Autos für die oberen Zehntausend: Vorstellung des Mercedes-Benz Concept EQS450 beim Pressetag der Japan Mobility Show 2023 (Symbolbild:Imago)

Luxusstrategie von Mercedes: Autofahren bald nur noch für Superreiche?

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Die Konzernstrategie des deutsch-schwedischen Mercedes-Chefs Olaf Källenius, fast nur noch aufs Luxus-Segment zu setzen und die Marktsegmente des Unter- und Mittelklassesektors nach und nach abzubauen, sorgt nicht nur für massiven Unmut von Händlern, die bereits im Sommer Sturm liefen gegen die Pläne des Vorstands und dem Unternehmen prophezeiten, noch schlimmer als bei der E-Strategie “mit Vollgas gegen die Wand“ zu fahren. Zwar sorgte die Ankündigung, verstärkt auf Spitzen- und Oberklassemodelle für die gutbetuchte Klientel zu setzen, kurzzeitig für hohe Absatzzahlen und einen massiven Aufschwung bei Bestellungen – doch intern “brodelt es bei der Stuttgarter Premiummarke” seither, berichtete, “Merkur” bereits im Juli.

Nun melden sich jedoch auch Analysten und Automobilexperten mit warnenden Einschätzungen zu Wort. Dr. Pero Micic, Gründer und CEO der FutureManagementGroup AG und Professor for Zukunftsforschung and Marktsttrategien, der als Unternehmensberater und “Innovationsexperte” gilt, betrachtet die Strategie von Mercedes unter Källenius als hochgefährlich.

Spaltung in begrenzte autofahrende Eliten und breites demobilisiertes Fußvolk

Sie könne nämlich, so Micic, nicht nur dramatische Folgen für Deutschlands Wirtschaft haben, sondern Auswirkungen auf die gesamte EU-Ökonomie, weil die Autoindustrie trotz der durch die grüne Energie- und Transformationspolitik eingeleiteten Krise und die Unwägbarkeiten der elektromobilen Zukunft nach wie vor die Schlüsselindustrie des Kontinents schlechthin sei.

Wenn sich die automobile Produktion – durchaus im Interesse der Degrowth- und Klimaziele – zu Lasten des niedrigpreisigeren Segments auf die reine Luxussparte reduziere und damit zwar weniger, aber dafür unerschwingliche Spitzenmodelle die Straßen dominierten, während die breite Masse entweder gar nicht nicht mehr mobil oder nur mehr erzwungene Abhängigkeit durch öffentliche Verkehrsmittel: Dann drohten gesellschaftlichspolitische und soziale Verwerfungen. Eine Zweiklassengesellschaft – aufgeteilt in Eliten, die die Straßen noch mehr alleine für sich haben, und das “Fußvolk”, das sich Autos nicht mehr leisten kann – könnte zwar die absehbaren Versorgungsprobleme der E-Mobilität (Ladenetze, Kapazitäten…) lösen, aber würde zu brisanten Gegensätzen führen. (TPL)