"Die heilige Klimagretl" - Foto: Collage

Letzte Generation: Das Allerletzte

Wie sagt man? Die „jüngsten Neuigkeiten“ oder die „letzten Neuigkeiten“? Wenn es die letzten sind, dann gibt es analog zu „aktuell, aktueller, am aktuellsten“ und „tot, töter, am tötesten“ auch das Allerletzte von der Nachrichtenfront. Betreffs der „letzten Generation“ also das Allerletzte.

von Max Erdinger

Das Allerletzte zum Thema „letzte Generation“ und „Lützerath“ stammt von „correctiv.org“, den schwerstabhängigen „unabhängigen Faktencheckern“. Nachdem sie gründlich die Fakten gecheckt hatten, kamen sie wieder einmal zu dem Ergebis, daß alle anderen gelogen hatten, als sie behaupteten, die vielfotografierte Polizeiaktion in Lützerath, bei der Greta Thunberg vom Platz getragen wurde, sei eine Inszenierung gewesen. War sie nämlich nicht. „Correctiv“ – hört,hört! – : „Das stimmt nicht. Laut Polizeiangaben war das Festhalten von Greta Thunberg keine Inszenierung, sondern erfolgte, um ihre Personalien aufzunehmen.“ – Ja, ja. Jajajaja. Immer wenn die Polizei von jemandem die Personalien aufnimmt, trägt sdie denjenigen erst einmal vom Platz. Es ist praktisch nicht möglich, jemandes Personalien aufzunehmen, eheh man ihn von hinnen nach dannen getragen hat. Das ist Fakt. Und die Blitzbirnen bei „correctiv“ wissen ganz ohne Zweifel zu jeder Zeit, was jeweils Fakt ist. Na ja, eigentlich wissen sie nur, was nach dem Willen ihrer Finanziers als Fakt zu gelten hätte. Weil sie so unabhängig Fakten checken, nämlich. Der einzige Fakt, den sie hier gecheckt haben, war der, daß die Polizei Angaben zum Sachverhalt gemacht hatte. Wos a Faktencheck!

Jedenfalls ist die schwedische Klimagretel in Ermangelung einer reich verzierten Sänfte unter direktem Kontakt deutscher Polizisten-Hände mit der heiligen Prominenz ihrer Klima-Extremitäten vom Platz getragen worden. Also – ein kurzes Stück. Dann durfte sie wieder auf ihren eigenen Schwedenstampfern laufen. Alsdann scheinen die Personalien aufgenommen worden zu sein, weil es ja hätte sein können, daß die weltbekannte Klimagretel ganz anders heißt und ganz woanders wohnt, als man bisher angenommen hatte. Die Klimagretel hätte in Wahrheit auch Walburga-Kunigunde Hinterlechner heißen – und in St. Vordertupfing hätte sie ihren Wohnsitz gemeldet haben können. Oder Schantalle Müller. Wer weiß schon so genau, ob stimmt, daß Greta Thunberg tatsächlich Greta Thunberg ist? Was kann man überhaupt über Greta Thunberg wissen, ehe man sie wegträgt, um ihre Personalien aufzunehmen? – Eben. Eine Inszenierung ist die Wegtrageaktion auf gar keinen Fall gewesen. Nie und nimmer. Wie gut, daß es die Blitzbirnen bei „correctiv“ gibt, weil „wir“ sonst niemals erfahren würden, wie alles ganz genau ist.

Die allerletzten Dekadenzbratzen

Bei der letzten Generation handelt es sich in Wahrheit – ich habe das ein kleines bißchen  gecheckt – um die allerletzten Dekadenzbratzen. Das ist einleuchtend, ohne daß man noch besonders viel Fakten zu checken bräuchte. Weil Dekadenz ohne materielle Substanz nicht existieren kann. In Afrika, sogar in China auch, gibt es Menschen, von denen man wissen kann, daß sie sich nicht mehr fortpflanzen werden, weil sie vorher an Mangelkrankheiten oder gar an Hunger verstorben sein werden. Von denen war in Lützerath aber niemand zu sehen. Die „letzte Generation“ ist eine, die wohl einen gewissen Phantomschmerz verspürt, den vermutlich jeder bekommt, der feststellt, daß er im Grunde gar kein Gewissen hat, obwohl er so gern eines hätte. Die größte Sorge der sogenannten „letzten Generation“ – durch die Bank wohlgenährt – ist realiter wohl die, daß sich die Akkus ihrer Smartphones leeren könnten, ohne daß es eine erreichbare Steckdose in der Nähe gibt.

Konstantin Kisin

Tweet Konstantin Kisin
Kisin-Tweet – Screenshot Twitter

Konstantin Kisin ist gebürtiger Russe, was seinem über 2 Millionen Mal gesehenen Tweet in diesen Zeiten eine besonders würzige Note gibt, schlägt Kisin doch prinzipiell in dieselbe Kerbe, in die auch Putin seine Axt setzt: Westliche Pseudomoral, die im Grunde ein einziges, gigantisches Lügengebäude ist. In seinem Tweet verlinkt Kisin auf eine kurze Rede, die er bei der altehrwürdigen „Oxford Union Society“ gehalten hat, und die dort bereits mit sarkastischem Beifallsgelächter quittiert wurde. Sie ist sensationell scharfsichtig.

Kisin bei der „Oxford Union Society“: „Vielen Dank, Herr Präsident, für die Vorschau auf die Wahl 2024 in den USA, deren Zeuge wir vorhin werden durften. Wenn Sie, meine Damen und Herren, nicht überredet werden konnten, so zu wählen, wie James vorgeschlagen hatte, dann wird Sie niemand mehr überreden. (…) Meinen Vorrednern danke ich, daß sie über die Punkte bereits gesprochen haben, die ich nun nicht mehr extra aufs Tapet zu bringen brauche. Ich bin es leid, über die Weltkultur zu reden. Das ist es nämlich, was mehr übertrieben wurde als sonst irgendetwas. Die freie Rede ist kein rechtes Re-Framing wovon auch immer, sondern sie ist das Fundament der westlichen Zivilisation. (…) Die einzige sinnvolle Art, mit Rassismus umzugehen, ist die, Leute nach ihrem Charakter zu behandeln – und sonst nichts. Die Tatsache, daß eine ‚Weltkultur‘ dabei ist, diesen Grundsatz über den Haufen zu werfen, ist nichts weiter als eine neue Form von Rassismus, der wir uns alle entgegenstellen müssen.  Ich behaupte das nicht, um ihnen reinzudrücken, daß es das ist, wovor ich die Leute im Westen seit fünf Jahren gewarnt habe, nämlich, daß dann, wenn wir damit fortfahren, unsere Kultur zu erodieren, unsere Zuversicht in die Gültigkeit der westlichen Werte über Bord werfen, jemand wie Wladimir Putin seinen Nutzen daraus zu ziehen wissen wird. (…) Ich rede zu denen unter Ihnen, die „woke“ sind und denoch offen für rationales Argumentieren. Das ist eine kleine Minderheit, die ich akzeptiere. Weil für die meisten „Woken“ gilt, daß ihre Gefühle mehr zählen als die Wahrheit.“ – was meinereiner als den Gipfel der Dekadenz bezeichnen würde. Das muß man sich nämlich erst einmal leisten können.

Konstantin Kisin weiter: „ (…) also lassen Sie mich mit ersten Argument beginnen. Es wird uns erzählt, daß Ihre Generation diejenige sei, die sich mehr um den Klimawandel kümmert als jede vorherige. Es wird uns erzählt, daß viele von Ihnen an Klima-Angst leiden. Sie würden gern den Planeten retten. Heute Abend – und nur heute Abend – werde ich mich an Ihre Seite stellen. Ich werde mit Ihnen ‚Sankt Greta vom Klimawandel‘ anbeten. Lassen Sie uns gemeinsam akzeptieren, daß wir einen schlimmen Klimawandel durchleben und daß unser Vorrat an Eisbären zur Neige geht. Ich stelle mich in dieser Sicht der Dinge auf Ihre Seite. Was sollen wir also tun, um diesem riesigen Problem der Menschheit gerecht zu werden? Was können wir hier in Großbritannien tun? Es gibt nur eines, das wir tun können. Wissen Sie warum? Dieses Land ist verantwortlich für lediglich zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen, was bedeutet, daß sich dann, wenn Großbritannien von jetzt auf gleich komplett im Ozean versinken würde, überhaupt nichts am Klimawandel ändern würde. Die Zukunft des Klimawandels wird in Asien und in Lateinamerika entschieden. Von armen Leute, die sich für nichts weniger interessieren, als für einen Klimawandel. Sie scheißen darauf. Warum? Weil sie arm sind!

Ich komme aus Russland, das kein armes Land ist, sondern in mittleren Liga mitspielt. Zwanzig Prozent der russischen Haushalte haben keine Toilette in der Wohnung. Was sie haben, ist eine Toilette draußen. (…) Das sind keine schnieken Toiletten, wie die, welche Sie hierzulande haben. Ich rede von einer Holzhütte mit einem Loch im Boden. Dieses Loch ist die fermentierte Erinnerung an die vergangenen zehntausend Besuche. Wie viele von Ihnen werden heute abend nachhause gehen, um zu sagen: ‚Laß‘ uns unsere Bad herausreißen und stattdessen ein sibirisches Scheißhaus im Garten aufstellen.‘ – ? Und wenn Sie das nicht wollen, warum sollten dann die? 120 Millionen Chinesen haben nicht genügend zu essen. Damit meine ich nicht, daß sie keine Nachspeise bekommen, nein, diese Leute leiden an Unterernährung. Das heißt, daß ihr Immunsystem zerstört wird, weil sie nicht genügend zu essen haben. Sie werden diese Leute nicht dazu überreden, arm zu bleiben.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Xi Jinping, der chinesische Führer. Als Sie zehn Jahre alt gewesen sind, gab es eine Revolution. Fremde Leute kamen und steckten Ihren Vater ins Gefängnis. Ihre eigene Mutter musste ihn verleumden. Ihre Schwester brachte sich um. Und Sie selber, plötzlich ohne den Schutz Ihres Vaters, wurden auf ein Dorf zwangsverschickt, in welchem Sie in einer Höhle hausen mussten. Und hier sind Sie nun – Jahrzehnte später: Sie haben sich Ihren Weg aus dem Dreck in die chinesische Politik mit den Fingernägeln herausgekratzt und sind nun der unangefochtene Führer genau jener kommunistischen Partei, die Ihre Familie zerstört hat. Und Sie wissen, daß Sie das einzige zu liefern haben, woran die Chinesen interessiert sind: Wohlstand, wirtschaftliches Wachstum. Was glauben Sie, an welcher Stelle von Xi Jinpings Prioritätenliste der Klimawandel zu finden ist?

Ein Drittel aller Kinder weltweit, die in extremer Armut leben, sind in Indien zu finden. Das heißt, sie hungern und sterben an vermeidbaren Seuchen. Nun, vor etwa 15 Monaten wurde meine Frau schwanger. Also sie, nicht ich. Weil wir altmodisch sind. Neun Monate lang haben wir uns darüber unterhalten, wie unser Junge wohl aussehen würde, was wohl er tun würde während er aufwächst, wir haben uns die Ultraschallaufnahmen angesehen und YouTube-Videos angesehen, wie so ein Kind mit neun Monaten aussieht, mit zwölf, mit zwanzig Monaten. Dann kam er zur Welt. Und hier ist er nun, dieses kleine Bündel an Freude, süßer als etwa 80 Prozent aller Welpen. Wenn Sie mich vor die Wahl stellen würden, mich zu entscheiden zwischen Hunger und vermeidbaren Seuchen für ihn auf der einen Seite und einem Drücken eines Knopfes auf der anderen Seite, was zum Ausstoß einer täglichen CO2-Wolke führen würde, derentwegen er gesund aufwächst, seine erste Freundin mit nachhause bringt, zur Universität geht und studiert, um ein woker Idiot zu werden, dann würde ich keine Sekunde zögern, diesen Knopf zu drücken. Die meisten von Ihnen sind noch jung und haben noch keine Kinder. Aber ich versichere Ihnen: Es gibt nicht einen Elternteil auf der ganzen Welt, der diesen Knopf nicht drücken würde, wenn er könnte. Sie werden diese Leute nicht dazu bringen, daß sie arm bleiben wollen. Sie werden sie noch nicht einmal dahin bringen, nicht reicher werden zu wollen.  Und deshalb -so muß ich es Ihnen sagen – gibt es in diesem Land einen einzigen Weg, um den Klimawandel zu stoppen: Den technologischen Durchbruch zu sauberer Energie, die nicht nur sauber, sondern außerdem auch noch billig ist. Das einzige, was Ihnen die Wokeness anzubieten hat, ist die Gehirnwäsche von intelligenten Leuten wie Sie welche sind, damit Sie glauben sollen, Sie seien Opfer, damit Sie glauben sollen, Sie hätten keine Fürsprecher, damit Sie glauben sollen, alles, was Sie tun müssten um die Welt zu verbessern, sei, sich zu beschweren, zu protestieren, Gemälde mit Suppe zu bewerfen. Wir aber sitzen nicht deswegen auf der anderen Seite dieses Hauses, weil wir uns nicht wünschen würden, die Welt zu verbessern. Wir sitzen auf dieser Seite des Haues, weil wir wissen, daß die Verbesserung der Welt aus Arbeit besteht, aus der Erschaffung und dem Aufbau. Das Problem mit der woken Kultur ist, daß sie zu viele junge Gehirne wie die Ihren vernebelt, um die Wahrheit zu vergessen.

Sprache und geistige Selbstbehauptung

Wie gesagt: Konstantin Kisin stellte sich nur aus rhetorischen Gründen und nur für diesen einen Abend auf die Seite derer, denen seine Rede bei der „Oxford Union Society“ galt, um jene – ihrem Klimawahn inhärenten -, lebensfernen Schwachsinn besser ausstellen zu können.

Man wird Kisin wohl unterstellen dürfen, daß er an jedem anderen Abend ganz genau weiß, was der alles überspannende Bogen ist, der ein Narrativ wie das vom menschengemachten Klimawandel und der Notrwendigkeit seiner unbedingten Vermeidung erst hat salonfähig werden lassen: Der Verlust eines realistischen Bezugs zur Wahrheit als solcher. Der fällt aber ausgerechnet Deutschen besonders leicht, schon wegen gewisser Eigenheiten des Deutschen. Die bedenklichste ist, daß es im Deutschen möglich ist, Singuläres in den Plural zu setzen.

Um beim Thema zu bleiben: Es gibt keine „Wahrheiten“, so wenig, wie es „Lügen“ und „Freiheiten“ gibt. Stattdessen gibt es Sachverhalte, die entlang der einen Wahrheit eben entweder wahr sind oder nicht. Sachverhalte sind keine „Wahrheiten“. Es gibt Behauptungen, die entlang der einen Lüge entweder gelogen sind oder nicht. Behauptung und Lüge sind nicht dasselbe! Und die vielzitierten „Freiheiten“ sind nichts anderes als Erlaubnisse, Gestattungen und Zugeständnisse. Für die braucht es notwendigerweise jemanden, der sie gewährt. Wo man aber jemanden hat, der nach seinem Dafürhalten darüber entscheidet, was wohl geht und was wohl nicht geht, sind „Freiheiten“ nicht der Plural von „Freiheit“, sondern ihr exaktes Gegenteil. Das ist erstaunlich, weil Deutsch sonst nämlich eine unglaublich präzise Sprache ist, in der sich feinste Nuancen ausdrücken lassen – allein schon über die Wortstellung im Satz.

Deshalb komme ich zu dem Schluß, daß diese Art völliger Verblödung bei Leuten, die Kisin als „woke Idioten“ bezeichnet, viel mit der Verschlampung von Sprache zu tun hat. Die deutsche Sprache wird einfach nicht genügend gepflegt – „… sag ich jetzt mal. Du verstehst schon, irgendwie.“ Wenn die Sprache ihre Präzision verliert, „Begriffe mit anderen Inhalten gefüllt und als Wurfgeschosse gegen die bestehende Ordnung verwendet“ wird – (Zitat Franz Josef Strauß) -, dann hat man eines Tages eben solche denkunfähigen, indifferent larmoyanten und gefühligen Matschbirnen wie die von der „letzten Generation“. Ein absolutes Dekadenzphänomen – und damit das Allerletzte!

Die unterschiedslose Vermischung von Wahrheit und Lüge zur je gleichberechtigten „Meinung“ ist überhaupt sehr besorgniserregend. Anscheinend wird diese „hochmassendemokratische Vermischung“ als eine derartige Läßlichkeit begriffen, daß weder die bestens bekannten und evident dahergelogenen Behauptungen hinsichtlich ihrer Biographie, ihrer Qualifikation, ihrer Buchautorenschaft oder die hinsichtlich ihres Pazifismus zu verhindern in der Lage waren, daß Annalena Baerbock deutsche Außenministerin wurde. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, tun nicht wenige Deutsche trotzdem noch so, als sei ganz besonders nobel, hochmoralisch und absolut glaubwürdig, was diese grüne Lady zu erzählen hat seit sie Außenministerin ist. So bescheuert dürfte in einer Kulturnation mit ihren „westlichen Werten“ eigentlich gar niemand sein, ohne sich dabei gründlich in die eigene Tasche lügen zu müssen.

Mein überschwänglicher Dank geht an Konstantin Kisin. Chapeau!

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