Jürgen Braun, MdB/AfD - Foto: Imago

Der Alternative: Die Denkmäler des Herrn Braun

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun scheint Urlaub in Estland gemacht zu haben. Auf seiner Facebookseite berichtet er von einem Besuch der Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus in Tallinn. Das ist schön von ihm, weil schon die sowjetischen Kommunisten damals aus Russland gekommen sind. Eine Betrachtung.

von Max Erdinger

Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus: den Einwohnern Estlands gewidmet, die unter dem sowjetischen Terror gelitten haben. Estland verlor jeden fünften seiner etwas mehr als einer Million Einwohner, mehr als 75.000 Menschen wurden ermordet, verhaftet oder deportiert. Erläuterung des imposanten neuen Mahnmals für die Opfer des Kommunismus, das 22.000 Namen aufführt. Dieser Text lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.„, schreibt Herr Braun und fügt ein paar Bilder von der Gedenkstätte bei.

Gedenkstätte in Tallinn – Screenshot Facebook

Im Kommentarbereich tummeln sich dann auch gleich ein paar Kommentatoren, denen es gar nicht gefällt, daß Herr Braun an die Verbrechen der Sowjets erinnert. Und Herr Braun ist mit seinen Antworten auch nicht zimperlich. Ein Kommentator zum Beispiel fragt provokant, ob es auch ein Erinnerungsmal für die Drangsale der russischen Bevölkerung durch die estnische Regierung gibt. Herr Braun zeigt ihm aber gleich, wo der Frosch die Locken hat und gibt den Inquisitor. Der freche Kommentator soll nicht von den sowjetischen Verbrechen am estnischen Volk ablenken. Ob er wohl die Ermordung, Haft und Deportation von etwa einem Fünftel der Esten durch die sowjetische Besatzung leugnen wolle? – Das wollte der aber erkennbar gar nicht. Ein weiterer Kommentator gibt zu bedenken, daß die weltpolitische Lage damals ein wenig zu komplex gewesen sei, um sie heute auf sowjetische Täter und ihre estnischen Opfer einzudampfen. Noch ein anderer Kommentator verlinkt zu einem Wikipedia-Eintrag über die 20. Waffen-Grenadier-Division der SS (die estnische Nr. 1) und behauptet, die Sowjets hätten damals gar nicht Esten gemeint, sondern estnische Kollaborateure der Nazis. Wieder ein anderer Kommentator erinnert an die nationenbildende Geschichte Russlands seit dem 19. Jahrhundert – und wird von Jürgen Braun prompt aufgefordert, doch nach Nordkorea oder nach Venezuela auszuwandern, wenn ihm die Sowjetunion so gut gefällt.

Worum es dem Herrn Braun tatsächlich geht, ist natürlich, den Bezug zum heutigen Russland herzustellen. Dieser Putin trauere der Sowjetunion schließlich ebenfalls heute noch nach, schreibt Herr Braun in seiner Antwort auf einen Kommentator. Und das ist ganz klar eine Verleumdung Putins. Wladimir Putin trauert der Sowjetunion erklärtermaßen nicht nach. Er bedauert, daß Russland den Status einer Supermacht verloren hat, welchen die Sowjetunion noch innehatte. Das ist etwas völlig anderes, als der Sowjetunion nachzutrauern.

Denkmäler für die Opfer des Kommunismus

Meinereiner ist sehr beim Herrn Braun von der AfD, wenn es darum geht, mit dem Kommunismus ein- für allemal Schluß zu machen. Wo man auch hinschaut: Stalin, Mao, PolPot  – es scheint eine historische Unausweichlichkeit zu sein, daß Kommunisten an der Macht ein Leichengebirge hinterlassen. Weil sie stocktotalitäre Zeitgenossen sind seit jeher, die keine Widersacher dulden können und noch jedes Gemeinwesen in eine Hölle für diejenigen verwandeln, die in einem solchen Gemeinwesen zu leben gezwungen sind. Ebenso scheint Fakt zu sein, daß man sich leichtsinnigerweise in den Kommunismus hineinwählen kann – gerade in einer Demokratie – aber nicht so leicht wieder heraus. Kommunisten an der Macht haben die fatale Tendenz, die Macht nie wieder abgeben zu wollen. Habe ich gerade „Leichengebirge“ geschrieben? – Ja, habe ich. Und so leid mir das tut für den Herrn Braun von der Alternative für Deutschland und sein schönes Mahnmal im estnischen Tallinn: Diese Leichengebirge sind zwar ein regelmäßiges Merkmal von kommunistischen Diktaturen, aber keinesfalls ein Alleinstellungsmerkmal.

In Berlin haben wir bekanntlich das großkotzigste Denkmal überhaupt, mitten in der Stadt, eine wahrhaft monströse Zurschaustellung weltmeisterlichen Schuldstolzes. Das Holocaust-Mahnmal ist nicht den Opfern von Kommunisten gewidmet, sondern den Opfern von Nationalsozialisten. Ähnliche Denkmäler wie das in Tallinn gibt es wahrscheinlich in Vietnam, im Irak, in Syrien, in Serbien und überall dort auf der Welt, wo das US-Militär hemmungslos Zivilisten zu Hunderttausenden gekillt hat. „My Lai“ ist nur ein besonders einprägsames Stichwort für US-Massaker an einer Zivilbevölkerung. Im Unterschied zur Sowjetunion und zum Dritten Reich gibt es die USA aber noch. Im Augenblick führen sie wieder Krieg – und zwar gegen Russland. Das ist ein besonders hinterhältiger Krieg, weil sich die USA die Ukrainer ausgesucht haben, um sie zu opfern für ihre geopolitischen Interessen. Der ukrainische „Prokönig“ Selenskyj und dessen Amtsvorgänger Poroschenko haben sie für viel Geld quasi an die USA verkauft – und über die Schaffung von Umgehungstatbeständen weite Teile des ukrainischen Agrarlandes obendrein. Das wird er aber nicht hören wollen, der Herr Braun – und wenn es zehnmal den Tatsachen entspricht. Vielleicht hat er Brzezinski nicht geglaubt, den Herren Wolfowitz, dem Kagan-Clan inkl. Victoria Nuland nicht und dem Herrn Friedman von STRATFOR auch nicht. Vielleicht ist ihm entgangen, daß die sog. US-Falken, die unter Trump nichts mehr zu melden hatten, seit Biden wieder da sind.

Die Schuld am Ukrainekrieg würde er nur zu gern den Russen exclusiv in die Schuhe schieben. Nur zu gern würde er das Russland von heute mit der Sowjetunion von damals gleichsetzen. Herr Braun mag den Herrn Putin eben nicht. Und den Herrn Professor Karaganov mag er vermutlich auch nicht. Der hat der „New York Times“ kürzlich ein hochinteressantes Interview gegeben, in welchem er sehr luzide analysierte, weshalb die westliche Welt sich erneut Russland als den Erzfeind auserkoren hat. In aller Kürze: Der „Wertewesten“ zerbricht laut Karaganov an seinen inneren Widersprüchen. Die Dämonisierung Russlands soll als der Kitt dienen, der das marode Gebilde namens „Wertewesten“ noch für ein Weilchen zusammenhält. Prof. Karaganov sagt, der Westen brauche den Ukrainekrieg, um die wertewestlichen „die Menschen“ von sich selbst abzulenken.

Mit dem FBI-Überfall auf die Privatresidenz von Donald Trump in Palm Beach am vergangenen Montag und der Stigmatisierung von Regierungskritikern in Deutschland als „Verfassungsfeinde“ zeigt sich eindrücklich, daß der kommunistische Totalitarismus längst im sogenannten Wertewesten sein neues Zuhause gefunden hat. Und meinereiner würde es vorziehen, sich damit auseinanderzusetzen, anstatt sich in Schuldzuweisungen an eine untergegangene Sowjetmacht zu ergehen und zu insinuieren, der russische Präsident sei im Grunde nichts anderes als ein Sowjetführer der Gegenwart. Das genaue Gegenteil ist richtig. Heute ist es Wladimir Putin, der die westlichen Werte in Russland wiederbelebt, während sie im „Wertewesten“ zunehmend unter die Räder kommen. Putin ist bei weitem nicht der einzige, der das luzide so analysiert. Das sehen Viktor Orbàn, die polnische Regierung, die Fratelli d’Italia, Marine Le Pen und wesentliche Teile der AfD ganz ähnlich.

Ein Ablenkungsmanöver

Wenn der AfD-Bundestagsabgeordnete Braun ein estnisches Mahnmal für die Opfer der Sowjets im Zweiten Weltkrieg und danach braucht, um zu dokumentieren, daß er mit dem Kommunismus Schluß machen will, dann stellen sich logischerweise ein paar Fragen zu seinem „Alternativgehalt“. Ist bei Jürgen Braun wirklich drin, was außen draufsteht? Ist bei Friedrich Merz drin, was außen drauf steht? Bei Kleinwächter? Bei Broder? Bei Fleischhauer? – Meinereiner entwickelt da allmählich ein Mißtrauen, das jedem kommunistischen Geheimdienstchef zur Ehre gereichen würde. Unvergessen bleibt ihm Brauns Bundestagsrede nach dem Massaker von Butscha und Brauns damit verbundene Insinuationen.

Es ist äußerst merkwürdig, daß dieses Massaker so abrupt aus den Westmedien wieder verschwunden ist. Es ist äußerst merkwürdig, daß ein geschasster Ex-Abgeordneter der Werochnwa Rada behauptete, das Massaker von Butscha sei eine Inszenierung des ukrainischen Geheimdienstes SBU in Zusammenarbeit mit dem britischen MI6 gewesen. Es ist äußerst merkwürdig, daß meinereiner ein Augenzeugenvideo aus Butscha kennt, in welchem zu sehen ist, wie Männer in ukrainischem Tarnfleck mit Stangen und Seilen Leichen auf den Straßen von Butscha in „photogene Positionen“ ziehen und schieben. Es ist äußerst merkwürdig, daß es Berichte gibt, denen zufolge die Toten von Butscha bereits als Leichen von anderswoher nach Butscha transportiert worden seien. Es ist äußerst merkwürdig, daß der Bürgermeister von Butscha in einem Video unmittelbar nach dem russischen Abzug aus Butscha mit keinem Wort irgendwelche Leichen auf den Straßen seiner Stadt erwähnt. Es ist äußerst merkwürdig, daß der Sicherheitrat der Vereinten Nationen sich unter britischem Vorsitz befand, als der zweimalige Antrag Russlands, das Massaker von Butscha in einer Sondersitzung zu behandeln, abgelehnt wurde.

Es ist furchtbar, in einem Video zu sehen, wie ukrainische Zivilisten von ukrainischer Militärpolizei (?) verprügelt werden, nachdem sie sich kostenlose Lebensmittel bei den Z-Russen abgeholt hatten. Es ist äußerst merkwürdig, daß ganz ähnliche Bilder wie die aus Butscha von einem italienischen Kriegsberichterstatter in Mariupol per Video dokumentiert wurden. Die Leichen lagen zuhauf auf einem Gehweg und einer mehrspurigen Straße, die direkt an jenem Stahlwerk vorbeiführt, in welchem sich das Asow-Bataillon verschanzt hatte. Augenzeugen berichteten, die mutmaßlichen „Orks“ – eine abfällige Titulierung von russischstämmigen Zivilisten durch ihre ukrainischen Landsleute hauptsächlich im Westen des Landes – seien aus der zum Stahlwerk gehörenden Tankstelle heraus niedergemäht worden. Die Täter waren definitiv keine Russen. Es ist äußerst merkwürdig, daß dieses Massaker in den westlichen Medien nie thematisiert worden ist. Es weiß im Westen kaum jemand davon. Es ist äußerst merkwürdig, daß dem westlichen Medienkonsumenten die Frontberichte von Patrick Lancaster verschwiegen werden. Es ist merkwürdig, daß im westlichen Medien-Mainstream alles ausgeblendet wird, was von Gonzalo Lira (US-Amerikaner, zeitweilig vom SBU verhaftet, lebt in Charkow)  und Eva Bartlett (kanadische Journalistin in Donezk) kommt. Es ist äußerst merkwürdig, daß inzwischen Ukrainer bis zum Alter von 70 Jahren für den Krieg rekrutiert werden und daß kein männlicher Ukrainer über 18 und unter 70 das Land mehr verlassen darf, daß aber zugleich Lamborghinis mit ukrainischen Kennzeichen in Polen gesichtet werden, Bentleys, Porsche und dicke AMG-Benze in Zürich, in Wien und deutschen Großstädten. Es ist in der westlichen Medienberichterstattung über diesen Krieg verdammt viel sehr merkwürdig. Daß der Bericht von „Amnesty International“ über schwere ukrainische Kriegsverbrechen wieder zurückgezogen wurde, ist allerdings recht aufschlußreich.  Und die westlichen Reaktionen auf diesen Bericht sind noch viel aufschlußreicher, wenn man sich überlegt, was alles ausgeblendet worden sein muß, damit solche Reaktionen überhaupt möglich werden.

In Deutschland

Sehr aufschlußreich sind auf jeden Fall auch die deutschen Reaktionen auf den russischen Eingriff in den seit Jahren andauernden innerukrainischen Krieg. Ein berühmter russischer Dirigent, Valery Gergiev, Chef der Münchener Philharmoniker, wird rausgeworfen, weil er sich nicht zu Putin äußern will. Die weltberühmte Sängerin Anna Netrebko darf nicht mehr auftreten, die Scheiben an den Geschäften russischstämmiger Inhaber werden eingeworfen oder beschmiert, russischstämmige Schulkinder gemobbt und verprügelt, von ihren Lehrern vor die Klasse gezwungen, um dort Bekenntnisse gegen Putin abzulegen. „Facebook“ hat sogar offiziell erlaubt, seinem Hass auf alles Russische freien Lauf zu lassen – und zu diesem Zweck die eigenen „Gemeinschaftsstandards“ zur „Hassrede“ suspendiert – hochoffiziell! Spirituosenverkäufer kippten demonstrantiv russischen Vodka in die Gullis, der „russische Zupfkuchen“ wurde zu „Zupfkuchen“ usw.usf. – und die jüngste Idee ist es, russische Bürger überhaupt nicht mehr in die „westliche Welt“ einreisen zu lassen. Selenskyj fordert das – und bislang haben sich die Finnen seiner Forderung angeschlossen. Woran erinnert das alles? – Klar. An totalitäre Kommunisten-& Sozialisten-Regime erinnert das. An Mao, an PolPot, an Hitler, an Stalin, an die DDR, an Venezuela und jeden anderen linkskollektivistischen „Rechthaber“-Dreck. Und zwar in Deutschland. Im Jahr 2022.

Doch der äußerst alternative Bundestagsabgeordnete Jürgen Braun von der „Alternative für Deutschland“, ehemals Leiter verschiedener öffentlich-rechtlicher wie privater Fernsehredaktionen in Berlin, Dresden, Karlsruhe, Ludwigsburg und Stuttgart sowie Ex-Mitglied der CDU, berichtet von einem Mahnmal für die estnischen Opfer der Sowjetkommunisten, als sei es den gräßlichen Sowjets damals (heute: „Putinrussen“) um ethnische Esten gegangen und nicht um ihre Feinde in Estland, von denen ein beträchtlicher Teil mit dem deutschen Feind im „Großen Vaterländischen Krieg“ kollaborierte. Irre alternativ, das.

Der erste Slogan der AfD war der beste: „Mut zur Wahrheit“. Von einem Mut zur perfiden Insinuation, der Wahrheitsverdrehung und der falschen Verdächtigung stand da nichts. Vielleicht schenkt dem Herrn Braun ja einmal jemand einen Besen, damit er vor seiner eigenen Tür kehren kann. Dann braucht er nicht bis nach Tallinn zu fahren, um hernach mit seiner antikommunistischen Moral anhand eines Mahnmals im Baltikum bei Facebook hausieren zu gehen. Und in Abwandlung eines Zitats aus der „Zeit“, demzufolge es der Herr Braun leid sei, ständig für die Äußerungen „dieses Herrn aus Thüringen“ (Höcke) in Mithaftung genommen zu werden: Der Herr aus Thüringen ist es wahrscheinlich leid, sich ausgerechnet von Herrn Braun „belehren“ lassen zu sollen.

Heutzutage sitzen die Neo-Kommunisten im Westen (noch) recht fest im Sattel, nicht in Russland. Sie sitzen im US-Kongress, verschanzen sich hinter einem debilen „US-Präsidenten“ und ruinieren die Gewaltenteilung in den USA. In Deutschland sitzen sie in der Regierung und verpesten per „Wokismus“ und „Cancel Culture“ das Geistesleben mit ihren niederen Instinkten und ihrem daraus resultierenden, ordinären Gesinnungsterror. Die Deutschen drängeln sich wieder einmal in einen Krieg, obwohl sie das gar nicht müssten. Und der Herr Braun von der „Alternative für Deutschland“ berichtet von einem Denkmal für die estnischen Opfer der längst untergegangenen Sowjetunion. Wahrscheinlich glaubt er auch noch, das sei kein durchsichtiges Manöver. Sollte herauskommen, wer das Massaker von Butscha tatsächlich verübt oder inszeniert hat, werde ich noch einmal auf den alternativen Herrn Braun und seinen Kollegen Kleinwächter zurückkommen. Bei aller gemeinsamen Feindschaft den Kommunisten gegenüber. Weil: Mut zur Wahrheit, Freunde der „Alternative für Deutschland“!

 

 

 

 

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