Der niederländische PM Mark Rutte mit Wolodymyr Selensky "having a good time" am 3.5.23 - Foto: Imago

You stand with Ukraine: Gonzalo Lira verhaftet

In Charkow ist der Autor, Regisseur und YouTuber Gonzalo Lira erneut verhaftet worden. Der Vorwurf: “Verbreitung von russischer Propaganda” auf seinem YouTube-Kanal. Tatsächlich hatte er allerdings die westliche Propaganda als solche entlarvt.

von Max Erdinger

Gonzalo Lira (*1968) Lira ist US-Staatsbürger und hat zudem einen chilenischen Paß. Lira ist Autor zweier Bücher, Produzent und Regisseur sowie Mitverfasser des Films Catalina’s Kidnapping, der in Chile als Secuestro bekannt ist. Lira war auch an der Produktion des Computerspiels Soldier of Fortune beteiligt. Als Blogger veröffentlichte er auch wirtschaftliche und monetäre Analysen, zum Beispiel über die Entwicklung des US-Dollars. Seine Artikel erschienen u.a. beim Business Insider. Er lebte eine Zeit lang in London, bevor er sich in der Ostukraine in Charkow niederließ. Gonzalo Lira reiht sich ein in eine lange Liste westlicher Blogger, Journalisten, Autoren und Militärexperten, die dem propagandistischen Narrativ der Westmedien zum Ukrainekrieg widersprechen. Lira war auch oft in Zoom-Konferenzen zu sehen, etwa bei “The Roundtable”. Im Prinzip vertritt Lira die gleichen Positionen wie etwa Pepe Escobar, Alexander Mercouris, der Ex-UN-Waffeninspekteur und Ex-Marine-Intelligence-Officer Scott Ritter, der von Donald Trump als US-Botschafter für Deutschland nominierte Colonel Douglas Mcgregor, der Ex-Fox-Moderator Clayton Morris, der Kriegsberichterstatter Patrick Lancaster, Andrew “Judge” Napolitano, Ex-CIA-Mitarbeiter Ray McGovern, Ex-CIA-Mitarbeiter Larry Johnson – und waas die militärischen Möglichkeiten der NATO angeht, auch die von EUCOM-Chef General Christopher Cavoli.

Daß Lira erstmals vom ukrainischen SBU verhaftet worden war, stellte sich heraus, nachdem er zu einem vereinbarten Interview in der Talkshow des schottischen Politikers George Galloway nicht erschienen ist. Gonzalo Lira war ab dem 15. April 2022 für eine Woche wie vom Erdboden verschluckt, ehe er am 22. April in der Talkshow “The Duran” wieder auftauchte und erzählte, was ihm widerfahren war. Zu seinem Glück war man in Chile auf sein Verschwinden aufmerksam geworden und hatte dort in der chilenischen Monatszeitung El Ciudadano und dem chilenischen Internet-Portal Revista de Frente von seiner Verschleppung durch den Inlandsgeheimdienst der Ukraine “Sluschba bespeky Ukrajiny” (SBU) berichtet. Daraufhin wurde sein Verschwinden auch vom chilenischen Außenministerium bestätigt. Gonzalo Lira ist ein unerbittlicher Kritiker von Wolodymyr Selenskyj und der Nazihorden in der Ukraine.

Vor einer Woche wurde Lira erneut vom ukrainischen Geheimdienst in Charkow verhaftet. Bei der Durchsuchung wurden laut SBU weitere Beweismittel gefunden, so unter anderem Daten auf Liras Mobiltelefon und auf seinem Computer. Vermutlich wegen der internationalen Bekanntheit Liras sah sich die Staatsanwaltschaft dazu veranlaßt, einen 30-Sekunden-Clip aus einem YouTube-Video von Lira als “Beweismittel” dafür zu präsentieren, daß Gonzalo Lira “russische Propaganda” verbreitet hat.  Das taugt allerdings nicht zur Stützung des Vorwurfs.

Lira
Gonzalo Lira im 30-Sekunden- “Beweisvideo” der Staatsanwaltschaft – Screenshot YouTube/The New Atlas

Lira behauptet in diesem 30-Sekunden-Clip: “Wladimir Putin ist unter jedem Blickwinkel jemand, den man einen ethnischen Nationalisten nennt. Aber ist kein Imperialist. Das Kiew-Regime, und ich sage das, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen: Diese Leute sind Neofaschisten und Neonazis. Der Westen hält sich Selenskyj als Puppe. Das Kiew-Regime belegt auch den Donbass mit ständigem Beschuß. Dort sind seit 2015 etwa 16.000 Leute gestorben bis dieser Konflikt ausbrach. Dabei kamen 800 bis 1.000 Kinder ums Leben.” – Keine dieser Behauptungen kann als russische Propaganda abgetan werden. Die Liste westlicher Medien, die das bis zum Eingriff der Russen am 24.02.2022 genau so berichtet hatten, ist ellenlang.

“BBC Newsnight” 2014: “Neonazi-Bedrohung in der neuen Ukraine“. “Reuters” im Jahr 2018: “Kommentar: Das Neonazi-Problem in der Ukraine“. “The Hill” ebenfalls 2018: “Kongreß verbietet Waffenlieferungen an ukrainische Miliz mit Verbindungen zu Neonazis.” Der Artikel bezog sich auf die Äußerungen eines US-Senators, der die Ukraine in denselben Worten beschrieben hatte wie später auch Gonzalo Lira. “Human Rights Watch” im Jahr 2014: “Weitverbreiterer Gebrauch von Streumunition – Regierung verantwortlich für Angriffe auf Donezk.” “Yahoo-News” im Jahr 2014: “Chirurgen im rebellischen Donezk bestätigen die Verwendung von Streumunition“.  Auch in Deutschland wurde ab 2014 immer wieder äußerst kritisch über das Kiewer Regime berichtet. Noch im Jahr 2021 bezeichnete die “Süddeutsche Zeitung” die Zustände in der Ukraine als “so korrupt wie eh und je“. Und im Jahr 2023 berichtete Seymour Hersh, Selenskyj und einige aus der Generalität hätten 400 Mio. US-Dollar aus den Hilfen für Treibstoffeinkäufe veruntreut und sich selbst in die Taschen gesteckt. Zudem sei Diesel über eigens zu diesem Zweck gegründete Firmen aus Russland gekauft worden.

Die Verteidiger der “westlichen Werte”

Mit dem Beginn der russischen SMO (Spezielle Militärische Operation) am 24. Februar 2022 muß in der Ukraine eine Läuterung binnen 24 Stunden begonnen haben. In den westlichen Medien wurde aus dem Oberkorrupten an der Spitze des Kiewer Regimes auf einmal der heilige Wolodymyr. Die Ukraine insgesamt wurde zum Hort von Demokratie, Freiheit und “westlichen Werten” verklärt – und um das Kraut noch gar fett zu machen, auch noch zum Verteidiger Europas hochgejubelt. Gonzalo Lira jedoch: “Wladimir Putin ist unter jedem Blickwinkel jemand, den man einen ethnischen Nationalisten nennt. Aber ist kein Imperialist.”

Inzwischen hat sich herausgestellt, daß das ukrainische Regime überhaupt nichts verteidigt, das mit “westlichen Werten”, Demokratie und Freiheit auch nur im entferntesten etwas zu tun hätte. Das ist dort prinzipiell nicht viel anders als im ganzen “kollektiven Westen” mit seinen angeblichen Werten. Regierungsseitig gibt es für Julian Assange so wenig Unterstützung wie jetzt vermutlich für Gonzalo Lira. Wenn Lira in der Ukraine verhaftet werden konnte für Äußerungen, die bis Februar 2022 so oder so ähnlich auch hätten von Georg Restle oder von Anja Reschke hätten stammen können – und wenn angesichts von LIras Verhaftung noch immer kein Protest in den deutschen Mainstream-Medien zu vernehmen ist, dann dürfte wohl stimmen, was überall hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird: Deutschland ist kein souveränes Land, sondern ein besetztes – und wer im Medien-Mainstream etwas zu melden hat, der tut das unter der Maßgabe, daß er sich anRegeln hält, die ihm von jenseits des Atlantiks diktiert werden. Oder er hat eben nichts mehr zu melden. Das Schweigen der Medien im kollektiven “Wertewesten” zu Liras Verhaftung in Charkow ist jedenfalls sehr bezeichnend.

Und das “Schmankerl” an der Sache: Die Lage im Ukrainekrieg sowie die Entwicklungen innerhalb der EU und der NATO sind genau so eingetroffen, wie Lira es vergangenes Jahr bereits prognostiziert hatte: Zunehmender Hader und zunehmende Zwietracht, momentan noch notdürftig hinter den Kulissen verborgen gehalten. Es führt für die Europäer langfristig kein Weg an einem gutnachbarschaftlichen Verhältnis zu Russland vorbei. Und die USA sind dabei, sich aus der Ukraine abzuseilen.

 

 

 

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