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Liberales „Nazi“-Kanada: Staatliche Todesspritze jetzt auch für Arme

Die Zahl der Kanadier, die den staatlich unterstützen Selbstmord in Anspruch nehmen, wächst und wächst. Mehr als 10.000 Menschen ließen sich allein im vergangenen Jahr „einschläfern“. Nicht immer ist eine tödliche schmerzvolle Krankheit der Grund, inzwischen reichen auch Depressionen, Angst vor Armut oder ein nicht-bewilligter Treppenlift für einen Querschnittsgelähmten für die Todesspritze. Manche Gesundheitsorganisationen und Ärzte fühlen sich an das Euthanasie-Programm der Nazis erinnert. 

Michael Fraser aus Toronto war einer von mehr als 10.000 Menschen, die im vergangenen Jahr in Kanada den Freitod wählten. Der 55-Jährige litt unter Lebererkrankungen, konnte schlecht gehen, war depressiv und davon überzeugt, daß seine Armut ihn daran hindern würde, ein würdiges Leben zu führen. In dem liberalen US-Nachbarstaat reicht das, um den Antrag auf assistierten Selbstmord genehmigt zu bekommen. Die Zahl der Euthanasie-Toten, die 3,3 Prozent der Gesamtzahl der verstorbenen Kanadier entspricht, lag 32,4 Prozent höher als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr wurden 96 Prozent der MAiD-Anträge bewilligt.

2015 war das staatliche MAiD-Programm (Medical Assistance in Dying programme) noch dafür gedacht, schwerkranke, hoffnungslose Fälle, die kurz vor dem Tod standen, von ihrem Leiden zu erlösen. Seither wurden die Regelungen durch Gerichte und die „liberale“ Sichtweise, jeder habe das Recht auf einen selbstbestimmtem Tod, immer weiter aufgeweicht. Seit 2021 kann jeder, der an einer Krankheit oder Behinderung leidet, die „unter Bedingungen nicht gelindert werden kann“, die er oder sie als „annehmbar“ erachtet, mit Zustimmung von zwei Ärzten oder Pflegekräften MAiD kostenlos erhalten. Der Patient muss für entscheidungsfähig befunden werden und mindestens 90 Tage warten, bevor er sich für immer mit Hilfe eines Arztes verabschieden darf. Verweigert ein Arzt die Zustimmung, zieht der Lebensmüde einfach zum nächsten weiter, der das alles etwas „lockerer“ handhabt. Und im Gegensatz zu anderen Ländern, einschließlich Belgien und den Niederlanden, wo Euthanasie legal ist, müssen kanadische Patienten nicht zuerst alle Behandlungsalternativen ausgeschöpft haben, berichtet die DailyMail.

Inzwischen werden Rufe laut, das Sterbehilfeprogramm auf psychisch Kranke und Kinder ausdehnen. Das Quebec College of Physicians geht noch einen Schritt weiter: Hier findet man es legal, schwerkranke oder behinderte Neugeborene zu töten.

Die Gesundheitsausgaben in Kanada, die vollständig staatlich finanziert werden, sind die zweithöchsten der westlichen Welt. Auch andere Länder wie Deutschland haben mit stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu kämpfen. Viele Regierungen treiben mittlerweile Sterbehilfeprogramme wie das kanadische MAiD enthusiastisch voran, was die Frage aufkommen läßt, ob es hier nicht weniger um „Menschenwürde“ sondern einfach nur um sehr viel Geld geht. Kritiker verweisen auf eine Studie der University of Calgary aus dem Jahr 2017, in der geschätzt wird, dass medizinisch unterstütztes Sterben die nationalen Gesundheitsausgaben um 139 Millionen US-Dollar pro Jahr (rund 130 Millionen Euro)  senken könnte. Der Bericht stellte fest, dass in einigen kanadischen Provinzen die Pflege von Patienten in den letzten sechs Lebensmonaten mehr als ein Fünftel der Gesundheitskosten ausmachte.

Und so wird offenbar immer häufiger mehr oder weniger offen,  das „letzte Angebot“ gemacht. Regierungsbeamte wird vorgeworfen, den geringsten Vorwand zu nutzen, um Sterbehilfe zu fördern. Vor zwei Wochen erzählte Christine Gauthier, eine querschnittsgelähmte Armeeveteranin, die an den Paralympics 2016 teilnahm, den Abgeordneten, wie ihr ein Beamter der Veterans Affairs, nachdem sie fünf Jahre lang versucht hatte, einen Treppenlift für ihr Haus zu bekommen, sagte, wenn sie „verzweifelt“ sei, könnte man ihr MAiD anbieten. Gauthier ist bei weitem kein Einzelfall.

Dem 47-jährigem Roger Foley, der an einer degenerativen Gehirnerkrankung leidet, erklärte u.a. der Ethikdirektor des Krankenhauses, daß er das Krankenhaus mehr als 1500 Dollar pro Tag kosten würde und fragte ihn, ob er Interesse an Sterbehilfe hätte. Das Krankenhaus rechtfertigt sich – die Mitarbeiter sein berechtigt MAiD zu diskutieren, auch wenn der Patient es nicht von sich aus anspricht.

Rod McNeill, 71, kam nach einem Sturz in ein Krankenhaus in Ontario. Einen Monat später wurde er eingeschläfert. Laut seiner Tochter Erin hätten die verantwortlichen Ärzte nicht einmal seine Krankenakten abgerufen und ihn, wenn auch mit seiner Zustimmung, wegen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung im Endstadium getötet. Die Obduktion ergab, daß er die Erkrankung gar nicht hatte.

Die 90-jährige Nancy Russell soll nach Aussage ihrer Familie ihre Ärzte gebeten haben, sie zu töten, weil sie in ihrem Pflegeheim in Toronto keine weitere Covid-Sperre durchmachen wollte.

Der an den Rollstuhl gebundene Les Landry, ein ehemaliger Lastwagenfahrer aus Alberta wundert sich, wie einfach es ist, an die kostenlose Todesspritze zu kommen. Er leidet zwar an Krankheiten wie Epilepsie und Diabetes, doch im Mai wurde er 65 Jahre alt und damit endeten die meisten seiner Invaliditätsleistungen. Seither gelten für ihn andere Regelungen und die kann er sich finanziell nicht leisten: „Ich will nicht sterben, aber ich will auch nicht obdachlos sein“, erklärte er gegenüber der DailyMail. „Ich musste nur die Kästchen auf dem Bewerbungsformular ankreuzen und unten unterschreiben.“ Er sei beeindruckt von der Geschwindigkeit der Antwort. Er kann sich nicht erinnern, daß Ärzte seit seiner Kindheit Hausbesuche gemacht haben, aber der erste von zwei, der geschickt wurde, um ihn auf Sterbehilfe zu untersuchen, kam nur 11 Tage später. Armut ist offiziell kein Kriterium, um MAiD zu erhalten, aber er habe seine Umstände nie vor dem Arzt verheimlicht. „Er war ehrlich zu mir. Er sagte im Grunde: „Ich verstehe, warum Sie das tun“, und gab zu MAiD bereits mehrfach an Leute angewendet zu haben, von denen er wusste, daß sie es aus Armut taten.“ Landry, der auf seine Beurteilung durch einen zweiten Arzt wartet, sagt, er sehe sich selbst und andere arme und gebrechliche Menschen als Opfer einer Regierung, die entschlossen sei, Kosten zu senken, wenn auch „unter dem Deckmantel von Sympathie und Mitgefühl“.

Dr. Ellen Wiebe, Ärztin und klinische Professorin an der University of British Columbia, hat mehr als 400 Euthanasien durchgeführt und weist Behauptungen zurück, Kanadas Politik sei außer Kontrolle geraten.

Bei einigen ihrer MAiD-„Opfer“ sei mit „Sicherheit Armut im Spiel gewesen, glaubt sei, doch viele würden einfach sterben wollten, ob sie Geld hätten oder nicht. Studien würden nahelegen, daß viele Bewerber von Faktoren wie Einsamkeit betroffen seien, die nichts mit ihrem wirtschaftlichen Status zu tun hätten, behauptet sie.

Für sie ist es kein Problem, ab dem kommenden Jahr psychisch Kranke einzuschläfern: „Ich habe sicherlich einige dieser Menschen getroffen und bin froh, dass ihr Leiden als gleichberechtigt mit Menschen mit körperlichen Krankheiten anerkannt wird“, findet sie.

Viele andere sind hingegen zutiefst besorgt über die Ausweitung von MAiD im nächsten Frühjahr auf Menschen mit psychischen Erkrankungen und – in Erwartung einer parlamentarischen Überprüfung – auf „reife Minderjährige“ über 12 Jahren.

Premierminister Justin Trudeau  wird inzwischen von Menschenrechtsaktivisten und den Vereinten Nationen wegen seines Todesprogramms MAiD angegriffen. Drei UN-Experten kamen im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass das Gesetz offenbar gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstößt. Euthanasie – aus dem Griechischen für „guter Tod“ – ist ein Mittel zur Befreiung von Menschen mit unvorstellbaren und unheilbaren Schmerzen, insbesondere wenn ein baldiger Tod erwartet wird. Andere Experten vergleichen die völlig außer Kontrolle geratene Euthanasie Kanadas gar mit Euthanasie-Mordprogramm der Nazis an Behinderten und anderem „unwertem Leben“.

Professor Tim Stainton, Direktor des Canadian Institute for Inclusion and Citizenship an der University of British Columbia, ist das kanadische Gesetz die „wahrscheinlich größte existenzielle Bedrohung für Menschen mit Behinderungen seit dem Programm der Nazis in Deutschland in den 1930er Jahren“. (MS)

 

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