Vergewaltigung (Bild: shutterstock.com/ Von Tinnakorn jorruang)
(Bild: shutterstock.com/ Von Tinnakorn jorruang)

Massenvergewaltigung in Südafrika: 82 Verdächtige verhaftet

Nach einer Massenvergewaltigung von acht Frauen hat die Polizei in Südafrika 82 Verdächtige festgenommen. Beamte untersuchten mindestens 32 Vergewaltigungsfälle, teilte die Polizei in der nördlichen Provinz Gauteng am Samstag mit. Einige der Opfer seien von bis zu zehn Männern vergewaltigt worden, erklärte Polizeiminister Bheki Cele. 

Am Freitag griffen schwer bewaffnete schwarze Täter, bekannt als „Zama-Zamas“, das Filmteam und Komparsen an einem verlassenen Ort in Krugersdorp in der Nähe von Johannesburg an. Die Crew hatte in der stillgelegten Mine ein Musikvideo gedreht. Die acht vergewaltigten Frauen waren allesamt Models im Alter zwischen 19 und 35 Jahren. Die Angreifer stahlen laut Polizei auch Geldbörsen, Handys und Schmuck und flüchteten anschließend vom Tatort. Polizisten erschossen zwei der Täter auf der Flucht, 82 weitere Personen wurden festgenommen.

Die Massenvergewaltigung ist laut Free Media politisch hochbrisant, denn Schätzungen zufolge sind 70 Prozent der „Zama-Zama“ Ausländer ohne Papiere. So gibt sich denn auch die Politik entsprechend entsetzt angesichts der Massenvergewaltigung.

Präsident Cyril Ramaphosa findet sie „entsetzlich“, Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi brach am Samstag bei einem Presseinterview in Tränen aus, und auch der Polizeiminister gab sich schockiert. Für die Bewohner von Krugersdorp ist das Verbrechen nicht überraschend. Sie würden seit Monaten in Angst vor den „Zara-Zamas“ leben, erklärten sie gegenüber dem lokalen Fernsehsender eNCA.

„Zama-Zama“ ist ein Begriff aus der südafrikanischen Zulu-Sprache und bedeutet „erneut versuchen“ oder „ein Risiko eingehen“. Gemeint sind illegale Minenarbeiter, die in stillgelegten Bergwerken arbeiten. Seit der von Großunternehmen betriebene industrielle Bergbau zurückgegangen ist, werden die aufgegebenen Schächte von kriminellen Netzwerken übernommen, die dort Erz abbauen.

Sexuelle Übergriffe sind in Südafrika mit seinen rund 60 Millionen Einwohnern weit verbreitet, insbesondere die Tradition des „Ukuthwala“, einer Form der Entführung, bei der ein Mädchen oder eine junge Frau von einem Mann und seinen Freunden oder Gleichaltrigen mit der Absicht vergewaltigt wird, um die Zustimmung des Mädchens und ihrer Familie zur Heirat zu erzwingen.

Laut Polizeistatistik wurden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres 10.818 Vergewaltigungen gemeldet. Die Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Fälle nicht zur Anzeige gebracht werden.

Hohe Arbeitslosenquote in Südafrika

Laut der Quarterly Labour Force Survey (QLFS) betrug die Arbeitslosenquote in Südafrika im ersten Quartal 2022 fast 64 Prozent für die 15- bis 24-Jährigen und 42,1 Prozent für die 25- bis 34-Jährigen. Die wachsende Arbeitslosigkeit wird Ausländern angelastet. Aufgrund der demografischen Entwicklung sind die meisten Arbeitslosen schwarz, da Weiße eine kleine Minderheit im Land sind.

Laut den im vergangenen Jahr von Statistics South Africa veröffentlichten Daten gingen zwischen 2012 und 2019 etwa 23.000 Arbeitsplätze im Bergbausektor verloren. Die Beschäftigung im Bergbau lag 2019 bei 514 859, gegenüber 538 144 im Jahr 2012, wobei der Sektor mit einem weiteren Massenabbau von Arbeitsplätzen konfrontiert ist.

Schätzungsweise 30.000 Zama-Zamas sollen unter Tage arbeiten. Oberirdisch arbeiten Netzwerke, um den unregulierten und illegalen Schmuggel zu erleichtern, der von extremer Gewalt, Korruption und Revierkämpfen geprägt sei, berichtet Free Media weiter. Rivalisierende Zama-Zama-Fraktionen töten oft für profitable Schächte oder sperren sich gegenseitig in den Minen ein, um die Konkurrenz abzuschrecken. Mineneinstürze und Steinschläge haben bisher Hunderte getötet. Diese Todesfälle werden fast nie untersucht.

Zama-zamas verschaffen sich Zugang zu den Schächten, indem sie Minenangestellte auf niedriger Ebene bestechen. Sie bleiben dann monatelang unter Tage in einigen der tiefsten Bergbauschächte der Welt (im Durchschnitt über 2 km tief) und lassen sich Essen zu überhöhten Preisen liefern. Die Mineralien, die sie abbauen, normalerweise Gold, werden an lokale und internationale Schmuggler verkauft.

Es sei eigentlich kein Wunder, so das Portal, daß das Filmteam auf eine Reihe von Problemen stoßen würde, wenn es sich in ein Gebiet vorwagt, das von extremer Gewalt und häufigen tödlichen Revierkämpfen geprägt ist und in dem die Polizei entweder Bestechungsgelder annimmt oder die von kriminellen Syndikaten organisierten  grausamen Arbeitsbedingungen ignoriert. Diese Syndikate sind für Milliarden Rand an entgangenen Steuereinnahmen verantwortlich. In Gauteng hat die Gewalt in den betroffenen Gebieten Minenstandorte in aktive Kriegsgebiete verwandelt.

„Illegaler Bergbau und Edelmetallhandel sind komplexe, vielschichtige internationale Phänomene. Kriminelle Syndikate nutzen ausgeklügelte Systeme und ausgedehnte Exportrouten, um gestohlene Edelmetalle erfolgreich an internationale und lokale Raffinerien zu verkaufen und die Erlöse mit begrenzter Aufdeckung und anschließender Straflosigkeit zu waschen“, so Brigadier Hennie Flynn vom Directorate for Priority Crime Investigation bei der ISS.

Ein Bericht aus dem Jahr 2015 schätzt, dass etwa 10 Prozent der südafrikanischen Goldproduktion – im Wert von etwa 14 Milliarden Rand – gestohlen und aus dem Land geschmuggelt wurden. (MS)

 

 

 

 

 

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