"Hä? - Keine Ahnung!" (Symbolbild: shutterstock.com/Vlue)

Informiertes Volk: Die Macht von Dummheit & Narrativ

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Hierzulande kursiert seit Jahren eine Reihe von Narrativen, die ideologischen Wunschvorstellungen geschuldet sind. Meinereiner interessiert sich inzwischen für die Frage, warum solche sich solche Narrative überhaupt so hartnäckig halten können. Das resultiert zwangsläufig in der Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Medien- & Massendemokratie, respektive nach dem realen Demokratiegehalt einer solchen.

von Max Erdinger

Letzthin hatte bei “Ansage.org” jemand von der Müdigkeit geschrieben, die ihn angesichts der Aussichtslosigkeit befällt, gegen die immergleichen Narrative anzuschreiben. Er hatte mein ganzes Mitgefühl. Daß sich mit Appellen an das Denkvermögen, die Einsicht, die Logik oder die Liebe zur Objektivität etwas erreichen ließe, kann man sich wohl abschminken. Es handelt sich bei den immergleichen Narrativen um zivilreligiöse Glaubensbekenntnisse. Deshalb ist das so schwierig.

Die armen Frauen als ewige Opfer des westlichen Patriarchats – Narrativ von höchster Faktenresistenz – , ist nur ein Beispiel von vielen. Der angeblich “menschengemachte” Klimawandel: die Vielzahl der eigenkonstruierten Geschlechter; das furchterregende Virus; der heilige Impfstoff; die “Begründungen” für die Einschränkung von Grundrechten; der Ukrainekrieg; die bösen Finsterrussen; der Demokrat Selenskyj; die edlen Israelis und ihre lauteren Absichten; die Freiheit, die Demokratie und die westlichen Werte; der Koran und der Islam insgesamt als Alleinschuldige für das unaushaltbare Benehmen vieler Moslems hierzulande – alles das ist bei genauerem Hinsehen einfach nicht wahr.

Dafür, daß ein Volk untergehen soll, ist allerdings die weitverbreitete Überzeugung essentiell, daß es auch gar keine Wahrheit als Synonym für Realität gebe, sondern nur Standpunkte, Perspektiven und Meinungen, die Letzteren wiederum am besten “gleichberechtigt”, weil “am demokratischsten”. Höchst verdächtig müsste schon sein, daß das alles in einem Volk so ist, das nicht nur “demokratisch” steigert, sondern auch “aktuell”, “gerecht” oder “freiheitlich” – und das “Freiheiten” durchaus für den Plural von “Freiheit” hält, oder, um einen zeitgemäßen Zungenschlag zu verwenden, für ein “Mehr an Freiheit”. Mit der Behauptung, daß man einem solchen Volk einfach alles weismachen könne, läge man vermutlich nicht daneben.

Daß man diesem Volk aber den Gedanken als diskutabel andienen kann, ein “Taurus”-Angriff auf Russland sei eine formidable, weil wahnsinnig gerechte Idee, markiert den Gipfel der Hoffnungslosigkeit in Sachen Demokratie & Volkswillen. Wenn das geht, dann geht auch wirklich alles andere, egal, was es wäre. Meinereiner überlegt sich da, genau wie der eingangs erwähnte Kollege bei “Ansage.org”, warum er überhaupt noch Texte verfasst – und nur, um bei der ernüchternden Einsicht herauszukommen, daß er es tut, weil er nicht wüsste, was er stattdessen tun sollte als politischer Zeitgenosse.

Regierung und Opposition

Natürlich gibt es zunehmend den Wunsch im Volk, die Opposition möge endlich die Regierung ablösen. Voraussetzung dafür allerdings ist wiederum die Gewißheit, daß man eine Regierung unbedingt braucht. Ob dem so ist, kann ich nicht sagen. Ich denke noch darüber nach. Eigentlich schon länger. Wollen würde ich, daß man keine braucht. Aber gut: Sein Wille ist des Menschen Himmelreich. Auch mein eigener, natürlich. Man muß schwer aufpassen bei dem, was man sich wünscht.

Medien- & Massendemokratie vs. Demokratie

Nicht, daß es der einzige ausschlaggebende Punkt wäre, aber von Relevanz ist er schon dafür, daß die Medien- & Massendemokratie hierzulande als Synonym für “die Demokratie” verstanden wird: Der Durchschnitts-IQ. In Deutschland soll er bei um die 100 liegen. Der am 12. Januar in ukrainischer Haft – offiziell wegen einer unbehandelten Lungenentzündung – verstorbene US-Bürger, Blogger, Regisseur, Buchautor und Journalist Gonzalo Lira, ein sehr luzider Kritiker des “Demokraten Selenskyj”, meinte noch vergangenes Jahr, der Durchschnitts-IQ markiere in einem Volk zwei gleich große Teile, von denen der eine darunter und der andere darüber liege. Da hat er sich wahrscheinlich getäuscht. Einen Durchschnitts-IQ von 100 unterstellt, dürfte es viel mehr so sein, daß ein erheblicher Teil leicht darunter liegt, im Bereich zwischen 90 und 100 vielleicht, und ein relativ dazu deutlich kleinerer Teil signifikant darüber, also im Bereich zwischen 130 und 150, so daß es dann dieser relativ kleinere Teil wäre, der den Durchschnitts-IQ auf 100 anhebt. Dabei ist es so, daß es erhebliche Ausreißer nach unten bis in den Bereich von um die 70 oder noch darunter überproportional häufig bei Männern gibt, ebenso wie die Ausreißer nach oben, während sich die Gesamtheit der Frauen enger um den Durchschnitts-IQ herum gruppiert. Das heißt, Frauen sind seltener schwachsinnig als Männer, aber auch seltener genial. Der Durchnitts-IQ beider Geschlechter – und mehr als zwei gibt es nicht – ist gleich.

Wenn nun in der Medien- & Massendemokratie das Wahlrecht abseits aller realen Unterschiede zwischen den “die Menschen” für jede Person gleichermaßen gilt und “Mehrheit zählt”, ist klar, welche Auswirkungen das haben muß. Die Mehrheit der Unterdurschnittlichen überstimmt die Minderheit der Überdurchschnittlichen zuverlässig ein ums andere Mal. Diese Minderheit wiederum unterteilt sich in Honorige und solche, die sich die intellektuelle Unterlegenheit der Masse der Unterdurchschnittlichen persönlich zunutze machen wollen. Was die Qualität der öffentlichen Meinungsbildung angeht, derentwegen eine Wahl dann so oder anders ausfällt, muß man also die Frage nach dem IQ der Meinungsbildner und ihrer Absichten stellen. Als Faustregel darf dabei gelten: Wenn du selber doof bist, wirst du einen Klugen wohl kaum von deiner Meinung überzeugen können. Andersherum geht das allerdings. Wenn ich also die Menge der medialen Meinungsbildern hierzulande pauschal im Bereich des Durchschnitts-IQ und darüber ansiedle, dann sind es offensichtlich die, die noch am ehesten dazu in der Lage wären, der Masse von leicht Unterdurchschnittlichen die unglaublichsten Geschichten als Realität anzudrehen, um ihr zur Absicherung, daß die Masse den Käse auch frißt, zu versichern: “Deine Meinung zählt!”. Schon fühlt sich der Unterdurchschnittliche ernstgenommen und ist von seiner unerläßlichen Wichtigkeit überzeugt. Er schaut sich um, sieht die Masse der Unterdurchschnittlichen in seiner Umgebung und mißt dann das, was er für seine eigene Meinung hält, an dem, was die für ihre je eigene Meinung hält. Wenn das kompatibel ist, findet er sich bei der Mehrheit – und damit begreift er sich dann als informierter Demokrat. Die Masse und er setzen schließlich voraus, daß es bspw. die ARD-Tagesschau gibt, um ihn zu informieren, nicht, um ihn zu indoktrinieren, da es ja schließlich “seine Meinung” ist, die zählt, und nicht die der Tagesschau-Redaktion. Wenn ihn jemand einen “Blödmann” nennt, darf er sich beleidigt fühlen. Weil das sein “gutes Recht” ist.

Daß es sich in Wahrheit nicht um sein “gutes Recht” handelt, sondern um eine “dämliche Berechtigung”, für die es jemanden geben muß, der sie ihm erteilt, und der wiederum weiß, was er davon hat, daß er sie ihm erteilt – auf die Idee kann er natürlich nicht kommen. Wofür müsste er sich denn halten? Daß der Blödmann in der “Demokratie” nicht zu akzeptieren braucht, daß er einer ist, darf man wohl auch als die Wurzel der massendemokratischen Selbstgerechtigkeit begreifen. Ganz Deutschland stinkt vor Selbstgerechtigkeit zum Himmel. Es gilt: Wir sind die Guten. Das ist eine geistig-olfaktorische Pandemie, gegen die noch kein Impfstoff erfunden wurde. Und wenn es einen gäbe, dann würden dieselben Massen auch glauben, daß er wirkt – und nur, um hernach zu behaupten, sie selbst und ihre Umgebung seien jetzt vor der Selbstgerechtigkeit geschützt. Das ist deshalb eine Tragödie, weil es dadurch unglaublich schwer wird, zu identifizieren, wer mit welchen Mitteln und mit welchen – durchaus auch finsteren – Absichten Herrschaft ausübt. Es wird praktisch verunmöglicht, daß derjenige im Glauben daran daß “Deine Meinung zählt”, erkennt, wie wenig sie tatsächlich zählt. Praktisch gar nicht, nämlich. Annalena Baerbock hatte nicht gelogen, als sie behauptete, es interessiere sie nicht, was ihre Wähler zuhause denken. Interessanterweise war aber nicht der Skandal, daß es sie nicht interessiert, sondern der Skandal war, daß sie es zugegeben hat. Weil sie dadurch eine Delle in die glänzende Außenhaut jener Illusionsdemokratie getreten hat, die man sich aus Bequemlichkeitsgründen lieber dellenfrei erhalten hätte.

Die Dienstleistungsgesellschaft bringt es auch mit sich, daß als normal gilt, sich bedienen zu lassen. Guter Service, schlechter Service. Es gibt einen Anspruch auf guten Service. Man bezahlt ja auch dafür. Mit Steuern zum Beispiel. Der “Experte” und “die Wissenschaft” beruhigen den Unterdurchschnittlichen in etwa so wie die aufgedruckte Goldmedaille der DLG auf der Plastikverpackung seines Bio-Käseaufschnitts. Wahre Experten sind freilich jene Propagandisten, die am besten wissen, wie Propaganda funktioniert und wozu man sie brauchen kann.

Der traditionelle Verstärker

Das alles passiert in einem medien- & massendemokratischen Land, in dem seit jeher mit der “Empörung des Aufrechten” der Verdacht geäußert wird, es halte sich wohl jemand “für etwas Besseres”. Gott bewahre, daß sich der Bessere in Deutschland für etwas Besseres hält. Wer besser sein will, sollte besser diskret sein dabei und allezeit sein “Licht unter den Scheffel stellen”. Der oben bereits erwähnte “Blödman” mit seinem vermeintlichen “guten Recht” auf Beleidigtwordensein, fragt sich nie, wofür er selbst sich hält und ob das hinhauen kann, sondern er fragt ikmmer nach dem “Beleidiger”: “Wofür hält sich der überhaupt!?” – Na logisch: Der Beleidiger hält sich für etwas Besseres. Und es ist nach objektiven Kriterien nicht auszuschließen, daß er damit sogar rechthaben könnte. Was gilt noch in Deutschland? – Es kann nicht wahr sein, was nicht wahr sein darf.

Wenn ich mich so umschaue unter meinen “Landsmänn:innen” des Jahres 2024: Es gibt nicht mehr viel, das noch wahr sein darf in Deutschland. Ich weiß auch nicht, wie man aus diesem ganzen Wahnsinn, der unser Heimatland ruiniert, wieder herausfinden soll. Nur einen kleinen Vorschlag hätte ich zu machen für den Anfang: Das aktive sowie das passive Wahlrecht müssen endlich an gewisse Qualifikationsnachweise geknüpft werden, um den Absichten hinter der allgemeinen Volksverblödung durch Politik & Medien einen Riegel vorzuschieben.