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Gedruckte Doppelstandards: Die Süddeutsche Zeitung gegen Elon Musk & Twitter

In der „Süddeutschen Zeitung“ ist ein Plädoyer von Alexander Hagelüken gegen die Übernahme des Messengerdienstes „Twitter“ durch Elon Musk erschienen, das an Verlogenheit kaum noch zu überbieten ist. Und das an einem Karfreitag, dem Tag, an dem sich Jesus auch für unsere Lügensünden hat ans Kreuz nageln lassen. Pfui Teufel. Die Medienkritik.

von Max Erdinger

Finger weg von Twitter, Elon Musk!„, schreibt Hagelüken in der „Süddeutschen Zeitung“. Man sieht ihn förmlich vor sich sitzen, den Hagelüken, wie er mit der linken Hand die Buchstaben tippt, während er in der rechten einen Revolver hält und auf ein Im-Bild-Video mit Musk auf seinem Monitor zielt. Musk dreht seinen Kopf, schaut irritiert aus dem Monitor heraus auf Hagelüken und nimmt zögerlich die Hände hoch. Hagelücken wendet sich kurz dem Leser zu und rechtfertigt seine radikale Haltung Musk gegenüber mit einem Teaser: „Twitter ist für die Meinungsbildung zu wichtig, als dass der reichste Mann der Welt die Plattform kaufen sollte. Die Geschichte zeigt, welche Schäden Medieneigner mit politischer Agenda anrichten.

Die Geschichte könnte schnell ein Happy End finden. Ausdenken muß man sich halt eines. So etwa: Die Tür zu Hagelükens Büro fliegt auf, ein Zeitungsleser steht im Türrahmen und richtet seine Knarre auf Hagelücken: „Waffe runter, Hagelücken! Die Geschichte zeigt, was Medieneigner mit politischer Agenda durch Autoren wie dich anrichten!“. Elon Musk winkt vom Monitor herunter am verdutzten Hagelüken vorbei, bedankt sich beim Zeitungsleser, und das Musk-Video läuft ganz normal weiter. Die Handschellen klicken und Hagelücken ist verhaftet. Die Musik des „Tatort“-Abspanns ertönt und die Medienkritik ist zu Ende. Aber so einfach ist es nicht. In der Realität schrieb Hagelücken nach seinem Teaser noch einen ganzen Text.

Die Medieneigner der Süddeutschen Zeitung

Die „Süddeutsche Zeitung“ wird verlegt in München. Sie gehört dem „Süddeutschen Verlag“. Der wiederum befindet sich seit dem 29. Februar 2008 zu 81,25 Prozent im Besitz der „Südwestdeutschen Medien Holding“ (SWMH) in Stuttgart. Deren Hauptgesellschafter ist die „Medien Union“. Die wiederum hält Anteile an einer Vielzahl anderer Medienerzeugnisse, auch an Hörfunksendern. So ist etwa der österreichische Sender „Hit fm“ eine 100-prozentige Medien-Union-Tochter.

Chefredakteure der „Süddeutschen Zeitung“ sind Wolfgang Krach und Judith Wittwer. Krach war vorher u.a. politischer Reporter bei der Illustrierten „Stern“, später dann Leiter des „Spiegel“-Büros in Berlin, um als nächstes zum Leiter des Deutschland-Ressorts in der „Spiegel“-Zentrale zu Hamburg aufzusteigen. Seit 2011 ist er Mitglied der Chefredaktion bei der „Süddeutschen Zeitung“ – und in genau diesem Blatt schwadroniert Alexander Hagelücken über die Verwerflichkeit von Medieneignern mit einer politischen Agenda. Dabei ist es so: Im deutschen Medien-Mainstream, der im Grunde eine inzestuöse Buchstabenorgie darstellt, schreibt niemand, der nicht einer kollektiven politischen Agenda gehorchen würde. Das zieht sich quer durch alle Ressorts bis hinein in den Sportteil. Jüngstes Beispiel: Im „Spiegel“ wurde die Frage erörtert, ob es Rassismus sei, daß es im Fußball so wenige schwarze Torhüter gibt. Angesichts eines nicht ganz unwahrscheinlichen Blackouts im Zuge der von Grünlichen in den Redaktionen herbeigeschriebenen Energiekrise, kann man heute schon Wetten darauf abschließen, daß sich der deutsche Presse-Mainstream dann, wenn es mangels Strom dunkel werden sollte im Lande der Allerhellsten, nicht mit der Frage beschäftigen wird, ob sich das mit weniger „politischer Agenda“ in den Redaktionen hätte vermeiden lassen, sondern ob „Blackout“ ein rassistisches Wort sei. So viel zur „politischen Agenda“ von Medieneignern in Deutschland und dem zwingenden Gehorsam derjenigen, die dort lohnabhängig über die Verwerflichkeit der politischen Agenda von Medieneignern schreiben dürfen.

Die wäre solchen journalistischen Brunzkartlern zufolge lediglich dann gefährlich, wenn Elon Musk „Twitter“ komplett übernehmen würde. Musks politische Agenda in Bezug auf „Twitter“ ist seinen eigenen Äußerungen zufolge die bedingungslose Wiederherstellung der Redefreiheit bei jenem Messengerdienst, der sich in der Vergangenheit sogar erlaubt hatte, einem leibhaftigen US-Präsidenten das Wort zu verbieten. Wenn das mal keine unterstützungswürdige „politische Agenda“ ist, die der reiche Herr Musk als Medieneigner in spe da verfolgt!?

Süddeutsche Befürchtungen

Verständlich ist Herrn Hagelükens ablehnende Haltung einer „Twitter“-Eignerschaft des Herrn Musk gegenüber freilich schon. Es ist nämlich so: Die Hagelükens dieser freien und extrem meinungsvielfältigen Bildungsrepublik sitzen Stund um Stund an ihren Tastaturen, um recht feingeistige Sachen zu tippen, die dann in der global total wichtigen „Süddeutschen Zeitung“ aus München erscheinen, welche die Informationssüchtigen von Anchorage über New York, Teheran und Moskau bis nach Melbourne täglich verschlingen, und dann das: Ein Messengerdienst mit einem 140-Zeichen-Limit offenbart, was die Leute rund um den Globus tatsächlich wahrnehmen und denken. Da wird es für die „Süddeutsche Zeitung“ schwierig, den Leuten weiszumachen, die Welt sei so, widde-widde-wie sie der „Süddeutschen Zeitung“ gefällt.

Dann ist „Twitter“ für seine Nutzer auch noch kostenlos, während man in Peking z.B. viele chinesische Yuan für eine „Süddeutsche Zeitung“ bezahlen muß, so man überhaupt eine zu kaufen bekommt, aus der die schönsten Geschichten nicht von Zensoren mit der Schere herausgeschnitten worden sind, daß sie aussieht wie eine Jeans aus der Boutique in Berlin. Und das, obwohl in München schon nichts hineingeschrieben worden ist, das man dort für zensurwürdig halten könnte. Was ja nicht gerade wenig wäre. In der „Süddeutschen Zeitung“ kann man lange suchen, ohne jemals Wörter zu finden, die der politischen Agenda ihrer Eigner entgegenstünden. Von der „Manneskraft“ z.B. hat man dort noch nie etwas geschrieben, von der „Frauenpower“ hingegen schon. Da könnte es passieren, daß sich die Nutzer von „Musk-Twitter“ eines Tages in die „Süddeutsche Zeitung“ verirren und glauben, sie hätten ein Satireblättchen in der Hand. Dem Wohl und Frommen der Medieneigner bei der „Süddeutschen“ wäre das abträglich – und indirekt auch dem des Herrn Hagelüken. Klar muß man unter solchen Umständen dagegen sein, daß der Medieneigner von „Twitter“ eine freigeistige politische Agenda verfolgt. Da wäre es direkt eine Überlegung wert, ob man nach „Telegram“ nicht auch noch „Twitter“ verbieten wollen sollte. Entsprechende Forderungen könnte man ja einmal stellen, um ein Zeichen zu setzen. „Wir müssen die Messengerdienste verbieten. Wir dürfen nicht alles glauben, was eine Message ist. Wir brauchen keine Messengerdienste …“.

Wahrscheinlich ist es für die etablierten Medien aus der analogen Zeit so, daß es die digitalen Medien und die sozialen Netzwerke sind, welche sie als die Zerstörer ihrer gewohnten Meinungshoheit begreifen. Das könnten sie natürlich niemals zugeben.

Klassische Medien vs. Messengerdienste

Nehmen „wir“ einmal den Ukrainekrieg. In den sozialen Netzwerken merkt man sofort, wer seine Zeit damit verplempert, sich von den etablierten Medien den Schnack unterjubeln zu lassen, der dem Westen hehre Ziele bei der Unterstützung der ukrainischen Regierung und deren Armee andichtet. Das ganze Geschmarr von „souveräne Nation“, „Völkerrecht“, „Angriffskrieg“, „Aggressor“, „Freiheit“, „Demokratie“, „westlichen Werten“ und „russische Expansion“. In den sozialen Medien treffen die Indoktrinierten dann auf die Informierten und nerven sie dort.

Was ist ein Informierter im Ukrainekrieg? Das ist jemand, der weiß, was sowohl die eine als auch die andere Seite veröffentlicht – und der obendrein noch weiß, was die Opfer der Kriegshandlungen einem unabhängigen Kriegsberichterstatter in Live-Interviews direkt aus den Kellern berichten, in welche sie sich verkriechen mussten. Patrick Lancaster in Mariupol z.B. setzt sein eigenes Leben aufs Spiel, um direkt von der Frontlinie zu berichten. Seine Reportagen sind zwar nicht so „stylish“ wie die im Medien-Mainstream, das Kamerabild wackelt oft. Lancaster kämpft sich keuchend über die Schutthügel, sozusagen – und man hört ihn auch keuchen und sieht ihn schwitzen dabei. Via „Twitter“ sind die Links zu seinen Reportagen global zu verteilen, wenn Zensurfreiheit bei „Twitter“ herrscht. Da kann keine „Süddeutsche Zeitung“ mit ihren Deutungsgeschichten anstinken dagegegen. Von der russischen Seite der Front berichtet bspw. der in Russland lebende Deutsche Thomas Röper, dessen Berichte es auch in die russischen Mainstream-Medien schaffen. Die wiederum, RT und Sputnik etwa, sind von EU-Politikern in Europa „gesperrt“ worden und dürfen nicht senden.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hingegen ist ein wohlgelittenes Medium in diesem Zensorengebiet namens EU, in dem so getan wird, als müsse zensiert werden, damit der Medienkonsument „vor Fake-News geschützt“ ist. Ganz so, als ob nicht inzwischen feststünde, daß es die „Süddeutsche Zeitung“ gewesen ist, die vor Jahresfrist noch den ukrainischen Präsidenten Selenskyi als korrupten Despoten porträtiert hatte, um ihn dieses Jahr zur Lichtgestalt der westlichen Welt hochzujubeln. Ganz so, als ob nicht feststünde, wer die Story um Hunter Bidens Laptop mit aller Macht unter dem Tisch gehalten hatte und so dazu beitrug, daß Joe „Brandon“ Biden realitätswidrig US-Präsident werden konnte. Ganz so, als ob es nicht eben auch die „Süddeutsche Zeitung“ gewesen wäre, bei der man nach der US-Wahl 2016 aus allen Wolken gefallen ist, als feststand, wer sie gewonnen hatte. Und ausgerechnet bei der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt einer von der Gefahr durch die „politische Agenda“ von Medieneignern?

Süddeutsche Zeitung? – Lächerlich

Um die Kritik von Alexander Hagelüken in der „Süddeutschen Zeitung“ an der möglicherweise tatsächlich geplanten Komplettübernahme von „Twitter“ durch Elon Musk nach logischen Kriterien einordnen zu können, muß man sich natürlich auch vor Augen führen, wie es um die wirtschaftliche Realität der klassischen Printmedien insgesamt steht. Mit wenigen Ausnahmen sieht es da sehr trübe aus. Nicht umsonst schielt die etablierte Presse auf multimillionenschwere Förderung aus Steuergeldern. Es geht um ihre Existenz. Wie vernagelt müsste man sein, um nicht zu sehen, daß es diese etablierte Presse ist, die es sich angesichts ihrer eigenen Hoffnungen gar nicht mehr erlauben kann, eine kritische Distanz zu Regierungsverlautbarungen einzunehmen? Inzwischen ist sie auf das Wohlwollen derer angewiesen, die sie kritisch zu begleiten hätte. Wer glaubt, das ginge keinesfalls zu Lasten der journalistischen Qualität und würde die sogenannte vierte Gewalt nicht zur vierten Gewaltlosigkeit herabsinken lassen, muß wohl ein bißchen lebensfremd und naiv sein.

Diese Naiven gibt es. In den sozialen Netzwerken führen sie sich dennoch auf, als seien sie die Lordsiegelbewahrer jedweder Moral in der umfassenden Informiertheit, und nerven jeden, der seines ausgeprägten Realitätssinnes wegen inzwischen auf die Quellen ihrer illusorischen Weisheit scheißt. Oh heilige Einfalt! Putin ist der Angreifer, der böse Bube, ein wahrer Teufel und Unmensch – und wer das differenzierter sieht, weil er die besseren Informationen hat, der muß sich als menschenrechtsfeindlichen und antidemokratischen „Putinversteher“ diffamieren lassen. Dabei ist es so: Wer angesichts der Vorgeschichte dieses Kriegs Putin nicht versteht, der hat höchstwahrscheinlich ein grundsätzliches Verständnisproblem. In diesem Krieg gibt es nämlich nichts, das man nicht verstehen könnte. Ganz leicht ist zu verstehen, wie leicht er sich hätte vermeiden lassen, dieser Krieg, und wer da wen unablässig und fahrlässig provoziert hatte vorher.

Außerdem ist es auch noch so, daß man dann, wenn man nicht in jener willfährig geschichtsvergessenen Gesellschaft leben würde, in welcher ausgerechnet die „Süddeutsche Zeitung“ sich auf Seiten der Gerechten wähnt, wissen könnte, was ein großer Deutscher über den Krieg geäußert hat – und zwar im 18. Jahrhundert bereits. Friedrich der Große, preußischer König: „Angreifer ist, wer seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen.“ Solche Zitate könnte man im Zusammenhang mit diesem Krieg eventuell bei „Twitter“ finden. In der „Süddeutschen Zeitung“ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher nicht. Weil es der „politischen Agenda der Medieneigner“ höchst ungelegen käme. Deren Journalisten haben nämlich gefälligst Stellung zu beziehen, und zwar eine solche, die der „politischen Agenda ihrer Medieneigner“ in den Kram passt.

Hagelüken bei der „Süddeutschen“, Huth bei der „Welt“, Ronzheimer bei der „Bild“, die Amadeu-Antonio-Boys’nGirls bei der „Zeit“, die ganzen „Spiegel“-Aktivisten, das verpeilte Jungvolk bei „funk“, dem Onlineangebot von ARD & ZDF für die 14 bis 29-Jährigen: Allesamt unterwegs im Auftrag von Desinformation und Volksverblödung entlang der „politischen Agenda ihrer Medieneigner“. Aber dann auch noch frech titeln „Finger weg von Twitter, Elon Musk!“ – ?? Das ist der Gipfel der Unverschämtheit.

In Sack & Asche hätten sie zu gehen, die Herrschaften vom Medien-Mainstream in der vierten Gewaltlosigkeit, anstatt sich den Kopf zu zerbrechen über die „politische Agenda des Medieneigners“ Elon Musk, die, nach allem, was man bisher von ihm zu hören bekam, einzig und allein darin besteht, die uneingeschränkte Meinungs- und Redefreiheit zu reetablieren. Genau die ist es aber, welche die „politische Agenda der Medieneigner“ nicht nur bei der „Süddeutschen Zeitung“ bedroht, sondern die des – de facto so gut wie gleichgeschalteten – westlichen Medien-Mainstreams insgesamt. So und kein Stück anders erklärt sich ein Artikel wie derjenige von Alexander Hagelüken in der „Süddeutschen Zeitung“.  Da hat im Grunde bloß einer „Haltet den Dieb!“ geschrien. Und zwar ohne jeden Sinn und Verstand.

Es ist nämlich so: Als Reaktion auf Mark Zuckerbergs Kuschelkurs mit den Regierungen der westlichen Welt und der damit einhergehenden Zensur seines sozialen Netzwerks names „Facebook“ und des Messengerdienstes „WhatsApp“, wo die Nutzer inzwischen von wahren Lösch- und Sperrorgien völlig besinnungslos marodierender Zensoren terrorisiert werden, entstand einfach Jason Millers zensurfreies „GETTR“ – und erfreut sich regen Zulaufs. „Telegram“ boomt, Regierungen und Medien-Mainstream schäumen. Und zu allem Überfluß gibt es seit einigen Wochen auch noch „Truth-Social“, das neue soziale Netzwerk von Donald Trump.

Die Lektion daraus ist recht simpel: Es gibt genau eine „politische Agenda von Medieneignern“, an der letztlich kein Weg vorbeiführt: Bedingungslose Rede- und Meinungsfreiheit ohne jede „Badword“-Liste. Das Aussortieren nach plausibel/unplausibel, wahrscheinlich richtig/wahrscheinlich falsch und Fake-News/keine Fake-News kann man getrost den Nutzern resp. den Lesern überlassen, anstatt so zu tun, als ob kein zivilisiertes Leben ohne das „Betreute Denken“ durch den Medien-Mainstream entlang der „politischen Agenda“ von deren Medieneignern möglich wäre.

 

 

 

 

 

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