Foto: Carsten Schneider (Archiv) (über dts Nachrichtenagentur)

Ossis! Ran an die Politik, die Kommunen brauchen Euch!

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Wenn ein SPD-Genosse einen Aufruf, besser einen Hilfsruf startet, ist Vorsicht geboten. Aber wenn man den richtig interpretiert und ihn im Interesse der Bürger übersetzt, könnte was daraus werden:

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), ruft die Menschen in Ostdeutschland dazu auf, stärker selbst bei Kommunalwahlen zu kandidieren. “Wir brauchen jetzt in allen demokratischen Parteien Leute, die Verantwortung übernehmen (also auch in der AfD, Am.d.R.)”, sagte Schneider dem Tagesspiegel am Dienstag. “Kandidiert selbst für den Kreistag oder euren Stadtrat. Kämpft um den Osten.” 2024 wird vielerorts in Ostdeutschland kommunal gewählt. “Die nächsten sechs Jahre bis 2030 werden maßgeblich über die Entwicklung der Regionen entscheiden. Wahrscheinlich mehr als die vergangenen 20 Jahre”, sagte der Staatsminister im Bundeskanzleramt.

“Ich rufe deshalb alle Menschen auf, denen etwas an ihrer Region liegt, sich einzubringen.” Schneider ergänzte mit Blick auf die drohenden Wahlerfolge der AfD im kommenden Jahr: “Vor fast 35 Jahren haben sich die Menschen in Ostdeutschland die Demokratie erkämpft, jetzt geht es darum sie zu bewahren.” Hintergrund des Aufrufs ist, dass Parteien gerade in ländlichen Regionen inzwischen Probleme haben, ihre Listen zu besetzen.

Darauf hatte zuletzt der Städte- und Gemeindetag hingewiesen. “Das ist eine gefährliche Entwicklung”, sagte Schneider dazu. “Ich habe in Erfurt gezielt Menschen dazu ermutigt: Du kannst entscheiden, dass das Jugendtheater weiter Geld bekommt, aber dafür musst du kandidieren.”

Und nun kommt es, was wohl alle geahnt haben:

Mit Blick auf die Kommunalwahlen im kommenden Jahr und der zu erwartenden Erfolge der laut Verfassungsschutz in mehreren Ost-Bundesländern gesichert rechtsextremen AfD sagte Schneider: “Ein Stadtrat kann beschließen, Kulturzentren zu schließen. Er kann Signale für Abschottung senden.” Der SPD-Politiker ergänzte, Wer völkisch wähle, bekomme irgendwann auch völkische Politik.

“Und die ist schlecht für die Zukunftsperspektiven.” Völkisch im Sinne “zum Wohl des deutschen Volkes”, etwa? Was für ein Frevel!

Schneider kritisierte zudem das neue Politik-Projekt der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei, Sahra Wagenknecht. “Wir brauchen gerade im Osten keine Politprojekte mit Prinz oder Prinzessin an der Spitze.” Genau, lieber einen Genossen, der sich nur um “die Anderen” kümmert.

Bisher sei das Projekt eine “Fata Morgana”, ergänzte der SPD-Politiker. “Sahra Wagenknecht ist eine gute Rednerin, aber sie ist vor allem eine One-Woman-Show. Ich kann mir bisher nicht vorstellen, dass das Substanz hat.”

Der künftigen Partei von Sahra Wagenknecht wird insbesondere im Osten Deutschlands ein hohes Potenzial nachgesagt. Wagenknecht hat bisher noch nicht erklärt, ob sie bei allen drei Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen und den Kommunalwahlen antreten will. Die zukünftige Entwicklung im Ostteil Deutschlands ist auch Thema bei der Konferenz “Ostdeutschland 2030 – Heimat und Zukunft”, die am Freitag in Leipzig stattfinden soll.

An ihr nehmen neben Kanzler Olaf Scholz (SPD) auch mehrere Ministerpräsidenten der ostdeutschen Bundesländer teil sowie der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider.

Na, das kann ja was werden. Nur, warum wurde die stärkste Partei, die AfD, nicht eingeladen. So kann man die Ossis nicht mehr einfangen. Die wittern nämlich Verrat, wenn der noch gar nicht richtig beschlossen ist. So etwas nennte man auch “überlebensfähig”. (Mit Material von dts)