Wladimir Putin - Foto: Imago

Eilmeldung Russland: Putsch in Moskau?

Moskau – Zur Stunde läuft eine Ansprache des russischen Präsidenten, die noch nicht verfügbar ist. Verschiedenen Meldungen zufolge sollen in der Region Woronesch zwei Fahrzeuge der Privatarmee Wagner von russischen Hubschraubern zerstört worden sein. Wagner-Chef Prigoschin wiederum soll angeblich das Hauptquartier der russischen Streitkräfte in Rostov am Don besetzt haben, während das Hauptquartier der Wagner-Privatarmee in St. Petersburg von russischem Militär besetzt worden sein soll.  Die Hauptein- und ausfallstraßen nach Moskau sind offensichtlich von russischem Militär blockiert. Die Lage zur Stunde ist unübersichtlich, in der Gerüchteküche brodelt es. Eines davon: Putin halte sich in Uruguay auf und werde dort versteckt.

Wagner-Chef Prigoschin hatte sich in den vergangenen Tagen drastisch zum vermeintlichen Versagen des russischen Verteidigungsministers Shoigu geäußert. Unter anderem ging es ihm dabei um fehlende logistische Unterstützung der Wagner – Gruppe seitens des russischen Verteidigungsministeriums.  Ein weiterer Kritikpunkt Prigoschins war die allgemeine Zögerlichkeit, mit der seines Erachtens generell vorgegangen wird, wodurch erkämpfte Siege seiner Privatarmee wieder in Frage gestellt werden könnten, weil die ukrainische Armee Zeit und Gelegenheit erhält, sich neu zu sammeln, so daß ein bereits erkämpfter Sieg wie in der Region Bachmut z.B. seitens der Ukrainer wieder in Frage gestellt werden könnte. Die Lage ist insofern verwirrend, als daß bisher unterstellt wurde, Prigoschin sei einer der loyalsten Anhänger Putins und daß er sozusagen unter dem persönlichen Schutz des Präsidenten steht. Allerdings werden Prigoschin auch politische Ambitionen nachgesagt und jüngeren Umfragen zufolge sollen viele Russen immer weniger Verständnis dafür gezeigt haben, daß der Ukrainekrieg inzwischen so lange andauert. Den Umfragen zufolge wären viele Russen dafür, den Ukrainekrieg mit allen Mitteln so schnell wie möglich für Russland zu entscheiden. Das wiederum wäre ein Indiz dafür, daß Prigoschin bei seinem Putsch mit dem Rückhalt der russischen Zivilbevölkerung rechnet.

Prigoschin 1
PMC Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin – Screenshot YouTube

Zwar genießt Wladimir Putin prinzipiell große Popularität in der russischen Bevölkerung, aber die Tatsache, daß der Krieg in der Ukraine noch immer nicht entschieden ist, zehrt an den Nerven vieler Russen und schürt Zweifel an den strategischen Fähigkeiten von Verteidigungsminister Shoigu und dem Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte, General Valery Gerassimow, zumal es jüngst zu ukrainischen Angriffen in urrussischem Gebiet gekommen ist.  Insofern könnte der mutmaßliche Putsch von Wagner-Chef Prigoschin einen Versuch darstellen, Putin unter Druck zu setzen, damit der wiederum den Druck auf die ukrainische Armee massiv erhöht. In seinem jüngsten Video verwies ein sichtlich wütender Prigoschin auf die Gefallenen seiner Semi- Privatarmee und sagte, diese Leute seien nicht dafür gefallen, daß erkämpfte Siege mit weiteren Gefallenen erneut zu erringen wären.

Unabhängig von der Frage, wie der offensichtliche Putschversuch Prigoschins für ihn persönlich ausgehen wird, könnte allerdings allein schon die Tatsache, daß er stattgefunden hat- und vor allem, womit er begründet worden wäre – , dazu führen, daß Wladimir Putin sich gezwungen sieht, seine bisherige Zurückhaltung – sprich: die größtmögliche Schonung der ukrainischen Zivilbevölkerung -, aufzugeben, um nun seinerseits mit einer Großoffensive den Krieg in der Ukraine zu eskalieren und auf diese Weise schnellstmöglich zu beenden. Es scheint in der russischen Zivilbevölkerung wenig Bereitschaft zu geben, sich auf die westliche Strategie einzulassen, den Ukrainekrieg bis zu einem ukrainischen Sieg (“bis zum letzten Ukrainer”) in die Länge zu ziehen. Westliche Militärexperten stimmen dem insofern zu, als daß jeder weitere Tag dem Westen dazu dient, die materiellen und personellen Kapazitäten herzustellen und in Stellung zu bringen, die ihm im Augenblick fehlen, um Russland in einem Bodenkrieg erfolgreich zu begegnen. Zur Stunde sieht es also danach aus, als sollte die russische Armeeführung via Prigoschin dazu gezwungen werden, alles in die Waagschale zu werfen, um den Ukrainekrieg nun zügig und siegreich zu beenden.

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