Kaum ist Julian Reichelt kaltgestellt, jubelt „Bild“ wieder im Chor der Systemmedien

Bei "Bild" vorerst auf Eis gelegt: Julian Reichelt (Foto:Imago/Schüler)

Kaum hat die Schmutzkampagne gegen den unbequemen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt zu dessen Freistellung („Urlaub“) geführt, kehrt die Springer-Frontzeitung wie der verlorene Sohn in den Schoß der corona-staatshörigen Haltungsmedien zurück. Besonders bemerkbar macht sich dies in der Impfberichterstattung.

Reichelt, der mutmaßlich mit einer milderen Variante der in den Fällen Andreas Türck oder Jörg Kachelmann erfolgreich angewandten Methode „semper aliquid haeret“ (sinngemäß: irgendwas bleibt immer hängen, wenn mit Dreck geworfen wird) kaltgestellt wurde, ist nach wie vor „beurlaubt“, während der Springer-Verlag gegen seinen langjährigen und überaus erfolgreichen Mitarbeiter ein Compliance-Verfahren durchführen lässt. Wenn es sich dabei wirklich, wie manche Beobachter argwöhnen, um eine klassische Agitprop-Aktion interessierter politischer oder medialer Kreise handelt, nämlich Reichelt über die über die Sexismus-Schiene abzuschießen, dann hat diese jedenfalls vorläufig ihr gewünschtes Ziel erreicht. Sicher ist: wer in diesem Land an einflussreicher Stelle gegen den Merkelapparat die Stimme erhebt, der wird geräuschlos abserviert. Entweder, wo dies möglich ist, direkt (Hans Georg Maaßen!) – oder es widerfahren ihm wundersame Dinge. Maskendeals werden plötzlich durchgestochen, oder belästigte Frauen melden sich plötzlich zu Wort.

Sei es, wie es sei – jedenfalls ist seither mit jedem Tag deutlicher zu beobachten, wie Deutschlands auflagenstärkste Zeitung wieder sukzessive auf Regierungslinie zurückfindet. Inzwischen trifft man dort sogar auf platteste Verherrlichung der Impfkampagne, die „Bild“ zuvor unter Reichelt – als praktisch einziges bedeutendes Massen-Printmedium – mit der gebührenden distanzierten und schonungslosen journalistischen Grundhaltung verfolgt hatte. „Deutschland impft wieder mit Astrazeneca -Geimpfte glücklich: ‚Alles top! Mir geht es super!‘ frohlockt das Blatt heute, und druckt unkritisch die öffentlichen Propagandaerklärungen von Berlins SPD-Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci nach, die die Berliner „ausdrücklich“ aufruft, „die Impfmöglichkeiten zu nutzen„.

Friede, Freude, Eierkuchen beim Impfen

Ironischerweise dieselbe Kalayci übrigens, die das Berliner Chaos bei den Impfeinladungen zu verantworten hat, als sie Einladungen über die gesetzlichen Krankenkassen (AOK etc.) verschicken ließ – und dabei in Kauf nahm, dass etliche privatversicherte Impfberechtigte der Berechtigungsgruppen 1 und 2 mal eben keine Einladung erhielten. Von alledem hier natürlich kein Wort; dafür lässt „Bild“ die Senatorin jubeln: „Wir haben noch richtig viel Luft bei den Terminierungen für AstraZeneca. Ich hoffe, dass alle Impfberechtigten jetzt Termine buchen – und das sind nicht wenige, da gibt es immer noch viele Pflegekräfte, Ärzte, Erzieherinnen, Lehrer, über 70-Jährige“. Und weil’s so schön ist, lässt das Blatt dann noch reihenweise euphorisierte Frischgeimpfte zu Wort kommen. Welcome back im Enddarm von Spahn und Merkel, „Bild“!

Im Kanzleramt kann man jedenfalls aufatmen: Endlich auch in der Springer-Presse wieder eitel Friede, Freude, Eierkuchen zum Thema Impfen – statt dem andauernden Gemosere der letzten Monate über den verbockten Impfstart oder das von Angela Merkel persönlich zu verantwortende Beschaffungsdesaster. Wenn sich Reichelts Weggang jetzt auch noch in anderen Themen so positiv bemerkbar macht (Schnelltests, Corona-Hilfen, Energiewende, Masken-Abzocker, Migration), dann kann im anstehenden Wahlkampf nichts mehr schiefgehen. (DM)