Jetzt wird zurückgefurzt: „Rektale Beatmung“ bei Covid?

Demnächst auf Intensivstationen: Luftzufuhr über den Anus? (Foto:Imago/KS-Images)

Eigentlich sollte ja Corona durch die Impfungen bald Geschichte sein, nur unter dieser Prämisse machen die gigantischen Impfkampagnen überhaupt Sinn – doch nicht nur Mutationen und trotz Impfung auftretende Massenausbrüche lassen bereits erahnen: Diese Pandemie ist potentiell für die Ewigkeit. Deshalb wird auch weiterhin geforscht und studiert, wie weiteren (und irgendwann vielleicht sogar echten) Belastungsproben des Gesundheitssystems zu begegnen ist. Zum Beispiel durch neue, skurrile Beatmungsmethoden – denen sich japanische Forscher gewidmet haben.

Im Bestreben, den Gegenstand der Ur-Piktographie in dieser Corona-Krise – die im März 2020 weltweit unters Volk gebrachten Schockbilder von erstickenden Intensivpatienten in Bergamo (später auch Mailand, New York und Madrid) für alle Zeiten zu verhindern, wollen sich findige Wissenschaftler nicht länger auf die bloßen Beatmungskapazitäten verlassen. Stattdessen testen sie ein Verfahren, dass in Tierversuchen bereits erfolgreich erprobt wurde und demnächst auch beim Menschen Realität werden könnte: Die Sauerstoffaufnahme über den Darm. Den Einsatz dieser Methode zur unterstützenden Covid-Therapie zu machen,  bezeichnen laut „n-tv„, als „provokante Idee„.

Weil sich in den Laborversuchen ergab, dass viele Säugetiere im Notfall tatsächlich Sauerstoff über den Darm aufnehmen können, wie eine in der Fachzeitschrift „Med“ publizierte Studie der Tokyo Medical and Dental University ergab, soll diese Methode auch bei Menschen Anwendung finden – etwa im Fall eines Mangels an Beatmungsgeräten: Als rektale Beatmung von Patienten. Die Studie hatte zumindest im experimentellen Rahmen bestätigt, dass Mäuse, Ratten und Schweine – wie viele Nichtwirbeltiere – ihren Darm zum Atmen nutzen können.

Vielversprechende Anwendung – in dieser oder der nächsten Pandemie

Sobald die atmosphärische Sauerstoffzufuhr der Versuchstiere reduziert wurde und ihnen parallel Sauerstoffgas in den Darm geblasen wurde, zeigte sich, dass insbesondere in Verbindung mit künstlich hervorgerufenen Entzündungen und Reizungen der Darmschleimhaut – wohl aufgrund der höheren Blutzirkulation – die Sauerstoffaufnahme so stark gesteigert wurde, dass sich die Überlebenszeit ohne Lungenatmung extrem verlängerte. Anstelle einer Entzündung ist die verbesserte Aufnahme über die flüssige Chemikalie Perflunafen ebenso möglich. Die lebenswichtige Darmflora wird durch das Verfahren übrigens nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Durch „Furzen rückwärts“ also, in Form von Gasinjektionen in den Darm, die Lunge zu entlasten, scheint ein vielversprechender Ansatz zu sein – und der soll nun, so die Tokioter Wissenschaftler, bald auch am Menschen klinisch getestet werden. „Bei Patienten mit Atemnot kann die Sauerstoffversorgung durch diese Methode unterstützt werden, um die negativen Auswirkungen des Sauerstoffmangels zu reduzieren, während die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird„, erklärte Studien-Mitautor Takanori Takebe laut „n-tv“. Ob die Prozedur noch in dieser Pandemie Marktreife erlangt, ist allerdings fraglich. Doch kein Problem – die nächste wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen… (DM)