Mundschutz und Desinfektionsmittel ausverkauft? Dann wird eben geklaut - auf wessen Kosten auch immer (Foto:Imago/teutopress)

Nur noch krank: Lieferengpässe bei Medikamenten dauern an

Berlin – Oh ja, der Globalismus ist ein Segen für die Menschheit, zumindest für die Gesunden:

Deutschlands oberste Apothekerin, Gabriele Regina Overwiening, sieht kein schnelles Ende der Lieferengpässe bei Arzneimittel. „So lange wir globale Krisen haben, wird es schwierig bleiben. 300 bis 400 Arzneimittel sind derzeit nur schwer oder gar nicht lieferbar, vor der Coronakrise lag diese Zahl bei 110 pro Apotheke. Das wird nicht schnell besser werden“, sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände dem „Spiegel“. Die Produktion von Arzneimitteln zurück nach Deutschland zu holen, sei „ein edler, aber auch ein frommer Wunsch“, so Overwiening. „Das würde vermutlich niemand bezahlen wollen; es müsste Know-How zurück geholt werden, ganze Produktionsbetriebe müssten geschaffen werden.“

Der aktuelle Engpass bei Fiebersäften für Kinder hat laut Overwiening verschiedene Ursachen. „Einerseits kursieren gerade viele Infekte, RSV aber auch die Influenza und andere grippale Infektionen. Das hat was mit der Pandemie zu tun und dass unser Immunsystem nicht mehr so geschult ist. Zum anderen hat sich etwa bei den Fiebersäften ein Hersteller aus der Produktion für Deutschland zurückgezogen, zwar wollte das ein anderer Anbieter auffangen, was aber bei der hohen Nachfrage nicht gelingt“, sagte Overwiening. Auch Hamsterkäufe macht die Apothekerin für die Situation verantwortlich. „Das waren vermutlich nicht nur die Eltern, die sich bevorratet haben. Hamstern ist fatal.“

Es hat also nicht nur wirtschaftliche Gründe, dass es zu wenig Medikamente gibt. Die Leute werden schneller krank – wegen der Pandemiemaßnahmen. Und, wird einer zur Verantwortung gezogen? Was ist das eigentlich für eine Straftat, massenhaft Menschen, vor allen Dingen Kinder krank zu machen, bei denen der eine oder andere dann auch mal sterben kann?

Auch die deutschen Krankenhäuser warnen vor wachsenden Engpässen bei wichtigen Arzneimitteln wie Antibiotika, Krebspräparaten und Notfallmedikamenten für Herzinfarkte und Schlaganfälle. „Zunehmend verursachen Lieferengpässe große Probleme – auch im Krankenhaus“, sagte Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. 40 Prozent der Lieferengpässe, die dem Bundesinstitut für Arzneimittel im 3. Quartal 2022 gemeldet worden seien, beträfen das Krankenhaus.

Die größte Herausforderung stellten Lieferengpässe bei Notfallmedikamenten dar, wie seit April dieses Jahres beim Wirkstoff Alteplase. Dieser werde als lebensrettende Maßnahme zum Beispiel nach Herzinfarkt und Schlaganfällen eingesetzt, Alternativen seien rar oder fehlten ganz. Sehr problematisch seien in der derzeitigen Welle von Atemwegserkrankungen aber auch fehlende Mittel wie beispielsweise das Breitband-Antibiotikum Amoxicillin.

Grund dafür seien oft akute Probleme in der Herstellung, aber auch unzureichende Produktionskapazitäten und eine steigende Nachfrage. In diesem Jahr seien viele Arzneimittel betroffen, die zur Basisversorgung zählten, wie zum Beispiel gewöhnliche Antibiotika oder Medikamente, die für die Krebstherapie existenziell seien. „Im Moment haben wir Probleme bei paracetamol- und ibuprofenhaltigen Fiebersäften für Kinder.“

Das betreffe nicht nur die niedergelassenen Ärzte, sondern auch die Krankenhäuser und hier besonders die extrem belasteten Kinderstationen, so Gaß. „Wir müssen auf jeden Fall Wege finden, um auch in der Arzneimittelversorgung eine größere Unabhängigkeit des europäischen Kontinents zu gewinnen“, forderte Gaß. „Das Diktat des Einsparens um jeden Preis muss enden, denn es gefährdet die Versorgung.“

Für die Kliniken kämen zu den Problemen bei den Medikamenten auch Lieferprobleme bei Medizinprodukten, wobei auch hier wiederum Kinder in besonderem Maße betroffen seien: „Insbesondere Kinderkardiologen sowie medizinische Fachgesellschaften schlagen diesbezüglich bereits Alarm, da die kleinen Patienten nicht mehr adäquat versorgt werden können.“ Wann sterben die ersten Leute, weil Lauterbach mal wieder zu spät reagiert hat? (Mit Material von dts)

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