Deutsche Verwüstung - Foto: Collage

“Strike Germany”: Bundesrepublik isoliert sich zusehends

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Seit Jahrzehnten ist jede Bundesregierung darum bemüht gewesen, mit deutschem Steuergeld in aller Welt “Sympathie für die Bundesrepublik” einzukaufen. Die gegenwärtige Regierung verspielt auch diesen Einsatz noch.

von Max Erdinger

Seit Anfang 2023 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vier deutsch-namibische Wasserstoffprojekte mit etwa 30 Millionen Euro. “Ziel der Projekte ist es, Wasserstoff-Technologien in die Anwendung zu bringen – etwa im Schwerlastverkehr” , heißt es auf der Seite des Ministeriums. Die namibische Begeisterung für die Zusammenarbeit mit den Deutschen läßt allerdings schwer nach.

Der deutsche Publizist, Politik- und Islamwissenschaftler Michael Lüders, von 2015-2022 Präsident der deutsch-arabischen Gesellschaft, erklärt in diesem Video, woran es liegt. Namibia ist das ehemalige Deutsch-Südwestafrika und pflegt engste Verbindungen mit Südafrika. Das war schon zu Apartheidszeiten so, als Deutsch-Südwest von Pretoria aus quasi mitverwaltet wurde. Südafrika hat bekanntlich Israel vor dem Internationalen Gerichtshof der Vereinten Nationen in Den Haag wegen Völkermord verklagt, die Klage inzwischen auf die USA und Großbritannien ausgedehnt – und was das deutsch-namibische Wasserstoffprojekt angeht, erzählt Lüders, daß man sich in Namibia frage, was wohl von Deutschen zu halten ist, die sich – wie Bundespräsident Steinmeier – einerseits förmlich im Staub von Windhuk wälzen vor lauter Reue über den kaiserlich-deutschen Völkermord an den Hereros vor über hundert Jahren, andererseits aber die Klage Südafrikas vor dem Internationalen Gerichthof lakonisch als “absurd” abbürsten, anstatt sich einfach erst einmal zurückzuhalten und abzuwarten, wie sich der Internationale Gerichtshof in der Sache äußert. In Namibia, so Lüders, herrsche inzwischen der Eindruck vor, man habe es in Gestalt der heutigen Bundesregierung mit einer besonders bigotten Politikergeneration zu tun.

“Ach, der Lüders!”, wird nun Mancher einwerfen, “der ist doch selber bundesrepublikanischer Mainstream”. Das stimmt auch so ungefähr, wenn man seinen offensichtlichen Dissens mit der Bundesregierung in Sachen Israel einmal ausklammert. AfD-Wähler ist Lüders mit ziemlicher Sicherheit nicht. Im oben verlinkten Video nimmt er zu Beginn gleich Bezug auf eine der prominenten Initiatorinnen von “Strike Germany“. Es handelt sich um die “Mutter der Genderideologie”, Judith Butler. “Strike Germany” hat inzwischen an die 1.000 Unterzeichner aus der internationalen Kulturszene. Es wird dazu aufgerufen, Ausstellungen, Festivals und Konzerten in Deutschland fernzubleiben, so lange Deutschland an seiner bedingungslosen Solidarität mit Israel festhält. Begründung: “Die Deutschen” goutieren schon wieder einmal einen Völkermord.

Schwarzweiß

Noch vor zwei Jahren hätte ich mir weder ein Lüdersvideo noch ein Wagenknechtvideo oder sonst irgendein “linkes Video” länger als bis zum ersten Triggerbegriff angesehen. “Judith Butler” wäre z.B. einer gewesen. Wer sich ausgerechnet auf Judith Butler bezieht oder sie als “Kronzeugin” seiner eigenen Ansichten präsentiert, der kann nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, hätte ich gesagt – und das Video weggeklickt. Was ich allerdings seit der “Pandemie der Ungeimpften” mit den totalitären Anwandlungen deutscher “Volksvertreter”, der massenmedialen Westwertpropaganda in Sachen Russland & Ukraine und jetzt wieder beim sich entfaltenden Nahost-Inferno gelernt habe, ist, daß die politische Eigenpositionierung entlang des Rechts/Links-Lagerdenkens zu einem Schwarzweiß-Bild führt, welches zu oft an der Realität vorbeigeht. Die Frage kann unmöglich noch länger lauten, ob etwas “links” oder ob es “rechts” ist. Vielmehr muß sie lauten: Stimmt es oder stimmt es nicht? Konkret: Findet im Gazastreifen derzeit ein Völkermord statt? Antwort: Ja, es findet einer statt. Und nicht nur das. Verbunden mit diesem Völkermord ist eine ganze Serie von Kriegsverbrechen. Woher kann man das wissen? – Das erklärt sich aus den international gültigen und anerkannten Kriterien für die Definition von Völkermord und Kriegsverbrechen. Sogar “Vorsatz” ist erfüllt. Weder ist das links noch ist das rechts. Das ist einfach so. Ob es einem bei aller grundsätzlichen Sympathie für die Israelis und aller grundsätzlichen Abneigung gegen zumeist islamische Palästinenser gefällt oder nicht, ist vollkommen irrelevant bei der Beantwortung der Frage, ob im Gazastreifen ein Völkermord, eine “ethnische Säuberung”, eine Serie von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit stattfinden oder nicht.

Sich mit der Lüge arrangieren

Die Bundesrepublik befindet sich im Januar 2024 international in einer wenig beneidenswerten Position. Die Beziehungen zu Rusland sind unnötigerweise und mutwillig an der Realität vorbei ruiniert worden. Nicht eine der Figuren, die dafür verantwortlich zeichnen, braucht sich – sehr zum Nachteil der Deutschen – in Russland je wieder blicken zu lassen. In Deutschland braucht auch niemand “Oppositionspolitiker” – auch in der AfD nicht – , die unverdrossen weiterhin das transatlantische Nato-Liedchen trällern, von Patriotismus schwadronieren und ihren Landsleuten weismachen wollen, die Bundeswehr diene Deutschland. Lüders berichtet, daß deutsche Stiftungen auch im arabischen Raum immer weniger Ansprech- und Kooperationspartner finden. Warum? Weil der gesamte “globale Süden” die Bundesrepublik inzwischen als eine Ansammlung von feigen, opportunistischen und bigotten Hypermoralisten begreift, denen zu allem anderen sogar die Moral noch fehlt.

Es ist nun einmal so: Du kannst dich nicht einerseits, krokodilstränig Reumütigkeit simulierend, für den kaiserlich-deutschen Völkermord an den Hereros in Windhuk im Staub wälzen und gleich danach den südafrikanischen Vorwurf des Völkermords im Gazastreifen lakonisch mit einem “absurd” abbürsten, ohne dabei in aller Eindeutigkeit zu demonstrieren, worum es dir wirklich geht: Um deine eigenen Präferenzen und deine eigenen Allianzen in der geostrategischen Kurzsichtigkeit. Was ein Völkermord sein soll, hängt davon ab, ob dir gerade gefällt, was einer sein soll. Wenn nicht, dann ist es eben keiner – und wenn es realiter zehnmal einer ist. Aber gut dastehen willst du auf jeden Fall. Ein Israeli als Völkermörder? – Ja klar, das gefällt einem Deutschen überhaupt nicht. Als ob es eine Rolle spielen würde für das, was ist. Sich dabei auch noch als das deutsche “Weltgewissen” aufzuspielen, ganz so, als hättest du selber eines – und wer dir widerspricht hätte keines -, ist die Garantie dafür, Freunde zu verlieren und Feinde zu gewinnen.

Die Bundesrepublik isoliert sich zusehends. Nachdem “Made in Germany” in Teilen der Welt bereits als Warnhinweis verstanden wird, nun also auch noch “Strike Germany”, der Aufruf, deutsche Kulturveranstaltungen zu boykottieren. Mein Verständnis hätte schon jedem gegolten, der beim Wort “Deutschland” abgewunken hätte, nachdem klar geworden war, daß sich die Deutschen sogar die Sprengung von Nordstream noch brav bieten lassen. Wie in aller Welt kann ein Deutscher im Januar 2024 noch dem Wahn frönen, er hätte im Rest der Welt ernstgenommen und respektiert zu werden? Was will er überhaupt noch mit seinem dauergereckten Zeigefinger? Was ist denn die deutsche Außenministerin noch anderes, als ein internationales Ärgernis, teils belächelt, teils ignoriert, teils verachtet?

Es reicht doch schon der Blick aus dem Ausland auf die innenpolitischen Pseudodebatten mit ihren Verleumdungen des politischen Gegners in Deutschland, um zu erkennen, daß “der Deutsche” der Allerletzte ist, der irgendwen über “Demokratie” und “Rechtsstaatlichkeit” zu belehren hätte, von der “Freiheit” und den anderen “Westlichen Werten” ganz zu schweigen. Die Bundesrepublik hat sich innenpolitisch während der totalitären Maßnahmen in der “Pandemie der Ungeimpften” als “würdiger Nachfolger” der DDR geoutet, mit ihrer völlig realitätsfremden Parteinahme für den ukrainischen Oberkorrupten und dessen Clique als “entklöteter Vasall” der USA, für den Wahrheit und Plausibilität keine Rolle mehr spielen dürfen – und um das Kraut gar fett zu machen, kommt allerweil das lakonische “absurd” als Reaktion auf den sehr substantiierten Vorwurf der Südafrikaner, die Israelis begingen im Gazastreifen einen Völkermord.

Aber das paßt auch ziemlich. Heutige Deutsche bekommen es hin, auf Geheiß von oben Russen zu hassen, ihre Läden zu demolieren, russische Transittouristen ihres Eigentums zu berauben, russische Künstler auszuweisen, russischen Wodka wegzukippen, russische Schulkinder zu mobben oder gleich zu verprügeln – und sich gleich danach mit der Unschuldsmiene des zum Kotzen Selbstgerechten auf einer Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 einzufinden und recht fromm aus der Wäsche zu glotzen dabei. Um als nächstes zu behaupten, der Vorwurf des Völkermordes gegen die Israelis sei “absurd”. Ich frage jetzt zum Schluß noch einmal: Wer in aller Welt soll solche Typen noch ernstnehmen? Wer? – Fingerschnipp – ich weiß, ich weiß! – Die Amerikaner!! – Brua-ha-ha …