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Westliches Finanzsystem ist auf Sand gebaut

Die Silicon Valley Bank in Kalifornien ist kein Finanzriese, sondern eine Nischeninstitut für die Kreditbeschaffung für defizitäre Start-ups.
Von Wolfgang Hübner
Die Bank arbeitet mit der Vergabe von Wagnis-Fremdkapital. Faktisch ist das also eine Zockerbude, was sie allerdings nicht sehr von vielen anderen Banken unterscheidet. Letzte Woche geriet diese Silicon Valley Bank in Turbulenzen, sie musste wegen Anleihen, die nach der Zinswende an Wert verloren hatten, eine Notkapitalerhöhung in Höhe von 2,25 Milliarden Dollar vornehmen, eigentlich keiner besonders hohen Summe. Der Börsenkurs der Bank ging aber steil nach unten und bewirkte eine ungeahnte Erschütterung an den Finanzmärkten, bei der die vier größten US-Banken am Donnerstag über 50 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren.
Das Beben erreichte Asien und Europa, die Deutsche Bank war davon betroffen. Offenbar haben auch die kommunalen Sparkassen und Volksbanken in Deutschland wegen Wertverlusten von Anleihen etliche Milliarden Euro zu verzeichnen. Mag sein, dass es sich bei den jüngsten Vorgängen um vorübergehende Turbulenzen handelt. Doch die weltweiten Folgen der Finanzmisere einer kleinen amerikanischen Bank machen deutlich, wie wacklig und verletzlich das gesamte westliche Finanzsystem ist – es ist auf Treibsand gebaut und kann jederzeit dramatische Konsequenzen zeitigen. Die derzeit Mächtigen im Wertewesten wissen sehr wohl um diese Situation. Dieses Wissen kann dazu beitragen, sich in politische und militärische Abenteuer zu stürzen, bevor der ungeheure Schuldenturm zusammenstürzt.
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