Zweieinhalb Wochen nach EM-Start in randvollem Budapester Stadion: Wo bleibt der Massenausbruch?

EM-Fans im vollbesetzten Budapester Stadion (Foto:Imago/ANP)

Und wieder einmal wird uns das Ausmaß der Täuschung, präziser: der Delta-Lüge, unmissverständlich und selbsterklärend vor Augen geführt, ohne dass irgendwelche Konsequenzen für die Scharfmacher und Warnsirenen folgen, ohne dass irgendjemand stutzig wird: Als beim Gruppenspiel Ungarn-Portugal am 15. Juni 25.000 ungarische Fans durch die Hauptstadt ins Stadion zogen und dieses mit über 50.000 Zuschauern rappelvoll war, schäumten deutsche Coronanazis vor Wut und befürchteten eine Katastrophe.

Insbesondere erneut deutsche Alarmisten hatten sich damals – mit Blick auf die Delta-Variante – „schockiert“ gezeigt über die „Rücksichtslosigkeit“ der Ungarn. Angesichts der ohne Maske und Abstand dicht an dicht, wie vor der Pandemie feiernden Fans war vor allem SPD-„Gesundheitsexperte“ Karl Lauterbach außer sich: „Diese Bilder zeigen genau das, was die EM vermeiden sollte“, twitterte er wutschäumend, und schrieb: „Während halb Europa und 95 Prozent der ärmeren Welt noch nicht geimpft sind, verhält man sich so, als ob die Pandemie vorüber wäre. Rücksichtslos und unsportlich.“ Für ihn sei es jedoch „absehbar“ gewesen, „dass es zu solchen Aktionen kommen würde.

Soso, absehbar. War es für diesen unerträglichen Schwätzer und Klugscheißer – und leider gibt es dafür mittlerweile keine deutlicheren Worte mehr – auch „absehbar„, dass bis heute, über zwei Wochen später, nicht nur keinerlei Anstieg an Fallzahlen in Ungarn zu verzeichnen ist, sondern die Infektionen dort ähnlich wie in Deutschland weiter abstürzen:

(Screenshot:Google/JHU)

Mehr noch: Die Zahl der Verstorbenen hat sich im Wochenschnitt sogar halbiert – und das trotz des „Delta-Grauens“.

Es ist wie mit allem in dieser Pandemie: Nie tritt auch nur annähernd das ein, womit wie seit Beginn dieser hausgemachten Krise notorisch verrückt gemacht werden und womit wir beschallt werden – und die, die uns ihre falschen Prognosen zugemutet haben, werden NIE zur Rechenschaft gezogen, zur Rede gestellt und nicht einmal um Stellungnahme gebeten. Nicht die Virologen nach ihren Prognosen mit hunderttausenden Intensivpatienten in der ersten Welle (eine um den Faktor 80-100 übertriebene Falschdarstellung). Nicht die Bundesregierung und die Intensivmediziner nach dem ausgebliebenen ITS-/Klinikzusammenbruch im Frühjahr.

Auch nicht Dr. Drosten, nach dessen Prognosen von März wir aktuell täglich 100.000 Neuinfektionen haben müssten, und nicht das RKI und die Modellierer von Merkels Corona-Ratgebern, die für Mai Inzidenzen von 500 und mehr (statt der dann eingetretenen unter 50) prophezeit hatten. Niemand in Politik und etablierten Medien stellt die Angstmacher bloß. Wie lange noch sollen wir uns diese Frechheit bieten lassen? (DM)