Sanktionen (Bild: shutterstock.com/Allexxandar)
Sanktionen (Bild: shutterstock.com/Allexxandar)

Ex-Sberbank-Topmanager: Sanktionspolitik schadete nicht Russland, sondern dem Westen

In einem aufschlussreichen Interview hat der ehemalige Sberbank-Manager Oliver Kempkens aufgezeigt, um was für einen kontraproduktiven Aberwitz es sich bei den westlichen Sanktionen gegen Russland tatsächlich handelt. Kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges hatte Kempkens seine Tätigkeit bei der russischen Bank beendet und kehrte nach Deutschland zurück. Seiner qualifizierten Ansicht nach haben die Sanktionen ihren Zweck völlig verfehlt. Zwar sei die Arbeit für einige Konzerne schwieriger geworden und die Automobil-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie sei eingebrochen, und Russland befinde sich in einem „graduellen Abstieg“. Anders als vom Westen erwartet werde es jedoch keinen Paukenschlag, mit einer Rückkehr in die Zustände der 1990er-Jahre geben, ist Kempkens überzeugt. Der russische Staat habe “zum Teil wohlkalkuliert“. Es sehe so aus, „dass Russland einen langen Atem“ habe.

Während in Deutschland die Preise stiegen und große Konzerne wie BASF ihre Werke in andere Länder verlagern, könnte der russische Staat sich nach Kempners Meinung als „widerstandsfähig“ erweisen. Nach wie vor seien 91 Prozent der westlichen Unternehmen in Russland tätig. Die russische Mittelschicht sei ziemlich klein, und ihr jährliches Einkommen im Schnitt höher als in Deutschland. Die Bevölkerung könne immer noch verreisen, wenn auch nun eben „vermehrt nach Dubai, statt nach München“. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebe in etwa auf dem Niveau wie vor dem Krieg, wenn die Waren auch teurer geworden seien. Im März habe die russische Inflationsrate nur 3,5 Prozent betragen. VW habe Russland verlassen, dafür würden mehr Autos aus Südkorea statt aus Deutschland gekauft. Überhaupt seien Russland und der Westen „nicht so sehr verzahnt, wie es viele glauben“.

Deutsche Regierung hatte keine Ahnung

Seit 2014 habe der russische Staat „aktiv begonnen, Lieferketten umzustellen, um weniger vom Westen abhängig sein zu müssen“. Man habe auch Wege gefunden, das Bankengeschäft aufrechtzuerhalten. Die russische Gesellschaft sei „resilient“. Man müsse sich nicht sozialpartnerschaftlich abstimmen, Dinge würden einfach umgesetzt, es werde gehandelt, auch bei vielen Konzernen. Selbst von unabhängigen Umfrageinstituten würden hohe Zustimmungswerte für Putin gemessen. In Russland setze sich langsam die Haltung durch, „dass auch der Westen die Eskalationsspirale beenden“ könne. Es sei ein großer Fehler des Westens gewesen, „die wirtschaftsliberalen Kräfte in Russland auch zu sanktionieren“. Man müsse, fordert Kempkens, „die Dinge mit Augenmaß betreiben“. Es bringe nichts, „einfach nur empört zu sein“. Er sei sich sicher, „dass kein Mitglied der deutschen Bundesregierung eine umfassende Ahnung hatte, wie sich die Sanktionen auf die russische Wirtschaft auswirken“. Diese Einschätzung trifft zweifellos zu. Jedenfalls solle man sich von der Vorstellung verabschieden, „dass Russland bald wirtschaftlich am Ende sei“.

Insgesamt bestätigt Kempkens Analyse das, was sich früh abgezeichnet hat. Die Russland-Sanktionen schaden dem Westen -und natürlich Deutschland ganz besonders- am meisten. Deutschland stöhnt unter der Inflation und immer höheren Energiekosten, während die russische Wirtschaft
sogar wächst. Russland wird in die Arme Chinas getrieben, und die wirtschaftlichen Kontakte nach Asien intensiviert. Putin sitzt fest im Sattel. Dennoch will die EU schon wieder ein neues Sanktionspaket verabschieden. Im russischen Staatsapparat seien, so Kempkens, „einige sehr smarte Leute am Werk“. Hier liegt der entscheidende Unterschied zu Deutschland.

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