Die erpresste Republik: Freiheit nur noch für Reiche oder Geimpfte

(Symbolbild:Imago/Panthermedia)

Derzeit ist Deutschland in einer betonierenden Lockdown-Stase gefangen, Öffnungen sind in weite Ferne gerückt, die Hoffnungslosigkeit ist erdrückender denn je. Der einzige Weg aus dem Corona-Koma – als Fernperspektive, keineswegs als kurzfristiger Ausblick – soll und darf die Impfung sein. Die Impffreiheit wird formal gewährleistet.

Gemeint ist mit dieser „Freiheit“ jedoch in Wahrheit folgendes: Dann, wenn (bzw. falls) uns die Inzidenzen je wieder so etwas wie Normalität erlauben sollten, sich entweder die Spritze geben lassen zu können – oder jeden Tag aufs Neue um die Teilhabe am Leben und Zutrittsberechtigungen bangen zu müssen und sich diese mit tagesaktuellen Schnelltest-Momentaufnahmen zu erkaufen. Oder natürlich, als dritten Weg, ein Leben als Paria und Ausgestoßener in den eigenen vier Wänden führen zu dürfen.

Ab sofort wird uns so etwas wie Ungezwungenheit nie mehr ohne Krücken erlaubt sein, ohne Vorbedingungen, die in irgendeiner Weise erkauft werden müssen: Entweder durch die Teilnahme an einem experimentellen Impfprogramm mit ungewissen Langzeitfolgen, selbst wenn man persönlich gar nicht krank ist und nicht einmal einer Risikogruppe angehört, und obwohl man die Covid-Schutzimpfung aus ganz grundsätzlichen Erwägungen oder begründeter Sorge vor Nebenwirkungen heraus eigentlich ablehnt. Oder eben, indem man zum Opfer eines schamlosen Test-Kapitalismus wird, der den Bürgern erhebliche zeitliche und finanzielle Zumutungen abverlangt, wenn sie ständig ihre Nichtinfektiosität durch Negativ-Schnelltests nachweisen müssen.

Teures Dauertesten – oder Verzicht

Der digitale Impfausweis (natürlich vorzuzeigen auf dem Smartphone) mag früher kommen – doch es wird noch sehr lange dauern, absehbar bis weit den Herbst oder Winter, bis die Impfkampagne einen Punkt erreicht, an dem wirklich jeder sein „Angebot“ erhalten hat. Bis dahin bleibt also für Nichtgeimpfte (und jene, die Corona noch nicht überstanden haben und als „genesen“ gelten) die einzige Möglichkeit, durch Tests Freiheiten „pro tempore“, nur tages- und häppchenweise, zurückzuerlangen. Was bedeutet das aber konkret? Ein kostenloser Schnelltest pro Woche, den die Regierung zahlt, deckt nicht einmal ein Siebtel des hypothetischen Bedarfs ab, der bei Friseur- und Masseurbesuchen, Fußpflege, Tierarzttermin, Terminshopping oder Veranstaltungen fällig wird. Bei Kosten von rund 5 Euro (zwischen „Discountangeboten“ von 3,50 Euro bis hin zu Vor-Ort-Preisen von 8 Euro bei den einlassberechtigten Unternehmen oder Einrichtungen) kommen so pro Kopf in der Woche gerne 30 Euro Zusatzkosten zusammen.

Bei einer vierköpfigen Familie ergeben sich pro Monat so schnell 500 Euro oder mehr. Angesichts solcher Mehrbelastungen dürfte mancheiner fast schon froh sein, dass derzeit alles dicht ist und weder Restaurant- und Kneipenbesuche oder Kino- und Theaterabende möglich sind. Doch wenn sich das ändert: Gibt es dann ein Leben nur noch für Reiche? Müssen Hartz-IV-Empfänger dann eben auf Tests verzichten, solange, bis ihnen endlich die Impfung Erlösung bringt?

Hierin liegt das erpresserische Moment, auf das die Regierung bei der Erzeugung eines „Impf-Verlangens“ gezielt setzt: Zum einen eben in dieser drohenden Dauer-Kostenfalle, zum anderen in der Mürbemachung. Die wenigsten Impf-Unwilligen dürften ihren Widerstand auf Dauer durchhalten, wenn ihnen selbst ein Feierabendbier in der Dorfkneipe oder ein Besuch auf dem Sportplatz künftig nur noch mit digitalem Pass oder nach schikanösen und teuren Tests gestattet sein wird. (DM)