A wie Antalya, B wie Bagdad? In Deutschland wird demnächst „divers“ buchstabiert

(Symbolbild:Imago/Eibner)

Zur umfassenden Volkserziehung und totalen Gehirnwäsche in einer schleichenden, sublimen Kulturrevolution wie der gegenwärtigen gehört die schrittweise Beseitigung und Zersetzung aller vertrauten, bewährten Gewohnheiten und Strukturen – und zwar bis in die niedrigsten Verästelungen des Alltags hinab. Nun geht es der offiziellen Buchstabiertafel an den Kragen, die – wie alles im duschreglementierten Bürokratendorado Deutschland – in einer eigenen DIN-Normung geregelt war. Das Säurebad des Zeitgeistes macht auch hiervor nicht halt.

Beeinflusst von woken, politisch korrekten, minderheitenfreundlichen Zielvorgaben, vor allem jedoch fortan geschichtlich perlweiß und „unbelastet“ sollen die deutschen Diktierregeln nach DIN 5009 über den Haufen geworfen und durch neue Buchstabenbezeichnungen ersetzt werden. Weil einige der verwendeten Merkbegriffe „Relikte der Nazizeit“ darstellen (auch wenn dies den Deutschen, denen die Zuordnungen wie selbstverständlich in Fleisch und Blut übergegangen sind, ebenso unbekannt wie egal sein dürfte), sollen fortan Städtenamen die Vornamen ersetzen; A wie Anton oder O wie Otto gehören dann bald der Vergangenheit ein. Es ist ein weiterer Etappensieg für die Cancel-Culture.

Die offizielle Handlungsbegründung des zuständigen Deutschen Instituts für Normung (DIN) lautet nämlich, das aktuelle Buchstabieralphabet sei „nicht mehr divers und zeitgemäß genug“. Also setzte sich eine einberufene Expertenkommission aus Beamten, Versicherungs- und Postmitarbeitern – all denen Bereichen, in denen der Amtsschimmel besonders laut wiehert – zusammen und baldowerte eine neue Tabelle mit Merkbegriffen zusammen. Ursprüngliche Befürchtungen, die „bunte Vielfalt“ und Modernisierung könnte sich in neuen Buchstabierbegriffen à la „A wie Ali“ oder „M wie Mohammed“ niederschlagen, scheinen vorerst unbegründet – obwohl auch das sicher nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Cancel-Culture im DIN-Bereich

Zwar werden, so die „Stuttgarter Zeitung„, konkrete Bezeichnungen für die einzelnen Buchstaben vorerst noch nicht verraten, doch künftig sollen jedenfalls Städtenamen statt Vornamen „die richtige Schreibweise von Wörtern, Mailadressen oder Aktenzeichen sichern„, schreibt die Zeitung. Dies solle der „Veränderung der gesellschaftlichen Realität“ Rechnung tragen, weil die Buchstabiertafel mit den bisherigen Vornamen, aus Sicht der DIN-Normer, „die kulturelle Diversität der Bevölkerung in Deutschland nicht ausreichend widerspiegeln„. Tun dies allerdings deutsche Städtenamen? Gewiss nicht – deshalb heißt es möglicherweise bald ja schon „I wie Izmet“, „K wie Kairo“, „T wie Teheran“ oder „K wie Kandahar“.

Übrigens wenig überraschend: Der Reformbedarf wurde vom Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg angestoßen, diesen störte, dass „in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken“, weil diese jüdische Vornamen entfernt hatten (aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried). Dies sei insofern „ein Beispiel, wie Antisemitismus funktioniert“, so der Behördenleiter. Eine recht steile These; wollte man ihr folgen, dann wäre allerdings die angemessene und überfällige Reaktion doch höchstens die, die damaligen Änderungen rückgängig zu machen und die jüdischen Namen wieder einzusetzen – und die Tabelle nicht durch eine anbiedernde Referenz an die nächste „Umvolkung“ der deutschen Geschichte neu zu erfinden. (DM)