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Trotz Wegzugsbesteuerung: Immer mehr Fachkräfte verlassen Deutschland

Knapp 270.000 Deutsche wanderten im vergangenen Jahr aus und immer mehr Leistungsträger spielen mit dem Gedanken, auszuwandern. Die Auswanderungsquote in Deutschland ist die dritthöchste in 38 führenden Industrienationen.

Damit verschärft sich der Fachkräfte-Mangel in Deutschland kontinuierlich. Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen hat Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Rund zwei Millionen Arbeitsplätze bleiben unbesetzt und das bei über 2,6 Millionen Arbeitslosen.

Wegzugsbesteuerung verschärft

Natürlich können nicht alle Unternehmer das Land verlassen, zumal die Politik mit allen Mitteln versucht, dies zu erschweren. Eines dieser Mittel ist die sogenannte „Wegzugsbesteuerung“. Unternehmer werden beim Wegzug so behandelt, als hätten sie ihr Unternehmen oder ihre Anteile verkauft und der „Gewinn“, der in Wahrheit gar nicht entstanden ist, muss versteuert werden.

Diese Wegzugbesteuerung wurde 2021 noch einmal verschärft für Deutsche, die ins EU-Ausland ziehen. Es handelt es sich um eine finanzielle Wand, mit der Unternehmer daran gehindert werden sollen, das Land zu verlassen. Diese Steuer wird damit begründet, dass der Staat vor dem Wegzug die Infrastruktur zur Verfügung stellte, ohne anzuerkennen, dass diese bereits durch die Steuern in der aktiven Zeit der Firma bezahlt wurde.

Ein bisschen erinnert sie an die Reichsfluchtsteuer. Diese wurde am 8. Dezember 1931 mit der „Vierten [Not-]Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens“ (RGBl. 1931 I, S. 699–745) eingeführt, um Kapitalflucht einzudämmen.

Die Qualifizierten gehen

Trotzdem gehen immer mehr Menschen, besonders qualifizierte Personen: Schon 2019 zeigte eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB): Der durchschnittliche deutsche Auswanderer ist unter 40, beruflich erfolgreich und hat einen akademischen Abschluss. Fast drei Viertel aller Auswanderer haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium, ganz im Gegensatz zu denen, die nach Deutschland kommen. Die Politik wird nicht müde, zu erklären, wir benötigen Fachkräfte.

Aber warum sollten qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland kommen?

Nach Deutschland in das Land mit einer digitalisierten Bürokratie, die in der EU an letzter Stelle steht, die Jobs vernichtet, neue Technologien verhindert und welches sich nicht durch Unternehmer- und Gründerfreundlichkeit auszeichnet. Hohe Arbeitskosten machen den Wirtschaftsstandort Deutschland für Arbeitgeber unattraktiv – und niedrige Nettoeinkommen der Arbeitnehmer für dringend benötigte Fachkräfte aus dem Ausland ebenso.

Zusätzlich hat Deutschland die höchste Steuer- und Abgabenlast weltweit. Während in Deutschland der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent liegt, werden die Einkommen in den USA mit 24 Prozent besteuert.

Auch gesellschaftlich stellen sich Fragen

Warum sollten Fachkräfte in ein Land ziehen, in dem Polizisten angegriffen werden, Rettungskräfte durch Klima-Kleber der Weg versperrt wird und Freibäder durch Sicherheitsmaßnahmen bewacht werden müssen?

Warum sollten Fachkräfte ihr Land verlassen und in ein Land einwandern, das bildungstechnisch den Anschluss verpasst hat und ein Drittel der Kinder nach Beendigung der Grundschule nicht lesen und schreiben können? In einem Land, dessen »Energiewende« seinen Bürgern und der Wirtschaft jahrelang den höchsten Strompreis weltweit beschert und dem Wirtschaftsstandort Deutschland schwer schadet.

Hinzu kommt: Viele Kulturen, auch die Chinesischen lehnen Gender und LGBTQ ab und werden lange nachdenken, mit Hinblick auf Familie und Kinder, ob sie diese Kultur leben wollen. Das muss man nicht gut finden, ist aber ein Fakt, der in der aktuellen Politik nicht berücksichtigt wird.

Schwieriger Wohnungsmarkt und unfaires Abgabensystem

Warum sollten Fachkräfte in ein Land ziehen, in dem die Kaufkraft seiner Währung schwindet und die Ersparnisse der Bürger sich in Inflation auflöst? In dem derzeit 700.000 Wohnungen fehlen und das Problem sich wegen der Bevölkerungszunahme weiter zuspitzt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Miete ein Großteil des Einkommens verschlingen wird, da die wenigen Wohnungen überteuert sind. In ein Land ziehen, deren Politiker die Welt retten, aber, denen die Sorgen der eigenen Bevölkerung egal sind? Und so spielt Deutschland für gut ausgebildete Fachkräfte schon längst eher keine Rolle mehr.

Die dringend benötigten fortgeschrittenen und gut ausgebildeten Fachkräfte werden kaum nach Deutschland kommen und auch gut ausgebildete junge Menschen werden Deutschland in Zukunft den Rücken kehren.

In den politischen Debatten geht es derzeit um die Einwanderung nach Deutschland. Über die hohe Zahl der Abwanderung wird kaum gesprochen. Ökonomen erklären seit Jahren, dass die Löhne nach Jahren der Zurückhaltung deutlich steigen müssten, um die Auswanderung zu bremsen und die dringend benötigenden Fachkräfte im Land zu halten. Ebenso wäre es dringend nötig, das Steuer- und Abgabensystem umzubauen und auf ein angemessenes Maß zurückzuführen.

 

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