bundesrepublik nach der Wiedervereinigung gut ausgebildete, disziplinierte Arbeitskräfte aus der ehemaligen DDR und fleißige Aussiedler aus Osteuropa in die Wirtschaftsmaschinerie integrieren konnte. In jenen Jahren war es auch noch recht unproblematisch, dass längst eine Masseneinwanderung von Menschen stattfand, denen die Qualifikationen für anspruchsvollere Tätigkeiten fehlte und zum Großteil immer fehlen wird. Zugespitzt ließe sich formulieren: Man wollte (und will weiterhin!) billige Arbeitskräfte, doch es kamen und kommen „nur“ Menschen, die auf ein besseres Leben hoffen.
Es ist völlig falsch, diesen Menschen das vorzuwerfen. Sie haben ihre von der in zahlreichen Wahlen legitimierten deutschen Politik eröffneten Möglichkeiten genutzt. Dass so viele von ihnen als Fachkräfte ungeeignet sind, ist nicht ihre Schuld. Denn an den Grenzen wurden und werden solche Qualifikationen nicht gefordert. Jetzt, nachdem der eigene deutschstämmige Nachwuchs versiegt ist und ein Heer von ausländischen, nicht qualifizierbaren Leistungsempfängern versorgt werden will, sollen im großen Stil Fachkräfte aus aller Welt nach Deutschland gelockt werden. Besonders die immer zahlreicher werdenden ukrainischen Witwen sind schon im Blickfeld der Kapitalvampire.
Für Spahn und Konsorten muss die ökonomische Verwertung des Humankapitals unbedingt fortgesetzt werden. Doch wie immer werden – wenn überhaupt – nicht nur Arbeitskräfte kommen, sondern leibhaftige Menschen. Genau darauf ist das deutsche Buntland schlechter eingerichtet denn je. Und das ist inzwischen unter ausländischen qualifizierten Fachkräften nicht mehr unbekannt.

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