Auch Moderna-Impfstoff entpuppt sich als Ladenhüter – müssen uns die Russen mal wieder retten?

Foto: Impfzentrum (über dts Nachrichtenagentur)

Die Impfbereitschaft scheint doch nicht so hoch zu sein, wie es die Pharmakonzerne und ihre Politiker es gerne haben wollen. Wahrscheinlich ist die Angst vor Folgeschäden immer noch zu groß und es überwiegt die Skepsis, ob die Impferei überhaupt etwas bringt. 

Schließlich bleiben die Alten nach dem „solidarischen Pieks“ weiterhin isoliert und als Eintrittskarte in den Biergarten eignet sich der Stoff ebenfalls noch nicht.

Nun wurde bekannt, dass der Corona-Impfstoff von Moderna relativ gesehen ein noch größerer Ladenhüter als der von Astrazeneca ist. Selbst wenn man – freundlich gerechnet – je eine unterstellte Reservedosis für die Zweitimpfungen außen vor lässt, wurden bislang nur 57 Prozent des verfügbaren Präparats von Moderna gespritzt. Das zeigen die am Dienstag verfügbaren Daten des Bundesgesundheitsministeriums.

Bei Astrazeneca liegt die Impfquote unter Herausrechnen von Reservedosen für die Zweitimpfung bei 67 Prozent, beim Präparat von Biontech/Pfizer bei 96 Prozent. Ohne Herausrechnen von Reservedosen liegt die Impfquote für Biontech/Pfizer bei 77 Prozent, für Moderna bei 37 Prozent und für Astrazeneca nur bei 34 Prozent des angelieferten Impfstoffs. Für Astrazeneca wird ein Zurücklegen einer zweiten Dosis vom Bundesgesundheitsministerium auch gar nicht empfohlen.

Insgesamt wurden bis Dienstag 12,3 Millionen Impfdosen an die Bundesländer ausgeliefert, darunter 8,5 Millionen von Biontech/Pfizer, rund drei Millionen von Astrazeneca und rund 680.000 von Moderna. Erst 5,4 Millionen Menschen haben in Deutschland mindestens eine Impfung bekommen.

Aber die Rettung naht:

Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hat sich zuversichtlich über eine Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V in der Europäischen Union geäußert. „Das ist ein guter Impfstoff, der vermutlich auch irgendwann in der EU zugelassen wird. Die russischen Forscher sind sehr erfahren mit Impfungen“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe).

Sputnik V sei clever gebaut: „Wie bei Astrazeneca handelt es sich um einen Vektorimpfstoff, der auf einem Adenovirus basiert. Aber anders als bei Astrazeneca verwendet er zwei unterschiedliche Vektorviren für die erste und zweite Dosis.“ Das sei sehr klug, denn dadurch könne er potenziell auftretende Wirksamkeitsverluste durch Immunantworten gegen die Vektoren verhindern.

Der Chef der Ständigen Impfkommission ist zudem überzeugt, dass es bald einen Corona-Impfstoff für Kinder geben wird. „Derzeit untersuchen die Hersteller in Studien, wie ihre Mittel bei Kindern wirken“, sagte er der „Rheinischen Post“. Allerdings geht der Stiko-Chef davon aus, dass sich die Impfungen der Kinder bis in das Jahr 2022 hinziehen.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das dieses Jahr noch etwas wird“, sagte er. „Vielleicht können wir Ende des Jahres mit der Impfung der Kinder beginnen.“ Mertens hob die hohe Bedeutung der Kinder-Studien hervor.

„Diese Studien sind sehr wichtig, schließlich geht es um die Impfung gesunder Kinder, wovon die allermeisten auch ohne Impfung keine Symptome oder keinen schweren Verlauf haben würden. Zudem wissen wir, dass die Nebenwirkungen oft umso stärker sind, je jünger die Menschen sind.“

Es wird also noch bis 2022 dauern, bis das Volk komplett durchgeimpft ist. Natürlich nur, wenn es dazu gezwungen wird. Aber vielleicht gibt es ja genügend Putin-Anhänger unter den Skeptikern, die jetzt ihre Bedenken fallen lassen.

Hier noch weitere Meldungen aus dem Impfzentrum Deutschland:

Ärztepräsident: Niedergelassenen Ärzten Impfreihenfolge überlassen

Niedergelassene Ärzte sollen nach den Worten von Ärztepräsident Klaus Reinhardt künftig selbst über die Impfreihenfolge ihrer Patienten entscheiden dürfen, sobald sie über genügend Corona-Impfstoff verfügen. „Sobald wir ausreichend Impfstoff für alle haben, sollten Haus- und Fachärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen. Sie wissen am besten, welche ihrer Patienten besonders gefährdet sind“, sagte er der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe).

Zu viele Vorgaben und Prüfverfahren hielten nur unnötig auf. „Das sollten wir unbedingt vermeiden“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. „Die Impfkampagne in Deutschland wird deutlich Fahrt aufnehmen, wenn ab April Haus- und Facharztpraxen in die Corona-Impfungen einbezogen werden“, sagte Reinhardt.

Die Praxen versorgten die Bevölkerung jedes Jahr millionenfach und in kürzester Zeit mit Impfungen gegen die saisonale Grippe. „Die Strukturen und das Know-how sind also vorhanden, um schnell und in hoher Frequenz mit dem Impfen zu beginnen. Die Praxen sind startklar, jetzt müssen Bund und Länder sicherstellen, dass ausreichend Impfstoff und Verbrauchsmaterialien zur Verfügung stehen“, sagte Reinhardt.

Gut und richtig sei, dass der Verwaltungsaufwand gering gehalten werden soll, damit die zusätzlichen Aufgaben problemlos in die Praxisabläufe integriert werden könnten, sagte der Ärztepräsident.

Betriebsärzte: Können pro Monat fünf Millionen Beschäftigte impfen

Die Betriebsärzte in Deutschland sehen sich gut aufgestellt für eine Beteiligung an den Corona-Impfungen. Die bundesweit rund 12.000 Werksmediziner könnten „pro Monat etwa fünf Millionen Beschäftigte impfen“, sagte die Vizepräsidentin des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Anette Wahl-Wachendorf, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben). Im Unterschied zu Hausärzten, die sich auch um akute Krankheitsfälle kümmern müssen, seien Betriebsärzte vor allem mit Vorsorgeuntersuchungen befasst.

„Bis zu 80 Prozent dieser Untersuchungen lassen sich um einige Woche verschieben, um dem Impfen Vorrang zu geben“, sagte die Vizepräsidentin des Verbands. Zugleich plädierte Wahl-Wachendorf dafür, sich bei künftigen Corona-Schutzimpfungen in den Unternehmen an der derzeitigen Impfreihenfolge zu orientieren. Auch bei Impfungen in den Betrieben „sollte darauf geachtet werden, dass eine gewisse Priorisierung erhalten bleibt“.

Die Medizinerin sagte, wer im Berufsalltag viele Kontakte habe, „etwa weil er mit Kunden zu tun hat oder im Außendienst ist, sollte bevorzugt geimpft werden“. Darauf sollten die Unternehmen achten. Zugleich sprach sich die Vizepräsidentin des Verbands dagegen aus, „dass der Chef beim Impfen als erster an der Reihe ist, wenn er ständig im Homeoffice sitzt“.

Vielmehr sollten diejenigen Vorrang haben, die in ihrem Berufsalltag das höchste Ansteckungsrisiko hätten, so Wahl-Wachendorf.

Lehrer, Erzieher und Polizisten verteidigen ihre Impf-Priorisierung

Vertreter von Lehrern, Erziehern und Polizisten haben die Kritik des Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, zurückgewiesen, die Länder setzten sich mit der Impfung dieser Berufsgruppen über die Impfverordnung des Bundes hinweg. „Es ist unverantwortlich, jetzt eine solche Debatte loszutreten“, sagte der Chef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Mittwochausgaben). „Noch vor ein paar Tagen hatte der Stiko-Chef Mertens festgestellt, dass es im Endeffekt eine politische Entscheidung sei, wer priorisiert wird“, so Beckmann.

Wenn die Politik dann konsequenterweise entscheide, dass ihre Politik der Priorisierung des Bildungsbereichs auch eine Priorisierung der Impfreihenfolge nach sich ziehen muss, werde dagegen gewettert, beklagte er. Auch der Vizechef der Polizeigewerkschaft GdP, Jörg Radek, wies die Kritik zurück: Polizisten müssten gerade in der Pandemie Sicherheit und Ordnung gewährleisten, sagte er dem RND. „Es ist kein Selbstzweck und im Einklang mit der Impfverordnung, wenn sie prioritär geimpft werden“, sagte er.

Und wie sieht es mit den Tests aus? Hier eine interessante Meldung aus Sachsen-Anhalt:

Eine Ankündigung jagt die nächste. Diesmal ist es Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Reiner Haselhoff, der seinen Bürgern kostenlose Schnelltests verspricht. Bis zum 22. März soll sich jeder einmal pro Woche beim Arzt und in Apotheken kostenlos testen lassen können. Problem – laut Haselhoff würden bisher erst 100 Apotheken mitmachen, entsprechende Verträge mit Ärzten und Apotheken sind noch gar nicht abgeschlossen und die Tests auch noch nicht angeschafft. Die Sachsen-Anhalter sind offenbar von der Möglichkeit, sich ein mal die Woche ein Stäbchen in Mund und Nase rammen zu lassen, um den „Gesundheitsbeweis“ anzutreten, wenig begeistert. In einer MZ-Umfrage gaben 56 Prozent der Leser an, bei der Aktion nicht mitmachen zu wollen. Nur 33 Prozent der offensichtlichen Corona-Anhänger wollen sich testen lassen und 11 Prozent hängen unentschlossen dazwischen.

 

(Mit Material von dts)