Feuerwerk in Clownsform; Bild: Collage
Feuerwerk in Clownsform; Bild: Collage

Nicht lustig: Der Wanderwitz mit dem AfD-Verbot

Der Wanderwitz, Marco ist von der CDU einer, der unter der Altkanzler:in Merkel, Angela noch “Ostbeauftragter” der damaligen Bundesregierung wurde. In Wien nennt man einen wie den Wanderwitz einen “Ungustl”. Ein Ungustl ist einer, der sich selber wahnsinnig ernstnimmt und alle anderen damit nervt. Balsam für die Nerven.

von Max Erdinger

Die “Frankfurter Rundschau” titelt: “Höchste Zeit: Wanderwitz fordert AfD-Verbot – trotz hoher Hürden.” – Das ist nicht lustig.

Wanderwitz Marco
Wanderwitz, Marco, CDU – Screenshot “Frankfurter Rundschau”

Lustig wäre das, wenn es der Wanderwitz, Marco in geselliger Runde nach dem zwölften Bier gefordert hätte, um als nächstes vom Stuhl zu kippen. So war es aber nicht. Der Wanderwitz meint das ernst, glaube ich. Damit man das annehmen soll, tut er auch so, als ob er sich vorher mordsdemokratische Gedanken gemacht hätte. “Leider müssen wir feststellen: Nie zuvor in ihrer Geschichte war die Bundesrepublik in ihrer Grundverfasstheit so bedroht wie heute“, soll der Wanderwitz auf Anfrage behauptet haben. Da müssen “wir”dem Wanderwitz leider Recht geben. Noch nie zuvor in ihrer Geschichte war die Bundesrepublik in ihrer Grundverfasstheit so bedroht von Leuten wie dem Wanderwitz.

Die “Frankfurter Rundschau”, ein linksistisches Printmedium, das eigentlich längst “Frankfurter Schwundschau” heißen müsste: “Der Bundesverfassungsschutz nahm die AfD bereits häufiger unter die Lupe. ‘Die Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz fördert fortlaufend weitere Belege für rechtsextreme Bestrebungen innerhalb der AfD zutage’, sagte Wanderwitz.” Da wird es Zeit, der “Frankfurter Schwundschau” und dem Wanderwitz, Marco einmal ein Update angedeihen zu lassen. Das Verwaltungsgericht Köln untersagte der Haldenwang-Behörde, einer Nachfolgeinstitution des Verfassungsschutzes, die dreist dessen Bezeichnung übernommen hat, gerade frisch, die “Junge Alternative” als “gesichert rechtsextremistisch” zu bezeichnen. Daraufhin hat der mutmaßlich umstrittene “Verfassungsschutz” die entsprechenden Aussagen wieder zurückgezogen und auf seinen Seiten gelöscht.

Alice Weidel hingegen, die überaus kluge AfD-Vorsitzende, merkte schon vor geraumer Zeit richtigerweise an, daß der mutmaßlich umstrittene “Verfassungsschutz” selbst Gegenstand einer Art oberverfassungsschützerischen Beobachtung sein müsste, wenn es denn einen Oberverfassungsschutz gäbe, der den “Verfassungsschutz” überwacht. Nicht wenige derjenigen, die sich Sorgen wegen der “Grundverfasstheit der Bundesrepublik” machen – und meinereiner ist ein solcher -, sprechen vom Tag der Ernennung Thomas Haldenwangs zum Chef des Bundesverfassungsschutzes als einem Wendepunkt in der Geschichte jener geschützten Verfassung, vor der unter Haldenwang seither die Kartellparteien geschützt werden sollen. Haldenwangs geschasster Vorgänger, Hans-Georg Maaßen, hätte dazu auch noch ein paar interessante Anmerkungen zu machen. Und nicht nur der.

Daß nun ausgerechnet der ehemalige Ostbeauftragte aus Merkels Zeiten zur Jagd auf die AfD bläst, verwundert nicht. Der 1975 im damaligen Karl-Marx-Stadt zur Welt gekommene, evangelisch-lutherische Advokat, bei dessen Verlautbarungen sich das sensiblere Gemüt fragt, ob “geboren werden” in jedem Fall gleichwertig durch “das Licht der Welt erblicken” zu ersetzen ist, hatte bei der Bundestagswahl 2021 in seinem Bundestagswahlkreis Chemnitzer Umland – Erzgebirgskreis II sein Direktmandat mit 23,7 % der Erststimmen gegen den Kandidaten der AfD, Mike Moncsek, verloren. AfD-Kandidat Moncsek erhielt 28,9 % der Erststimmen. Wanderwitz zog jedoch über die Landesliste Sachsen seiner Partei erneut in den Bundestag ein. Landeslisten sind ein arges Übel hinsichtlich der “Grundverfasstheit der Bundesrepublik”. Gut möglich ist, daß er seine Niederlage gegen den AfD-Kandidaten als persönliche Schmach empfand und deshalb die AfD für seine eigene Unbeliebtheit verantwortlich macht. Gnadenlose Selbstgerechtigkeit ist schließlich Voraussetzung, um recht ein Evangelisch-Lutherischer zu sein heutzutage. Der jüngste Kirchentag in Nürnberg lieferte den schlagenden Beweis. Wer es nicht glaubt, der konfrontiere einmal einen Evangelisch-Lutherischen mit genau diesem Vorwurf und staune Bauklötze wegen der Präzision der eigenen Vorhersage über dessen Reaktion. So einen protestantisch-anthropozentrischen Selbstgerechten über die “Grundverfasstheit der Bundesrepublik” räsonieren zu lassen, ist ungefähr so, wie sich von einem Vegetarier an der Fleischtheke beraten zu lassen. Genauso gut könnte man auch einen Klimakleber nach Tips zum leistungssteigernden Chiptuning für Dieselmotoren fragen.

Die Frau, die nach der völlig regelkonform verlaufenen MP-Wahl in Thüringen im Februar 2020 dekretierte, die Wahl müsse rückgängig gemacht werden, die “Mutter Angela der gegenwärtigen Grundverfasstheit der Bundesrepublik” also, wird sich schon etwas recht evangelisch-lutherisches dabei gedacht haben, als sie den Begriff “Ostbeauftragter” mit dem Namen “Wanderwitz” verknüpfte. Wenn es nicht gar protestantisch – müntzeristisch gewesen ist.

Angela Merkel
Angela Merkel (Bild: shutterstock.com/Von 360b)

Lustiger als Wanderwitze: Blondinenwitze

Kennen Sie den? Zwei Blondinen knien ratlos vor einem Auto. Plattfuß. Sagt die eine: “Ist der Reifen ganz platt?” Darauf die andere: “Nö, nur unten.” Einigermaßen lustig ist das schon. Ein lustigerer Blondinenwitz ist mir gerade nicht eingefallen. Obwohl: Katharina Schulze, bayerische Grünen-Chefin, war schon sehr witzig, als sie im Bayerischen Landtag gegen Hubert Aiwanger vom Leder zog. Anlaß war dessen Rede bei einer Demonstration in Erding, die von der Kabarettistin Monika Gruber initiiert worden war. Es ging auf dieser Demo gegen Habecks Heizungs-Wahnsinn. Zuerst klang die Blondine so, als sei sie endlich vernünftig geworden. Sie sprach über die Demokratie, den respektvollen Umgang der Demokraten miteinander, die Unsitte, dem politischen Gegner dessen Menschlichkeit abzusprechen, die Unsitte, “ad personam” zu argumentieren usw.usf. – und nur, um zwei Sätze später die Demonstranten von Erding aufs Übelste zu beschimpfen als Verschwörungstheoretiker, Rechte und Antidemokraten. Die Leute hatten nichts weiter getan, als von ihrem Recht auf Demonstration Gebrauch zu machen. Das war ein Querschnitt der Gesamtbevölkerung, der da in Erding zu sehen gewesen ist. Und Hubert Aiwanger als bayerischer Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister von den “Freien Wählern”? Der solle wegen “unflätiger Äußerungen” über Habecks Heizungs-Wahn am besten entlassen werden, so die grüne Blondine. “n-tv” titelt derweil: “Wegen Hubert Aiwanger: Club schmeißt Freie Wähler raus.

Womit ich wieder bei des Wanderwitzes trostloser “Grundverfasstheit der Bundesrepublik” wäre. So sieht sie nämlich aus: Es ertönt ein Wanderwitz, niemand lacht, in der grünbunten Graichenrepublik fühlt sich eine Blondine im Bayerischen Landtag bemüßigt, salbungsvolle Phrasen über Demokratie & Höflichkeit zu schwingen, um sich Sekunden später selbst zu widerlegen, ohne daß ihr das auffällt – und überhaupt: Meinereiner hat schon länger den Verdacht, daß es die “Grundverfasstheit der Bundesrepublik” gebieten könnte, die rhetorischen Samthandschuhe den Wanderwitzen und den Blondinenwitzen gegenüber auszuziehen, die Arbeitshandschuhe überzustreifen und Tacheles zu reden. Aber richtig. So, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Und so, daß diese Figuren vor lauter Schnappatmung nur noch ganz kurze Einwürfe machen können, ehe sie wieder Luft holen müssen in ihrer gespielten Selbstschutz-Empörung: “Ja, aber … das geht doch nicht … was erlauben Sie sich … das muß ich mir nicht bieten lassen”. Die sollten sich von verdammt Vielen verdammt viel bieten lassen müssen. Ich habe nämlich den starken Verdacht, daß die geschniegelten Umgangsformen, die von diesen Figuren gern angemahnt werden, keinem anderen Zweck dienen, als dem, ihre dahergeheuchelten Abgeschmacktheiten unsanktioniert abzusondern. Gerade kürzlich erst, als sich ein AfD-Bundestagsabgeordneter seiner Wortwahl wegen einen “Ordnungsruf” eingefangen hat, der unter anderem mit der “Würde des Hauses” scheinbegründet wurde, blickte ich finster auf den Bildschirm, sah diese ganzen Kartellparteiengesichter dort und fragte mich unwillkürlich: Würde des Hauses? Wovon redet die gute Frau Präsident? Welche Würde? Wo? – Dann fuhr ich den Rechner herunter.

Als nächstes ging ich mit meinem Hund auf eine kurze Wanderung in der Hoffnung, jemanden zu treffen, der mir einen Wanderwitz erzählt, einen, der geeignet sein würde, meine Grundverfasstheit aufzuhellen. Da sieht es nämlich zappenduster aus, sobald ich an schlechte Wanderwitze, Schulzen, Grüne und evangelische Kirchentage denke. Das alles hat mit der “Grundverfasstheit der Bundesrepublik”, so, wie sie nach dem Grundgesetz sein sollte, nicht das geringste mehr zu tun. Als Freund des Grundgesetzes kann man da schon sehr übellaunig werden und sich überlegen, ob es sich noch lohnt, aufs Argument zu setzen, wenn sich offensichtlich immer weniger der selbstgerecht vor sich hin Stinkenden überhaupt dafür interessieren, weil für sie nur noch zählt, was sie durchsetzen wollen – und nicht, was sie überhaupt durchsetzen wollen dürfen. Die “Grundverfasstheit der Bundesrepublik” ist gekennzeichnet von einem eklatanten Demokratiedefizit, das dringend behoben werden muß. Inzwischen fast schon egal, wie. Schwere Krankheiten kuriert man schließlich auch nicht mit Bachblüten. Deutlich sprechen! Je deutlicher, desto besser!

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