Der verlogenste Krieg jemals - Foto: Von Corona Borealis Studio/Shutterstock

Preisfrage: Wem gehört die Ukraine?

Was für eine dämliche Frage. Die Ukraine gehört selbstverständlich den Ukrainern! – Ist das wirklich so?

von Max Erdinger

Die Sache mit dem Ukrainekrieg ist nicht so einfach, wie sie in den Westmedien gern dargestellt wird. In den Medien geht es vergleichsweise simpel zu. Wer hat angegriffen und das Völkerrecht gebrochen? – Klar, die Russen. Es ist „Putins Angriffskrieg“. Die ukrainische Souveränität wurde verletzt. In der Ukraine werden Demokratie, Freiheit und die sehr beliebten „westlichen Werte“ verteidigt. Deshalb muß dieser Krieg sein und er darf nicht eher aufhören, als bis ihn die Ukraine gewonnen hat, was allerdings völlig illusorisch ist.

Das Seltsame an der westlichen Medienberichterstattung zur Ukraine ist, daß bis zur russischen Invasion am 24. Februar ein ganz anderes Bild von der ach-so-souveränen und unabhängigen Nation Ukraine gezeichnet wurde als sofort danach. Über Nacht war aus dem korrupten Armenhaus Europas, in welchem die Durchschnittslöhne bei einem Drittel der russischen – und das amtliche  Existenzminimum bei 83 Dollar im Monat lag, eine Musterdemokratie unter Führung des heiligen Wolodymyr geworden. Wie das auf einmal? Da wird es doch neben dem wohlfeilen Geschwätz von der ukrainischen Demokratie, der ganzen Freiheit und den „westlichen Werten“ nicht noch um etwas ganz anderes gegangen sein? Um etwas, das man lieber nicht so genau beleuchten wollte?

Westliche Werte

Wenn man „westliche Werte“ in US-Dollars bemißt, dann geht es in der Ukraine durchaus um westliche Werte. Und zwar in Miliardenhöhe. Im August 2022 war das schon einmal kurz Thema geworden, dann aber sehr schnell wieder zugunsten völkerrechtlicher, globalwirtschaftlicher und geopolitischer Grundsatzfragen aus dem Fokus des Medieninteresses verschwunden.

Die Grundfläche der Ukraine insgesamt (inklusive Krim) beträgt 60 Millionen und 370.000 Hektar, ohne die Krim sind es weit unter 60 Millionen. Für das Jahr 2018 war die Ackerfläche der Ukraine mit 32 Millionen und 880.000 Hektar angegeben worden. Besonders im Süden und im Osten der Ukraine, in den Gebieten, die bislang besonders umkämpft sind, liegen die besten Böden der Welt, die sehr ertragreiche „schwarze Erde“. Zugleich wohnen dort aber auch die meisten „ethnischen Russen“. Von den über 32 Millionen Hektar der ukrainischen Ackerfläche waren aber schon vor der russischen Invasion 17 Millionen an agro-industrielle Großkonzerne aus den USA verhökert worden. Das war über eine Grundstücksreform möglich geworden. Diese von der ukrainischen Werchowna Rada 2021 verabschiedete Reform machte es nach 20 Jahren der Blockade internationalen – zur westlichen Einflußzone gehörigen – Agrar-Konglomeraten möglich, ukrainisches Ackerland in ungeahnten Größenordnungen aufzukaufen. 17 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche entsprechen also etwa der Hälfte der gesamten Ackerfläche in der Ukraine. Das ist mehr, als ganz Italien aufzuweisen hat, wie die „Australian National Review“ anmerkte. Wer hat gekauft?

Es sind die Agrar- und Biotech-Giganten Cargill, DuPont und Monsanto. Monsanto gehört der Bayer AG. Cargill wurde auch Mehrheitsinhaber eines Tiefwasserhafenterminals im „Südlichen Hafen“ Piwdennyj Port – ehemals Juschnoje – in der Region von Odessa am Schwarzen Meer. Philippa Purser, die Präsidentin von Cargills Geschäftsbereich für Landwirtschaft und Lieferketten in Europa, erklärte die hochphilanthropischen Absichten dahinter:  Die Investition in den Tiefwasserhafenterminal ermögliche es Cargill, seine Aktivitäten besser zu nutzen, um eine wachsende Bevölkerung zu ernähren, indem es Getreide in Gebiete auf der ganzen Welt transportiert, in denen es am dringendsten benötigt wird. Kleiner Schönheitsfehler: Die meisten der Getreideausfuhren aus der Ukraine Ende des vergangenen Sommers wurden in westeuropäischen Häfen angelandet. Dort schienen sie also am dringendsten benötigt worden zu sein.

Aber wer hat nun Anteile an den o.g. agro-industriellen Westkonzernen Cargill, DuPont und Monsanto? Das sind Vanguard und BlackRock, die beiden größten Vermögensverwalter der westlichen Welt. BlackRock ist mit 4,33 Prozent der DuPont-Aktien zweitgrößter Anteilseigner.  Vanguard ist mit über sieben Prozent der größte. Naiv wäre die Unterstellung, daß es eine klar zu ziehende Trennlinie gebe zwischen diesen Finanz- und Investmentgiganten und dem sogenannten militärisch industriellen Komplex der USA. Und nicht nur das. Ihr schierer Einfluss hievt BlackRock und Vanguard in eine ganz eigene, exklusive Unternehmenskategorie. Die beiden sind zugleich die mit Abstand größten Aktieninhaber der zehn mächtigsten Banken der Wall Street – darunter Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase.

Was glaubt der brave Ukrainer?

Der brave Ukrainer glaubt natürlich, daß er sprichwörtlich  für sein physisches eigenes Land, also für ukrainischen Grund und Boden, in den Krieg gegen die Russen ziehen muß. Das ist sein Patriotismus. Der wurde gehörig geschürt, besonders intensiv seit 2014 nach dem Maidan-Putsch. Mit freundlicher Unterstützung aus den USA.

Wie diskret solche Landübernahmen ablaufen, schilderte Roger Perkins bereits in seinem 2005 erschienenen Buch „Confessions of an Economic Hit Man“. Die Zutaten fürs Rezept: Man nehme eine künstlich an die Macht geputschte, korrupte neue Elite, die hinter der Maske des Volksvertreters als Verräter die juristischen Bedingungen vor Ort schafft, unter denen alles vermeintlich legal und nicht zu beanstandend im Sinne ihrer westlichen Herren abgewickelt wird. Seit Anfang 2014 gab es diese Sorte scheinbarer Volksvertreter in Kiew zuhauf. Der brave Ukrainer glaubt noch immer, es sei sein eigenes Land, für das er sich verheizen läßt.

Unterdessen massieren die westlichen Medien die Hirne ihrer Konsumenten mit der Behauptung, die „Unabhängigkeit und Demokratie“ der Ukraine hinge am seidenen Faden. Das ist im Grunde nichts anderes als Hohn für ein ukrainisches Volk, dessen Land physisch zur Hälfte verhökert worden ist. Die Leichtigkeit, mit der sich westliche Bevölkerungen hinters Licht führen lassen, ist wirklich bemerkenswert.

Verräterisch ist, daß der Aspekt der Besitzverhältnisse an Grund & Boden in der Ukraine im Kontext der medialen Berichterstattung kaum vorkommt. Das spricht dafür, daß er enormes Gewicht haben muß, aber nicht ins utilitaristische Moralistenschema von Westjournalisten paßt und deshalb ausgeblendet wird. Gerade im Osten und im Süden der Ukraine geht es für BlackRock, Vanguard, Cargill, DuPont und Monsanto um Abermilliarden, die verloren wären, sollten diese Gebiete russisch bleiben. Für die Russen wäre das eine willkommene Kompensation für die Beschlagnahmung russischer Vermögen im Westen.  Kleinreden läßt sich dieser Aspekt nicht. Der spielt mindestens so sehr eine Rolle wie das ganze Gerede von den Ukrainern als den Verteidigern von Freiheit, Demokratie und „westlichen Werten“.

Religionsfreiheit und Täterschaften

Zu den „westlichen Werten“ zählt übrigens auch die Religionsfreiheit. Und da stößt mir schon wieder der Herr Jürgen Braun von der AfD sauer auf, ehemaliges CDU-Mitglied. Er engagiert sich sehr für die verfolgten Christen weltweit. 360 Millionen seien es, schrieb er dieser Tage. Verfolgt würden sie in Pakistan, in Afghanistan, im Iran, in China – und hoppla! – auch in Russland. Das sei nicht länger mehr hinzunehmen. Da hat er wohl recht. Aber Christenverfolgung ausgerechnet in Russland? Welches Land hat er zu nennen vergessen? – Die Ukraine! Unter Selenskyj werden Klöster enteignet und ukrainisch-orthodoxe Priester ins Gefängnis gesteckt, wenn sie den ukrainischen Kriegskurs kritisieren, der ja im Grunde gar kein ukrainischer, sondern ein amerikanischer ist.

Der Verteidigungsminister der Ukraine selbst hat kürzlich zugegeben, daß seine Truppen einen amerikanischen Proxykrieg gegen Russland kämpfen. Wer ist nochmal „Oppositionsführer“ der CDU, Brauns ehemaliger Partei? – Herr Friedrich Merz. Und was war der, bevor er nach seiner Vertreibung durch Angela Merkel wieder in die deutsche Politik zurückkam? – Deutschland-Chef von BlackRock. Wenn der Herr Braun sich wieder – völlig zu Recht – über die Verfolgung von Christen weltweit aufregt, dann sollte er wohl künftig bei der Nennung der Verfolgerländer tunlichst die Ukraine nicht auslassen. Das hat nämlich so ein äußerst unangenehmes „Merz-G’schmäckle“. So, wie seine voreilige Bereitschaft, „Butscha“ ganz unbedingt den Russen in die Schuhe zu schieben. Es wird schon noch herauskommen, wer dieses Verbrechen begangen hat. Auffällig ist einstweilen, daß im Westen kaum noch Interesse daran besteht, die Beweise für eine russische Täterschaft beizubringen. Das ist fast so auffällig, wie das Desinteresse der Bundesregierung an einer Nennung der Täterschaft bei der Sprengung von Nordstream 1&2.

Friedrich Schiller ( 1759-1805), deutscher Nationaldichter: „Verrat trennt alle Bande“. Das sollte man bedenken, wenn es künftig um die „transatlantische Freundschaft“ geht. Und nicht nur dann.

 

 

 

 

Themen

AfD
Aktuelles
Aktuelles
Maskenmüll (Bild: shutterstock.com/G Von Golden Shrimp)
Corona
Gender
Gender
Messerstecher: (Bild: shutterstock.com/Von Love Solutions)
Islam
Justiz
Klima
Aktuelles
Medienkritik
Migration
Politik
Ukraine
Politik
Klima