Deutschlandfahne - Foto: Natanael Ginting/Shutterstock

Erdingers Rundumschlag: Nationalidioten diskreditieren die Nation

Das wird eine Klarstellung hier. Eine Abrechnung mit den Maulaffen, die nur gelesen haben wollen, was ihnen zur Diffamierung des Verfassers in den Kram passt. Idioten, die erst außerstande sind, sinnerfassend zu lesen – und die als nächstes dennoch ein überhebliches Schmerzgeheul anstimmen, als hätten sie das Gelesene verstanden.

von Max Erdinger

Es gibt Leserkommentare, die mich ärgern. Das ist noch kein zwingender Grund, sie direkt zu beantworten. Sehr selten jedoch gibt es Leserkommentare, die von echten Idioten verfasst worden sein müssen. Und dann gibt es Kontra. Es geht um meine Betrachtung zu den Reaktionen von Nationalkonservativen auf den Besuch Tino Chrupallas bei der Russischen Botschaft am 9. Mai, dem berüchtigten Gedenktag der “Befreiung” am 8. Mai 1945, verfasst für “Ansage.org“.

“Das war keine Befreiung!”, heißt es bei den Empörten. “Man feiert mit den Siegermächten zusammen nicht die Niederlage der Deutschen im Zweiten Weltkrieg! Tut man nicht!”, heißt es. “Die Gräueltaten der Russen an der deutschen Zivilbevölkerung waren ein riesiges Verbrechen!”, heißt es. – Ja und?

Ich will noch einmal kurz auf meine wesentlichen Einwände eingehen. Natürlich ist es falsch, pauschal von “Befreiung” zu faseln, ohne anzufügen, wovon jemand befreit worden sein soll. “Befreiung” ohne irgendeinen Zusatz heißt wohl, daß als Resultat der “Befreiung” die Freiheit gestanden haben muß. Hat sie aber nicht. Das heißt: “Befreiung” ohne Präzisierung ist falsch. Sowie man aber benennt, wovon jemand befreit worden ist, ergibt das Wort “Befreiung” einen Sinn. Es kann durchaus jemand “vom Krebs befreit” worden sein, um dann trotzdem an einer Lungenentzündung zu versterben. “Befreiung” also nein – “Befreiung von” allerdings ja.

Wovon wurden die Deutschen am 8. Mai 1945 befreit?

Es ist ein Jammer, daß man es offenbar überhaupt sagen muß. Die Deutschen wurden befreit von einem Terrorregime, daß über die Dauer seiner zwölfjährigen Herrschaft die Anzahl der mit dem Tode zu bestrafenden “Verbrechen” vervielfacht hatte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs baumelten in bald jeder größeren Stadt erhängte Deutsche an Laternenmasten und ähnlichem, denen ein Pappschild umgehängt worden war, auf welchem der Grund für ihre Hinrichtung genannt wurde. Ob jemand keine Lust hatte, sich für nichts und wieder nichts im Volkssturm verheizen zu lassen, ob jemand sich despektierlich über den “Führer” ausgelassen hatte, ob jemand “Feindpropaganda” verbreitete, ob er Zweifel am “Endsieg” äußerte – egal: Tod! Tod! Tod!

Im Jahr 1933 waren es mindestens 20 Hingerichtete. So ging das weiter. Es steigerte sich allmählich. Ab dem Jahr 1942 explodierten die Hinrichtungszahlen förmlich. 1943, 1944 – ein einziger Horror. Dann 1945, Januar bis Mai: Die Liste ist fast so lang wie die für das gesamte Jahr 1944. Und das waren “nur” die regulären Häftlinge aus den Haftanstalten. Da ist noch nicht ein Gemeuchelter aus den KZs dabei. Allein Roland Freisler, Präsident des Volksgerichtshofes, der höchsten juristischen Instanz des NS-Regimes für politische Strafsachen, verhängte an die 2.600(!) Todesurteile. Und dann hatte die Drecksau auch noch das unverschämte Glück, sein Leben während eines Fliegerangriffs auf den Volksgerichtshof auszuhauchen, anstatt 1946 selbst am Strick zu baumeln. Von solchen braunen Arschkrampen sind die Deutschen am 8. Mai 1945 befreit worden. Und das ist wahr.

Es gibt nicht einen stichhaltigen Einwand gegen meine Behauptung, die Deutschen seien VON etwas befreit worden. Nur ZUR Freiheit hin sind sie nicht befreit worden. Das ist wahr. Aber ehrlich gesagt ist es auch so: So lange die Wirtschaft boomte und die Talerchen auf dem Konto klingelten, war ihnen auch völlig egal, ob sie “zur Freiheit hin” befreit worden sind oder nicht. Die Nazis waren ein für allemal unter aller Sau. Das war schon genug “Freiheit” als Folge der “Befreiung”.

Aber die Kriegsgräuel der Russen und der Amerikaner! Was für ein Verbrechen!

Ja, stimmt. Ostpreußen, Gustloff. Bombardierung Dresdens, Zerstörung Nürnbergs und so weiter. Nach dem Krieg die Rheinwiesenlager, die Neubelegung des KZ Buchenwald, die Deportationen von Kriegsgefangenen nach Sibirien und alles das: – Ja und? Gab es etwa schon einmal einen Krieg ohne Kriegsgräuel? Tut mir leid, mir fällt da partout keiner ein. Grimmelshausen hat drastisch die Kriegsgräuel während des Dreißigjährigen Krieges beschrieben. Oliver Cromwell hat in Irland bestialisch abgehaust. Am 11. September 1649 gab es in Drogheda ein Massaker englischer Truppen an den Iren. 2.700 Gemeuchelte an einem einzigen Tag. Vietnamkrieg: My Lai, Irakkrieg: Abu Ghreib – you name it. Was glauben die Herrschaften, die schon Ausschlag bekommen, wenn sie das Wort “Befreiung” im Zusammenhang mit dem 8. Mai auch nur lesen, weshalb man tunlichst keine Kriege führen sollte? Und wie war das nochmal mit dem Massaker in den ardeatinischen Höhlen? Was war in Oradour sur Glane? Wo wurde wer von wem in Kirchen hineingetrieben, um dann bei lebendigem Leib in der Kirche zu verbrennen – oder alternativ: Erschossen zu werden, sollte es ihm gelungen sein, der Flammenhölle zu entkommen? Wer hat das Warschauer Ghetto eingerichtet? Wer hat die Konzentrationslager betrieben? Wer hat in den Wäldern von Riga Massenerschießungen an Zivilisten durchgeführt? Was haben die Polizei-Sonderheiten im Rücken der Ostfront veranstaltet? Was ist im “Kriegstagebuch des Felix Landau” zu lesen? Was versteht man unter einer “Blutpumpe”? Wer hat Anne Frank umgebracht? – Aha. Aber sich an den Kriegsgräueln der Amerikaner und der Russen im Wahn der eigenen moralischen Höherwertigkeit regelrecht aufgeilen und wegen des Worts “Befreiung” in Schnappatmung verfallen. Tino Chrupalla tadeln, weil er anegeblich “geschichtsvergessen” ist wegen seiner Teilnahme an einem Empfang in der Russischen Botschaft am 9. Mai. Wer wurde denn seit jeher im Krieg – und auch nach dem Krieg – bestialisch behandelt? Es sind immer Zivilisten. Immer,immer,immer. Aber die armen Deutschen: Opfer ihrer “Befreiung”. Schluchz.

Woher eigentlich die Behauptung, es hätte bei den deutschen Zivilisten, dem Volk der Kriegsverlierer, gefälligst anders laufen müssen? Krieg heißt auch: Kriegsgräuel. Das läßt sich belegen. Ja, das ist hart – und? Ah, man sollte keine Kriege führen! – Sehr richtig. Und der Gipfel der absoluten Blödheit ist erreicht, wenn man sich in einen Krieg hineindrängen läßt, der einen rein überhaupt nichts anzugehen hätte, wie der Ukrainekrieg allerweil. Das aber nur nebenbei. Es geht ja um “Befreiung” und das Gemäkel daran. Aber die Ukrainer werden gerade “befreit”, gell? Scheitert halt grandios, die “Befreiung” der vom “Wertewesten” zuvor Maximalverarschten. Das ist es nämlich, was sie sind, die Zivilukrainer: Die Verratenen, Ausgeraubten und Verkauften des kollektiven “Wertewestens”. Durchgehend seit 1991 – und jetzt auch noch zum Abschuß freigegeben. Andere Baustelle?

Wo lebe ich eigentlich?

Es gibt da diese Bilder vom Bückeberg während der Nazizeit. Und welche vom Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Und welche aus dem Sportpalast zu Berlin. Und welche vom triumphalen Empfang für den Führer nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug. Begeisterte Massen so weit das Auge reicht. Diese Freude! Dieser Stolz! Diese Begeisterung! Zum Ende des Frankreichfeldzuges war die Reichskristallnacht aber schon gut anderthalb Jahre vorbei. Das wären anderthalb Jahre gewesen, in denen die Massen sich hätten fragen können, was da eigentlich läuft in ihrem Land. Es war doch ihres, oder? – Ah! Sie konnten nichts dafür. Sie waren “Fehlgeleitete” und “Verführte”! Für damals kann man das mit Einschränkungen gerade noch gelten lassen. Es gab den “Völkischen Beobachter”, den “Stürmer”, die Rundfunkreden des Führers und seiner Entourage, die Reichsschrifttumskammer, die allgemeine Freude darüber, nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg endlich wieder “wer zu sein”. Und die Juden – na ja. Juden halt. Hauptsache selber großartig. Herrenmenschen, Untermenschen, Arier und Slawen. Neues Zeitalter eben. Rassenlehre, Ruhm und Ehre – und bla-bla-bla. Aber heute? Bei dem Medienangebot? Trotz Internet? Da gibt es leider keine “mildernden Umstände” mehr für die “Fehlgeleiteten & Verführten”. Wenn man sich das so überlegt, dann sind “wir” Deutschen tatsächlich von etwas sehr Bestimmtem NICHT befreit worden: Nämlich von “uns selbst”.

Sprung ins Jahr 2020

Pandemie und Maßnahmenstaat. Obrigkeitsgläubig wie eh und je. Grundrechte suspendiert. Kein Aufstand. Gehorsam bis zur Selbstverleugnung. Das Gesetz. Die Vorschrift. Denken wie damals nur für die Pferde. Wegen “größere Köpfe”. Hetze gegen die Ungeimpften. Die Denunziation des Nächsten feiert erneut fröhliche Urständ. Impfzwang-Debatte. Ausgrenzung. Trennung der Geimpften von den Umgeimpften – wegen “Impfschande”. ARD & ZDF als die zeitgeistigen Volksbeobachter, Deutsche als die Stürmer der Impfzentren. Heute: Wir haben es doch nicht besser gewußt – mimimimi. Wann habe ich das schon mal gehört? – Ah ja, in meiner Kindheit öfter mal. Das Tagebuch der Anne Frank habe ich gelesen, als ich so alt war wie sie selbst, als sie es verfasst hat. Ab da wusste ich, vor welchem Menschenschlag ich mich mein Leben lang in Acht zu nehmen habe – und wie gefährlich dieser Menschenschlag ist, wenn er “Masse” wird. Als Zwölfjähriger hätte ich wer-weiß-was dafür gegeben, hätte ich Anne Frank ins Leben zurückholen können. Diese saudumme, saumäßig selbstgerechte, vor Einbildung stinkende Masse, die ab 2020 dem Impfstoff-Führer hinterhergerannt ist und im Weltklima-Rettungswahn vor sich hindeliriert: Zum Kotzen. Nein, hierzulande wurde niemand “befreit” von sich selbst. “Befreit” wurden die Deutschen am 8. Mai von einem braunen Terrorregime. Kein Grund, es nicht mit einem roten oder einem grünen erneut zu probieren. Wozu also wurden sie von dem braunen Terrorregime befreit? – Weshalb ist nicht die Frage. Explizit: Wozu??

Dann der Ukrainekrieg. Die Russen – hurra! Auf sie mit Gebrüll! Russische Schulkinder mobben und verprügeln. Die Scheiben russischer Geschäfte beschmieren. Den russischen Dirigenten der Philharmonie rausschmeissen. Den russischen Zupfkuchen umbenennen. Anna Netrebko mit Auftrittsverbot belegen – und bei alledem so gottverdammt rechthaben. “Slava Ukraini!” skandieren, während die Ukronazis orthodoxe Kirchen abfackeln und eine Todesliste veröffentlichen: “Myrotvorets”, Oppositionsparteien verbieten, Journalisten inhaftieren, junge Männer in den Fleischwolf werfen wie anno dunnemals der Volkssturm – und das alles für die “souveräne Nation”, die “Freiheit”, die “Demokratie”, die inexistenten “westlichen Werte”, die “Verteidigung” ganz Europas und bla-bla-bla! Den Amis im Rektum herumkriechen wie anno dunnemals dem Führer. Sich das “Z” verbieten lassen, wieder denunzieren und diffamieren, den “Coronaleugner” zum “Putintroll” umetikettieren, sich vom “Feindsender” abschneiden lassen, sich nebenher von ökofaschistischen Gangstern im eigenen Land ausnehmen lassen wie die Weihnachtsgans, “Verbot!, Verbot, Verbot!” brüllen. Sich Strafen androhen lassen, dumme Hühner im Parlament achten, von Demokratie, Verfassung, Verfassungsschutz und “rechte Gefahr” daherfaseln. Es ist alles völlig unfassbar.

Das ist das Land, in dem ich lebe. Am 8. Mai 1945 wurden unsere Vorfahren vom braunen Terrorregime befreit. Da gibt es nichts zu diskutieren. Das ist so. Daß Freiheit nicht das Resultat gewesen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Nur: Wozu sie befreit worden sind, das konnte man sich bis vor einigen Jahren noch fragen. Heute nicht mehr. Das ist das Land, in dem sich ein Herr Kubitschek, ein Herr Lehnert und ein Herr Stein bemüßigt fühlen, Herrn Tino Chrupalla dafür zu tadeln, daß er am 9. Mai mit Russen – nicht Sowjets! – den “Tag der Befreiung” verbringt. Ganz so, als dürfe man sich auch nicht ein kleines bißchen über das Ende der braunen Terrorherrschaft freuen, zusammen mit den Nachfahren derer, die sie beendet haben. Ganz so, als habe es zwischen dem 8. Mai 1945 und dem 8. Mai 2023 keinen Bruch gegeben. Und sie haben ja recht: Mit ihrer Sichtweise sind sie so deutsch wie eh und je. Genauso geht es auch zu im Land. Ob rot, ob grün, ob braun – dem Deutschen kann man stets vertrauen. Heute regt er sich auf, wenn man ihm sagt, er sei am 8. Mai vom braunen Terror befreit worden. Obwohl es stimmt. Gewonnen war halt dadurch nicht besonders viel, wie sich heute deutlich herausstellt, wenn man sich die Nasen im Lande anschaut und vernimmt, was sie wieder einmal an Heilsversprechen daherzufaseln haben den lieben langen Tag.

Im Gegensatz zu den Russen, die keine Sowjetrussen mehr sind und die noch nie etwas gegen “die Deutschen” hatten – außer verständlicherweise im Krieg, weil das eben so ist bei Krieg & Rache – und immer so gewesen ist – sondern allenfalls gegen eine deutsche Regierung. Gegen die im Dritten Reich – und gegen die heutige wieder. Tino Chrupalla feiert als heutiger Deutscher die Befreiung vom braunen Terrorregime mit den heutigen Russen – und schon geht das ewig dummdeutsche Gestänker wieder los. Als ob es gegenwärtig nicht mit dem alten Wein in neuen Schläuchen ein ganz anderes Thema zu behandeln gäbe, als einen Tino Chrupalla in der Russischen Botschaft am 9. Mai. Das gibt es nämlich. Und es ist im Prinzip das gleiche Problem wie eh und je. Es ist absolut unfassbar! Was ist neumalkluges Gemecker in der Dekadenz? Dabei hatte sich das mit der Bonner Republik gar nicht so schlecht angelassen …

Natürlich bin ich selbst Deutscher und Nationalist. Aber eben kein ausschließlich deutscher Nationalist, sondern ein Verfechter des Nationalstaats überhaupt. Weil ich aber ungern ein Arschloch-Nationalist bin, behaupte ich, daß meine Vorfahren am 8. Mai 1945 VON etwas Bestimmtem befreit worden sind, nicht “generell befreit” ZU etwas fundamental Anderem. Und was mich am meisten wurmt, das ist, daß meine Landsleute evident zu verzagt, zu dämlich oder was auch immer sind, um sich endlich selbst zu regieren. Immer, immer, immer müssen sie irgendwelchen Agendasettern, einer besseren Zukunft, einer “gerechteren” Welt oder irgendeinem anderen Heilsversprechen nachjagen. Das ist das Land und die Umstände, unter denen sich einige bemüßigt fühlen, von “Geschichtsvergessenheit”, “Rückgratlosigkeit” und “Verrat” daherzusalbadern, sobald jemand – ungeachtet ihrer eigenen, evidenten Überflüssigkeit – es wagt, das Wort von der “Befreiung” in den Mund zu nehmen. Wofür wird’s Zeit? – Ah, für die Befreiung! Na dann los! Ach, geht nicht? Wie sagt dann der Wiener?- “Jo mei, geh´ heasd. Geh´scheißen.” – Hawedieehre. Es folgt der “Blick nach Frankreich”.

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