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Der kleinste Nenner

Haben wir verloren, oder sind wir einfach nur verloren? Die Situation scheint aussichtslos zu sein, denn im Gegensatz zu 1989 ist die Mehrheit der Bevölkerung mittels medialer Staatspropaganda und Gehirnwäsche oder dank steuergeldfinanzierter Brosamen auf Linie gebracht worden. Nur eine kleine Minderheit wagt noch den Widerstand, und auch diese ist am Schwinden.
Die Erkenntnis, dass Wahlen nichts mehr ändern (es sei denn vielleicht, Sahra Wagenknecht und Björn Höcke würden als Doppel-Wumms-Spitze die neue Führung bilden) führt ebenfalls zu Lähmungserscheinungen innerhalb der kritischen „Masse“.

Ein Gastkommentar von Thomas Böhm

Die Ampel vollstreckt das Todesurteil, das Angela Merkel über Deutschland verhängt hat. Die Reste einer einst homogenen und intakten Gesellschaft werden gerade durch das Säurebad gezogen und haben sich bald vollends aufgelöst. Im christlichen Abendland geht die Sonne unter und im islamischen Morgenland dann wieder auf: Der Muezzinruf erschallt bald all überall, Bibelverse werden verhüllt und Kreuze heruntergerissen, derweil in der Kirche die Pfaffen Gender- und Klima-Ideologien predigen und den Weltuntergang beschwören. Das Licht am Ende des Tunnels ist ausgeschaltet. Die Hoffnung hat den Freitod gewählt. Die Bürger haben, ob des Fachkräftemangels im bundesrepublikanischen Kasperletheater, nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Auf brüchigen Beinen und tönernen Füßen

Diesem politischen Schlamassel steht eine auf brüchigen Beinen und tönernen Füßen wankende, mehr oder weniger patriotische Szene entgegen, die sich zum wiederholten Male in Auflösung befindet, untereinander zerstritten ist, sich permanent und immer mehr zersplittert und sich am Ende selbst atomisiert. Ihre Protagonisten, Sprecher, Schreiber, Denker und „Aktivisten“ verpulvern ihre Energie in zwecklosen Distanzversuchen, klagen über schwere Kopfschmerzen, die sie sich beim wiederholten Anrennen gegen die politische Betonwand zugezogen haben, oder sie leiden an „Blasen”-Schwäche, wie sie so typisch ist für diese konservative Szene. Einige von ihnen sind dermaßen erschöpft, frustriert und mutlos geworden, dass sie in ihrer verzweifelten Ohnmacht nur mehr die Flucht antreten wollen – entweder ins Private, in die Radikalität oder ins Ausland. Sofern sie sie nicht schon vollzogen haben.

Die wenigen, die überhaupt noch aktiv sind, drehen sich im Kreis und vor allen Dingen um sich selbst: Hier eine Kundgebung, da eine Demo. Jede davon beginnt zwar mit Wucht, mit enormem Druck und viel Enthusiasmus, verläuft aber wie jede andere aufschäumende Welle irgendwann im Sande*. Vorlesungen, Debatten, Vorträge, Kreise, Meetings, Seminare, Info-Stände, Vernetzung: Alles heilsame, weil therapeutische Maßnahmen, wenigstens die Selbstbeschäftigung funktioniert in diesem illustren Kreis der Widerspenstigen und Renitenten noch, während alles andere weiterhin den Bach runtergeht und die Fische bäuchlings mit dem grünen Strom in der Kanalisation verschwinden. Viele Systemkritiker haben sich mittlerweile leergepöbelt und ihre Energie in den klebrigen sozialen Netzen vergeudet, die von linken Spinnen und Spinnern gewebt wurden. Sie hängen online fest oder durch – und zappeln nur noch wie die Fliegen auf Twitter, Telegram und Facebook ihrem tödlichen Schicksal entgegen.

Das Ziel: Einigung auf Minimalkonsens-Grundlage

Leider – und wider besseres Wissen – ist die patriotische Szene vollgestopft mit Selbstdarstellern, Besserwissern, Labertaschen, Schlaumeiern, Egozentrikern, Profilneurotikern und Wichtigtuern, die es so schwer machen, ein gemeinsames Band zu stricken, an einem Strang zu ziehen und vorwärts zu kommen. Dennoch braucht man jeden von ihnen – denn es sind überwiegend schlaue Köpfe; nur eben stoßen sie ständig mit diesen zusammen, wenn sie aufeinandertreffen. Einen ehrlichen Austausch von Gedanken gibt es nicht. Man hört sich nicht richtig zu, und stellt man unterschiedliche Sichtweisen und Lösungsansätze beim Gegenüber fest, hüpft man ängstlich zur Seite und geht naserümpfend auf Distanz, statt die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen.

Und genau darum geht es: Kann man sich nicht einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner konzentrieren, sich wenigstens auf niedrigem Niveau einig werden und die Differenzen um tagespolitische Detailfragen – wie zum Beispiel den Ukrainekrieg, die Impfungen oder die „Pandemie”-Maßnahmen, die zu einer weiteren Spaltung des politischen Widerstandsszene geführt haben – vorerst beiseite schieben, und sich stattdessen auf die wahren Probleme in Deutschland konzentrieren? Einzelheiten und Nuancen können immer noch später geklärt werden – nämlich dann, wenn man einen ersten Erfolg verbuchen kann und das Hauptziel gelungen ist, den linksgrünen Mainstream zumindest einmal auszubremsen!

Also: Wie wäre es denn mit einem Patrioten-Kongress der etwas anderen Art… nicht so elitär, nicht so borniert und tiefschürfend? Ein erster Austausch ohne Ausschluss, ohne Limit, ergebnisoffen, sozusagen als Einstieg in eine neue Form des Widerstandes, in dem Kreativität und gemeinsames Engagement gefördert statt totgeredet wird? Bei dem man den heißen Brei an einer Rittertafel gemeinsam vernascht, statt um ihn herumzureden? Und in dem experimentiert wird und sich jeder ein Stück weit zurücknimmt? Wer wagt den Anfang, wer sticht in die Seifenblase?

*Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Naumburger „Friedenskrieger“ werden weiter Woche für Woche der Elite den Marsch blasen.

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