Propaganda (Bild: shutterstock.com/Shyntartanya)
Propaganda (Bild: shutterstock.com/Shyntartanya)

Propaganda: Geheimdienste und Medien

Können Sie sich an die “Operation Mockingbird” erinnern, als Geheimdienstmitarbeiter in den USA während des Kalten Krieges direkt in den Redaktionen der großen Mainstream-Zeitungen und Fernsehsender arbeiteten? Damals wussten Sie es nicht. Sie denken, das sei Vergangenheit? Weit gefehlt.

von Max Erdinger

Der amerikanische Filmproduzent und Journalist Dan Cohen kam dieser Tage bei “Redacted” mit einem Update heraus, um zu illustrieren, wie sich die “Operation Mockingbird” bis zum heutigen Tag gewandelt hat. Sie ist so munter wie eh und je. “Mockingbird” steht für die Spottdrossel, den “Staatsvogel” mehrerer US-Bundesstaaten. “To mock someone” – jemanden verspotten. Den Medienkonsumenten zum Beispiel.

Dan Cohen
Dan Cohen, Journalist & Filmproduzent – Screenshot YouTube

Cohen zeigte auf, wie die größte Nachrichtenagentur der Welt, “Associated Press” (AP), sowie “PBS” mit der amerikanischen Regierung das Bett teilen, im Grunde also gar keine journalistischen Nachrichtenquellen sind, sondern propagandistische. “AP” unterhielt im Jahr 2016 in 106 Ländern insgesamt 263 Büros. Bei den Veröffentlichungen von “Associated Press” bedient sich fast der gesamte westliche Medien-Mainstream. “ZEIT-Online” listete im Jahr 2018 z.B. Frau Charlotte Alfred als ZEIT-Autorin. Sie war vorher an zahlreichen Dokumentationen von “PBS Frontline” beteiligt. Passend dazu ein jüngerer “ZEIT”-Artikel zur Nordstream-Sprengung.

ZEIT Online sprengung
War es die Mama? – Screenshot Facebook

Nun gut, niemand wird wohl unterstellen, daß es die Mama von Extremtaucher Schlöffel gewesen ist, die Nordstream gesprengt hat. Andere Medien, die in keinen Zusammenhang mit US-amerikanischen Geheimdiensten zu bringen sind, hatten schließlich militärische Tauch- & Sprengstoffexperten interviewt, die haarklein erklärten, welche Voraussetzungen erfüllt gewesen sein müssen, um die Pipelines in der Ostsee zerstören zu können. Nein, Extremtaucher Schlöffels Mama hätte das nicht geschafft. Verräterisch ist aber, daß die “ZEIT” mit solchen Schlagzeilen aufwartet. Womöglich ist die Einbildung dort inzwischen derartig groß, daß die Überzeugung herrscht, der “ZEIT”-Leser konsumiere überhaupt keine anderen Nachrichten als nur die aus der degenerierten Hamburger Wochenpostille, weswegen man ihm auch jeden Hokuspokus als der Weisheit letzten Schluß unterjubeln könne.

“Associated Press” und “PBS” sind sehr darauf bedacht, ihre Verbindungen zur US-Regierung nicht so leicht identifizierbar zu machen, so Cohen. Beispielsweise betreiben “AP” und “PBS” zusammen eine “Infoseite” mit der Bezeichnung “War Crimes Watch Ukraine”, auf der sie über von Russen begangene Kriegsverbrechen berichten. Für von Ukrainern begangene Kriegsverbrechen interessieren sie sich nicht Bohne.  Es sind schließlich nur die Russen, die von der amerikanischen Regierung als Feind betrachtet werden. Ukrainische Kriegsverbrechen sind allerdings ebenfalls gut dokumentiert worden, wenn auch nicht ausgerechnet von “AP” und “PBS”. Das heißt, daß sich “AP” und “PBS” nur so lange für Kriegsverbrechen überhaupt interessieren, wie sie propagandistisch im Sinne einer Agenda zu verwenden sind. Hier soll offensichtlich die Unterstützung der amerikanischen Medienkonsumenten für das US-Engagement in der Ukraine aufrecht erhalten werden. “AP” und “PBS” berichten auch nicht darüber, daß die ukrainische Armee ihre Geschützstellungen von allem Anfang an gern in der “Deckung” von Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und Wohnblocks eingerichtet hatten, wo es natürlich zivile Opfer gibt, wenn diese Stellungen angegriffen werden. Sie berichten auch folgende Zahlen nicht: Im Zuge der russischen Invasion kamen in der Ukraine bisher etwa 12.000 Zivilisten ums Leben. Das entspricht einem Fünftel dessen, was allein bei der NATO-Bombardierung von Serbien zu konstatieren gewesen war – und so traurig 12.000 tote Zivilisten natürlich sind –  es sind immer noch weniger , als allein zwischen 2014 und 2015 im Donbass, als die ukrainische Armee ihre eigenen Landsleute terrorisierte.

Sowohl “AP” und “PBS” arbeiten mt einer Reihe von Organisationen zusammen, die in ihren Berichten allesamt ausschließlich die ukrainische Seite berücksichtigen. Dazu zählen das “Center For Information Resilience”, “Bellingcat”, “The Reckoning Project”, “The International Partnership For Human Rights”, “The Ukrainian Healthcare Center” und “Physicians For Human Rights”, alles Organisationen, die den US-Geheimdiensten ebenfalls zuarbeiten. Das “Center For Information Resilience” ist eine britische Firma, die vom ehemaligen estnischen Außenminister Toomas Hendrik Ilves beraten wird, unter dessen Regie auch der NATO-Beitritt Estlands erfolgte. Mit an Bord ist auch die ehemalige CIA-Agentin Cindy Otis. Und um das Kraut gar fett zu machen: Vizepräsidentin des “Center For Information Resilience” ist Nina Jankowicz, die ehemalige Exekutivdirektorin des “Disinformation Governance Board” der Vereinigten Staaten, einer kurzlebigen Einrichtung der Biden-Regierung. Angeheuert worden war Jankowicz von den Briten einer Information der Seite “Intelligence Online” zufolge, weil sich so finanzielle Unterstützung aus den USA sicherstellen ließ. Die Organisation erklärt auf ihrer Webseite auch freimütig, von wem sie finanziell unterstützt werden: Von der britischen Regierung, dem US-Außenministerium, USAID und dem australischen Außenhandelsministerium.

In den Nachrichten von “AP” und “PBS” wird aber nicht darauf hingewiesen, von wem die Quellen finanziert werden, auf die sich berufen. Es wird sogar noch dreister. “Bellingcat” hat ähnlich politisch gesteuerte Finanziers wie das “Center For Information Resilience”. Gegründet worden war “Bellingcat” von Eliot Higgins. Der hat rotzfrech Tweets raus wie den untenstehenden.

Eliot Higgins
Higgins-Tweet – Screenshot YouTube

Er hoffe, schreibt er, daß alle, die russische Kriegsverbrechen in Butscha “leugnen”, vor Scham im Boden versinken, nachdem sie eine Reportage von “AP” und “PBS” dazu gesehen haben, auch wenn er bezweifle, daß diese “Leugner” sich überhaupt für irgendetwas schämen können. Er “beruft” sich also auf die “seriösen” Agenturen “AP” und “PBS” – und verschweigt, daß die wiederum Quellenmaterial seiner eigenen, politisch unterstützten Firma “Bellingcat” benützen. “PBS” revanchiert sich natürlich artig – und präsentiert Higgins in der eigenen Sendung “60 minutes” als unabhängigen “Experten”.

In dem Stil geht das weiter. Mit dem “Reckoning Project” und den anderen, o.g. Organisationen läuft es ähnlich. Die Verschmelzung von Politik, Geheimdiensten und Medien wäre unglaublich, hätte man den Glauben an die Existenz einer sogenannten vierten Gewalt nicht ohnehin schon längst begraben. Interessant sind die Zusammenhänge dennoch, weil sie aufzeigen, auf welchen Strukturen das mediale Lügengebäude des “Wertewestens” aufbaut. Wie gesagt: “AP” ist die weltgrößte Nachrichtenagentur.

Nicht übersehen werden darf auch “wpp”, die größte Werbeholding der Welt. Unter dem Dach der “wpp” versammeln sich sowohl Medienunternehmen als auch Demoskopieinstitute und Werbeagenturen, z.T. im Besitz der “Kantar Group”, die wiederum zur “wpp” gehört. Wer “Emnid” für das älteste deutsche Demoskopieinstitut hält, ist nicht auf dem Laufenden. “Emnid” gehört längst zu “wpp”, wie auch die Werbeagentur “Scholz & Friends”. “t-online” ist indirekt “wpp”, ebenso wie die “Ströer-Gruppe” (Städtewerbung). Der Gründer von “wpp”, der die gleichnamige Firma 1971 als “Wire & Plastic Products” (Wäschekörbe und Drahtkleiderbügel etc.) gekauft hatte und sie dann peu a peu in die weltgrößte Werbeholding verwandelte, Sir Martin Sorrell, ist ein Spezi von George Soros. In dessen Auftrag organisierte Sorrell 2017 die “Remain”-Kampagne, mit der das Votum der Briten für den Brexit rückgängig gemacht werden sollte.

Transatlantisches Netzwerk 2
Transatlantisches Mediennetzwerk – Screenshot Facebook

Wenn man dann noch das sehr verdienstvolle Schaubild betrachtet, das 2014 in der ZDF-Sendung “Die Anstalt” veröffentlicht wurde und die transatlantische Vernetzung deutscher Mainstream-Medien studiert, müsste einem eigentlich schnell klarwerden, daß man durch den Konsum von Nachrichten der selbsternannten Qualitätsmedien nicht klüger wird, sondern dümmer. Das ist zielgerichtete, flächendeckende  Ahnungslosigkeit, die dort produziert wird. Natürlich nicht durchgängig. Wenn dort nur Schrott berichtet werden würde, dann würde das irgendwann auch dem Dümmsten auffallen. Aber eben diese Mischung von Wahrem und zielgerichtet Dahergelogenem ist für sich genommen wieder Strategie. Wer seinen Gegner – hier also den demokratischen Souverän, das Volk, den Nachrichtenkonsumenten “besiegen” will, der tut gut daran, Zweifel daran zuzulassen, daß er nur und ausschließlich Bullshit druckt und sendet. Mit einem solchen Balanceakt läßt sich zielstrebig eine gewisse Tendenz steuern. Es wird sich der einzelne Medienkonsument kaum die Mühe machen, jede einzelne Nachricht auf ihren Wahrheitsgehalt hin gegenzurecherchieren. Auf diese Weise lassen sich die absichtsvollen Falschnachrichten hervorragend zwischen zutreffenden Meldungen verstecken – und man selbst macht sich als Nachrichtenmagazin oder Nachrichtensender  ziemlich unangreifbar. Was allerdings die “ZEIT”, die “taz” und auch den “SPIEGEL” betrifft, so haben es diese drei Erzeugnisse ohnehin leichter als alle anderen. Die müssen schon seit Jahren nur noch erfühlen, welche Bestätigungen sie am besten zu liefern haben für eine Leserschaft, die ohnehin schon alles besser weiß.

 

 

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