Botschafter Andrij Melnyk (link) mit dem ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk im Deutschen Bundestag, 3. Juni 2022 - Foto: Imago

Wie es wohl kommt? – Ukrainisches Außenministerium distanziert sich von Botschafter Melnyk

Wenn es erst einmal so weit ist, daß „t-online“ mit einer kritischen Meldung zum ukrainischen Botschafter in Deutschland aufwartet, dann muß aber richtig Feuer unterm Dach sein. Andrij Melnyks Interview-Äußerungen zum ukrainischen Nationalhelden Stepan Bandera seien eine Privatmeinung, die vom ukrainischen Außenministerium nicht geteilt wird, habe es in Kiew geheißen. Um hier einmal den zeitgeistigen Journalistenstil nachzuäffen und eine Behauptung als Frage zu verkleiden: Für „wie merkwürdig müssen wir“ das halten?

von Max Erdinger

Für sehr merkwürdig „müssen wir“ das halten. Der ehemalige Chef der ukrainischen Nationalistenbewegung OUN gilt besonders im Westen der Ukraine als quasireligiös verehrter Heiliger. Das ukrainische Außenministerium scheint sich also im Dissens mit einer unglaublichen Vielzahl an ukrainischen Privatmeinungen zu befinden. Womöglich noch in einem Dissens mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Der hatte in einem Interview erklärt, Bandera sei eben ein Held für einen gewissen Prozentsatz der Ukrainer – und daß das normal und „cool“ sei, weil Bandera einer sei, der die Freiheit der Ukraine verteidigt hat.

Banderas Nationalistenbewegung OUN hatte im Zweiten Weltkrieg mit der deutschen Wehrmacht kooperiert und sich an der Judenverfolgung in der Ukraine beteiligt. Außerdem ist die OUN verantwortlich für ein bestialisches Massaker an mehreren zehntausend Polen in Wolhynien im Jahr 1943. „t-online“ nennt Bandera „umstritten“. Lerneffekt: „Umstritten“ kann in deutschen Medien wahlweise mit „verdammungswürdig“ – weil harmonie- und konsenszersetzend – übersetzt werden, oder mit „diskutabel“. Stepan Bandera, so Melnyk, sei auch eine Woche nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 von den Deutschen verhaftet – und ins KZ Sachsenhausen überstellt worden. Außerdem sei ihm persönlich keine Beteiligung an den Gräueltaten der OUN nachzuweisen. Da scheint der Chef wieder einmal nicht gewußt zu haben, was seine Untergebenen in der heimatlichen Ferne den lieben langen Tag so treiben. Das ist insofern plausibel, als daß Bandera tatsächlich bis September 1944 im KZ Sachsenhausen gefangengehalten wurde. Was allerdings immer unter den Tisch fällt dabei, ist, daß Bandera nicht der einzige Faschist war, den die Nazis gefangen hielten, und daß er den Status eines „Ehrengefangenen der SS“ hatte. So pervers waren die Zeiten damals. Es gab tatsächlich „Sonder- und Ehrenhäftlinge“ in einem gesonderten Zellenbau. Das war zwar auch Gefangenschaft, aber mit der Gefangenschaft, die man sich gemeinhin in Verbindung mit „KZ“ vorstellt, hatte eine solche Gefangenschaft nicht viel zu tun.

Sei’s drum. In der Ostukraine, aber auch in Polen, in Russland und in Israel gilt Stepan Bandera überwiegend als Antisemit, Nazi-Kollaborateur und Verbrecher. Im Jahr 1959 wurde er, so erzählt es die Geschichtsschreibung, in München von einem russischen Agenten erschossen.

Das ukrainische Außenministerium

Ein Außenministerium ist kein Innenministerium. Und da Bandera eben auch in Polen – klar ein Fall für das Außenministerium – als Antisemit, Nazi-Kollaborateur und Verbrecher gilt, während den Worten jenes ukrainischen Außenministeriums zufolge derzeit der Gipfel an ukrainisch-polnischer Harmonie erreicht ist, waren die Einlassungen des ukrainischen Botschafters in Deutschland – wie sagt man – nicht gerade „hilfreich“. Manchmal stört die Vergangenheit ein wenig beim absichtsvollen Gekuschel. Die Distanzierung vom eigenen Botschafter scheint aus Opportunitätsgründen erfolgt zu sein, weniger wegen gegenteiliger Überzeugungen. Die Polen haben nämlich immer noch einen ziemlich Rochus auf Selenskyjs „coolen Freiheitshelden der Ukraine“. Das alles ändert freilich nichts daran, daß gerade nach dem aus den USA unterstützten Staatsstreich in der Ukraine (2014) ein Bandera-Kult hochgezogen wurde, der zu Beginn der russischen „Intervention“ (Broder) dieses Jahr in voller Blüte stand. Hunderte Straßen in der Ukraine wurden nach Bandera und anderen OUN-Vertretern benannt.

Das ist auch mit Blick auf das deutsche Narrativ von der „Befreiung“ durch die USA im Jahre 1945 interessant. Wenn man sich überlegt, welche Barbaren die USA spätestens seit 2014 in der Ukraine mit Waffen und militärischen Beratern unterstützt haben, fängt das Befreiungs-Narrativ aus dem Jahr 1945 ein wenig zu bröckeln an. Den Amerikanern könnte es damals ganz profan darum gegangen sein, den Krieg gegen Deutschland zu gewinnen, ziemlich egal, welche Banditen der deutsche Kriegsgegner als Regierung hatte. „Befreier“ klingt halt schöner als „Sieger“.

Twitter

Einer der derzeit populärsten Hashtags bei Twitter ist zur Zeit #Melnyk bandera. „Made in Heaven“ schreibt zum Beispiel: „Wer glaubt, #Melnyk sei ein Einzelfall, war noch nie in der #Ukraine. Melnyk ist die Ukraine. Bandera ist ukrainischer Nationalheld. Der NS-Kult in allen Teilen der Ukraine ist nicht zu übersehen. Auch wenn der Westen das gern abstreitet.“ Ein Link zur „World Socialist Web Site“ ist zu finden. Dort heißt es: „Historiker Timothy Snyder wäscht die Verbrechen der ukrainischen Ultrarechten weiß„. Sei es wie es sei: Fest steht jedenfalls, daß die von Bandera ab den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angeführte OUN ein Haufen bestialischer Barbaren gewesen ist, zu dem die Azow-Bataillone und der Rechte Sektor 2022 passen wie die Faust aufs Auge – und daß sich in Deutschland niemand über einen „umstrittenen“ Hitler oder Goebbels streitet mit dem Hinweis, ihnen persönlich sei keine direkte Beteiligung an viehischen Gräueltaten nachzuweisen.

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk ist aber in den vergangenen Tagen nicht nur mit seinen Einlassungen zu Bandera aufgefallen, sondern auch mit einem anderen, sehr wütenden Tweet. Melnyk zu deutschen Forderungen an die Kriegsparteien, endlich mit dem mörderischen Geballer aufzuhören und sich an den Verhandlungstisch zu setzen: „Nicht schon wieder, what a bunch of pseudo-intellectual loosers Ihr alle Varwicks, Vads, Kluges, Prechts, Yogeshwars, Zehs & Co. sollt euch endlich mit euren defätistischen „Ratschlägen“ zum Teufel scheren. Tschüß.“ Als Deutscher hat man da natürlich sofort wieder diese ungute Nazi-Assoziation. Es war Joseph Goebbels, der noch im Februar 1945 von „Defätisten“ redete angesichts der zunehmenden Zahl derjenigen, die an den Endsieg nicht mehr so recht glauben wollten. Angesichts der militärischen Lage der Ukrainer im gegenwärtigen Krieg hat „Defätismus“ wirklich ein sehr unangenehmes Geschmäckchen. Welcher Realist läßt sich schon gern einen Defätisten nennen? Im Übrigen, Andrij Melnyk: Ein Verlierer ist einer, der „Loser“ mit Doppel-O schreibt. Zu verlieren = to loose. Der Verlierer = the Loser. Meine Westbindung ist eben doch stärker als Ihre. Nichts zu danken.

Alle gut drauf?

Es gibt aber noch andere, recht merkwürdige Parallelen, zeitgeschichtlich betrachtet so. Der Bonker-GröFaZ mußte bekanntlich in den frühen Morgenstunden mit einem starken Schlafmittel in die Horizontale gebracht werden, und am frühen Nachmittag mit einem Aufputschmittel wieder in die Senkrechte. Der dicke Göring war Morphinist. Die Wehrmacht wurde mit pervitinhaltiger Panzerschokolade (Amphetamin, Speed) bei Laune gehalten, will sagen, in der Wahnvorstellung eines möglichen Sieges – und wenn man bedenkt, was für Bild- und Tonaufzeichnungen vom ukrainischen Herrn Präsidenten bereits aufgetaucht sind, und daß Lästermäuler schon länger „Kokaine“ sagen, wenn die Ukraine gemeint ist, sowie, daß auf einer NATO-Basis in Nordbelgien gestern ein Labor für Ecstasy-Pillen ausgehoben wurde, dann drängt sich schon die Frage auf, ob in diesem Krieg bis auf Wladimir Putin alle anderen nur noch realitätswidrig „gut drauf“ sind – und was es mit dieser liberalen Einstellung der Grünen zum Drogenkonsum auf sich hat. Die werden sich ihre Parteivorsitzende doch nicht klug gekokst haben, so, wie sich der Alkoholiker seine Kneipenbekanntschaft schönsäuft? Am Ende wäre illegaler westlicher Drogenkonsum noch die eigentliche Kriegsursache! Ich würde dem Melnyk ja mal eine Blutprobe abnehmen lassen, vorsichtshalber. Bei Selenskyj erübrigt sich das, glaube ich.

Den Bundestag kann man auch nicht ausnehmen von einem solchen Verdacht. Immerhin wurden ja auf den Deckeln der Bundestagstoiletten vor Jahren schon reichlich Rückstände von Aufputschmitteln nachgewiesen. Wenn sich das verschärft haben sollte seither, läge eine ganz gute Erklärung für die realitätsfernen Abgehobenheiten gewisser Nasen aus der politischen Klasse Deutschlands vor. Die müssten alle auf Entzug geschickt werden und wir wären sie erst mal los. Das wäre ein wahrer Segen.

Für Andrji Melnyk gilt auch ohne Blutprobe, was ich schon seit Monaten vorschlage: Schmeißt ihn endlich raus. Was bildet sich die Nase überhaupt ein? Wenn Leute, die in Deutschland, zugegebenermaßen diskussionswürdig, als Intellektuelle gelten – und Melnyk zählt da nicht dazu – dazu auffordern, endlich mit Verhandlungen zu beginnen, um diesen fahrlässig herbeigeführten Krieg zu beenden, dann hat er als ukrainischer Botschafter das einfach zur Kenntnis zu nehmen und sich jedes unverschämten Kommentars zu enthalten. Auch wenn wir mit unseren Intellektuellen arm dran sind: Es sind unsere und sie entscheiden selber über ihre Appelle. So weit sind wir dann doch noch nicht in Deutschland, daß es bei uns zugeht wie bei den korrupten Despoten in der Ukraine unter dem Sofa. Bei uns ist die Regierung vornehmer despotisch und nicht so derb und laut wie ein ukrainischer Botschafter und dessen Chef.

Da fällt mir gerade ein: Boris Reitschuster wurde übrigens das PayPal-Konto gekündigt, „Achgut“ die Werbeeinnahmen gestrichen – und Michael Ballweg, der Querdenken-Initiator, sitzt im Knast. Offizieller Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Betrug und Geldwäsche. Das muß man zugeben: Eine ukrainische Staatsanwaltschaft hätte ihm das nicht vorgeworfen. Dort wäre er allenfalls inhaftiert worden, wenn zutrifft, was sein Anwaltsteam als Verdacht äußerte: Innenpolitische Gründe.

Meinereiner fragt sich inzwischen ernsthaft, was für „westliche Werte“ es in Europa eigentlich noch zu verlieren gäbe im sehr theoretischen Fall, daß die Russen bis nach Le Havre an den Atlantik vorrücken würden. Diesen ganzen stocktotalitären, woken Cancel-Culture-, Globalisten-, Feministen-, Ökosozi-, Islamisten-, Messer-, Dilettanten-, Anti-Auto-, Grün-, Gesinnungsterror- , Pussifizierungs- & Gendermist wären wir auf alle Fälle los. Und wir würden mit dem Rubel eine stabile Währung bekommen. Und Gas und Erdöl. Anmut & Liebreiz auch im Tausch für Hochmut & Brechreiz. Die Bundesrepublik Deutschland würde halt Oblast Deutschland heißen. Ziemlich unblutig verlaufen würde es auch, seit die meisten Männer im Westen solche eventuellen Pussies geworden sind, die nicht mehr genau wissen, welches Geschlecht sie haben. Wenn wir zur täglichen Morgengymnastik bloß Kasatschok tanzen müssten dafür … na ja, jetzt wirds schon arg spekulativ. Einen schönen Abend, solange es noch welche gibt!

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