Foto: Andrey_Popov/Shutterstock

Kostenloses Schulessen in Berlin: Ab in die Bio-Tonne

Seit nunmehr 3 Jahren gibt es für Kinder der Klassen 1 bis 6 ein kostenloses Mittagessen in Berlin. Dafür läßt der rot-rot-grüne Senat in diesem Jahr voraussichtlich 177 Millionen Euro springen. Doch ein großer Teil der frisch gelieferten Mahlzeiten landet direkt im Müll. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

89 Prozent aller Kinder in den Klassenstufen 1 bis 6 haben einen Vertrag für ein kostenloses Mittagessen. Die bestellten Mahlzeiten, die einen 60-prozentigen Bio-Anteil haben müssen, werden entweder gar nicht erst abgeholt oder nach kurzem herumstochern einfach weggeschmissen. Ein Viertel – also jedes vierte – bis zur Hälfte des Essens soll einfach entsorgt werden, offenbar schmeckt es der halal-verwöhnten Kinder-Kundschaft nicht.

Dafür gab der Senat im vergangenen Jahr 112 Millionen Euro aus, 2022 werden es voraussichtlich 177 Millionen Euro sein. Der Preis für das Schulessen steigt nach Berechnungen der Bezirksämter pro Portion um 32 Cent auf 4,68 Euro.

Das Evangelische Gymnasium zum Grauen Kloster, im ehemals gutbürgerlichen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gelegen, gibt an, daß bis zu 50 von 130 angelieferten Mahlzeiten stehen bleiben. Laut dem Catering-Unternehmen „3 Köche“ müssten 25 Prozent der ausgelieferten Gerichte entsorgt werden müssen. An einer Berliner Schule sollen laut Berliner Zeitung sogar 200 von insgesamt 400 bestellten Mittagessen als Abfall wieder eingesammelt und im Biomüll entsorgt werden. Genaues weiß man, wie so oft in Berlin, nicht. Ein vom Senat versprochenes digitales Bestell- und Abrechnungssystem, mit dem man genaue Daten erfassen könnte, wurde bis heute nicht geliefert. Kompetenzstreitereien zwischen den Bezirken und der Senatsbildungsverwaltung machen es möglich.

Seit dem 1. August dieses Jahres 2022 gibt es immerhin eine neue Verordnung, wonach „Caterer in Abstimmung mit der Schule und den Eltern Mittagessenverträge bei wiederholtem Feststellen der Nichtteilnahme am Mittagessen auf bestimmte Zeit kündigen können“. Eine Bestätigung dafür, daß ein Großteil der zuvor bestellten Mahlzeiten nicht abgeholt oder gegessen werden. Bis dahin durften die Verträge konnten von Seiten der Caterer nicht gekündigt werden. Für sie ist die neue Senatsverordnung ein Schritt in die richtige Richtung, denn sie müssen sämtliche Speisereste an den Schulen einsammeln, abholen und zur nächsten Biogasanlage fahren. Ein Caterer, der nach Angaben der BZ lieber ungenannt bleiben möchte, beziffert die Kosten für diese Entsorgung auf 8000 Euro pro Monat.

Die neue rechtliche Verordnung verpflichtet die Caterer darüberhinaus dazu, der Schule und den Eltern Bescheid zu sagen, wenn ein Kind mehr als acht Gerichte pro Monat nicht abgeholt hat. Konsequenz soll als Sanktion ein „mahnendes Gespräch“ mit dem Schüler und ein vorübergehender Ausschluss vom Schulmittagessen sein, falls er sein Verhalten nicht ändert. Wie das ohne ein digitales Bestell- und Abrechnungssystem funktionieren soll – unklar.

Überhaupt – Sanktionen. Ein Wort das Louis Krüger, dem bildungspolitischen Sprecher der Grünen, so gar nicht schmeckt. Man müsste den Grundschulkindern noch stärker erklären, was eine gesunde Ernährung bedeute, wie viel Arbeitszeit und Ressourcen in einer einzigen Mahlzeit stecken und was es finanziell und ökologisch bedeutet, wenn man sie achtlos wegschmeißt, findet er. „Was nichts kostet, das wird nicht wertgeschätzt“, weiß auch die bildungspolitische CDU-Sprecherin Katharina Günther-Wünsch: „Und Caterer sagen, seitdem die Schülermittagessen kostenlos sind, wird deutlich mehr weggeschmissen als früher. Aber die Verschwendung muss endlich aufhören“, erklärt sie im Juli gegenüber der Berliner Zeitung.

Die nicht verzehrten Mahlzeiten dürfen auch nicht an Bedürftige, wie etwa die Tafel, weitergegeben werden. Denn laut Vorschrift hat ein frisch gekochtes Essen ein Verfallsdatum von drei Stunden nach der Herstellung, danach darf es nicht mehr verzehrt werden.

Die kostbaren Mahlzeiten für die FFF-Generation, die mit großem Aufwand nicht nur an Erdgas, Strom und Diesel für Herstellung und Transport produziert werden, wandern also weiter ohne den Weg durch den Magen direkt in den Müll. (MS)

Themen

AfD
Brisant
Corona
Der Muezzin ruft jetzt in Köln; Bild: Privat
Deutschland
Gender
International
Islam
Corona
Brisant
Linke Nummern
Deutschland
Deutschland
Satire
Ukraine
Politik
Wirtschaft