Erdingers Absacker; Bild: Collage
Erdingers Absacker; Bild: Collage

Erdingers Absacker: Kompletter Realitätsverlust der politischen Klasse Deutschlands?

+++ Wenn die Menschheit von uns Deutschen noch irgendetwas lernen kann, dann ist es die korrekte Zeichensetzerei. Militärische Druckmittel, damit sie es lernen müssen, haben wir natürlich nicht mehr, was für sich genommen schon wieder ein schön gesetztes Zeichen ist. Zwar sind wir fies im Kopf, dafür aber friedlich mit den Händen. Nicht nur soll sich der russische Dirigent der Münchner Philharmoniker, Sergei Gergiev, bis morgen dem Ansinnen des Münchner SPD-Bürgermeisters Reiter, Dieter, beugen, und mit einer Distanzierung von „Putins Krieg“ (Zitat Reiter) seiner Kündigung als Dirigent entgehen, nein, es geht noch viel besser im Lande der gutmenschlichen Zerebralrosetten: Der EDEKA-Markt Sven Fiedler in Kiel hat Wladimir Putin Hausverbot erteilt. Man möchte Putin dort nicht mehr sehen, heißt es, woraus zu schließen ist, daß Putin bisher sehr oft beim EDEKA in Kiel gesehen worden sein muß, wahrscheinlich sogar, ohne sich dabei den Geldbeutel unter den Augen seiner Bodyguards klauen zu lassen. Das hat er jetzt davon: Kein EDEKA mehr für den bösen Wlad. Dafür ein Denkmal für den mutigen Sven Fiedler. Er liebt seine Lebensmittel und paßt daher auf, daß sie nicht in den falschen Schlund geraten. Bravo, bravo, bravo! Aber ist damit der Gipfel der deutschen Zeichensetzerkunst schon erreicht? – Mitnichten. Ein Gasthof im Badischen gab bekannt, daß man keine Gäste mehr im Hause wünsche, die im Besitz eines russischen Personalausweises sind. Boah! Ein inexistenter Experte für deutsche Befindlichkeiten erklärte, lange werde es wohl nicht mehr dauern, bis es im ZDF Live-Schaltungen zu den Hinrichtungen von Russen, „Klimaleugnern“, „Coronaleugnern“ und „Frauenfeinden“ gibt. Unterdessen hat der transatlantische Vorsitzende beim Club der Untoten (CDU), Friedrich „Mr.Burns“ Merz eine extrem meinungsstarke, aber historisch faktenfreie Rede gehalten, für die er viel Applaus bekommen hat. Ein inexistenter Experte für Merz und andere Monate erklärte, der Applaus für „Mr. Burns“ sei insofern nützlich gewesen, als daß man sich nunmehr eine großangelegte und sauteure Untersuchung des kollektiven deutschen Geisteszustandes sparen könne. Die hätte nämlich am Ende sowieso zehnmal mehr gekostet, als ursprünglich veranschlagt worden wäre.

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EDEKA-Fiedler for President? – Screenshot Facebook+++

+++ Warum ist die ukrainische Regierung nicht mit Nazis durchsetzt? Warum sind die dem Innenministerium unterstellten Asow-Regimenter und die Bandera-Freaks ebenfalls keine Nazis? Da kommen Sie von alleine nie drauf. Deswegen will ich Ihnen verraten, was im Lande der Zerebralrosetten als tolle Begründung dafür durchgeht, daß das alles Antifaschisten sind: Präsident Wolodymyr Selenskyj ist Jude – boah! Das läuft in Deutschland unter „Begründung“. Ein inexistenter Experte für Spitzfindigkeiten & Fragezeichen formulierte im Angesichte einer solchen Begründung eine arg provokante Frage: Was ist Antisemitismus? Meinereiner konnte ihn mit einer Antwort völlig zufrieden stellen. Antisemitismus ist, wenn man allen Individuen auf der Welt sämtliche Facetten des menschlichen Charakters von verkommen bis edelmütig zubilligt, nur einem Juden nicht – und ihn dadurch auf seinen Religions-Status reduziert. Das ist Antisemitismus. Tatsächlich hat auch ein Jude jedes Recht der Welt, sich in der gesamten Bandbreite der charakterlichen Eigenheiten des Menschen anzusiedeln. Wie heißt das deutsche Gebot? – Genau: Du sollst keine Juden diskriminieren. Geht das endlich rein in die deutschen Zerebralrosetten? – Na fein. Es reicht, wenn Präsident Wolodymyr Selenskyj selber weiß, was er finanziell, materiell, kulturell und ganz schön schnell davon hat, sich als Feigenblatt zur Verfügung gestellt zu haben. Auch Juden haben eine persönliche Entscheidungsfreiheit, ob das irgendwelchen Deutschen gefällt oder nicht.

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Deutschlands Frömmster – Wolodymyr Selenskyi, ukrainischer Präsident – Foto: Imago

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+++ Es gibt eine Rubrik, die eigentlich alle deutschen Zeitungen führen sollten zur Zeit: Die eindrucksvollsten Bilder aus dem umkämpften Kiew. Nachdem „Bild-TV“ gestern bereits einräumen musste, Filmsequenzen nicht einmal, sondern mehrmals eingeschnitten zu haben, die eine Gasexplosion in China 2015 zeigten sowie eine russische Fallschirmspringerübung bei Rostow am Don 2014, ist dieses Foto in der „Bild“ ein weiteres Dokument der gräßlichen Kriegsrealität in Kiew.

Verteidiger Kiews
Die Verteidiger Kiews – Screenshot Facebook

Ein inexistenter Experte für Bildinterpretationen aller Art, früher in der Redaktion von „1001 Meisterwerke“ beschäftigt,erklärte, was es auf diesem Bild zu sehen gibt. Soldaten, mutmaßlich solche der ukrainischen Armee, liegen ohne jede Deckung auf einer Brücke, um auf den russischen Feind zu schießen, der jeden Moment auftauchen wird. Der stehende Mann ohne Helm, links im Hintergrund, ist wahrscheinlich der Chef jener Komparsenagentur, die auch „ukrainischer Soldat“ im Angebot hat. Die Komparsen wissen auf jeden Fall, daß der Russe weder die Brücke sprengen wird noch aus der Luft angreift. Wäre es anders, dann hätte jeder von ihnen ein Schild mit dem russischen Slogan „Kill me, Gospodin“ vor sich aufgestellt. Als ein bißchen Deckung, wenigstens. Mit Zwinkersmilie. Im Übrigen sei das Schußfeld der in zweiter Reihe liegenden Komparsen durch die Komparsen in der ersten Reihe stark eingeschränkt, so daß das alles gar nicht so ungefährlich sei, wie es auf den ersten Blick aussieht. Der Experte für Bildinterpretationen aller Art erklärte, wenn er selbst in der ersten Reihe liegen müsste, würde er sich wahrscheinlich etwas unwohl fühlen. Allerdings konzedierte er, daß man der deutschen Verteidigungsministerin ein solches Foto wahrscheinlich als realistische Kampfsituation andrehen könne. Der Außenministerin sowieso. +++

+++ Frau Janel Forsythe gab in den sozialen Netzwerken Bedenkenswertes zu Protokoll. Wahrscheinlich handelt es sich tatsächlich um eine Frau. Man weiß es allerdings nicht so genau und was sie mit Barack Obama oder der CIA zu tun hat, kann kein Mensch erklären. Sie schrieb: „Es wird zwar nicht arg debattiert, aber Putin profitiert sehr von seinen weißen Privilegien. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in welchem ein schwarzer oder ein brauner Mann, der Russland regiert, damit durchkäme, daß er in die Ukraine einmarschiert, ohne daß er vernichtende Konsequenzen zu fürchten hätte (Man beachte die Krim 2014). Die weißen Privilegien werden uns alle zerstören.“ – Ein inexistenter Experte für ungelöste Vergangenheitsfragen gab nun zu bedenken, daß die Zerebralrosetten in westlichen Schädeln nicht nur immer noch funktionstüchtig genug seien, um zu wissen, bei welcher Gelegenheit es sich anbietet, sein eigenes Süppchen zu kochen und die Welt daran teilhaben zu lassen, daß man es gerade kocht. Als Nebeneffekt dieses überaus klugen Beitrags von Janel Forsythe sei ihm nun auch klar, weshalb die weißen Kolonialisten damals so leichtes Spiel gehabt hätten, obwohl sie absolut fies gewesen seien. Die armen Menschen in Afrika.

Janet Brown
Neue Kriegsaspekte mit Janel Forsythe – Screenshot Facebook+++

Zum Abschluß dieses Absackers ein Hinweis auf einen „jouwatch“-Artikel, der absolute Pflichtlektüre ist für jeden, der sich von den deutschen Mainstream-Medien und „Mr.Burns“ nicht länger mehr für blöd verkaufen lassen will: „Die ukrainische Vorgeschichte“. Er stammt von einem Historiker, ist – Vorwarnung! – sehr lang, und erzählt die Geschichte der Ukraine von ihren Ursprüngen bis heute mit fast minutiöser Detailgenauigkeit. Alle Namen, alle Bündnisse, alle Konstellationen, alle politischen Verschiebungen – einfach alles. Er ist sagenhaft und ich hatte das Privileg, ihn bereits zu lesen. Erscheint vermutlich morgen im Lauf des Tages. Lassen Sie sich nicht täuschen von meinem Tonfall in diesem Absacker: Ich bin am Boden zerstört und innerlich tief getroffen angesichts des Ausmaßes an Lügen und Niedertracht, unter welchem wir zur Zeit zu leben haben. Wofür werden wir von unseren Regierungen eigentlich gehalten? Für dummes Vieh?  Was, wenn sie rechthaben?

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