Scott Ritter (2007) - Foto: Imago

Faktencheck: Was ist los in der Ukraine?

Von den USA bis nach Finnland ist man sich einig: Die Ukraine muß diesen Krieg gewinnen. Das ist ungefähr so, als würde jemand versuchen, plausibel zu erklären, weshalb der Rollstuhlfahrer Erster beim Hürdenlauf werden muß.

von Max Erdinger

Die finnische MInisterpräsidentin Sanna Marin kennt außerdem noch einen Grund, warum die Ukraine diesen Krieg gewinnen muß. Die junge Frau ist Sozialdemokratin und vermutlich schon als internationale Volkspädagogin zur Welt gekommen. Sie meint, die Ukraine müsse diesen Krieg gewinnen, damit man im Kreml etwas lernt. Was gäbe es zu lernen für den dummen Waldimir Putin (70) nach Ansicht der klugen jungen Frau (37)? – Daß man nicht einfach in ein anderes Land einmarschieren kann und dann auch noch mit einem Sieg dafür belohnt wird. Weil das bloß Appetit auf mehr macht. Da schau her. Dafür sterben sie also wie die Mücken, die jungen Ukrainer und die jungen Russen in einem Verhältnis von 8:1 zu Ungunsten der ukrainischen Todgeweihten? Damit die alten weißen Männer im Kreml etwas lernen. Die junge Frau Marin aus Finnland scheint neben einer klugen Pädagogin auch noch eine richtige empathische Philanthropin zu sein.

Aber sie geht natürlich von zwei völlig verkehrten Voraussetzungen aus. Die erste ist, daß es in Russland irgendwen interessieren könnte, was eine junge und sozilademokratistische Frau aus Finnland den lieben langen Tag zu meinen und zu finden hat – und die zweite ist die, daß Russland die Ukraine „einfach“ so überfallen habe.  Die Vorgeschichte dieses Krieges ist alles andere als „einfach“. Weswegen die Russen auch nicht „einfach“ so in der Ukraine einmarschiert sind. Aber gut: Wer wollte sich schon als internationalen Volkspädagogen begreifen, wenn er nicht davon ausginge, daß die Anderen alle dümmer sind als er selber, weshalb er den Erklärbärenden zu geben habe? – Eben. Gerade in Skandinavien wurde Frauen aus Sanna Marins Generation mit in die Wiege gelegt, daß sie edler und klüger denken und fühlen, als alle anderen Lebewesen des schönen Erdenrunds, den deutschen Schäferhund mit eingeschlossen. Ein unschöner Nebeneffekt für die gesamte westliche Welt ist, daß man den lieben Gott inzwischen auch für eine liebe Göttin halten muß.

Zum Glück gibt es aber Leute, die vom Fach sind und eine solide militärische Ausbildung samt Karriere als UN-Waffeninspekteur hinter sich haben. Eine solche Fachkraft ist der ehemalige US-Marine-Intelligence-Officer Scott Ritter. Der hat die schöne Gabe, sehr einleuchtend erklären zu können, warum die erzieherischen Absichten solcher klugen Ladies wie Frau Marin oder Frau Baerbock nicht die geringste Rolle spielen für die tatsächliche Faktenlage – und daß die Ukraine diesen Krieg auf gar keinen Fall mehr gewinnen wird, weil sie ihn nämlich bereits verloren hat. Und er kennt Beispiele für den politischen Wahnsinn, der dafür verantwortlich gewesen ist, daß trotz eines bereits verlorenen Krieges das tausendfache Sterben weiterging. Eines ist z.B. die Schlacht im Hürtgenwald, die zwischen Oktober 1944 und Februar 1945 ausgefochten worden war, obwohl längst klar gewesen ist, daß der Zweite Weltkrieg für das Deutsche Reich nicht mehr zu gewinnen gewesen war.

Die Lageanalyse

Einen umfassenden Überblick über die Lage lieferte Scott Ritter bei „Redacted“ ab. Seine Analysen lassen sich fortlaufend auch auf seiner eigenen Webseite mitverfolgen. In seiner gestrigen Lageanalyse bei „Redacted“ kam Ritter zu dem Schluß, daß die NATO die Ukrainer im Grunde minütlich schwächt mit ihrer „Unterstützung“. Anlaß seiner Analyse war eine Einlassung des beim WEF in Davos zugeschalteten ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger (99), der dieser Tage behauptete, die Ukraine müsse NATO-Mitglied werden, was einer 180-Grad-Wende gleichkommt. Vor acht Monaten noch hatte Kissinger das exakte Gegenteil behauptet und sogar gefordert, die Ukraine müsse um des lieben Friedens Willen den Donbass an die Russen abtreten. Wie kam es also zu dieser Sinneswandlung? Vor einem knappen Dreivierteljahr hatte der altehrwürdige Herr Kissinger heftig mediale Dresche bezogen für seinen Vorschlag eines ukrainischen Territorialverzichts.  Er schien da wieder etwas gutmachen zu wollen. Aber für wen?

Kissingers Name ist mit einer Firma verbunden, die groß im Geschäft ist, nämlich mit „Kissinger & Associates“. Dort wird viel Geld mit Beratungen und Unterstützung für die ganz großen Kunden verdient, darunter Regierungen und Konzerne – Leuten also, die sich gern in Davos beim Herrn Schwab tummeln. Kissingers Einlassungen von vor sieben oder acht Monaten scheinen Folgen gehabt zu haben für „Kissinger & Associates“, weshalb der alte Kissinger dieser Tage wohl auf die generelle „Westlinie“ zurückschwenkte. Für ihn persönlich ist das egal. Er ist 99 Jahre alt. Aber für die Firma war es eben nicht egal. Das ist wahrscheinlich eine zutreffende Erklärung für Kissingers 180-Grad-Wende.

Sie würde auch schön illustrieren, was das Grundübel des heutigen „Wertewestens“ ist: Die Wahrheit erzählt man tunlichst nur, wenn das keine negativen Folgen für einen selbst, resp. die eigenen Nächsten hätte. Wenn kein Krieg ist, sind deswegen auch die Grünen die „pazifistischen Guten“. Vor allem auf ihren Wahlplakaten. Ist aber Krieg, dann wird sehr schnell klar, wovon es abhängt, ob sich die Grünen leisten können, unter allen Umständen die „pazifistischen Guten“ zu bleiben: Es hängt davon ab, an wessen Fäden sie hängen. Besser als im Ukrainekrieg hätte nicht offenbart werden können, wer die „Master’s Voice“, also das „Herrchen“ der Grünen tatsächlich ist. Die völlige Schamlosigkeit, mit der die Grünen heute das exakte Gegenteil von dem tun, was sie im Wahlkampf ’21 propagiert hatten, korrespondiert ganz trefflich mit der Wendung von Henry Kissinger. Der „Wertewesten“ opfert die Wahrheit seit langem für mehr oder weniger individuell-materialistische Nützlichkeitserwägungen von Mächtigen, die sich das leisten zu können glauben. Für philosophische Weitsicht spricht das nicht. Allerweil sieht es fast danach aus, als würde sogar der Untergang des kollektiven Westens samt seiner behaupteten Werte riskiert, weil einige Zeitgenossen – etliche davon in Davos vertreten – einen je persönlichen Nutzen darin erkennen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Anders ist die politsch und medial verbreitete Darstellung der militärischen Faktenlage in der Ukraine kaum zu erklären. Es handelt sich wohl um eine Mischung aus Hoffnung & Kurzsichtigkeit.

Scott Ritter beschreibt die Lage in der Ukraine aber schonungslos. Weswegen er inzwischen auch fast vom Hass erschlagen wird, der ihm von seinen einstigen „Arbeitgebern“ entgegengebracht wird. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß ein einst „guter Mann“ wie Ritter, der immerhin UN-Waffeninspekteur geworden war, auf einmal ein „schlechter Mann“ geworden sein könnte, nur, weil er die gängigen und präferenzutilitaristischen Narrative des Mainstreams nicht länger mehr bedienen will. Wie sieht es also aus in der Ukraine, wenn man berücksichtigt, daß einem in den Westmedien erzählt wird, was diese aus ihrem materiellen Eigeninteresse heraus gefälligst zu kolportieren haben, unabhängig davon, ob es wahr ist oder nicht?

Es ist dramatisch

Scott Ritter vergleicht das, was aus Davos und von anderswo an Äußerungen kommt, mit einem Treffen der Titanic-Besatzung nachdem der Eisberg bereits gerammt wurde. Bei diesem Treffen wird dann behauptet, daß der Eisberg keinerlei Relevanz habe und daß man einfach nur unbeirrt weiter bis nach New York  fahren müsse. Wassereinbrüche und das Sinken des Schiffs („Aaalter, wos a Klimawandel! Der Meeresspiegel steigt!“) werden ignoriert und der Befehl ausgegeben, einfach so weiterzumachen wie vor der Kollision mit dem Eisberg. Im gegenständlchen Fall ist aber Russland der Eisberg. Russland hat Fakten geschaffen, die sich nicht dadurch ändern, daß man sie leugnet oder ignoriert. Das einzige, was derzeit noch geht, ist nach Scott Ritter, das Leiden der Ukrainer zu verlängern. An einen ukrainischen Sieg sei nicht im entferntesten mehr zu denken. Der US-amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin sei eigentlich im März resp. im April 2022 aus Versehen recht ehrlich gewesen, als er feststellte, es gehe gar nicht darum, daß die Ukraine den Krieg gewinnt, sondern darum, Russland zu schwächen.

Nebenbei: Scott Ritter steht ebenfalls auf jener „Kill-Liste“ von „Myrotvorets„, auf der schon Roger Waters (Pink Floyd) zu finden ist – und Gipfel der Deutlichkeit – inzwischen auch der vormalige ukrainische Präsidentensprecher Oleksii Arestovych. Trotz „Myrotvorets“ gilt im Wertewesten jedoch die Parole, daß die Ukraine kein Faschistenproblem habe. Eine subjektiv nützliche Parole zweifellos, aber eben auch eine dahergelogene. Der erste von drei Gründen, die „Myrotvorets“ dafür angab, Scott Ritter als russischen Propagandisten und Feind der Ukrainer zu bezeichnen, war, daß er es gewagt hatte, den Ukrainekrieg als einen Proxykrieg der USA gegen Russland zu benennen, für welchen Ukrainer wie Vieh zur Schlachtbank geführt werden. Pikant: Es war der ukrainische Verteidigungsminister, der vor wenigen Tagen die exakt identische Aussage machte.

Scott Ritter: Es war von Anfang an ein Proxykrieg. Nach bald einem Jahr Krieg in der Ukraine sei es umso erstaunlicher, daß noch immer das Narrativ aufrechterhalten wird, es ginge irgendwem um die Ukraine und die Ukrainer – und das, obwohl das eigentliche Ziel, nämlich die Schwächung Russlands, weiter entfernt liege als je zuvor. Allein die 2022er-Einnahmen aus Energieexporten lägen in Russland um 28 Prozent über denen des Vorjahres. Das Bruttoinlandsprodukt in Russland sei auch nicht – wie beim WEF behauptet – um sechs Prozent gefallen, sondern um lediglich zwei Prozent. Die Inflationsrate liege bei einem Drittel dessen, was Europäer gerade hinzunehmen haben. Die russische Wirtschaft laufe auf allen Töpfen. Sogar in Kriegszeiten unter Sanktionsbedingungen gelinge es dort, den Ausstoß der Kriegswaffenproduktion zu erhöhen. Außerdem werde das russische Militär in den kommenden drei Jahren auf eine Truppenstärke von 1,5 Millionen Mann anwachsen, während die NATO schon Probleme dabei habe, ihre Truppen im Baltikum auf Brigadestärke zu bringen. Russland sei in Bezug auf das langfristige Strategiedenken dem kollektiven Wertewesten mit seiner NATO meilenweit voraus.

Im Augenblick sei die Rekrutierung weiterer 300.000 Mann auf russischer Seite abgeschlossen. Sie seien jederzeit gefechtsbereit. Mit einer russischen Großoffensive sei deshalb auch jederzeit zu rechnen. Wenn sich die Briten damit brüsten, endlich die Lieferung von 14 Challenger II-Panzern an die Ukraine beschlossen zu haben, dann sei das aus mehreren Gründen lächerlich. Der ukrainische Verteidigungsminister hatte von mindestens 300 benötigten Panzern gesprochen und von 500 weiteren militärischen Fahrzeugen. Auch mache ein Patriot-System das Kraut nicht fett, kein britischer, kein deutscher und auch sonst kein Panzer, ganz egal, wie sie heißen. Mit dem amerikanischen Abrams-Panzer könnten die Ukrainer ohne umfassende Ausbildung ohnehin nichts anfangen, die Bradley-MIlitärfahrzeuge seien ebenfalls bereits in die Jahre gekommen – und überhaupt könne der kollektive Westen die Ukraine nicht länger mehr wie im bisherigen Umfang mit Kriegsgerät beliefern, weil er dadurch a) – allmählich selbst wehrlos werden würde und b) – die Produktionskapazitäten nicht vorhanden sind, um das exportierte und in der Ukraine zerstörte (oder weiterverkaufte)  Gerät schnell genug zu ersetzen. Außerdem sei das meiste des gelieferten Geräts inkompatibel mit den Beständen der ukrainischen Armee, so daß es auch nicht sinnvoll in eine militärische Generalstrategie zu inkorporieren sei, schon unter dem Gesichtspunkt der gerätetechnischen Kommunikation nicht. Bei den Russen hingegen sei jedes Kriegsgerät auf jedes andere abgestimmt.

Der Krieg in der Ukraine sei für den kollektiven Westen verloren, so Ritter, und zwar ganz unabhängig von dem, was bestimmte Leute in Davos erzählen. Es stelle sich also die Frage, weshalb er weiter fortgeführt wird. Soldar wurde eingenommen, als nächstes ist Bakhmut an der Reihe, ein wichtiger ukrainischer Verkehrsknotenpunkt, der deswegen auch unter enormen Verlusten verteidigt wurde, ohne daß es etwas an seiner Einnahme ändern wird. Inzwischen häufen sich auch Meldungen aus der ukrainischen Armee selbst, denen zufolge es an allem mangelt, vom Nachtsichtgerät bis zu Waffen und Munition. Selenskyj und die Seinen hätten die eigene Armee inzwischen mindestens so sehr zu fürchten wie die russische. Am Montag, dem 16. Januar 2023 gab inzwischen sogar CNN – das propagandistische Maul der US-Demokraten –  schon zu, daß die Ukraine nur noch mißbraucht wird als Testgelände zur Erprobung westlicher Waffen unter realen Gefechtsbedingungen.

Ukraine Testbed CNN
Die Ukraine als Testgelände westlicher Waffenentwickler – Screenshot YouTube/Redacted

Gefragt, ob das die ukrainische Zukunft sei – ein ganzes Land als Truppenübungsplatz – antwortete Ritter sarkastisch, das sei nicht der Fall. Zwar sei das der gegenwärtige Status des Landes, aber seine Zukunft sei die eines Friedhofs. Der Krieg sei eigentlich gelaufen. Das einzige, was noch übrig sei, seien Tod und Zerstörung. Jeder Militäranalyst könne das anhand eines Beispiels illustrieren. Bereits im März 1943, nach dem die Schlacht um Stalingrad verloren war für die Deutschen, hätte jeder sehen können, daß sich das Kraftmoment in diesem Krieg dauerhaft auf die russische Seite verlegt hatte. Damit hätte der Krieg in Russland zu Ende sein können. Spätestens nach der Schlacht von Kursk im September 1944 („Unternehmen Zitadelle“) sei das unwiderlegbar bewiesen gewesen. Und dennoch ging der Krieg weiter. Heute das gleiche in grün. Jedem klar denkenden Militärstartegen im Westen (Colonel Douglas Macgregor z.B.) sei klar, daß es nichts mehr gibt, um die Ukraine militärisch zu retten.

Die ukrainische Wirtschaft sei „Toast“. Es gibt kein Wirtschaftswachstum. Die Infrastruktur sei weitgehend zerstört, das Energienetz dysfunktional geworden. Sogar wenn der Krieg schlagartig aufhören würde, wäre die Ukraine auf Jahre hinaus ein hoffnungsloses Wrack. Es sei auch nicht dieser Winter, vor dem die Ukrainer die größte Angst hätten, sondern der nächste. Die Ukraine lebt substantiell von den Geldtransfusionen aus dem Westen. Es stelle sich die Frage, wie lange das noch so weitergehen kann angesichts der desaströsen Lage, in welcher sich die EU-Wirtschaft selbst befindet. Auch im US-Kongress unter der neuen republikanischen Führung sei nicht zu vermeiden, daß sich zunehmend mehr Amerikaner fragen, was das soll, der Ukraine Milliarden und Abermilliarden für nichts und wieder nichts in den Rachen zu werfen, während die Hurricane-Opfer in Florida weder mehr ein noch aus wissen. Die deutsche Analogie:  Das Ahrtal. Jedenfalls, so Ritter, sei der Tag nicht mehr weit entfernt, an dem die Amerikaner kollektiv ausrufen würden, genug sei genug – und daß sie nicht länger mehr Willens seien, einen „failed state“ wie die Ukraine mit seinem megakorrupten Regime durchzufüttern.

Leider könne die UKraine noch immer Kriegspersonal rekrutieren, wenn auch meist nur alte Männer und Jugendliche, was sehr an den deutschen Volkssturm erinnere, das letzte und völlig sinnlose Aufbäumen des Führerstaates gegen das Unausweichliche. Allein schon der Gedanke, das Patriot-System in ungenügender Zahl an die Ukraine zu liefern, um es dort erneut unter Gefechtsbedingungen zu testen, sei wahnsinig, weil überflüssig. Dieses System habe seine Untauglichkeit erstmals 1991 unter Beweis gestellt, dann erneut im Irak 2003 – und zwar unter der Bedienung durch dafür Ausgebildete – und im Jahr 2023 soll dieses System auf einmal zur Wunderwaffe in den Händen von Leuten werden, die mindestens 5 Monate Training bräuchten, um es überhaupt fehlerfrei bedienen zu können? Scott Ritter fragt, was sich politisch Verantwortliche eigentlich denken, die einen solchen Unsinn medial verbreiten lassen. Zumal Putin bereits gesagt habe, daß ihm egal sei, wie die Waffen heißen, die vom Westen in die Ukraine geliefert werden. Sie hätten nämliche alle eine Gemeinsamkeit: Sie brennen alle auf dieselbe Weise. Vierzehn Challenger II-Panzer aus Großbritannien für eine der größten Landschlachten, welche die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen habe. „Soll das ein Witz sein?„, will Ritter wissen. Die Überlebensdauer dieser Panzer in der Ukraine liege bei exakt Null. Der ukrainische Verteidungsminister Zalushny erhält nicht einmal annähernd die Anzahl an Panzern und Infanteriefahrzeugen, die er für notwendig hält, um den Russen etwas effektives entgegenzusetzen. Und dann komme noch dazu, daß es bei den in unzureichender Zahl gelieferten Panzern, Waffen und Fahrzeugen eine ganze Reihe typspezifischer Wartungsprobleme gebe, weil die Ersatzteilversorgung für sich genommen schon ein Problem darstellt. Im Grunde schwäche die NATO mit ihren Waffenlieferungen die ukrainische Armee sogar. MIlitärisch und ausrüstungstechnisch betrachtet wären die Ukrainer besser dran, wenn sie sich überall auf der Welt altes sowjetisches Gerät dazukaufen könnten, das sich sowohl integrieren als auch reparieren läßt. Nur: Davon hätte der militärisch-industrielle Komplex in den USA gar nichts. Deshalb plädiert im Westen auch niemand dafür.

Alles in allem gebe es sowohl aus militärstrategischen als auch aus humanitären Überlegungen heraus nicht den geringsten Grund für den Westen, diesen Krieg zu verlängern. Russland habe ihn bereits gewonnen, kämpfe aber eben so lange weiter, wie er nicht beendet wird. Aber auch das wird nichts ändern. Nach dem letzten Schuß wird Russland auf jeden Fall als Sieger dastehen. Wer das von der Ukraine retten will, was überhaupt noch zu retten ist – es wird von Tag zu Tag weniger – der dringt jetzt auf einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen, nicht erst später.

Die Reden westlicher Politiker samt ihres transatlantischen Mediennetzwerks – auch die Reden beim WEF in Davos -, so Scott Ritter, seien von der Realität so weit entfernt wie die Sonne vom Mond. Es stellt sich also die Frage, wer die Begünstigten ihrer Reden sein sollen. Die Ukrainer und die westlichen Steuerzahler sind es jedenfalls nicht. Die Russen sowieso nicht – jedenfalls nicht beabsichtigt. Es steht der Verdacht im Raum, daß sich die Verantwortlichen für den Kollaps des Westens samt und sonders Zeit erschleichen wollen, um sich nicht den unausweichlichen Konsequenzen ihrer Fehlkalkulationen stellen zu müssen in der Hoffnung, es möge noch ein Wunder geschehen. Es wird aber keines geben. Und solange sie die Zeit noch haben, auf ein Wunder zu hoffen, werden sie alles unternehmen, denjenigen zu entmachten, dessen Urteil sie sich eigentlich zu stellen hätten: Den freien demokratischen Souverän. Damit wäre dann die Themensetzung von Davos 2023 auch ganz plausibel erklärt. Dort geht es kaum noch um etwas anderes als die totale Entmündigung des vermeintlichen „Westwertlers“ oder „Wertewestlers“. Das darf diesen narzisstischen Egomanen in ihrem Wahn vom eigenen Welterziehungsauftrag auf gar keinen Fall gelingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Themen

Junge Wähler wählen AfD (Bild: shutterstock.com/ Von Bihlmayer Fotografie)
AfD
Brisant
Corona
Deutschland
Gender
International
Islam
Justiz
Klima
Brisant
Gesundheit
Brand (Symbolbild: shutterstock.com/Von Gorb Andrii)
Migration
Satire
Aktuelles
Politik
EU