Hübsch: Blühende Cannabispflanze - Foto: Imago

Pseudodiskussionen: Die alberne Debatte um die Cannabislegalisierung

Mehrheit ist kein Faktor von Wahrheit. Wahrheit wiederum läßt sich nicht über Mehrheit herstellen. Umso erstaunlicher finde ich die Chuzpe, mit der das dennoch versucht wird. Wahr ist, daß es versucht wird. In der Medien- & Massendemokratie nennt sich das entsprechende Versuchsinstrumentarium „Propaganda“. Propaganda gibt es, und zwar reichlich. Das ist ein Grundproblem der Medien- & Massendemokratie, das sich in fast allen Detailbereichen sehr negativ auswirkt, wenn man unterstellt, daß die Behauptung zutreffend sei, an der Wahrheit führe letztlich kein Weg vorbei. Man muß also dem Versuch, per Propaganda jene Mehrheiten zu schaffen, die dann „die Wahrheit definieren“, insofern Rechnung tragen, als daß man der Propaganda widerspricht.

von Max Erdinger

Propaganda

Erneuerbare Energien sind die Zukunft der Industrienation Deutschland: Propaganda. E-Autos sind die umweltfreundliche Alternative zu sauberen Dieselmotoren: Propaganda. Es gibt mehr als zwei Geschlechter: Propaganda. Die Corona-Impfung schützt vor Ansteckung und schweren Krankheitsverläufen: Propaganda. Veganer leben gesünder: Propaganda. Diese Beispielreihe ließe sich schier endlos fortsetzen. Hier soll es um den – meines Wissens nach zweiten Versuch ausgerechnet bei dem sonst hervorragenden Blog „Ansage.org“ – gehen, der Cannabislegalisierung propagandistisch eine Anti-„Mehrheit“ entgegenzusetzen, die dann als Wahrheit durchgehen soll. Dem muß ich Rechnung tragen. Obwohl ich bereits dem ersten derartigen Versuch widersprochen habe, werde ich es wieder tun, auch wenn es mich maßlos ärgert, mich überhaupt auf dieses alberne „Mehrheit-Wahrheits-Spielchen“ einzulassen. Wahr ist, daß es betrieben wird. Dieser Tage ging es bei „Ansage.org“ um eine Anti-Legalisierungpolemik von Jan Henrik Holst mit dem Titel: „Kiffen wir uns demnächst alle die Birne dicht?„. Seine Rede – meine Gegenrede. Absatz- und satzweise. Das wird etwas Längeres.

In medias res

Holst: „Die Hampelkoalition plant die Legalisierung von Cannabis – ist das nicht wunderbar?“ – das ist weder wunderbar noch ist es nicht wunderbar, sondern es ist längst überfällig. Und zwar nicht einmal mit Priorität wegen der Sache, um die es dabei geht. „Legalisierung“ setzt den Zustand der Illegalität voraus. Bei der anstehenden Legalisierung handelt es sich im Grunde um die Korrektur eines Fehlers. Der Fehler war das Verbot. Wie kam es zu diesem Fehler?

Als Mitte der Sechziger Jahre Hippiesprüche aufkamen wie „Hasche Haschisch inne Tasche, hasche immer waschu nasche“, wurde einfach beobachtet, was das für Leute sind, die solche Sprüche klopfen und was die sonst noch alles so behaupten. Die wollten offensichtlich „ganz andere Leute sein“. Komische Musik haben sie gehört, „Velvet Underground“ zum Beispiel – war das überhaupt Musik? Durfte sich so etwas überhaupt Musik nennen? Herumgelaufen sind sie wie Jesus auf den Bildern vom guten Hirten und den Schäfchen über den Ehebetten ihrer argwöhnischen Kritiker – welche Anmaßung. Kommunisten waren das, herumgehurt haben sie in ihren Kommunen. Diese Hippies, besonders die politisierten Hippies, waren ein einziger Anschlag auf alles, was der Normalbürger damals für sittlich geboten und anständig hielt. Die griffen ein ganzes etabliertes Weltbild an.

Und dann dieses abgehobene Hippiegeschwätz von der Bewußtseinserweiterung: Warum sind die dermaßen aus der Spur gelaufen? Das Bewußtsein des Normalbürgers war perfekt. Das brauchte keine Erweiterung. Wenn die von Bewußtseinserweiterung laberten, implizierten sie ja, daß alle Nichthippies beschränkt seien. Frechheit! Und was war das mit diesem „Haschisch“, das sie so verehrten? Das war das, was sie vom Normalbürger unterschied. Zwar hatten sie zwei Augen, zwei Ohren, zwei Hände und zwei Füße wie alle Menschen, aber alle Menschen hatten kein Haschisch. Die Hippies hatten welches. Und lange Haare hatten sie. „Haare“ fängt mit „H“ an, genau wie „Haschisch“. Dieses Haschisch ist sehr wahrscheinlich das, weswegen die keine normalen Menschen mit Frisur mehr sein können. Besser, man verbietet es, das Haschisch. Rein prophylaktisch. – Die Verwechslung von Kausalität und Korrelation ist vermutlich die häufigste aller Verwechslungen.

Holst: „In der Diskussion reden auch viele Leute mit, die über die zur Beurteilung des Themas hilfreichen Drogenerfahrungen gar nicht verfügen„. – das ist leider wahr. Holst scheint einer davon zu sein.

Holst: „Vor diesem Hintergrund sehe ich mich berufen, mich da mal zu Wort zu melden„. – das ist Holsts implizite Behauptung, er sei wegen eigener Drogenerfahrungen dazu berufen. Ich glaube nicht leicht etwas, aber das hier im ganzen Leben nicht. Weil sein ganzer weiterer Text dagegen spricht, daß er eigene Drogenerfahrung gehabt haben könnte. „Mal probiert“ ist nicht dasselbe wie „Erfahrung“. Einmal ist kein Mal. Vor diesem „Hintergrund“: Im Deutschen gibt es die Metapher vom Blinden, der gern über die Farbe redet. Diese Metapher gibt es nicht wegen nichts. Es scheint da ein allgemeineres Phänomen zu geben …

Holst: „Das Vorhaben der Cannabis-Legalisierung züchtet eine Klientel heran, die sich dann erst einmal dichtkiffen wird und anderes zu tun hat, als die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland kritisch zu hinterfragen – genau das jedoch wäre notwendig.“ – hier sind gleich zwei äußerst fragwürdige Behauptungen enthalten. Erstens: „Dichtkiffen“. Das gibt’s. Das ist aber kein Substanzphänomen, sondern eines der Maßlosigkeit. Die wiederum ist in zunehmendem Maße generell zu beobachten. Die Substanz selbst erzwingt die Maßlosigkeit nicht. So, wie man ein „Gläschen“ trinken kann statt einer ganzen Flasche, läßt sich auch ein kleiner Joint (Spliff) rauchen statt einer „gigantischen Tüte“. Zweitens: Richtig ist, daß es dringend notwendig wäre, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland kritisch zu „hinterfragen“. Einmal abgesehen davon, daß die löbliche Hinterfragerei (kritisch!) zeitgleich mit jenem Hintergrund populär geworden zu sein scheint, der seither regelmäßig im Vordergrund herumsteht und den Blick auf den eigentlichen Vordergrund verwehrt, muß man Holsts Behauptung jedoch einfach eine Gegenthese gegenüberstellen: Wenn die ach-so-notwendige „kritische Hinterfragung“ der „politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland“ evident ohne die Cannabislegalisierung nicht stattfindet, – was könnte man dann verlieren, wenn man es einmal mit der Legalisierung probiert? Wie sagt man so schön? – „Probieren geht über studieren“ und „einen Versuch ist es wert“. Oder auch: „Das ist doch jetzt auch schon egal!“.

Nach meiner Überzeugung würde es der ach-so-notwendigen Hinterfragerei (kritisch!) erheblich effektiver auf die Sprünge helfen, wenn man parallel zur Cannabislegalisierung die Öffentlich-Rechtlichen und die selbsternannten Qualitätsmedien für illegal erklären  würde. Die sind richtig schädlich für die Volksgesundheit im Kopf. Geben und Nehmen sind ja für sich genommen schon etwas sehr Ausgleichendes. Sollen „wir“ uns denn nicht allezeit um den löblichen Ausgleich bemühen? – Doch, sollen wir.

Holst: „Wenn es der Regierung darum ginge, Leute durch die neue Konsumverlockung in Schach zu halten, dann wäre dies ein prima gangbarer Weg. In Aldous Huxleys Roman ‚Schöne neue Welt‘ dient zu diesem Zweck eine Droge namens Soma.“ – Der Bezug von Huxley zur Gegenwart via „Soma“ ist aber ein anderer. „Soma“ ist die Abkürzung für „Sonntagsmagazin“ – z.B. in der „Süddeutschen Zeitung“, in der „FAZ“ oder irgendeinem anderen der selbsternannten Qualitätsmedien. Ganz harter Stoff. Daß diese Sonntagsmagazine legal sind, ist ein veritabler Skandal. Schützt denn der Gesetzgeber die geistige Gesundheit der Bürger nicht? – Es ist wirklich arg mit der allgemeinen Schutzlosigkeit.

Holst: „Aber darum geht es den Regierenden wohl nicht, sondern es wäre ein Nebeneffekt“ – kurzer Einwurf: Bei aller Hinterfragerei (kritisch!): Es gab einmal Zeiten, zu denen die „Regierenden“ noch als „die Regierung“ bezeichnet wurden – „Die Idee der Cannabis-Legalisierung ist uralt und wurde im Koalitionsvertrag nur deshalb aus dem Hut gezogen, weil 16 Jahre Merkel-CDU vorbei sind und die Republik jetzt noch stärker errötet und ergrünt als vorher schon. Dabei wird die Rechnung jedoch gänzlich ohne einen Blick auf die aktuelle, in vieler Hinsicht schwierige Situation in Deutschland gemacht. Denn es gibt kaum einen schlechteren Zeitpunkt als den jetzigen, um solch einen Plan umzusetzen„. – Ah … ah … ach? So wird es wohl sein. Die „Regierenden“ sitzen voll der Verzweiflung da und jammern sich gegenseitig die Ohren voll wegen der „schwierigen Situation in Deutschland“ und daß sie weder ein- noch aus wissen, obwohl sie doch die Klügsten sind, die lautersten Pläne haben und gaaaanz unbedingt Schaden vom deutschen Volk abwehren … – wollen! Und total erpicht sind sie darauf, nebenher auch noch den Nutzen zu mehren. Sogar geschworen haben sie es, so erpicht sind sie. So wird es wohl sein. Die Regierung sitzt da und denkt daran, sich wegen der ganzen Ausweglosigkeit in der schwierigen Situation, in die sie weiß-der-Geier-wie völlig unabsichtlich hineingeraten ist, den Strick zu nehmen.

Bis einer aufsteht und Worte der Erbaulichkeit an die regierenden Grünenden, Rotenden und Gelbenden richtet: „Ökogenossen, ich hab’s! Wir lassen das mit der Cannabislegalisierung und beenden dafür die Sanktionen gegen Russland in dieser schwierigen Situation, damit wir wieder billiges Gas bekommen.“ – Worauf ihn die anderen mit tränenfeuchten Augen anschauen und resigniert seufzen: „Ach halt doch das Maul, du Idiot. Wir haben eine schwierige Situation und keine Zeit für deine Albernheiten.“

Holst: „Freiheit geht einher mit Verantwortung und funktioniert nur mit einem gewissen Maß an Reife. Solche Qualitäten aber fehlen dem Irrenhaus Deutschland an allen Ecken und Enden.“ – sehr schön. Verbote aller Art sind deswegen nichts anderes als „Gute-Reife-Gesetze“. Und das Cannabisverbot fördert die Reife am allerbesten. Übertreiben soll man es ja mit der Verantwortung auch wieder nicht. Ganz egal, womit die Freiheit einhergeht. Zuletzt „freit“ sich eine gewisse Klientel noch „dicht“. „Dichtfreie“ wären das Letzte, was man in einer „schwierigen Situation“ gebrauchen könnte, die dringend „hinterfragt“ (kritisch!) werden müsste.

Holst: „Wie die Corona-Maßnahmen-Krise (und es war nur eine Maßnahmen-Krise!) gezeigt hat, befinden sich große Teile der Gesellschaft irgendwo zwischen unselbständig und faschistoid; es hapert daran, sich über die tatsächlichen Geschehnisse, beispielsweise rund um die Impfschäden, zu informieren, und mit Blockwartmentalität wurde – beziehungsweise wird immer noch – die Einhaltung von „Corona-Regeln“ kontrolliert.“ – ganz genau. Und exakt so lief es bislang auch mit der Kontrolle der „Cannabis-Regeln“, wenn auch nicht bundeseinheitlich. In Bayern läßt man sich besser mit 5 Kilo Bierhefe erwischen, als mit 5 Gramm Haschisch.

Holst: „Andere Kreise wiederum freuen sich schon auf das ‚Bürgergeld‘, da es das Nichtstun noch weiter erleichtern wird. Arbeiten lohnt sich leider immer weniger, wenn man den geringen finanziellen Abstand zwischen einem harten Tagesablauf im Niedriglohnsektor und der staatlichen Rundumversorgung vergleicht; manch ein Selbstversorger steht sogar noch schlechter da„. – jo. So ist das. Die Arbeitsscheu ist ein arges Übel. Sie führt zu Stellenabbau, Geschäftsschließungen und exponentiell ansteigender Arbeitslosigkeit. Zu Gasmangel führt die Arbeitsscheu auch – und in der Folge dann zur Abwanderung von Produktionsbetrieben. Beispielsweise nach Amerika, wo in einigen Bundestaaten das Cannabisverbot – horribile dictu – aufgehoben wurde. Dumme Amerikaner. Die Arbeitsscheu sollte man auf gar keinen Fall legalisieren angesichts ihrer gräßlichen Folgen in der schwierigen Situation der Regierenden im Hintergrund.

Holst: „Genau jetzt müßte deshalb angepackt werden in Deutschland. Hasch macht jedoch leider phlegmatisch„. – genau. Weg mit der Freizeit! Wochenenden abschaffen! Keine Laschheiten! Zu keiner Zeit! Entspannung ist Gift in der schwierigen Situation! Phlegma macht Smegma hinter der Vorhaut im Untergrund. Fleißig anpacken und waschen statt Cannabislegalisierung. Kampf dem Smegma und dem Phlegma!

Holst über die legendäre „Kurve des Abbaus“: „Zudem ist die Kurve, mit der es abgebaut wird, eine ganz andere als bei Alkohol: Ist man richtig platt, dann ist man das oft auch noch nach 48 Stunden in einigem Maß; also möglicherweise, wenn der Montag naht und zahlreiche Arbeitsplätze ihre Tore wieder öffnen.“ – Na ja, den Begriff „Montagsauto“ gab es schon lange vor der Cannabislegalisierung. Und der Jubel, der in den sozialen Netzwerken regelmäßig einsetzt, wenn wieder Freitag ist, setzt nicht deswegen ein, weil am Samstag die Dichtkifferei losgeht, sondern weil Feuerwehrfest ist. Abgesehen davon stimmt es einfach nicht. Ein Kiffer ist nach dem Joint sehr viel schneller wieder fit als ein Säufer nach dem Gelage.

Holst: „Viele Leute aber peilen ihre Arbeit schon jetzt nicht, beispielsweise, weil sie zu undiszipliniert sind – oder geistig von der Natur nicht gerade gesegnet.“ – das ist traurig. Das ist ja der Grund, weshalb ich mich mit Holsts Artikel auseinandersetze.

Holst: „Ein sehr großer Teil der Menschen geht bereits jetzt keiner Arbeit nach: zu jung, zu alt, zu krank, Flüchtlingsstatus, ausreichend Finanzen im Hintergrund, man kann sich durchtricksen, und so weiter, und so fort. Dreimal darf man raten, ob vermehrter Cannabis-Konsum eher zur Zunahme oder zur Abnahme der arbeitenden Bevölkerung führen wird.“ – ha! Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist hauptsächlich eine, die von der Cannabislegalisierung abhängt? – Sapperlott. Spätestens jetzt hat er sich verraten, der Holst. Er hat keine Drogenerfahrung. Noch nicht einmal mit Haschisch. Der Experte muß nämlich gar nicht dreimal raten: Cannabiskonsum führt zu einer Zunahme bei der arbeitenden Bevölkerung. Der dazugehörige Fachbegriff heißt „Munchies“. „Munchies“ ist ein englischer Slangbegriff für das deutsche „Heißhunger“. Der gemeine Kiffer aus der arbeitenden Bevölkerung entwickelt normalerweise einen gesunden Appetit und verzeichnet bereits nach wenigen Wochen eine deutliche Zunahme. Weswegen man alle dicken Politisierenden in den Altparteien einem THC-Test unterziehen sollte, so lange man sie wegen der noch nicht erfolgten Cannabislegalisierung auf diese Weise loswerden und ihre Führerscheine einziehen könnte. Übrigens: Um die arbeitende Bevölkerung so richtig spitz auf Arbeit zu machen, wäre die Legalisierung von Amphetamin („Speed“) überlegenswert. – Boooah! Die Arbeitsamen würden gar nicht mehr von der Fabrik nachhause gehen wollen, um sich dem Phlegma zu ergeben. Und daheim würden sie das Smegma mit einer Inbrunst und einer Emsigkeit wegrubbeln, daß es eine Art hat mit der Reinlichkeit. Negativer Nebeneffekt allerdings: Deutliche Abnahme bei der arbeitenden Bevölkerung. Überall hochmotivierte Klappergestelle.

Holst: „Haschisch kann außerdem zur psychischen Abhängigkeit führen, die Intelligenz mindern, Ängste und Depressionen fördern, die Entstehung von Psychosen begünstigen und einiges mehr. Weswegen man sich als Konsument selbst beobachten sollte, ob solcherlei Dinge sich ankündigen – in der Hoffnung, daß man noch objektiv dazu in der Lage ist„. – So ist das. Wenn man mit dem Auto gegen den Baum fährt, kann das zu einer tödlichen Holzallergie führen. Kann, könnte, hätte gekonnt. Manche. Das ist die eigentliche deutsche Geisteskrankheit: Weil manche etwas nicht können, weil manche etwas nicht vertragen, weil manche nicht in der Lage sind – darf es vorsichtshalber überhaupt keiner. Nebenbei: Manche können tatsächlich eine psychische Abhängigkeit entwickeln, vor allem bei gentechnisch „geboosterten“ Cannabis-Sorten. Die meisten allerdings selbst dann nicht. Hingegen ist es so, daß der Gewohnheitstrinker nicht nur eine psychische -, sondern eine physische Abhängigkeit vom Alk entwickelt und schwere Entzugserscheinungen hat, wenn er keinen Alk mehr bekommt. Sogar das Zigarettenrauchen hat ein erheblich höheres Abhängigkeitspotential als der Cannabisgenuß. Und generell ist es so, daß das Maß die Verträglichkeit macht.

Holst: „Demgegenüber kursieren Gerüchte über eine angeblich kreativitätsfördernde Wirkung von Cannabis. Diese dienen als Argument für die Freigabe. Da ist jedoch folgendes Selbstexperiment zu empfehlen: Man kiffe sich so richtig dicht, notiere dann die scheinbar so genialen Einfälle oder musikalisch-künstlerischen Eingebungen und nehme sich diese Tage später in nüchternem Zustand erneut hervor. (Wichtig ist natürlich, tatsächlich wieder nüchtern zu werden und nicht wieder den nächsten Joint zu rauchen.) Man wird sehen, daß die Produkte meist zu wenig zu gebrauchen sind und sie lediglich unter Hasch-Einfluß genial erschienen.“ – Erstens: Ich will keine Empfehlungen für Straftaten und Ordnungswidrigkeiten lesen. Wir erstellen hier eine ordentliche und gesetzestreue Publikation. Die Empfehlung, sich so „richtig dicht“ zu kiffen, ist eine Empfehlung, sich die dazu nötigen Mengen an Cannabis zu besorgen. Noch ist das aber nicht legal. Folglich kann es auch nicht empfohlen werden, wenn man sich das einmal nüchtern überlegt.

Zudem ist auch die Aussage über die lediglich eingebildete Kreativität falsch. Es gibt bei der Deutschen Grammophon hervorragende Aufnahmen der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan, deren Qualität sich auch nüchtern feststellen läßt. Karajan hat nach eigenem Bekunden gern einen „Spliff“ geraucht, bevor er ans Dirigentenpult trat. Eine legendäre Scheibe, ein Meilenstein der Musikgeschichte, stammt von „Pink Floyd“ und heißt „The Dark Side Of The Moon“. Es ist völlig ausgeschlossen, daß diese Platte ohne die Drogenerfahrung der Musiker hätte entstehen können. Dabei dürfte es sich nicht nur um Haschisch gehandelt haben, sondern vermutlich auch um LSD. Es gab sogar eine Band mit dem Namen „Sweet Smoke“ in den Siebzigern, die recht erfolgreich Platten bei nüchternen Käufern an den Mann brachte. Und Janis Joplin hat sich nicht zu Tode gekifft, sondern zu Tode gesoffen – und zwar mit „Southern Comfort“. Wer es einmal mit dem „Southern Comfort“ übertrieben hat, wird sich spätestens am nächsten Morgen wünschen, er hätte stattdessen lieber eine „fette Tüte“ geraucht und Fruchtsaft getrunken. Dann könnte er nämlich aufstehen. Malerei: Gerade im Surrealismus gibt es jede Menge Werke, die sicherlich von Drogenerfahrung geprägt sind und die ihre nüchternen Bewunderer haben. Ein großartiger Alkoholiker allerdings war Vincent van Gogh. Der hat sich aber auch ein Ohr abgeschnitten.

Holst: „Zudem stellt sich die Frage, wie es nach einer Cannabis-Legalisierung denn dann in Bezug auf die anderen Drogen weitergehen soll. Da gibt es ja zum Beispiel die schönen Pillchen, durch die man wahlweise ansprechende Halluzinationen und synästhetische Wahrnehmungen bekommt oder aber sehr lange auf der Tanzfläche durchhält. Lediglich bei den härteren Stoffen, die man sich in die Blutbahn spritzt, wird wohl die Zahl der Befürworter einer Legalisierung etwas bescheidener ausfallen (obwohl es reichlich naiv ist, was einige Leute sich heutzutage unter anderem Vorzeichen in die Blutbahn spritzen lassen…)“ – das ist eine Frage, die man im Hinblick auf Legalität und Illegalität resp. Eigenverantwortung, Reife und Staatsaufgaben durchaus stellen kann. Das ist aber ein anderes Thema, denn hier geht es ja um die Cannabislegalisierung. Deshalb ist auch zu unterscheiden zwischen Rauschgiften und Rauschmitteln. Cannabis zählt nicht zu den Rauschgiften sondern zu den Rauschmitteln. Pharmakologisch ist Cannabis sogar zwei Gefährundungsklassen unterhalb von Alkohol eingestuft.

In den Niederlanden ist es mit der Cannabislegalisierung vor über vierzig Jahren und der Verkaufsfreigabe in sog. Coffeeshops gelungen, den Markt für das Rauschmittel vom Markt für das Rauschgift zu trennen. Vorher hatte der „Dealer“ auch die Gifte im Angebot und den potentiellen Kunden bekam er gleich dazu. Nach der Legalisierung kam niemand, der lediglich Cannabis erwerben wollte, noch zwangsläufig mit jenen Dealern in Kontakt, die ihm gern auch Heroin, Kokain, Amphetamin, LSD und den ganzen anderen Kram aus der Chemiefabrik angedreht hätten. Außerdem wurde das Haschisch nicht länger mehr aus Profitgründen „gestreckt“. Vorher war beim „Roten Libanesen“ das Haarfärbemittel „Henna“ als Beimischung üblich, beim „Schwarzen Afghanen“ sogar schwarze Schuhcreme. Zudem sank die Popularität des Cannabiskonsums nach der Legalisierung unter Jugendlichen signifikant. Es wird vermutet, daß mit der Cannabislegalisierung der Reiz des Verbotenen weggefallen war – und damit auch die Eignung, sich über den Konsum als „Rebell“ zu begreifen. Die Niederlande stehen übrigens nach über vierzig Jahren Cannabislegalisierung heute noch.

Holst: „Die Trennlinie zwischen dem erlaubten Tabak und Alkohol auf der einen Seite und den Drogen im engeren Sinne auf der anderen ist seit Jahrzehnten starr, und vielleicht sind wir damit auch ganz gut gefahren. Da kommen mir die Worte in den Sinn, die jemand mir gegenüber zum Thema Drogen vor langer Zeit äußerte: ‚Es muß weiter verboten sein, aber so, daß man an alles drankommt.‘ Übrigens sind Alkohol und Cannabis vom Effekt her grundverschieden: Alkohol bedröhnt, Cannabis führt zum Übergang in eine andere Wahrnehmungswelt.“ – Wenn Alkohol nicht in eine andere „Wahrnehmungswelt“ – ein in sich sehr fragwürdiger Begriff – führen würde, müsste er im Straßenverkehr wohl kaum verboten sein. Übermäßiger Alkoholkonsum führt definitiv in eine andere „Wahrnehmungswelt“, ganz besonders hinsichtlich der Eigenwahrnehmung resp. der Einschätzung eigener Fähigkeiten. Unter Alkoholeinfluß geht meistens die realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten verloren, was beim Cannabisgenuß nicht der Fall ist.

Niederländische Universitäten und diverse Forschungsinstitute haben das anhand der Straßenverkehrsteilnahme unter dem Einfluß von Alkohol bzw. Cannabis untersucht und ihre Ergebnisse vor Jahrzehnten bereits veröffentlicht. Herr Holst könnte sie kennen, wenn er an den Fakten interessiert gewesen wäre. Alkoholkonsum führte bei den Probanden zu einer gefährlichen Selbstüberschätzung, während sich die Cannabiskonsumenten ihrer Einschränkungen durch den Konsum bewußt waren und versuchten, ihr „Handicap“ durch erhöhte Vorsicht auszugleichen. Das läßt sich auch nachvollziehen, ohne daß man diese Studien kennen muß. Hat schon mal jemand bekiffte Randalierer und Hooligans erlebt? – Wohl kaum. Es sind immer Alkoholisierte in ihrer veränderten „Wahrnehmungswelt“, die sich etwa nach Fußballspielen an der öffentlichen Sachbeschädigung erfreuen. Im Übrigen ist noch kein Heerführer der Menschheitsgeschichte auf die Idee gekommen, seine Armeen vor der Schlacht kiffen zu lassen. Außerdem ist es direkt schizophren, zu befürworten, daß alles erhältlich bleiben soll, obwohl es eigentlich verboten bleiben muß. Kein Verbot läßt sich trennen von dem Sachverhalt, welchem es gilt.

Holst: „Grundsätzlich ist der liberale Gedanke hinter der geplanten Cannabis-Freigabe verständlich„. – „Wir danken für Ihr Verständnis“. Trotzdem: Geschenkt. Nicht alles, was verständlich ist, wird auch von jedem verstanden.

Holst: „Es soll hier auch nicht prinzipiell eine liberale Drogenpolitik schlechtgeredet werden. Nur muß so etwas mit einer Fortentwicklung der Gesellschaft und des Individuums einhergehen, und die ist zur Zeit nicht in Sicht.“ – das ist die Verwechslung von Entwicklung mit Fortschritt. Rückschritt wäre nämlich ebenfalls eine Entwicklung fort vom Hier und Jetzt. Wer, bitteschön, sollte entscheiden, wann die „Fortentwicklung der Gesellschaft“ so läuft, daß er sein Placet zur Cannabislegalisierung geben würde? Wofür müsste sich so einer zwangsläufig selbst halten? Offensichtlich wohl für einen Vormund der „die Gesellschaft“. So einer braucht mit „liberalen Gedanken“ gar nicht erst anzufangen. Wenn er es dennoch tut, dann wohl deswegen, weil ihm schwant, was er selber für einer ist – und daß ihm das in den Augen der Anderen nicht unbedingt vorteilhaft zu Gesicht stehen könnte. Ein wohldosiertes Einerseits-Andererseits verpaßt eben auch dem Inkonsistenten den Wohlgeruch von Ausgewogenheit und Mäßigung. Die deutsche Seuche: Was muß ich sagen, damit ich auf Andere in einer bestimmten Weise wirke resp. nicht wirke? Wahrheit ist nichts, Wirkung ist alles. Schluß mit den billigen Tricks aus der Rhetorikkiste.

Holst: „Zudem braucht es flankierende Maßnahmen„. – Es braucht also. Flankierende Maßnahmen. Wer ist „es“? Und der Maßnahmenergreifer soll wieder wer sein? – Der Staat, der Gesetzgeber. Es gibt nicht leicht irgendetwas in Deutschland, bei dem nicht der Ruf nach dem Nannystaat laut werden würde. Es ist diese selbstverschuldete, bereitwillig akzeptierte Unmündigkeit des deutschen Kollektivisten, die ihm alle paar Jahrzehnte das Genick bricht.

Holst: „Viele Jugendliche und junge Erwachsene kommen eben doch nicht zurecht – auch nicht mit der als ‚weich‘ bezeichneten Droge Haschisch. Nicht wenige versacken und kriegen ihr Leben nicht mehr auf die Reihe. Deswegen müssen noch mehr Hilfsangebote als vorher bereitstehen. Davon aber, daß dies geplant sei, hört man nichts.“ – und das ist der endgültige Abschied von der Realität. Wenn „es“ flankierende Maßnahmen brauchen könnte, dann garantiert nicht als allererstes bei einer Cannabslegalisierung. Da fallen mir tausend andere Sachverhalte vorher ein. Flankierende Maßnahmen gegen die emotionale Verwahrlosung, flankierende Maßnahmen gegen die Versexualisierung von allem, flankierende Maßnahmen gegen die Pornographisierung von Kindern und Heranwachsenden, flankierende Maßnahmen gegen die grassierende Lieblosigkeit, flankierende Maßnahmen gegen die Absolutsetzung des Materiellen, flankierende Maßnahmen gegen den Alkoholkonsum, flankierende Maßnahmen gegen einen verblödenden Schulbesuch, flankierende Maßnahmen gegen die kollektive Entgeistigung – aber im Gegensatz zu Holst bin ich der Ansicht, daß das alles Aufgaben wären, welche „die Gesellschaft“ aus sich heraus als „flankierende Maßnahmen“ hervorzubringen hätte, daß es also kulturelle Leistungen zu sein hätten, die da zu erbringen wären – und nicht Aufgaben eines „Nannystaates“, der vom zerebral stinkfaulen Bürger inzwischen begriffen wird als ein Service-Dienstleister, der ihm jeden eigenen Gedanken und jede Sorge abzunehmen hat.

Diese ganze Debatte über eine Cannabislegalisierung ist unter diesem Gesichtspunkt schon für sich genommen mehr als bezeichnend für den vorherrschenden Geisteszustand in jenem Kollektivistenland, in welchem mit der größten Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird, es sei sowieso das Vernünftigste, eine Instanz ständig für die Gesamtheit „denken“ zu lassen. Wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht. Weil ein paar Leute zu schnell in ein Wohngebiet einfahren würden, müssen absolut alle über einen Speedbreaker hoppeln. Mit Vernunft hat das nichts zu tun, mit einer kollektiven Denkfaulheit, einem widerlichen Kollektivisten-Rigorismus hingegen alles.

Hierzulande laufen Fußgänger inzwischen ohne vorher zu schauen vom Gehweg auf den Zebrastreifen, ganz egal, ob sie das das Leben kosten könnte oder nicht. Warum? Weil es für sie so geregelt wurde, daß sie im Recht sind. Das ist keine „Fortentwicklung in der Wahrnehmungswelt“, sondern kulturelle Degeneration. Das ist kultureller Suizid. Niemand kann für irgendetwas selbst etwas. Die anderen sind schuld. „Es“ braucht mehr Vorschriften und Regelungen. Es braucht ständig externe „Verantwortungsnehmer“. In meinem ganzen Leben werde ich nicht begreifen, wie man als Radfahrer, der mit einem Gehirn versehen ist, unter die Hinterräder eines abbiegenden Müll-Lasters geraten kann, um dort sein Leben auszuhauchen. Natürlich muß der LKW-Fahrer sich vergewissern, daß er gefahrlos abbiegen kann. Er wird es auch tun, aber er hat nun eben einmal diesen sogenannten „toten Winkel“ im rechten Außenspiegel. Seine Verantwortung und seine Pflichten garantieren noch nicht das eigene Überleben. Sich den Mund über Sinn und Unsinn einer Cannabislegalisierung fusselig zu reden, hat eine Übersetzung: „Ich glaube, das Volk ist zu blöde für alles.“

Holst: „Vor längerer Zeit besuchte ich eine befreundete Familie in der Schweiz. Dabei wurde der gelegentliche Alkohol- und Cannabis-Konsum des – anwesenden – Sohnemanns thematisiert und von mir eine Stellungnahme dazu erwartet. Ich meinte diplomatisch, entscheidend sei immer, daß man die Aufgaben des Lebens bewältigt kriegt. Wenn man dann manch einem Konsum lediglich ab und zu frönt und ansonsten mit seinen Angelegenheiten vorankommt, kann das eine Bereicherung im Leben sein oder jedenfalls kein Schaden; das müsse man in Eigenregie zu organisieren lernen. Dann rutschte mir spontan der weise Satz heraus: ‚Es gibt eine Zeit zum Arbeiten, und es gibt eine Zeit zum Feiern.‘“ – siehste, es geht doch. Wozu also das ganze Gedöns vorher?

Holst: „Aus ähnlicher Perspektive läßt sich jetzt auf Deutschland blicken. Hier gehen die Dinge derart gründlich schief, daß eine Zeit zum Feiern wirklich nicht ansteht.“ – wer verfügt das? Hätte man der Bordkapelle auf  der Titanic das Musizieren verbieten sollen während das Schiff unterging? Womöglich, weil gerade nicht die „Zeit für erbauliche Weisen“ gewesen ist? Die Cannabislegalisierung hat mit der Tatsache, daß dieses Land im Chaos absäuft, nicht das geringste zu tun.

Holst: „Statt mit dem Gedanken an Drogenlegalisierungen sollte man sich lieber mit den handfesten Herausforderungen befassen. Genannt seien nur die Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Verdummungserscheinungen in der Öffentlichkeit …“ – allerdings. Gerade Letzteres. Mein Motiv für diese Widerrede. – „… indirekte Involviertheit in den Ukraine-Krieg, Probleme mit der Energiesicherheit, Inflation und Armut, das Umgehen mit den Schäden der Corona-Maßnahmen-Krise und vieles mehr.“ – alles richtig. Aber dann: „Wir müssen unsere Zeit als kollektive Aufgabe verstehen„. – jaja, wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht. Was hierzulande jeder Einzelne muß, ist, sich die Unverschämtheiten der „Wir müssen“-Sager nicht länger mehr bieten zu lassen. Das muß er. Das ist eine je individuelle Aufgabe. So viele Individuen es gibt, so viele individuelle und situationsbedingte Widerstandsmöglichkeiten gibt es. Ohne jede Rechenschaftspflicht dem „Kollektiv“ gegenüber. Meine Güte! Es besteht zwar kein Dissens mehr darüber, daß diese Nation multipel gespalten ist, überall werden Krokodilstränen vergossen deswegen, aber „Wir müssen kollektiv“. Wenn ich etwas auf gar keinen Fall muß, dann ist es, mir dieses ubiquitäre „Wir müssen, wir brauchen, wir dürfen nicht“ noch länger bieten zu lassen. Ich bin frei und ich treffe meine eigenen Entscheidungen. Du bist frei und du triffst deine eigenen Entscheidungen.

Holst: „Da liegt jetzt einige Arbeit vor uns. Erst danach läßt sich – als Fernziel – erneut über eine Cannabis-Legalisierung diskutieren. Dann genießen wir das Leben gerne wieder in vollen Zügen.“ – Ich genieße mein Leben so, ein anderer genießt es anders. Wir fügen uns gemeinsam, wir genießen gemeinsam, wir debattieren gemeinsam. Gemeinsam-gemeinsam-gemeinsam. Ich bin du und du bist ich. Die Diskussion als Fernziel in einer „besseren Zukunft“. Wahnsinn. Niemand lebt jetzt? Das ganze Leben dient dem „Fernziel“? Das einzige realistisch zu kalkulierende Fernziel im Leben ist unbestreitbar der Friedhof.  Als ob das „wir“ eine Aussicht auf eine „bessere Zukunft“ hätte, solange sich das „Ich“ nicht endlich von seiner Identifikation mit „Masse“ emanzipiert. Ich bin frei und du bist frei. Das ist unsere einzige Gemeinsamkeit: Wir sind frei. Und wenn „wir“ etwas „müssen“, dann ist das, diese Gemeinsamkeit in Freiheit samt aller Umstände, die sie garantieren, gegen die Anmaßungen verteidigen, mit denen Kollektivisten versuchen, uns dieser Freiheit zu berauben. Das ist so ziemlich das einzige, was „wir müssen“.  – „Kiffen wir uns demnächst alle die Birne dicht?“ – na logisch. Wenn „wir“ es dürfen, dann würden „wir“ das praktisch „müssen-müssen“. Legalisierung heißt schließlich: Du hast keine Wahl mehr. Alle müssen müssen.

Ich brauche keine Debatte über die Cannabislegalisierung. Hierzulande gibt es was-weiß-ich-wieviele Ü-60er, die seit über vierzig Jahren ihren je persönlichen Umgang mit Cannabis gefunden – und überhaupt kein Problem damit haben, die währenddessen gearbeitet haben wie die Tiere, Kinder großgezogen haben, Steuern gezahlt haben daß die Schwarte kracht, die nie kriminell geworden sind, niemanden betrogen, bestohlen oder über den Löffel balbiert haben, die niemandem je etwas Schlechtes tun wollten – die aber seit Jahrzehnten kriminalisiert worden sind von einem Staat, der sich permanent in Dinge einmischt, die ihn schlicht und einfach nichts angehen. Was denn als nächstes? Pilzesammeln im Wald verbieten? Immerhin sterben jedes Jahr ein paar Leute an Pilzvergiftungen, weil sie die falschen gesammelt und schnabuliert hatten. Das würde passen in einem Land, in dem jüngst ein „Experte“ dazu geraten hatte, sich zu merken, wo man sein Auto geparkt hat, ehe man zum Pilzsammeln in den Wald geht. Rettungslos verloren wären wir ohne „unsere Experten“ und ihr „wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht“. Dieses alarmistische Geplärr wegen einer anstehenden Cannabislegalisierung ist ein wesentlich größeres Problem als die Legalisierung selbst. Und zwar ein sehr grundsätzliches.

„Wir“ haben kein Gas? Die Inflation galoppiert? Die Russen sind böse? „Wir“ leben im Wertewesten? Das Bargeld soll abgeschafft werden? Hundert Geschlechter haben unsere Nachkommen? Hübsch ist häßlich und Wahrheit ist Lüge? Meinung ist alles? – Dann lasst uns doch einmal schön gemeinsam im gespaltenen Kollektiv darüber debattieren, ob wir uns eine Cannabislegalisierung leisten können oder nicht. Wir müssen, wir brauchen und wir dürfen nicht. Die Menschen. Eingangs hatte ich das Thema Wahrheit & Mehrheit angerissen. Wahr ist: Die Legalisierungsdebatte ist albern und infantil. Dabei geht es mir gar nicht einmal so sehr um den Gegenstand, sondern viel mehr um die Tatsache, daß eine solche Debatte überhaupt stattfindet. Weil die Tatsache, daß sie geführt wird, einen Geisteszustand markiert, der für sich genommen schon die Ursache sämtlicher deutschen Übel ist. – „Stimmt’s, Mama?“ – „Ja, mein Kind.“

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