Blackout (Bild: shutterstock.com/ Von Igor shumakov)

Drohender „Riesen-Blackout“: Bundesregierung bereits im Gespräch mit der Industrie

Die Situation am Gasmarkt wird immer bedrohlicher. Dreht der russische Präsident Putin wegen ausbleibender Rubel-Zahlungen den Gashahn zu, wird es „unvermeidbare Abschaltungen“ in der Industrie geben. Doch keine Angst vor kalten Füßen: Angeblich betrifft das nicht den Otto-Normal-Bürger, der wird nämlich per Gesetz „bevorzugt“. Dass der Bürger die Folgen der „De-Industrialisierung“ etwas zeitverzögert doch zu spüren kriegt, wird natürlich nicht erwähnt.

Die Bundesregierung stimme deutsche Firmen bereits auf einen „Riesen-Blackout“ ein, das hat die Bundesnetzagentur gegenüber Bild bestätigt. In Gesprächen werde augenblicklich der Bedarf einzelner Industrieunternehmen geprüft und geklärt, wer im Ernstfall noch wieviel Gas zugeteilt bekommt. „Es geht darum, für einen Fall vorbereitet zu sein, von dem wir hoffen, dass er nie eintritt“, erklärt Netzagentur-Chef Klaus Müller.

Wie ernst die Lage ist, weiß der Rechtsanwalt Christian Hampel: „Zahlreiche Unternehmen haben sich an uns gewandt, weil sie von ihren Gasversorgungsunternehmen Briefe erhalten haben, in denen ihnen angekündigt wird, dass ihre Energielieferungen zukünftig rationiert oder abgeschaltet werden könnten“, erklärt Hampel gegenüber der Berliner Zeitung. „Wir stehen erstmals vor einer Situation, in der wir vom russischen Öl- und Gas abgeschnitten werden könnten – etwas, was es selbst im kältesten Kalten Krieg nicht gegeben hat“.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft fordere die Bundesregierung auf, die Frühwarnstufe im nationalen Notfallplan Gas auszurufen, berichtet die Berliner Zeitung weiter.

Doch der Normalbürger soll sich keine Sorgen machen, schließlich wird er per Gesetz bevorzugt behandelt, beruhigt Presse ihre gutgläubigen Leser. „Dass Verbraucher im kommenden Winter frieren müssen, gilt daher als unwahrscheinlich“, schließlich steht das so im „Notfallplan Gas für die Bundesrepublik Deutschland“, der im September 2019 veröffentlicht wurde, orakelt man in den Redaktionen.

Deutschland kann auf russisches Gas verzichten, da ist sich der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck laut Tagesschau sicher. Die Möglichkeit, dass Deutschland genug Gas und genug Rohstoffe ohne Lieferungen aus Russland bekomme, sei gegeben, so der Anti-Atomkraft-Wirtschaftsminister. Seiner grünen Wählerklientel gegenüber wird er jedenfalls nicht wortbrüchig: Die Bundesregierung hält am Atomausstieg zum Jahresende fest. Ein Weiterbetrieb der verbliebenen drei Atomkraftwerke wird trotz des Ukraine-Krieges bisher nicht eingehend geprüft. Unabhängige Wissenschaftler sowie Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter aus energieintensiven Branchen wurden dazu nicht angehört.

Statt längerer Laufzeiten wollen die Grünen-Minister Robert Habeck und Steffi Lemke im Ernstfall wieder mehr auf Kohlekraftwerke setzen. „Da die Stromerzeugung aus Gas nur einen relativ geringen Anteil an der gesamten Stromerzeugung hat, geht die Bundesregierung davon aus, dass mit einer erweiterten Kohlekraftwerksreserve genügend Erzeugungskapazitäten zur Verfügung stünden, um auch bei einer Gasmangellage eine ausreichende Stromversorgung zu gewährleisten“, heißt es in einer Antwort. Zahlen legte das zuständige Bundeswirtschaftsministerium nicht vor.

Eines ist sicher: Die Preise für Strom und Gas werden weiter steigen, weiß auch Eon-Chef Birnbaum. Deutschland könne seiner Ansicht nach nicht auf russisches Gas verzichten, ohne den Industrie- und Wirtschaftsstandort Deutschland zu gefährden. Man dürfe sich „keine moralisch überhöhten Positionen leisten“, erklärt der Eon-Chef. (MS/dts)

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