Bild: Bundeswehr/Kai-Axel Döpke

Wehrdienst & Bundeswehr: Die geläuterten Verweigerer von damals

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Allerweil gibt es jede Menge ehemaliger Pazifisten mit Bekenntnisdrang. Sie legen Wert darauf, daß die Öffentlichkeit erfährt: Heute würden wir den Wehrdienst nicht mehr verweigern. Das ist schön. Meinereiner bläst ihnen derweilen schon einmal den Marsch.

von Max Erdinger

Verweigerung
Die Geläuterten – Screenshot Facebook

Meinereiner hat Ende der Siebziger Jahre vor der Musterung den Wehrdienst verweigert. Außerdem hat er am Tag seiner Musterung dafür gesorgt, daß er als untauglich eingestuft werden muß. Damit war dann auch das Thema Ersatzdienst erledigt. Vor der eigentlichen Musterung gab es dann die sogenannte “Gewissensprüfung” wegen meines Antrags auf Wehrdienstverweigerung. Das ging schnell. Wer mir eine Schußwaffe in die Hand gibt, der riskiert den Tod aller anderen in meiner direkten Umgebung, behauptete ich damals sinngemäß und zog eine entsprechend verrückte Grimasse dazu. Am selben Tag, direkt im Anschluß an die Musterung, zog ich den Antrag auf Wehrdienstverweigerung wieder zurück. Ich brauchte ihn schließlich nicht mehr. Dafür verweigerte ich nun die Unterschrift unter die Einverständiserklärung zur Weitergabe der musterungsärztlichen Diagnose ans Kreiswehrersatzamt. Ich weiß nicht, wie die Zuständigen damals damit umgegangen sind. Ich habe nie wieder etwas gehört. Nur den Musterungsbescheid bekam ich damals in Kopie zugestellt: Untauglich Stufe 5. Jedenfalls habe ich weder Wehrdienst noch Ersatzdienst geleistet. Ich könnte nicht sagen, daß mir aus diesem Verhalten später irgendwelche Nachteile erwachsen wären oder daß mir jemand hätte einen Strick daraus drehen wollen. Zwei Wochen nach dem Musterungstermin war ich dann wieder nüchtern und das letzte Quäntchen Gift hatte meinen Körper wieder verlassen. Grundsatzpazifistische Überlegungen waren damals nicht ausschlaggebend. Ich sah einfach nicht ein, jemand anderen über fünfzehn Monate meines Lebens bestimmen zu lassen. So war das damals. Heute würde ich wenigsterns den Ersatzdienst ableisten. Würde, hätte, Kette: Wer weiß schon, ob’s stimmt. Den Beweis muß ich schließlich nicht antreten.  Einen Wehrdienst würde ich eventuell leisten, wenn ich Russe wäre. Dann allerdings in Russland. Wer weiß schon, ob wenigstens das stimmt? Schwätzen ist billig. Aber Bundeswehr? – Kommt überhaupt nicht in Frage. Das steht absolut fest.

Die Lüge: “Wir.Dienen.Deutschland.”

Das halte ich für die dreisteste Lüge überhaupt: Daß die Bundeswehr Deutschland diene. Erstens: Womit? Mit schwangerschaftstauglichen Panzern bei gleichzeitigem Munitionsmangel? Zweitens: Von der Leyens “familienfreundlicher Großbetrieb” dient der Nato – und das auch mehr als kastrierte Hilfskraft, denn als nationale Armee, die ihr eigenes Land verteidigen könnte. Wem dient die Nato? – Den USA. Und noch nicht einmal das stimmt genau. Ganz genau dient die Nato einer Handvoll am Krieg Interessierter, die sich mit der Kriegswaffenproduktion und dem Politmarketing für diese Waffen eine goldene Nase verdienen. Mein Leben ist denen nicht hundert Euro wert. Wahrscheinlich nicht einmal fünfzig. Mir selbst hingegen sehr viel mehr.

Ginge es wirklich darum, Deutschland zu verteidigen, wäre die Sache eventuell anders. Wenn die Meinen, ihre Kultur, ihre Traditionen und ihre Lebensart bedroht wären durch absolute Barbaren – und wenn die Bundeswehr dazu da wäre, einen solchen Feind im eigenen Land niederzuringen, dann würde ich mich heute selbstverständlich nützlich machen und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten in den Dienst der gemeinsamen Sache stellen. Die Meinen werden aber nicht von auswärtigen Barbaren bedroht, jedenfalls nicht direkt, sondern von jenen unter meinen eigenen Landsleuten, die diese Barbaren zu Hunderttausenden ins Land holen. Wir Deutschen haben allerweil zigtausende Männer im wehrfähigen Alter aus anderen Kulturkreisen im Land, von denen nicht wenige bereits über exzessive Gewalt- und Kriegserfahrung verfügen und wissen, wie mit Sprengstoff und Waffen umzugehen ist. Hätte mir Ende der Siebziger Jahre, als es Zeit für mich gewesen wäre, den Wehrdienst abzuleisten und Fähigkeiten im Umgang mit Waffen und militärischen Kampfgrundsätzen zu erwerben, damals jemand prophezeit, daß diese Fähigkeiten zu Friedenszeiten im eigenen Land, ohne einen äußeren Feind und in meinem eigenen Interesse nützlich werden würden, dann wäre das damals vielleicht anders gelaufen bei meinem Musterungstermin.

Der Krieg gegen Deutschland wird nicht von außen geführt, sondern im Auftrag von außen im Inneren. Die Russen sind keine Bedrohung. Oder besser: Sie wären keine, wären sie nicht genau von jenen miesen Typen provoziert worden, denen die “Geläuterten von heute” nach dem Maul reden. Die Russen wollten nach dem Fall der Sowjetunion jederzeit mit dem Westen friedlich zusammenleben. Der Westen war es, der die Nase rümpfte und es vorgezogen hat, in den Russen auch weiterhin kommunistische Barbaren zu sehen – und ihr großartiges Riesenreich in seiner rohstoffreichen Schönheit als Beute- & Missionierungsgebiet. Die Herrenmenschenattitüte der amerikanischen Neocons unterscheidet sich im Resultat nicht grundsätzlich von derjenigen der hitlerischen Reinrassigen oder derjenigen der ethnochauvinistischen Ukronazis. “God’s Own Country”, “Land Of The Free”, “beste Nation der Welt” … – was man sich eben so einredet im Land mit der größten prozentualen Knastpopulation und der im Schnitt wahrscheinlich ignorantesten Zivilpopulation, welche jemals von der  “Freiheit” und den “Werten” der westlichen Welt dahergeschwätzt hat. Fentanylzombies, lebende Tote, bestimmen in den Großstädten das Straßenbild. Mitten in der Naturschönheit der Apalachen, dem einstmals stolzen Kohleherz der USA, Armut und Verwahrlosung. Selbst im versifftesten Trailerpark hängen dort noch groß die amerikanischen Flaggen vor den armseligen Hütten. Die Hillbillys dort können ja auch stolz sein. Welche andere Nation würde auf ihre Kosten schon 903 Militärstützpunkte rund um den Globus unterhalten und hunderte von Milliarden jährlich für Kriegswaffen ausgeben? Da kann man schon mal große Flaggen aufhängen, ganz egal, ob man in der Naturschönheit der eigenen Heimat von den Großkopferten jenes “Systems USA” gef*ckt wird, die dem Herrn schließlich nicht wegen nichts auf ihren Dollarnoten vertrauen. “In God We Trust” – günstiges Vertrauen bereits ab einem Dollar!

Das englische Wort für “Nabelschau” ist wahrscheinlich in den USA erfunden worden und erst später ins Deutsche übersetzt worden. USA 2023: Das ist bei weitem nicht mehr daselbe wie das, was USA 1960 vielleicht noch gewesen ist – und auf gar keinen Fall ist USA 2023 das, was die Vereinigten Staaten von Amerika ihrer eigenen Verfassung nach zu sein hätten. Das haben sie mit der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam. Mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik wischen sich die kleinen amerikanischen Prokönige in Deutschland inzwischen so sehr ihre Allerwertesten ab, wie die Großkönige in den USA sich die ihren mit der amerikanischen Verfassung. Die “Zivilgesellschaft” überfrißt sich derweilen an diversen “Narrativen”. Bis sie an ihren Millionen von je “eigenkonstruierter Realitäten” platzt. Bumm! Und aus die Maus.

Der Läuterungsanlaß

Es geht wieder einmal darum, sich einzureihen für die in der obigen Collage gezeigten Herrschaften. Einreihung ist gerade wieder nützlich. Ergebenheitsadressen abliefern. Gerade für die oben gezeigten Herrschaften ist das allerweil vorteilhaft. Und ausschließlich für sie selbst. In Treue fest zum herrschenden Narrativ, das der Allgemeinheit wieder einmal mit aller Gewalt wahrheitswidrig und gegen alle Vernunft in den Rachen gestopft wird, ob sie will oder nicht. Kein Zweifel soll aufkommen an der Loyalität der angeblich “geläuterten” Herrschaften den wahren Kriegstreibern gegenüber. Was würden die denn heute verteidigen? – Freiheit, Demokratie & “westliche Werte”? Deutschland gar? Der Habeck, der mit seinem “Vaterland” – bei den Grünen bestenfalls “Mutterland” –  sowieso noch nie etwas anzufangen wusste? – Lachhaft. Als zuverlässige Erfüllungsgehilfen der geopolitischen US-Agenda wollen sie gelten. Weil das gut ist für sie persönlich. Eine andere Überzeugung steht da nicht dahinter. Ja hallo? Zu Zeiten, als die Sowjetunion noch existierte und die unbedingte Errichtung des Weltkommunismus noch Auftrag gewesen ist, den Wehrdienst verweigern, aber heute “geläutert” sein, weil die heutigen Russen so viel bedrohlicher sind als die alten Sowjets mit ihrem Weltkommunismus? – Ganz wahnsinnig glaubhaft, das.

Es ist wohl so: Wer in Deutschland vor Jahrzehnten den Wehrdienst verweigert hat, und ausgerechnet in diesem heutigen Deutschland den Drang verspürt, sich als “Geläuterter” zu outen, der weiß, was er selbst davon hat. Ein “besseres Gewissen” z.B. oder eine bessere “Stimmigkeit” in der öffentlichen Wahrnehmung, sollte er Ukrainer im wehrfähigen Alter – recht eigentlich “Schutzsuchende” oder “Flüchtlinge” – in der Bundesrepublik einsammeln müssen, um sie, wie von Selenskyj gefordert, in die Ukraine zurück zu überstellen, damit der sie dann in den dortigen Fleischwolf werfen kann. In der Ukraine herrscht inzwischen Mangel an Kanonenfutter. Schließlich hätte – hätte- Fahrradkette – man früher selbst gedient, wenn man schon so verantwortungsvoll gewesen wäre wie heute. Alle durchlaufen schließlich einen Reifungsprozess, nur der Aiwanger nicht. Als Habeck oder Scholz, als Campino oder Bischof Gohl kann man dann schon argumentieren, die Ukrainer im wehrfähigen Alter mit der eigenen, nunmehr besseren Einsicht davor bewahrt zu haben, sich dumm und unreif vor der Verteidigung des eigenen Landes zu drücken. Selbst kommt man ja leider, leider nicht mehr in Frage als Kanonenfutter. So ein Jammer. Zu alt, unabkömmlich, Zipperlein hier, Zipperlein da. Da läßt sich gut “geläutert” sein.

In der “New York Times” gab es am 28.Februar 2022 einen Bericht über ukrainische “Refugees” und wohin sie geflohen sind. Hier unten die dazugehörige Grafik. Vier Tage nach dem Beginn der russischen SMO in der Ukraine gab es offenbar bereits eine halbe Million Flüchtlinge, die in einer großen, orangefarbigen Bewegung nach Westen aufgebrochen waren. Wer nicht als Flüchtling nach Westen aufgebrochen ist, war der “New York Times” zufolge “Migrant” und suchte mit einer kleinen schwarzen Bewegung nach Russland dort Schutz. Das ist nach der polnischen die zweitgrößte Zahl.

Refugee Migrant
“Flüchtlinge & Migranten” – Screenshot YouTube

Inzwischen halten sich 14 Millionen Ukrainer im Ausland auf, viele davon in Polen. Der Rest verteilt sich auf andere Nato-Länder – und eben auch auf Russland. Sowohl unter den Flüchtlingen im Westen als auch unter den “Migranten” in Russland befinden sich jede Menge Ukrainer im wehrfähigen Alter. Das “wehrfähige Alter” in der Ukraine umfaßt derzeit Jeden zwischen 16 und 60. Bei den Russen ging kürzlich sogar ein 71-Jähriger als Teil einer ukrainischen Panzerbesatzung in Kriegsgefangenschaft. Da nun Selenskyj das Kanonenfutter ausgeht, forderte er also die Nato-Länder auf, Ukrainer im wehrfähigen Alter an die Ukraine zurück zu überstellen, damit er sie dort in den Fleischwolf werfen kann. Ob sie das Schmiergeld zurückerstattet bekommen sollen, das sie an dortige Rekrutierungs-Offizielle abzudrücken hatten, damit die sie vom Wehrdienst freistellen oder an der Grenze ausreisen lassen, weiß man nicht. Jedenfalls sind sie nach westlicher Definition “Kriegsflüchtinge” und keine “Fahnenflüchtigen”. So war das jedenfalls bislang. Dennoch ist in Polen offiziell “Kooperation” mit Selenskyj signalisiert worden. Zwar wird wohl nicht gezielt nach Ukrainern im wehrfähigen Alter gefahndet, aber “Zufallsfunde” bei Verkehrskontrollen oder bei Bewerbungen um einen Arbeitsplatz werden den Behörden übergeben, die dann entscheiden, ob die jungen Männer ausgeliefert werden an die Ukraine oder nicht. Und in Deutschland, heißt es, laufe es diskret im Hintergrund nicht anders. An die große Glocke würde das hierzulande niemand, die “Geläuterten” auch nicht. Die hätten nur schon einmal “moralisch vorgebaut” für den Fall, daß es einen Bohei darum geben sollte. Wegen “Solidarität” und “I Stand With Ukraine” einerseits – und trotz “Schutzsuchender” und “Refugees Welcome” andererseits. Das völlig unwitzige “Witzige” daran: Die Millionen von ukrainischen “Migranten”, die der “New York Times” zufolge keine “Flüchtlinge” sind – und die sich inzwischen beim Kriegsgegner Russland aufhalten, sind davon nicht betroffen. Die finden nach wie vor ausgerechnet beim russischen Feind tatsächlichen Schutz. Und zwar als “Migranten”. Suche Schutz und Zuflucht bei deinem Feind und erfreue dich deines Lebens. Was für eine Wehrdienstverweigerung! Verrückte Zeiten, oder?