Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Laut dem Deutschen Ärzteblatt wird der Arzt vom Kranken satt

+++ Die ARD-“Tagesschau” ergibt sich zaghaft dem Verdacht. Tatsächlich ist es so: Die Tagesschau könnte rechtgehabt haben, wenn sie statt “könnte” ein “wird” verwendet hätte. Die Deindustralisierung hat bereits begonnen. Besonders energieintensive Produktion packt die Koffer und zieht mit Mann & Maus um oder sperrt den Laden gleich ganz zu. Meldungen dieser Tage allein aus dem fränkischen Raum: Die Bäckereikette “Goldjunge” macht wegen der enorm gestiegenen Energiekosten dicht. Die Firma “Küchenquelle” meldete Insolvenz an. Die “Fränkische Holzofenbäckerei” ist am Ende – und-und-und. Warum also “könnte Deindustrialisierung auslösen”? – Wahrscheinlich, um den Raum für die notorischen deutschen Pseudodebatten offenzuhalten. Pseudodebatten verschlingen höchst reale Zeit, in der zugleich etwas höchst Reales passiert, während man damit beschäftigt ist, sich mit Meinungs-Entertainment die Zeit zu vertreiben bis die Titanic gar untergegangen ist. Es gibt eine weit verbreitete Scheu vor eindeutigen Aussagen, selbst dann, wenn etwas absolut feststeht. Hier: “Energiekrise wird Deindustrialisierung auslösen” – nicht “könnte”. +++

Tagesschau Deindustralisierung
“Könnte rechtgehabt haben, wenn …” – Screenshot Facebook

 

+++ Schon haben wir wieder den Salat. Der ZDF-Sportreporter Sandro Wagner nannte eine Teilmenge von “die Menschen im Stadion” – “Bademäntel”. Damit meinte er weiß gewandete Katarer. Deren Gewand heißt aber “Thawb”. Der woke Medien-Mainstream schäumt. Das ZDF twitterte sofort, daß eine Besprechung mit Wagner stattfinden wird, da ihm selbst im Augenblick größter Ergriffenheit solche Ausrutscher nicht passieren dürften. “Sandro Wagners Aussage über den Thawb ist leider in einer emotionalen Phase des Spiels passiert. Das darf es nicht. Wir werden das besprechen.” – Ein wokes Gezeter allerorten, daß man schier Augenkrebs und Mittelohrvergiftung davon bekommt. Rassismus und Chauvinismus, Tod und Teufel die Kommentarspalten rauf und runter. Womit wäre Sandro Wagner anstandslos durchgekommen? – Damit: “Die katarischen Herrschaften dort drüben in ihren hübschen weißen Thawbs hatte ich vorhin noch mit deutschen Kartoffeln verwechselt.” – Das wäre gegangen. Wäre er Innenminister von Deutschland, hätte er sogar demonstrativ eine Armbinde tragen können, mit der ein Verstoß gegen die Gesetze des Gastgeberlandes propagiert wird, ohne daß er dafür vom ZDF gemaßregelt worden wäre. +++

Bademantel Kartoffel
“Geht gar nicht & Geht sehr wohl” – Screenshot Facebook

 

+++ Gut Ding will Weile haben. Wer im November 2022 noch den Kopf verständnislos über die Corona-Maßnahmen-Politik seit März 2020 schüttelt, sollte an eine lange Vorlaufzeit denken und sich eine Aussage des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Horst Seehofer (1992-1998 im Kabinett Kohl IV und Kohl V) ins Gedächtnis rufen. Seehofer sagte damals, die Pharmalobby sei derartig mächtig, daß kein politisches Kraut gegen sie gewachsen sei. Dazu paßt ein Artikel aus dem “Deutschen Ärzteblatt” im Jahre 2002, also von vor zwanzig Jahren. Der Titel: “Gesundheitssystem in der Fortschrittsfalle“, Autor Klaus Dörner. Er hatte diese systemimmanente Entwicklung damals gegeißelt, nicht befürwortet. Offensichtlich aber folgenlos.

Aerzteblatt 2002
Deutsches Ärzteblatt 2002 – Screenshot Facebook

 

+++ Am 24. November verstarb der deutsche Dichter, Schriftsteller, Herausgeber, Übersetzer und Redakteur Hans Magnus Enzensberger im Alter von 93 Jahren. Wie man auf dem Bild von ihm aus dem Jahr 2014 sehen kann, scheint er deswegen fast so alt wie Altkanzler Helmut Schmidt geworden zu sein, weil er auf die Ratschläge von Gesundheitsaposteln nicht sonderlich viel gab. Von Enzensberger stammen die folgenden beiden Sätze aus dem Jahr 1962, die man gerade zur Zeit gar nicht oft genug wiederholen kann. Eigentlich sollte man sie überall plakatieren und an die Wände sprühen: “Die Angst vor dem ‘Beifall von der falschen Seite” ist nicht nur überflüssig. Sie ist ein Charakteristikum totalitären Denkens.” Diese beiden Sätze sollten sich heutige Linke & Grüne durchaus noch einmal in aller Gemütsruhe durch den Kopf gehen lassen. Es ist nämlich so: Totalitaristen sind vermittels des ach-so-löblichen “gesellschaftlichen Diskurses” nicht zu beseitigen. Und irgendwann ist dann “das Maß voll”. Dann wird es richtig häßlich. Ob einem das gefällt oder nicht. +++

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Hans Magnus Enzensberger (rechts. i. Bild, 2014) – Foto: Imago

 

+++ Ein Veranstaltungshinweis zum Schluß, wichtig hauptsächlich für die Thüringer. Am 4. Dezember findet um 18 Uhr eine Buchvorstellung samt erbaulicher Autorenlesung in Rudolstadt statt, und zwar in der Breitscheidstraße 95b. Der Autor Dr. Dieter Scheidig liest aus seinem neuen Buch “Was wir zu Corona sagen – Zwei Erzählungen”. Scheidig ist selbst Thüringer, der zwischen Dänemark und seiner Heimat hin- und herpendelt. Sowohl vom Inhaltlichen als auch von seinem Stil her ist Scheidig ein äußerst rares Phänomen. Weder schert er sich um die gängigen Sprech- und Denkverbote, noch um sprachstilistische Moden. Vielmehr pflegt er einen Stil, der längst aus der Zeit gefallen ist und zeigt auf diese Weise das enorme Potential auf, welches der deutschen Sprache innewohnt, und dadurch natürlich auch, welcher schmerzliche Verlust damit einhergeht, daß allgemein so wenig dafür getan wird, sie in Form zu halten. Allein deswegen schon sollte Scheidig nicht länger mehr ein Geheimtipp bleiben. Meine Empfehlung also: 4. Dezember 2022, Breitscheidstraße 95b in Rudolstadt/Thüringen. Näheres zu Platzreservierungen im untenstehenden Screenshot. +++

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Buchvorstellung und Lesung mit Dr. Dieter Scheidig – Screenshot Facebook

 

 

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