Rückgrat & Tapferkeit: Familie Windmüller zieht in den Krieg

Familie Windmüller im Krieg - (Symbolfoto: Von Lenar Nigmatullin/Shutterstock

Horst & Horst Windmüller sind aktiv & passiv miteinander verheiratet. Horst nennt Horst seine Frau, während Horst Horst als ihren Mann begreift. Beide sind bei den Grünen. Daß beide Horst heißen, ist reiner Zufall. Seit etwa drei Jahren sind sie auch Eltern. Ihr Kind heißt ebenfalls Horst. Wegen der Familientradition, sagen sie.

von Max Erdinger

Horst & Horst hatten Horst in Afrika adoptiert, als das Kind noch ganz klein gewesen ist. Die Freunde von Horst & Horst freuen sich immer, wenn sich Familie Windmüller vor der Webcam versammelt, um liebe Grüße zu verschicken. Die drei Windmüllers haben dann Masken auf und winken fröhlich. „Hallo, wir sind es, die Vollhorsts!“, grüßen Horst & Horst voller Selbstironie. Ihre Freunde in den sozialen Medien finden das menschlich und anrührend zugleich. Sie erwidern: „Hallo, ihr Vollhorsts! Schön, euch zu sehen! Wie geht es euch?“. Wenn der dunkle Kleinhorst in die Schule kommt, sagen Herr und Frau Windmüller, dann darf er sich aussuchen, welches Geschlecht er haben will. Sie hoffen, daß er hinübergeschlechtlich wird. Die Freunde von Familie Windmüller erwidern dann jedes Mal: „Das wissen wir doch schon!“

Dunkle Wolken sind nun über dem Glück der Familie Windmüller aufgezogen, denn Horst Windmüller wollte seinen Worten auch Taten folgen lassen und mit den schweren grünen Waffen zusammen in den Krieg ziehen. Horsts Frau, Horst, war vor wenigen Tagen mit dem dunkelkleinen Horst erstmals ohne Horst, ihrem Mann, vor der Webcam zu sehen. Mit verweinten Augen erzählte sie, was Horst, ihr Mann, vorhatte. „Er sagt, es reiche nicht, den armen Ukrainer:innen immer nur schwere Waffen zu liefern, um eine friedliche Welt zu schaffen. Man müsse auch mit ihnen zusammen gegen diese heteronormativen Russenschweine kämpfen, um sich seine Selbstachtung zu bewahren.“

Seither herrschten Hader & Zwietracht unter den Freunden der Familie Windmüller in den sozialen Netzwerken. Die einen fanden es vorbildlich, daß Horst an die Front will, um mit den Ukrainer:innen zusammen schwere Waffen zu bedienen, die anderen sagten, das sei unverantwortlich dem dunkelkleinen Horst gegenüber, weil er schließlich einen grünen Vater brauche, wenn er einmal ein richtiger Hinübergeschlechtlicher werden soll. Als kürzlich einer der Freunde in den sozialen Medien leichtsinnig behauptete, Frau Baerbock sei auch dann eine ordinäre Heteroschlampe, wenn sie schwere Waffen an die Ukrainer:innen liefern will, und daß sie das nur wolle, um zu verschleiern, daß sie mit den Russen unter einer heteronormativen Decke steckt – eine False-Flag Waffenlieferung also – eskalierte der Streit. Wahrscheinlich hatte der Freund getrunken. Horst Windmüller, Horsts Mann also, der Vater vom dunkelkleinen Horst, verlor die Beherrschung und schimpfte wie ein Rohrspatz. „Wer das nicht begreift, daß, wer schwere Waffen an die Ukrainer:innen liefert, edelmütig über jeder Geschlechtsmenschlichkeit steht, ist ein Idiotisierender!“, brüllte er in die Webcam und kündigte an, sich so lange nicht mehr an den Videobotschaften der Vollhorsts zu beteiligen, bis die Gegner:innen seiner friedlichen Kriegspläne erschossen worden seien. Das jedoch fachte den frisch ausgebrochenen Streit unter den Freunden der Familie Windmüller nur weiter an. Viele sagten nach Horst Windmüllers Wutrede, sie fänden das nun nicht länger mehr menschlich & anrührend, sondern sie seien ab sofort derartig wütend & traurig zugleich, daß sie sich die Videogrüße der Vollhorsts so lange nicht mehr anschauen wollten, bis Horst Windmüller seine Behauptung über die Bedeutungslosigkeit der Geschlechtsmenschlichkeit bei der waffenliefernden grünen Heteroschlampe bereue und sich dafür entschuldigt habe. Sogar Xavier Naidoo habe etwas in der Art hinbekommen.

Horst, Horsts Frau also, drohte daraufhin mit Selbstmord. Wenn die Videogrüße der Vollhorsts keine freundliche Resonanz mehr fänden, heulte sie, habe ihr Leben keinen Sinn mehr. Alle wurden Zeuge, wie daraufhin der dunkelkleine Horst in Wut & Verzweiflung geriet. Das feuchte Gesicht seiner Mutter mit der bereits tränendurchweichten Maske im Vordergrund, mussten sie entsetzt dabei zusehen, wie der kleine Dunkelhorst im Hintergrund den Hamster der Familie Windmüller auf den Fußboden feuerte, damit ihn sein Vater, Horst Windmüller, nicht mit an die Front in der Ukraine nehmen kann. Dabei schrie er: „Ich will aber ein Hinübergeschlechtlicher werden, wenn ich groß bin!“. Horst der Hamster war sofort tot. Die Tierfreund:innen unter den Followenden der Familie Windmüller wurden daraufhin zu Drohenden und versprachen, Horst, den kleinen Mörder von Horst dem Hamster, ebenfalls zu Boden zu schleudern, um pädagogisch die Entwicklung seiner Empathie mit den armen Tieren gegenüber zu fördern. Die Reaktion darauf wiederum war extrem drastisch. Horst, der Mann von Horst Windmüller und Vater des dunkelkleinen Horst, zog daraufhin nämlich den Stecker des Computers. Seither waren keine Videogrüße von den Vollhorsts in den sozialen Medien mehr zu sehen. Grüne Waffenexperten vermuten, daß Horst Windmüller mit den beiden anderen Horsts seiner Familie und einem Sack voll schwerer Waffen ukrainisierend in den Krieg gezogen ist, um dort die Familienbande im Kampf gegen die heteronormativen Russen wieder zu stärken. Sie mutmaßen, daß Horst der Hamster derweilen unbestattet auf dem Fußboden in der verlassenen Wohnung der Vollhorsts vor sich hinmüffelt. Ein grüner Veganer aus dem Freundeskreis der Windmüllers ergänzte: „Wenigstens ißt den keiner mehr“.

Frontbericht

Aber es gibt Neuigkeiten. Die Vollhorsts haben sich gestern tatsächlich zum ersten Mal aus dem Donbass gemeldet. Sie schickten ein hübsches Selfie, auf dem sie, vorbildlich maskiert, die Finger zum „V“ für „Victory“ spreizen. Zwischen sich haben sie eine „Tochka U“, welcher der kleine Dunkelhorst mit Filzstift einen Smilie auf die Raketenspitze gemalt hat. Der Kommentar zum Selfie relativiert den Eindruck vom reparierten Familienglück allerdings etwas. Die ukrainischen Kameraden vom antifaschistischen rechten Sektor würden für den kleinen Dunkelhorst dauernd das „N“-Wort verwenden und ihm dabei vor die Füßchen spucken. Zudem würden sie Horst, die Frau von Horst Windmüller, mit ihrem ukrainischen Akzent ständig als „Kamerad Horst“ anreden. Bisher habe es nichts gefruchtet, sie jedesmal darüber zu belehren, daß Horsts Frau, Horst, die „Kameradin Horst“ sei, wahlweise auch die Kameradisierende, keinesfalls aber ein Kamerad. Ein bißchen ungehobelt seien sie schon, die Antifaschisten vom rechten Sektor und Aidar, Asow, und wie die ukrainischen Verteidiger von Freiheit, Demokratie und Geschlechtervielfalt alle heißen, schreiben die Vollhorst unter ihrem Selfie. Aber das müsse man eben hinnehmen im Namen der westlichen Werte.

Heute sollen sie ihren Familien-Leopard-Panzer zugeteilt bekommen, da sie als deutsche Grüne die einzigen seien, die mit der Beschriftung jener bunten Vielfalt an Knöpfen und Hebelchen klarkommen, die im Inneren des familienfreundlich gestalteten Panzers zu finden sind. Sogar schwanger könne Horst, die Frau von Horst werden, ohne daß es im Panzer zu eng wird. Der kleine Dunkelhorst freue sich schon darauf, den Geschützturm kreisen zu lassen.

Experten für die Lieferung von schweren Waffen sollen den Vollhorsts inzwischen allerdings die gute Laune verdorben haben. Es heißt, sie hätten den grünen Leopard-Vollhorsts im Donbass ein Foto von amerikanischen Javelins geschickt, welche die heteronormativen Russen vor ein paar Tagen erbeutet hatten, und dazugeschrieben, daß es sich dabei um panzerbrechende Waffen handelt, gegen welche die Familienfreundlichkeit eines Leopard 1 nichts nütze. Ob die Vollhorsts der Familie Windmüller schon einmal einen explodierenden Schnellkochtopf gesehen hätten, wollten sie wissen, und ob sie sich ungefähr vorstellen können, wie es in einem familienfreundlichen Panzer zugeht, wenn er zu heiß – und der Innendruck zu hoch wird.

Experten für Familienpsychologie wiederum erklärten, Horst, der Mann von Horst, und grüner Vater des dunklen Kleinhorsts, stehe nun vermutlich unter erheblichem verbalen Beschuß durch seine Frau, die Grüne Horst Windmüller, die ihm nun schwerste Vorhaltungen machen dürfte wegen seiner Überzeugung, man müsse den schweren grünen Waffen aus Deutschland heldenhaft nachreisen, um sie im Donezbecken zu bedienen. Wenn man sich auf etwas verlassen könne, dann sei es das Kosten-Nutzen-Denken deutscher Grünfrauen, die Horst heißen. Vermutlich würde Horst, die Frau von Horst Windmüller, bereits verzweifelt nach Alternativen zur Fahrt gegen die heteronormativen Russen im familienfreundlichen Panzer suchen und sich darum bemühen, in einem ukrainischen Frontkindergarten unterzukommen, um sich dort bei der Fortbildung ukrainischer Kriegswaisen in Sachen Mumu- & Pimmelvielfalt nützlich zu machen, was ja ebenfalls verheerend gegen die heteronormative Feuerkraft der Russen wirke und nicht geringgeschätzt werden dürfe. Ob sie mit ihrer Argumentation bei den wackeren Antifaschisten vom Asow-Bataillon durchkomme, sei allerdings ein bißchen fraglich. Es könnte auch sein, daß die tapferen Verteidiger von Demokratie, Freiheit und westlichen Werten rigoros reagieren und die grünen Vollhorsts aus Deutschland so behandeln wie jeden anderen ihrer ukrainischen Kameradierenden, der ein sich Drückender zu werden droht. Das hieße, daß die grünen Vollhorsts sofort nach ihrem Vorschlag mit dem Kindergarten für die ukrainischen Kriegswaisen erschossen werden würden, da sie mit Desertierenden verwechselt worden wären. Sprachbarrieren solle man nicht unterschätzen bei aller solidarischen Völkerfreundschaft.

Update

Ganz neu, vor fünfzehn Minuten frisch eingetroffen: Ein Notruf der grünen Vollhorstfamilie Windmüller aus dem Donbass. Die rassistischen Beleidigungen des dunklen Kleinhorsts hörten nicht auf, sondern verschärften sich im Gegenteil. Zwar nehme man das den tapferen ukrainischen Kämpfern gegen die heteronormative Invasion der Ukraine nicht übel, aber eine Evakuierung wäre ihnen jetzt doch lieber. Ob man vielleicht jemanden mit schweren Waffen vorbeischicken würde, der die ukrainischen Bewacher ihres familienfreundlichen Panzers erledigt, damit sie wieder aussteigen können. Die Bewacher hätten gedroht, sofort zu feuern, wenn einer der Vollhorsts es wage, auch nur die Luke zu öffnen, um zu desertieren. Die Vollhorsts: „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“.

Leider haben sie Pech. Zwischenzeitlich ist nämlich eine noch frischere E-Mail von Wladimir Putin bei der Bundesregierung eingegangen, in welcher er sich über das ehrlose Maulheldentum grün-gelb-schwarz-roter Befürworter von Waffenlieferungen an die ukrainischen Antifaschisten von ganz rechts außen beklagt. Er schrieb, wer Waffen liefert, solle am besten die entsprechenden Befürworter mitliefern. Lange würde er sich das unwürdige Schauspiel nicht mehr mit ansehen, bei dem deutsche Grüne und weite Teile der Zivilbevölkerung – vor Kriegseifer sabbernd – im westeuropäischen Frieden hocken und tropfend Maulaffen feilhalten, während sich Ukrainer und Russen mit genau den Waffen gegenseitig an den Hals gehen, die auf Betreiben solcher heldischen Sabberaffen geliefert werden. Wenn die deutsche Regierung weiter Waffen ohne die dazugehörigen Befürworter solcher Lieferungen in die Ukraine verschicke, wolle er darüber nachdenken, zum Dank eine große Rakete – ebenfalls ohne Besatzung – direkt an das Bundeskanzleramt und den Reichstag zu liefern.

Das ist jetzt sehr schlecht für die grünen Vollhorsts, die im Donbass in einem familienfreundlichen Leopard-Panzer sitzen, weil sie auf ihren Notruf eine Antwort etwa folgenden Inhalts erhalten werden: „Liebe Familie Windmüller! Vielen Dank für Ihren informativen Notruf. Ihr Vollhorsts tut gefälligst das, was euch die freiheits- und demokratieverteidigenden Ukrainer von Aidar, Asow oder dem rechten Sektor anschaffen. Es sind schließlich unsere Freunde. Trotz Andrij Melnyk. Wenn nicht, braucht ihr euch bei uns in Deutschland über alles gar nicht mehr blicken zu lassen. Das wäre schade, weil wir die Videobotschaften an eure Fans & Freunde in den sozialen Netzwerken schon heute vermissen. Macht’s gut, ihr Vollhorsts! Auf in den Kampf für die bunte Vielfalt, viel Glück und Toi-Toi-Toi! – Eure volksvertretende Heteroschlampe. P.S.: Euer toter Hamster stinkt zum Himmel“.

Wahrscheinlich werden sich Horst, die Frau von Horst Windmüller, und Horst Windmüller, der Mann von Horst, nun weinend und verzweifelt in den Armen liegen, ehe sie versuchen, den familienfreundlichen Panzer in Gang zu setzen, während der dunkle Kleinhorst schon mit dem Geschützturm Kinderkarussell fährt und dabei kräht: „Piff-Paff-Puff! Du bist tot und du bist tot und du bist tot! Ätschi! Ätschi! Piff-Paff-Puff …“.