Paul und Nancy Pelosi am 30. Juni 2022 in Rom - Foto: Imago

USA: Mysteriöser Anschlag auf Paul Pelosi

Vergangenen Freitag kam es zu einem Anschlag auf den 82-jährigen Ehemann von Nancy Pelosi, Herrn Paul Pelosi. Frau Pelosi, ebenfalls 82, ist Sprecherin des Repräsentantenhauses und steht damit an dritter Stelle in der Hierarchie der politischen Honoratioren in den USA. Sie ist Angehörige der Demokratischen Partei. Der Anschlag soll eigentlich nicht ihrem Ehemann, sondern ihr selbst gegolten haben. Ihr Ehemann Paul war vor wenigen Monaten wegen einer Trunkenheitsfahrt in die Schlagzeilen geraten. Im Augenblick gibt es ein paar Ungereimtheiten in der Medienberichterstattung.

von Max Erdinger 

Kolportiert wird im Augenblick weithin die folgende Story: Ein 42-jähriger, „weißer Rechtsextremist“ namens David DePape habe sich am frühen Morgen mit einem Einbruch durch eine gläserne Verandatür Zugang zum Haus der Pelosis in San Francisco verschafft. Er soll mit einem Hammer bewaffnet gewesen sein und zunächst nach Nancy Pelosi gefragt haben, die aber nicht zuhause gewesen ist. Schwer verletzt worden sei letztlich Paul Pelosi, der mit dem Hammer attackiert worden sei und einen Schädelbruch sowie Verletzungen am rechten Arm und an den Händen davontrug. Den Berichten zufolge wird er im Krankenhaus behandelt.

Der weiße Rechtsextremist

Den Medienberichten zufolge handelt es sich bei David DePape um einen „weißen Rechtsextremisten“, der Verschwörungstheorien von Q-Anon anhängt. Linke Politiker stellten auch sofort einen Zusammenhang mit den Republikanern und  rechtsextremen weißen Nationalisten her. Dem entgegen stehen jedoch Aussagen von Nachbarn des mutmaßlichen Attentäters DePape. Wie Michael Shellenberger in einem Meinungsartikel der „New York Post“ erwähnte, lebte DePape mit einer überzeugten Nudistin zusammen in einem Haus in Berkeley, das mit einem Logo der Black-Lives-Matter-Bewegung im Fenster sowie einer LGBT-Regenbogenflagge verziert ist, während an einem Baum vor dem Haus ein Marihuana-Symbol prangt.

DePape Berkeley
DePape-Wohnhaus in Berkeley – Screenshot quoththeraven.substack.com

Ein Nachbar von David DePape habe das Paar so beschrieben: “Was ich über die Familie weiß, sind das äußerst radikale Aktivisten. Sie scheinen extrem links zu sein. Sie sind ganz auf Seiten der BLM-Bewegung. Gay Pride. Sie sind von der Realität weit entfernt. Sie haben die Polizei mehrmals gerufen und mehrere Nachbarn beschuldigt, sich gegen sie verschworen zu haben, uns eingeschlossen.  Es ist wirklich seltsam, wenn man mitbekommt, daß sie die Absicht hatten, so aggressiv gegen jemanden vorzugehen, der ebenfalls ein Linker ist.“ Am Sonntag äußerte sich dann Oxana Taub bei Fox-News. Die Ex-Lebensgefährtin von DePape sagte, als sie den mutmaßlichen Attentäter kennengelernt habe, sei er 20 Jahre alt gewesen und habe keinerlei Erfahrungen mit Politik besessen. Jedoch sei er sehr auf ihrer eigenen Linie gewesen. Sie habe immer sehr progressiv gedacht und bewundere Nancy Pelosi.

Wie sich das in Wahrheit verhält, wird sich herausstellen, wenn sich DePape selbst zu seinen Ansichten äußert. Bislang gibt es noch keine bestätigte Einlassung von ihm.

Die gläserne Verandatür

Einem der Ermittler mißfällt an der Geschichte vom Einbruch durch die Verandatür die Tatsache, daß die Bruchstücke der zertrümmerten Scheibe auf der Außenseite des Hauses zu finden sind, was eher dafür spricht, daß die Scheibe von innen nach außen zertrümmert worden sein muß. Allerdings steht auch noch nicht fest, daß sich DePape tatsächlich durch diese Verandatür Zutritt zum Haus verschafft hat. Es könnte sein, daß die Scheibe bei einem Handgemenge im Haus zu Bruch gegangen ist und daß DePape auf anderem Wege ins Haus gelangte.  Merkwürdig sei generell, daß er es bis ins Haus geschafft habe, da das Anwesen von zahlreichen Sicherheitsbeamten bewacht sei. Ob die allerdings anwesend waren, sei nicht geklärt. Sie seien schließlich zum Schutz von Nancy Pelosi abgestellt, die sich zum Zeitpunkt der Attacke selbst nicht auf dem Anwesen befand.

Der Notruf

Merkwürdig ist zudem, daß der Notruf von Paul Pelosi aus einem Badezimmer des Hauses heraus erfolgte. Der Attentäter soll es Paul Pelosi angeblich gestattet haben, seine Teilnahme am Geschehen als Opfer des Überfalls kurz zu unterbrechen, um die Toilette aufzusuchen. Von dort aus habe Pelosi dann die 911 angerufen. Und zwar von einem Telefon aus, das er vorher dort zurückgelassen habe, um es aufzuladen. Glenn Greenwald etwas sarkastisch hierzu: „Ich denke, es völlig normal, daß ein Attentäter seinen versuchten Mordanschlag unterbricht, um seinem Opfer die Möglichkeit einzuräumen, auf die Toilette zu gehen.

Wer hat die Haustür geöffnet?

Nachdem der 911-Notruf entgegegenommen worden war, eilte umgehend Polizei zum Pelosi-Anwesen. Angeblich habe sie DePape und Pelosi in einem Handgemenge vorgefunden. Der Hammerschlag auf Pelosis Schädel sei quasi im Beisein der Polizei erfolgt. DePape wurde im Haus festgenommen. Unklar ist bislang, wer der Polizei die Haustür geöffnet hat. Die Polizisten hatten das Haus durch die Eingangstür betreten. Zudem äußerte die Telefonistin in der Notrufzentrale die Ansicht, Pelosi habe bei seinem Notruf verklausuliert etwas mitteilen wollen, das er offenbar nicht unmißverständlich ausdrücken konnte. Die Auswertung des aufgezeichneten Notrufs wird hier sicherlich weitere Erkenntnisse bringen.

Die Reaktionen

Daß US-Demokraten so kurz vor den Midterms auf jeden Fall sofort versuchen würden, Kapital aus dem Anschlag auf Paul Pelosi zu ziehen, war nicht anders zu erwarten. Es folgte die übliche Betroffenheitssuada in Kombination mit der Verdammung des politischen Gegners. Natürlich sind alle Kommentatoren tief betroffen von diesem Gewaltausbruch. Alle verurteilen sie die Gewalt, besonders, weil es sich offenbar um politisch motivierte Gewalt handelt. Daß Paul Pelosi schwer verletzt wurde, zieht niemand in Zweifel. Insofern scheint der Fall klar zu sein.

Hillary Clinton am Samstag: „Die Republikaner und ihre Propagandisten verbreiten nun regelmäßig Hass und verrückte Verschwörungstheorien. Es ist schockierend, aber nicht überraschend, daß Gewalt das Resultat ist. Als Bürger müssen wir sie für ihre Worte und die daraus resultierenden Taten haftbar machen.“ – Ja, ja, schon klar. Natürlich kann man von etwas schockiert sein, das einen nicht überrascht. Wenn man scheinheilig ist, geht das ohne weiteres. Ginge es in den USA noch mit „rechten DIngen“ zu, müsste nicht nur Hillary Clinton längst in Untersuchungshaft sitzen. Umso bemerkenswerter die Unverfrorenheit, mit der sie sich zur Lordsiegelbewahrerin der politischen Kultur aufschwingt. Elon Musk twitterte am Sonntag als Erwiderung auf Clintons Suada, es bestehe “a tiny possibility there might be more to this story than meets the eye”. (eine kleine Wahrscheinlichkeit, daß an der Geschichte mehr dran ist, als gerade offensichtlich ist.)

Der vermeintliche Präsident selbst – Joe Biden: „Man kann nicht einfach sagen, daß wir uns schlecht fühlen angesichts der Gewalt und daß wir sie verurteilen. Verurteile, was diese Gewalt hervorbringt. Dieses Gerede produziert die Gewalt. Der eigentliche Punkt ist: Es ist die eine Sache, die Gewalt zu verurteilen. Aber du kannst die Gewalt nicht verurteilen, solange du die Leute nicht verurteilst, die mit der Behauptung fortfahren, daß die Wahl nicht ordnungsgemäß gelaufen sei, daß sie gestohlen worden sei.“ – Da kann er lamentieren so viel er will, der gute Joe Biden. Alles spricht dafür, daß die Präsidentschaftswahlen 2020 gestohlen worden sind – und nichts spricht dafür, daß das eine ordnungsgemäß ausgezählte Wahl gewesen sein könnte. Und zwar überhaupt nichts. Null. Niente. Nada. Ob das so ist oder nicht, hängt in keiner Weise davon ab, ob es Joe Biden, Hillary Clinton oder wem auch immer gefällt oder nicht. Es wäre schlicht wahnsinnig, zu unterstellen, daß Biden tatsächlich mit 80 Millionen Stimmen gewählt worden sein könnte. Man müsste Flacherdler sein, um das zu glauben. Und dabei kommt es auf den Glauben noch nicht einmal mehr an. Die Indizien für die Wahlfälschung sind absolut erdrückend. Und es kommt noch „besser“: Es waren nachweislich samt und sonders Demokraten – und ein paar RINOS dazu – die alle Register der formalistischen Trickkiste gezogen hatten, um zu verhindern, daß der Vorwurf der Wahlfälschung lückenlos aufgeklärt wird. Obwohl die Notwendigkeit einer Aufklärung angesichts der präsentierten Unregelmäßigkeiten essentiell gewesen wäre, um das verlorengegangene Vertrauen in den ordnungsgemäßen Wahlablauf und damit in das Funktionieren der Demokratie wieder herzustellen. Die Wiederherstellung dieses Vertrauens scheint aber als nachrangig betrachtet worden zu sein. Und zwar genau durch diejenigen, die nach dem Anschlag auf Pelosi am lautesten die Ankläger geben. Der Gipfel der Niedertracht war mit dem „Insurrection Day“ am 6. Januar 2021 erreicht, mit der angeblichen „Erstürmung des Kapitols“, bei der es evident die Capitol Police selbst gewesen ist, die den „Stürmern“ den Weg zu offengelassenen Türen und ins Gebäude hinein gewiesen hatte. Es gibt Videos der Überwachungskameras im Inneren des Kapitols, auf denen „Stürmer“ zu sehen sind, die sich verhalten, als seien sie zu einer kostenlosen Touristen-Besichtigung des Kapitols gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Und wann ging die „Erstürmung des Kapitols“ los? Just in dem Moment, als im Kongreß mit dem Vortrag der Einwände gegen das Votum des Electoral College begonnen worden war, jener Unvermeidlichkeit, mit der öffentlich und vor den Augen der Weltöffentlichkeit klargeworden wäre, worin die Einwände der Sache nach genau bestehen. Schon ihrer schieren Zahl nach wären sie historisch einmalig gewesen. Die „Profiteure“ des „Insurrection Day“ waren ganz klar diejenigen, denen an der Debatte über die Einwendungen gegen das Votum des Electoral College vor den Augen der Weltöffentlichkeit am wenigsten gelegen haben kann: Die US-Demokraten. Dementsprechend ist auch das zwischenzeitlich installierte „Janury 6th-comitee“ eine einzige, ausschließlich mit Demokraten besetzte Farce, die blanke Verhöhnung jeden Begriffs von „Wahrheitssuche“.

Das ganze Geheuchel

Nein, über politisch motivierte Gewalt in den USA braucht sich niemand mehr zu wundern. Die entsprechenden Krokodilstränen kann man sich wirklich sparen. Und nicht nur dort. So bedauerlich das auch ist: Das Gegenteil ist der Fall. Schon die Gegenüberstellung der medialen Behandlung in den Fällen Kavanaugh und Pelosi ist entlarvend. Gerade diese Gewalt ist es, die nahelegt, daß die Demokratie noch nicht ganz tot ist. Es scheint noch Leute zu geben, die sich die Realität auf gar keinen Fall klauen lassen wollen von Leuten wie Clinton, Biden oder sonst jemandem, der dem Wahn anhängt, Realität sei nichts weiter als ein Konstrukt, weswegen sich auch jede x-beliebige Realität „gleichberechtigt“ konstruieren lasse. Man muß noch nicht einmal behaupten, die Präsidentenwahl 2020 sei gestohlen worden. Fest steht: Die Indizien dafür, daß sie gestohlen wurde, sind so überwältigend, daß es nichts dringenderes gibt, als das ein- für allemal lückenlos aufzuklären. Und ein Meta-Indiz dafür, daß sie gestohlen wurde, ist, daß statt einer Aufklärung des Sachverhalts jene verfolgt, diffamiert und stigmatisiert werden, die eine solche hieb- und stichfeste Aufklärung fordern – und zwar durch genau diejenigen, deren persönlichen Interessen mit einer solchen Aufklärung am allerwenigsten gedient wäre. Flacherdler müsste man sein, um zu glauben, daß diese Wahl nicht gestohlen worden ist. Absolut bescheuert müsste man sein.

Der Fall Pelosi wird sehr genau mitzuverfolgen sein, gerade wegen der Person des mutmaßlichen Attentäters DePape. Es kann schon sein, daß sich das derzeit kolportierte Narrativ vom ultrarechten weißen Nationalisten bestätigt. Im Moment steht es jedenfalls noch nicht als wahr fest. Immer mit der Ruhe. Wir leben im Zeitalter von Narrativen und Konstrukten. Da müsste man sich fast schon wundern, wenn die ganze Story zum gegenwärtigen Zeitpunkt etwas anderes wäre als ein zurechtgebogenes Konstrukt. Der Krieg um die Wahrheit ist gottlob endlich entbrannt. In der Ukraine, bei Twitter und auch sonst. In gut einer Woche sind die „Midterms“. Sollten die Prognosen über deren Ausgang zutreffen, wird dieser Krieg die nächste Eskalationsstufe schnell erreichen.

 

 

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