Arkadiusz Mularczyk, polnischer Vize-Außenminister - Foto: Imago

Frechheit: Unverschämte Polen wollen sich deine Kohle holen

In Polen rechnet man langsam. Fast achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weiß man in Polen endlich, wieviel Geld man von den Deutschen haben will. Man nennt die Summe “Reparationsforderungen”- und man meint es offenbar ernst. Ein weiterer guter Grund, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen, Ersatzdienst für die Mädels, erheblich aufzurüsten – und das Verhältnis zu Russland zu reparieren.

von Max Erdinger

Arkadiusz Mularczyk (*1971), Vize-Außenminister und Staatssekretär im polnischen Außenministerium, überreichte gestern eine offizielle Note mit einer polnischen Billionen-Forderung. Es handelt sich um die Forderung nach “Reparationszahlungen” für Schäden und Verluste durch den Zweiten Weltkrieg. Er nennt diese Forderung auch noch ein Sonderangebot, weil sie nach seinen Worten auch “fünf- bis zehnmal höher sein” könnte.

Mularczyk Tweet
Mularczyk Tweet – Screenshot Twitter

Mularczyk in einem Interview mit Springers “Welt”: Deutschland kommt mit der Zahlung einer einstelligen Billionensumme noch viel zu billig davon. “Wenn Sie sich die Zahlen anschauen, müssen Sie zugeben, dass unsere Berechnungen eher konservativ sind. Wir haben versucht, die Verbrechen in Zahlen zu fassen. Wenn wir also 20.000 Dollar für ein Menschenleben ansetzen, geraubte oder zerstörte Kulturgüter auflisten, dann – und das mag brutal klingen – ist das für die Deutschen ein Angebotspreis. Die Zahlen könnten fünf- bis zehnmal höher sein.“ Bei “zehnmal höher” wären das 13 Billionen Euro. Dabei sind die 1,3 Billionen schon 1,3 Billionen Euro zu viel. Man fragt sich nicht nur, ob der polnische Außenvize noch ganz bei Trost ist, sondern auch, ob ein Deutscher noch ganz bei Trost ist, der eine solche “offizielle Note” überhaupt entgegennimmt. Schon gibt es die reflexhafte Forderung, die “offizielle Note” aus Polen endlich mit der Eröffnung einer Debatte über die Verbrechen an Deutschen in Polen zu beantworten. Die Rede ist vom polnischen Terror gegen Deutsche nach 1918, die Lager im Zwischenkriegspolen, die Hetze vor 1939, den Raub und die Vertreibung nach 1945. – Geschenkt! Auf ein derartig abgesenktes Niveau würde ich mich niemals einlassen. Da gibt es nämlich eine viel bessere Antwort.

Wer will über eine Billion von wem?

Die unglaublich dreiste Forderung des polnischen Außenvize lautet vollständig ausformuliert so: Deutsche, die lange nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt gekommen sind, sollen eine Irrsinnssumme an solche Polen überweisen, die ebenfalls lange nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt gekommen sind. Leute, die nichts verbrochen haben, sollen ihr Geld an solche Leute abdrücken, die kein Opfer eines Verbrechens geworden sind. Das ist ausbaufähig. Wenn der das kann, dann können wir Deutschen aber auch “Reparationsforderungen” an die Italiener stellen. Für die Schäden der römischen Expansion in Germanien südlich und westlich des Limes. Reinigungsgebühren für den Teutoburger Wald. War eine ziemliche Sauerei damals. Nein, wer sich eine solche “offizielle Note” aus Polen auftischen läßt, ohne sich stante pede den Allerwertesten damit abzuwischen und sie unfrei nach Warschau zurückzuschicken, der kann nicht mehr ganz dicht sein.

Ich habe in meinem ganzen Leben keinem Polen ein Haar gekrümmt. Ich schulde keinem Polen auch nur einen einzigen Cent. Den Lebenden nicht – und den Verstorbenen auch nicht. Was denkt sich der polnische Impertinenzler überhaupt? Daß ich über deutsche Friedhöfe tingele und die Grabsteine um Kohle für Grabsteine in Polen anhaue? – “He, deutscher Grabstein, haste ma’n Euro für’n polnischen Grabstein?” Außerdem macht der polnische Vizeaußen-Mularczyk quasi der deutschen Bundesregierung Konkurrenz. Die ist ja schon dabei, sich das deutsche Volk als Zahl- und Arbeitssklaven zu halten. Irgendwann ist die Zitrone ausgepresst und die Weihnachtsgans ausgenommen. Rien ne vas plus – nichts geht mehr.

Und überhaupt …

Wenn er seine “offizielle Note” überhaupt irgendwo abgeben könnte in Deutschland, dann bei den Eingeschnappten, die sich heute noch immer nicht als “befreit” von den Nazis begreifen wollen. Weil sie offensichtlich glauben, sie seien heute solche Deutschen wie die Deutschen vor dem – bzw. am 8. Mai 1945. Har-har-har! Die könnten sich vielleicht für zuständig halten. Bei denen käme der polnische Mularczyk eventuell an die Richtigen. Die stehen immer noch feste in der Tradition und greinen sich die Augen aus über die unschuldigen Deutschen, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin russischen Barbaren zum Opfer gefallen sind. Und über die Vertriebenen aus Schlesien. Und über die aus dem Sudentenland. Das wären die richtigen Verhandlungspartner für den Herrn Mularczyk. Die könnten sich eventuell noch von ihm angesprochen fühlen und eine Irrsinnsdebatte über die Zwischenkriegszeit und deutsche Gebietsverluste nach dem Zweiten Weltkrieg führen, so nach dem Motto: Breslau ist schließlich auch etwas wert. Könnten wir das eventuell gegenrechnen, Herr Mularczyk? – Och, büdde! Bei der Gelegenheit könnten die bis zum heutigen Tage von Roland Freisler, Heinrich Himmler und Adolf Hitler Unbefreiten den Herrn polnischen Vizeaußenminister auch untertänigst um Auskunft zu der Frage bitten, ob er eine ähnliche “offizielle Note” auch an die Russen übermittelt hat. 16 Tage nach dem deutschen Einmarsch in Polen, am 17. September 1939, haben die Sowjets nämlich mit der Einverleibung Ostpolens angefangen.

Ribbentrop Stalin
Joachim v. Ribbentrop und Josef Stalin: Gute Laune 1939 – Screenshot “Deutsche Welle”

Die “Deutsche Welle” im September 2019: “Stets wird behauptet, dass Polen unter den Deutschen am meisten gelitten habe”, sagt Zbigniew Woźniczka, Historiker an der Schlesischen Universität. Aber so einfach sei es nicht. “Für jene Generation der Polen, die noch die Teilungszeit kannte, war der schlimmste Feind damals nicht Deutschland, sondern Russland. Das Zarentum, niedergeschlagene Aufstände, die Verbannung nach Sibirien – mit dem Einmarsch am 17. September kam das wieder alles hoch.” Zwar zeigte sich sehr bald, dass diesmal auch von den Deutschen eine tödliche Gefahr ausging. Doch während der NS-Besatzungshorror irgendwann endete, wirkt Stalins Erbe bis heute nach. In Polen misstraut man Russland auch weiterhin. Die Beziehungen zum “großen Nachbarn” sind nicht nur durch die Invasion von 1939 belastet. Auch der Mord an Tausenden polnischen Offizieren und anderen Amtsträgern durch den KGB-Vorläufer NKWD 1940 in Katyn bei Smolensk, seine langjährige Leugnung in der Sowjetunion bis in die Gorbatschow-Zeit, ist noch immer nicht aufgearbeitet, auch wenn Wladimir Putin 2009 während der Feierlichkeiten 70 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs überraschend “Katyn” ein Verbrechen nannte und Polen eine gemeinsame Aufarbeitung vorschlug.

Da wird wohl die Frage erlaubt sein, ob der heutige polnische Vizeaußenminister in Russland ebenfalls eine “offizielle Note” abgegeben hat, um den Russen sein Sonderangebot anzupreisen wie Sauerbier. Wenn er das unterlassen hat, den Deutschen aber mit seiner irrsinnigen “Reparationsforderung” auf den Senkel gehen zu dürfen glaubt, – warum dann? Mir schwant Übles. Wahrscheinlich hält er die Deutschen für schuldkomplexbeladene Klein-Doofies, entklötete Weicheier, weltklimarettende Punzenfiffis und Beischlafbettler. Damit läge er sogar richtig. Bei denen kann man es ja mal probieren. Die Chancen stehen da nicht so ganz schlecht, daß man mit seinen Unverschämtheiten durchkommt. Versuch macht kluch.

Außerdem wäre man ja allerweil auch der beste europäische Freund der amerikanischen Sklavenhalter in Deutschland, gell? Die würden einem bestimmt aufmunternd zur Seite stehen, wenn die Deutschen von einer polnischen Unverschämtheit reden würden. Da sagt meinereiner an die Adresse des polnischen Außenvizes: Was heute geredet wird, ist nicht morgen schon wieder vergessen. Für das “Thank you USA!” des polnischen Ex-Außenministers Sikorski bei Twitter nach der Sprengung von Nordstream 1 & 2 steht eine Retourkutsche sowieso noch aus. Am Tag nach der Sprengung ging auch die norwegisch-polnische Ostseepipeline in Betrieb. Und verheiratet ist der Herr Sikorski mit Frau Anne Applebaum, einer amerikanischen Neokonservativen aus dem Umfeld der Kriegstreiber Friedman, Wolfowitz, Nuland, McCain, Graham, Kagan und Konsorten. Gezündet haben die Sprengsätze an der Pipeline – Seymour Hersh zufolge – Norweger vermittels einer Sonarboje. Das sieht allerweil nicht gut aus für die deutsch-polnische “Freundschaft”, gelle? Und für die deutsch-norwegische ebenfalls nicht. Die deutsch-amerikanische ist ohnehin eine Farce in ihrer ganzen Würdelosigkeit.

Da es nun völlig unabhängig von der Frage, wie lange es noch dauert, bis die Westeuropäer begriffen haben, daß es ohne Russland keine lebenswerte Zukunft für sie gibt, dennoch so ist – und weil sich diese Einsicht deshalb auch durchsetzen wird, freut meinereiner sich schon auf die Zeiten, in denen das Polen des heutigen Vizeaußenministers Mularczyk mit seinen Unverschämtheiten einem Unschuldigen wie mir gegenüber wieder zwischen allen Stühlen sitzen wird. Es wäre nicht das erste Mal in der polnischen Geschichte. Die Polen hatten es sich bereits schon einmal mit sämtlichen Nachbarländern verscherzt – und zwar gründlich.

Mein Vorschlag zur Güte deshalb: Machen Sie sich nicht nur in Deutschland unbeliebt, Herr Mularczyk! Seien Sie mal ein bißchen fleißig. Rechnen Sie aus, wieviel Geld Ihnen die Russen schulden, wieviel Sie für das Massaker der Ukrainer an den Polen in Wolhynien & Ostgalizien 1943 von Selenskyj eintreiben wollen – und schreiben Sie den Herrschaften ebenfalls “offizielle Noten” mit exorbitanten “Reparationsforderungen”. Sie haben schließlich Eier im Gegensatz zu den heutigen Deutschen, habe ich recht? – Na also, auf-auf! Von mir nicht einen Cent! Keinen einzigen! Mit Hitler habe ich so wenig zu tun wie ein heutiger russischer Bürger mit Stalin und Sie mit Składkowski. Ich habe mein Geld nicht damals verdient, sondern ich verdiene es heute. Und ich wüsste nicht, weshalb Ihnen davon auch nur ein Cent zustehen  sollte. Sie werden es schaffen, mit der Vergangenheit zu leben und sie einfach Vergangenheit sein zu lassen. Nur Mut. Gehen Sie mir einfach nicht auf die Nerven mit ihrem feigen und wohlfeilen Herumgeopfere. Nach achtzig Jahren. Ich glaube, es hakt!

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