Auschwitz-Gedenken (hier beim "March of the Living") (Foto:Imago)

Hitlergruß in Auschwitz: Rituelle Bestrafung

Groß war die Empörung im deutschen Blätterwald, als zwei Neuntklässler einer Schule aus dem sächsischen Leisnig anlässlich eines Besuchs des Vernichtungslagers Auschwitz am 4. Mai den „Hitlergruß“ gezeigt hatten. Zusammen mit vier weiteren Schülern, die an der Aktion beteiligt waren, wurden die Teenager zunächst suspendiert; die Strafe wurde jedoch zurückgenomme,. und stattdessen erhielten sie einen schriftlichen „Schulverweis auf Bewährung“. Das heißt: Sie dürfen am Unterricht teilnehmen, sich aber nichts mehr zuschulden kommen lassen.

Die Versetzung in eine andere Klasse, ein Ausschluss vom Unterricht von bis zu vier Wochen oder ein endgültiger Verweis von der Schule wurden als weitere Ordnungsmaßnahmen genannt. Außerdem soll der Fall schulintern unter Hinzuziehung eines Sozialarbeiters aufgearbeitet werden. Damit nicht genug, hat schließlich auch noch das Lehrpersonal Anzeige bei der Polizei gegen die Schüler (!) erstattet – wohlgemerkt 15-jährige, bildungsferne Halbstarke. Gegen die Hauptbeschuldigten ermittelt nun der Staatsschutz wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Der ultimative Skandal

Keine Frage: Natürlich sind Besuche von Auschwitz und anderer Gedenkstätten des Holocaust wichtig und richtig. Auch steht außer Frage, dass diese abstoßende Geste der Schüler völlig verwerflich und an Pietät-und Taktlosigkeit nicht zu überbieten war. Allerdings ist es absurd, aus diesem Verhalten selbst eine NS-Gesinnung herzuleiten: Gerade Jugendliche neigen zu Mutproben, zu Tabubrüchen und zu schlichtweg “undenkbaren” Ausreißern. So wie jeder schon einmal daran gedacht hat, in der Kirche, bei einer Hochzeit oder Beerdigung laut loszuschreien, so ist ein Hitlergruß im Epizentrum des Holocausts der ultimative Skandal.

Dass der Reiz, etwas solches zu unternehmen, zumal bei dummen und unsensiblen Kids besonders groß ist, wird dadurch verstärkt, dass eben die rituelle NS-“Aufarbeitung” bald ein Jahrhundert nach Hitlers Aufstieg zur Farce verkommen ist – und so sind auch Besuche und die gesamte deutsche Gedenkroutine leider zum hohlen Ritual erstarrt; einem Ritual, das heute nur noch dazu dient, dem deutschen linksgrünen Gutmenschentum zur Selbstbestätigung zu verhelfen.

Regelrechte Mutprobe

Die Ursachen des Nazi-Totalitarismus, die auch und gerade in der Aushöhlung der Demokratie und der Kapitulation des Weimarer Staates vor radikalen Kräften aller Couleur liegen, wird bei solchen Veranstaltungen kaum erwähnt. Parallelen zu Klimaklebern und dem millionenfach importierten islamischen Antisemitismus würden sich sonst noch stärker aufdrängen. Stattdessen wird jegliche Form von Patriotismus reflexartig mit Nationalismus, Chauvinismus und Rechtsradikalismus gleichgesetzt. Die gesamte deutsche Geschichte wird quasi als durchgehend nationalsozialistisch kontaminiert dargestellt.

Jede Identifikation mit der eigenen Kultur wird Schülern dadurch unmöglich gemacht. Solche Gesten, so indiskutabel sie auch sind, dienen manchen auch schlicht als eine Form des Protests gegen diese einseitige Dauerindoktrinierung. Der Reiz, diesen ultimativen Tabubruch zu begehen, ist für Kinder und Jugendliche dann eine regelrechte Mutprobe und der Ausdruck des Überdrusses. Die Reaktion darauf ist zwar bis zu einem gewissen Grade verständlich, aber letztlich doch erheblich übertrieben. (TPL)

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